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Dokumentation: Mehr als nur Waffenruhe: Die Ukraine braucht dringend einen Schutz für Aktivist*innen und eine De-Okkupation (Erklärung der Kyjiwer Gespräche) | Ukraine-Analysen | bpb.de

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Dokumentation: Mehr als nur Waffenruhe: Die Ukraine braucht dringend einen Schutz für Aktivist*innen und eine De-Okkupation (Erklärung der Kyjiwer Gespräche) Ukraine-Analyse Nr. 265

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Im Süden der Ukraine ist zu beobachten, wie Russland versucht, ein Besatzungsregime zu installieren. Für Aktivist:innen, die sich für einen demokratischen Kurs der Ukraine engagieren, herrscht akute Gefahr.

Eine Aktivistin in Lviv hält eine ukrainische Flagge während einer Kundgebung zur Unterstützung von Mariupol und fordert die NATO auf, den Luftraum über der Ukraine zu schließen. (© picture-alliance, Mykola Tys)

Herausgeber der Länderanalysen

Die Ukraine-Analysen werden von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH gemeinsam herausgegeben. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb veröffentlicht die Analysen als Lizenzausgabe.

Seit drei Wochen herrscht in der Ukraine der russische Angriffskrieg. Putins Ziel ist die Zerstörung der ukrainischen Nation und ihrer Demokratie. Im Süden des Landes (Cherson, Berdjansk, Melitopol, Wolnowacha, Nova Kachowka) beobachten wir, wie Russland versucht, ein Besatzungsregime zu installieren. Trotz der massiven Proteste der lokalen Bevölkerung plant der Kreml ein "Referendum" über die Gründung einer "Chersoner Volksrepublik" abzuhalten.

In Melitopol haben die russischen Besatzer am 11.03.22 den Bürgermeister Externer Link: Iwan Fedorow, der Widerstand leistete, festgehalten und in den bereits seit 2014 nicht mehr ukrainisch-kontrollierten Teil des Gebiets Luhansk verschleppt. An seiner Stelle wurde die Putin-treue "Bürgermeisterin" Galyna Danylchenko eingesetzt. Informationen über Verschleppungen von Aktivist*innen und Journalist*innen erreichen uns aus verschiedenen Orten und Städten.

Deutschland hat in den letzten acht Jahren aktiv den Demokratisierungsprozess, Reformen und Zivilgesellschaft in der Ukraine unterstützt. Die Kyjiwer Gespräche waren im Jahr 2021 u.a. in der Region Saporischschja, zu der auch Melitopol und Berdjansk gehören, aktiv. Damit tragen wir in der heutigen Situation auch Verantwortung für die Sicherheit und das Leben von ukrainischen Aktivist*innen.

Besonders akute Gefahr besteht für alle Personen, die sich auch in internationalen Partnerschaften für den demokratischen Kurs der Ukraine engagiert haben. Internationalen Presseberichten zufolge haben russische Geheimdienste "Erschießungslisten" von Personen erstellt: Mitglieder der Zivilgesellschaft, demokratische Politiker*innen, Bürgerrechtler*innen, Jurist*innen, Antikorruptions- und LGBT-Aktivist*innen, kritische Journalist*innen und Akademiker*innen.

Wir appellieren an die Bundesregierung: Setzen Sie alle Ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen ein, um eine sichere Evakuierung der akut gefährdeten Personen aus der Ukraine zu ermöglichen. Setzen Sie die russische Führung mit deutlichen Sanktionen unter Druck, um eine sofortige Freilassung von Iwan Fedorow und anderen Verschleppten zu erwirken.

Es ist extrem wichtig zu verstehen: Eine Waffenruhe alleine schützt die Ukrainer*innen nicht. Alle Gebiete der Ukraine, in die Russland gewaltsam eingedrungen ist, müssen dringend de-okkupiert werden. Alles andere bedeutet für die Bevölkerung die ständige Gefahr von Terror und Tod.

Wir fordern die deutsche Politik auf, auf allen Ebenen auf eine schnellstmögliche De-Okkupation aller besetzten Gebiete der Ukraine einzuwirken - zum Beispiel durch schnelle und ausreichende Waffenlieferungen und ein Embargo gegen Gas- und Ölimporte aus der Russischen Föderation.

Ein Verzicht auf Territorium und damit die Preisgabe der Bürger*innen sollte von der ukrainischen Regierung nicht erwartet werden. Angesichts des brutalen Vorgehens der russischen Streitkräfte ist es wichtig zu verstehen, dass alle Personen, die sich in den besetzten Gebieten aufhalten, rechtlos der Willkür der russischen Geheimdienste und Sicherheitskräfte ausgesetzt sein werden.

Quelle: Kyjiwer Gespräche, 16.03.2022, Externer Link: https://www.kyiv-dialogue.org/de/news/newsreader/erklaerung-mehr-als-nur-waffenruhe-die-ukraine-braucht-dringend-einen-schutz-fuer-aktivistinnen-und-eine-de-okkupation.html.

Fussnoten

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