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Von der Redaktion: Vorwort zur Ausgabe "Lebensmittelhandel"

Russland-Analysen Demographie (21.12.2022) Analyse: Die demographische Entwicklung Russlands Dokumentation: Russlands Volkszählung 2021 Interview: "Großer Schock für die Bevölkerungsentwicklung und den Arbeitsmarkt" Analyse: Sterblichkeit russischer Soldaten in der Ukraine: Sterben Angehörige ethnischer Minderheiten wirklich häufiger? dekoder: Ilja Jaschin: "Ich muss in Russland bleiben" Russland-China (12.12.2022) Analyse: Grenzen einer "unbegrenzten Freundschaft". Russlands Krieg gegen die Ukraine und die Neujustierung der russisch-chinesischen Beziehungen Kommentar: China und Russland: In Opposition vereint dekoder: Bystro #35: China und Russland – eine antiwestliche Allianz? Memorial / Filtration / Verhandlungen (08.12.2022) Kommentar: Zur aktuellen Lage von Memorial International Kommentar: Bremen als Ort der Andersdenkenden Interview: Aber wir sind am Leben…! Dokumentation: Das Archiv von Memorial – Evolution und Evakuierung Analyse: "Filtration": System, Ablauf und Ziele Dokumentation: Bericht von Human Rights Watch zu den Filtrationslagern Kommentar: Keine Verhandlungen um jeden Preis Kommentar: Verhandlungslösung? Sanktionen (05.12.2022) Analyse: Wirtschaftliche Entwicklung durch Rückschritt – zu den Perspektiven der russischen Volkswirtschaft Analyse: Rückkehr zu Realität IT-Industrie (14.11.2022) Analyse: Die Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf die russische IT-Industrie Chronik: Anmerkung zur Chronik ab dem 01. März 2022 Die Linke in Russland / Rückzug der Gesellschaft (28.10.2022) Analyse: Die Linke in Russland und der Krieg in der Ukraine dekoder: Warum gehen Russen so ergeben an die Front Dokumentation: Pressemitteilungen zum Telefonat zwischen Wladimir Putin und Olaf Scholz Chronik: Anmerkung zur Chronik ab dem 01. März 2022 Lebensmittelhandel (26.09.2022) Von der Redaktion: Vorwort zur Ausgabe "Lebensmittelhandel" Analyse: Russlands Getreidehandel mit dem Nahen Osten und Nordafrika Analyse: Der Handel mit agrarischen Lebensmitteln zwischen den Vereinigten Staaten und Russland Analyse: Chinesisch-russische Annäherung in den Handelsbeziehungen im Bereich agrarischer Lebensmittel Analyse: Russlands Handel mit agrarischen Lebensmitteln: Die Eurasische Dimension Analyse: Russlands Rolle im internationalen Handel mit Fisch und Meeresprodukten Chronik: Anmerkung zur Chronik ab dem 01. März 2022 Wissenschaftsfreiheit (15.07.2022) Analyse: Russische Wissenschaft und der Krieg in der Ukraine Kommentar: Der Krieg in der Ukraine: Positionen und die Zukunft der russischen Universitäten Analyse: Akademische Unfreiheit Statistik: Wissenschaftsfreiheit in Russland (Daten von Scholars at Risk und Varieties of Democracy (V-Dem)) Analyse: Die Zerstörung der akademischen Freiheit und der Sozialwissenschaften in Russland Dokumentation: Der Bologna-Prozess in Russland nach Beginn des russisch-ukrainischen Krieges Dokumentation: Erklärung der Russländischen Rektorenkonferenz Dokumentation: Russlands Wissenschaftler*innen protestieren – Offene Briefe gegen den Krieg Dokumentation: Wissenschaftskooperation mit Kolleg*innen aus Russland und Belarus Regimedynamiken (20.06.2022) Analyse: Wladimir Putin – Führer, Diktator, Kriegsherr Analyse: Krieg, Protest und Regimestabilität Analyse: Die politische Ökonomie der Abfallwirtschaft in Russland dekoder: "Fast noch mehr von der Realität abgekoppelt als Putin selbst" dekoder: Bystro #34: Können Sanktionen Putin stoppen? Chronik: 23. – 29. Mai 2022 Emigration, Exil, Flucht (16.05.2022) Analyse: "Emigration mit Verantwortung": Die Aktivitäten russischer demokratisch orientierter Migrant:innen und ihre Reaktionen in der EU auf Russlands Krieg gegen die Ukraine Dokumentation: Evakuierung 2022: Wer ist wegen des Krieges in der Ukraine aus Russland emigriert, und warum? Erste Forschungsergebnisse von OK Russians Kommentar: Emigration im Jahr 2022: Schule der Demokratie für russische Geflüchtete Analyse: Brücke zum "anderen Russland" Russische Exilgruppen brauchen neue staatliche und private Förderprogramme Kommentar: Die Schrecken des Krieges und deren demografische Folgen für Russland Notizen aus Moskau: Ausgeschlossen Chronik: 17. – 24. April 2022 Deutschland und der Krieg (04.05.2022) Kommentar: Abschied vom Wolkenkuckucksheim. Deutschlands langsamer Wiedereintritt in die Weltpolitik Kommentar: Es war nicht alles falsch! Oder doch? Kommentar: Deutschlands Selbstbild – ein Kollateralschaden des Krieges? Kommentar: Der russisch-ukrainische Krieg und die Zukunft Europas Kommentar: Russlands Krieg gegen die Ukraine und die deutsche Erinnerungskultur Kommentar: Frieden und Sicherheit für die Ukraine und Europa entstehen nicht am Reißbrett des Westens Kommentar: Kommunikationsstrategien im Krieg: Andrij Melnyk und Vitali Klitschko Kommentar: Deutschland in den russischen staatsnahen Medien Steuerung der öffentlichen Meinung / Sanktionen (21.04.2022) Analyse: Narrative russischer staatlicher Medien über Corona-Impfstoffe im Westen Analyse: Was denken gewöhnliche Russ:innen wirklich über den Krieg in der Ukraine? Analyse: Festung Russland: Völlig verloren im wirtschaftlichen Sanktionskrieg, tiefe Wirtschaftskrise unausweichlich Analyse: Zwischen Katastrophe und harter Bruchlandung Kommentar: Wirtschaftliche Aufarbeitung der Ukraine-Invasion und Reparationen Chronik: 14. – 18. März 2022 Sicherheitspolitik (21.03.2022) Analyse: Sichtbare Entfremdung. Der Blick auf Russland im Sicherheitsradar 2022 Analyse: Die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit in der russischen Außen- und Sicherheitspolitik Analyse: Militärmanöver: Scheinschlachten oder Vorboten des Krieges? Kommentar: Der geplante Krieg dekoder: Russisch-kasachisches Win-win dekoder: Krieg oder Frieden Chronik: 28. Februar – 06. März 2022 Kosaken / Ukraine-Krieg als Produkt des politischen Systems (08.03.2022) Von der Redaktion: Niemand hätte es für möglich gehalten und doch ist es passiert Analyse: Geschichte der Beziehungen der Kosaken zum Kreml dekoder: Von Löwen und Füchsen Chronik: 21. – 27. Februar 2022 Politische Rhetorik des Präsidenten und der Staatsduma (15.02.2022) Editorial: Politische Rhetorik des Präsidenten und der Staatsduma Kommentar: Die sozialen Sorgen der Bevölkerung in der politischen Rhetorik Kommentar: Das Verhältnis zwischen dem Zentrum und den Regionen in der Rhetorik des russischen Präsidenten und der Staatsduma Kommentar: Nationalitätenpolitik: Russländische Nation versus russisches Volk? Kommentar: Russland entdeckt die Energiewende: Ein Sonderweg zur Dekarbonisierung? Kommentar: Die Ukraine in der Rhetorik russischer Präsidenten und der Staatsduma Chronik: 17. Januar 2022 – 29. Januar 2022 Aufmarsch an der Grenze der Ukraine (22.02.2022) Von der Redaktion: Aufmarsch an der Grenze der Ukraine Kommentar: Die Minsker Vereinbarungen als Chance? Kommentar: (Keine neuen) Erkenntnisse gewonnen Kommentar: Alles auf Status. Russlands riskantes Kriegsspiel mit (in) Europa Kommentar: Russlands Motive Kommentar: Die Gründe für Russlands Vorschläge Kommentar: Würde Putin vom eigenen Volk für eine Invasion in die Ukraine abgestraft werden? Kommentar: Kriegsoptimismus im Russland-Ukraine-Konflikt: Grund zum Pessimismus? Kommentar: Desinformation: ein hoch aktuelles Konzept aus dem letzten Jahrhundert Kommentar: Die Russland-Ukraine Krise: Wo steht Deutschland? Kommentar: Russlands Passportisierung des Donbas: Von einer eingeschränkten zu einer vollwertigen Staatsbürgerschaft? Kommentar: Die OSZE-Sonderbeobachtermission in der Ukraine: Wunsch und Wirklichkeit Umfragen: Meinungsumfragen zu den Spannungen zwischen Russland und der Ukraine Chronik: 01. – 20. Februar 2022 Wirtschaftsbeziehungen im Fernen Osten (24.01.2022) Analyse: Die Bedeutung des russischen Fernen Ostens für die Asien- und Pazifik-Politik Russlands Chronik: Covid-19-Chronik, 06. – 24. Dezember 2021 Chronik: 06. Dezember 2021 – 15. Januar 2022

Von der Redaktion: Vorwort zur Ausgabe "Lebensmittelhandel"

Linde Götz

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Linde Götz (IAMO) erklärt in einer kurzen Einleitung, wie der Krieg gegen die Ukraine sich in den Kontext des Lebensmittelhandels mit Russland einordnen lässt.

Getreidefrachter wird an der Anlegestelle des Wolgograd-Speichers direkt verladen. (© picture-alliance/dpa, Dmitry Rogulin/TASS)

Mit der Invasion Russlands in der Ukraine am 24. Februar 2022 kam der Handel mit Agrargütern und Nahrungsmitteln der Ukraine als auch Russlands über die Häfen am Schwarzen Meer, einschließlich der Binnenhäfen am Asowschen Meer, zum Erliegen. Während die Exporttätigkeit über die russischen Häfen am Schwarzen Meer, insbesondere über den Tiefseehafen Noworossijsk, wenige Wochen später wieder in Gang kam, blieben die ukrainischen Häfen, insbesondere der für den Agrarhandel wichtigste Hafen von Odessa, weiterhin geschlossen.

Die Ergebnisse der Anstrengungen zur Einrichtung alternativer Exportrouten mit der Eisenbahn über die Häfen der EU-Länder zum Weltmarkt haben deutlich gemacht, dass die ukrainischen Häfen, und gerade der Hafen Odessa, die Achillesferse des ukrainischen Getreidesektors sind. Damit die Ukraine weiterhin als einer der wichtigsten internationalen Getreidelieferanten erhalten bleibt und somit ihre Rolle für die globale Ernährungssicherheit erfüllen kann, ist es entscheidend, dass ihr Zugang zu den Weltmärkten über ihre Häfen am Schwarzen Meer gesichert ist.

Das auf Vermittlung der UN und der Türkei im Juli 2022 zustande gekommene Getreideabkommen zwischen der Ukraine und Russland ermöglicht der Ukraine seit Anfang August wieder Getreide über eigene Häfen am Schwarzen Meer auf die Weltmärkte zu exportieren. Den Prognosen des Landwirtschaftsministeriums der USA (USDA) entsprechend wird die Ukraine in 2022/23 etwa 20,5 Mio. Tonnen Weizen produzieren und davon 11 Mio. Tonnen exportieren, vorausgesetzt die ukrainischen Häfen bleiben geöffnet. Dies entspricht ca. 60 % der durchschnittlichen ukrainischen Weizenexporte der letzten Jahre.

Die Getreidewirtschaft Russlands hat in den letzten Wochen eine Rekordernte von 91 Mio. Tonnen Weizen eingefahren, welche ein Exportpotential von 42 Mio. Tonnen birgt (so das USDA in einem Bericht vom September 2022). Dies würde einem Anteil von 20 % an den Weltweizenexporten entsprechen. Der Agrarhandel mit Russland, einschließlich des Handels mit Saatgut, Pflanzenschutzmitteln, Düngemitteln und Landtechnik ist von den westlichen Sanktionen ausgenommen. Die großen multinationalen Agrarhandelsunternehmen, mit einem Anteil von ca. 30 % des russischen Getreideexportgeschäfts, haben bestätigt, sich weiterhin im russischen Agrarexport zu engagieren. Ebenfalls werden Unternehmen aus westlichen Ländern den Handel mit Vorprodukten für die Agrarproduktion mit russischen Unternehmen fortsetzen.

Jedoch ist die russische Agrarexportwirtschaft als Folge des Ukraine-Kriegs mit einigen Herausforderungen konfrontiert. Zum einen haben als Folge der Aufwertung des Rubels, welche im Kontext der westlichen Sanktionen steht, die russischen Agrarexporte an Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten eingebüßt. Zum anderen lassen kriegsbeding stark gestiegene Risiken des Schiffstransports im Schwarzen Meer die Transportkosten zum Teil prohibitiv ansteigen, welche die russischen Getreideexporte dämpfen. Auch wird berichtet, dass einzelne Importeure im Handel mit russischem Weizen westliche Exportunternehmen gegenüber russischen Unternehmen präferieren.

Hinzu kommen Bestrebungen der Importländer, die Resilienz ihres Nahrungsmittelangebots durch Diversifizierung des Imports und Regionalisierung der Produktion zu stärken. So hat die staatliche Importorganisation Ägyptens (GASC), welche in den letzten Jahren bis zu 60 % ihres Getreides aus Russland und 20 % aus der Ukraine importierte, im August 2022 substantielle Getreidemengen aus Frankreich, Bulgarien und Rumänien akquiriert. Darüber hinaus haben stark von Getreideimporten abhängige Länder, wie beispielsweise auch Ägypten und Indonesien, Programme zur Steigerung der heimischen Produktion aufgelegt.

Internationale Unternehmen müssen sanktionsbedingt ihre geplanten Investitionen in den russischen Agrarsektor auf Eis legen. Auch die Investitionsmöglichkeiten der inländischen Unternehmen werden durch die westlichen Sanktionen eingeschränkt. Daher ist es fraglich, ob es Russland gelingen wird, sein zusätzliches Agrarexportpotenzial zu erschließen.

Dennoch, die jüngsten Preisabschläge des russischen Weizens lassen nun ein weiteres Ansteigen der russischen Exporte erwarten. Und es ist klar, angesichts der Ukraine-Kriegs und der gegenwärtigen globalen Nahrungsmittelkrise ist es umso wichtiger, dass Russland weiterhin als großer Exporteur auf den internationalen Agrar- und Nahrungsmittelmärkten seinen Beitrag zur globalen Ernährungssicherheit leisten kann.

Die vorliegende Ausgabe Nr. 423 "Lebensmittelhandel" der Russland-Analysen bietet hierzu einen vielfältigen Einblick in den russischen Agrar- und Nahrungsmittelhandel. Maximilian Heigermoser, Linde Götz und Tinoush Jamali Jaghdani beginnen in der ersten Analyse mit der Entwicklung von Russlands Getreidehandel mit den Ländern im Nahen Osten und Nordafrikas. Die Gegenüberstellung des Wandels des bilateralen Handels agrarischer Lebensmittel zwischen Russland und den USA und dessen Umbruch im politischen Verhältnis stehen im Zentrum der Analyse von Stephen K. Wegren. Jiayi Zhou liefert eine Einordnung des allmählichen Anstiegs des chinesisch-russischen Agrarhandels bei geopolitischen Spannungen mit dem Westen. Rilka Dragneva bietet einen Überblick über den Nahrungsmittelhandel Russlands mit den Partnerländern der Eurasischen Wirtschaftsunion. In der abschließenden Analyse dieser Ausgabe konzentriert sich Frode Nilssen auf die Rolle Russlands im internationalen Handel mit Fischen und Meeresfrüchten.

Linde Götz, Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)

Fussnoten

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