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Analyse: Demografie im Krieg: Flucht, Fertilität und Mortalität | Ukraine-Analysen | bpb.de

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Analyse: Demografie im Krieg: Flucht, Fertilität und Mortalität Ukraine-Analysen Nr. 332

Ella Libanowa

/ 9 Minuten zu lesen

Der Krieg verschärft die demografische Krise der Ukraine durch Flucht, Geburtenrückgang und gestiegene Sterberaten dramatisch, analysiert Ella Libanowa.

(© picture-alliance, Anadolu | Danylo Antoniuk)

Zusammenfassung

Die Ukraine hat in den ersten Jahren ihrer Unabhängigkeit sieben Millionen Menschen verloren. Die Geburtenzahlen liegen seit Anfang der 1960er Jahre unter der Reproduktionsrate. Der seit 2014 andauernde Krieg Russlands gegen das Land hat die demografische Krise verschärft. Die Geburtenzahlen sind weiter zurückgegangen, die Sterblichkeit, insbesondere von Männern, ist gestiegen. Im Jahr 2022 sind Millionen junger Frauen mit ihren Kindern ins Ausland geflüchtet, und je länger der Krieg dauert, desto unwahrscheinlicher wird ihre Rückkehr. Hinzu kommt der Bevölkerungsverlust durch die Besatzung. Insgesamt ist die Bevölkerung seit 2014 um zehn Millionen Menschen zurückgegangen. Eine Umkehr des Trends ist nur durch Zuwanderung möglich.

Herausgeber der Länderanalysen

Die Ukraine-Analysen werden von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH gemeinsam herausgegeben. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb veröffentlicht die Analysen als Lizenzausgabe.

Die Bevölkerung der Ukraine geht seit Anfang der 1990er Jahre zurück. Russlands Angriffskrieg hat diesen Trend verschärft. Die Wurzeln des Rückgangs liegen jedoch tiefer. Die Geburtenziffern sind in der Ukraine seit Anfang der 1950er Jahre fast kontinuierlich zurückgegangen, seit 1963 ist die einfache Reproduktion nicht mehr gewährleistet. 1991 lag die Zahl der Todesfälle erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg über jener der Geburten. In den Jahren 1991 und 1992 kompensierte die Einwanderung von Ukrainern aus den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion den natürlichen Bevölkerungsrückgang. Doch seit 1993 geht die Bevölkerung stetig zurück.

Zu der niedrigen Fertilitätsrate und der hohen Mortalität, insbesondere unter Männern im erwerbsfähigen Alter, kommt die massenhafte Abwanderung von Ukrainern, die sich im Ausland bessere Lebensperspektiven erwarten. Allein zwischen 1993 und 2013 ging die Bevölkerung der Ukraine von 52,2 auf 45,4 Millionen Menschen zurück. Das sind 6,8 Millionen Menschen in zwanzig Jahren, ein jährlicher Bevölkerungsrückgang von ca. 340.000 Personen (Abb. 1).

Abb. 1: Gesamtbevölkerung der Ukraine, in Mio. (ab 2014 ohne besetzte Gebiete)

Seit Russland im Jahr 2014 die Krym annektiert und Teile der Gebiete Donezk und Luhansk besetzt hat, werden die dort lebenden Menschen nicht mehr in der Statistik erfasst. Die offiziell ausgewiesene Bevölkerung ging vor allem aus diesem Grund um 6,4 Millionen Menschen zurück. In den folgenden sieben Jahren verlangsamte sich der Bevölkerungsrückgang trotz der erhöhten Sterblichkeit während der Covid-19-Pandemie. Zwischen 2014 und 2021 verlor die Ukraine pro Jahr durchschnittlich rund 230 000 Personen. Insgesamt ging in diesen sieben Jahren die Bevölkerung auf dem unter ukrainischer Kontrolle stehenden Territorium um 1,6 Millionen Menschen zurück.

Nach Russlands Großangriff 2022 brach die Bevölkerungszahl der Ukraine dramatisch ein. Über sechs Millionen Menschen verließen das Land. Zudem werden die in den von Russland besetzten Gebieten im Osten und Süden des Landes verbliebenen Menschen nicht mehr erfasst. Im Januar 2023 wurden in der Bevölkerungsstatistik 4,8 Mio. weniger Menschen ausgewiesen als ein Jahr zuvor, im Januar 2024 weitere 875.000 weniger. Schätzungen auf der Grundlage von Daten der drei größten Mobilfunkanbieter (Kyivstar, Vodafone und Lifecell) sowie behördlicher Daten kommen derzeit auf eine Bevölkerungszahl von rund 31,5 Millionen auf dem von Kyjiw kontrollierten Gebiet.

Modellrechnungen zur langfristigen demografischen Entwicklung, die die Trends von 1993 bis 2013 fortschrieben, hatten für den Jahresanfang 2024 eine Bevölkerung von rund 41,5 Millionen Menschen prognostiziert. Die demografischen Verluste infolge der Aggression Russlands – durch Besatzung und kriegsbedingte Migration – beliefen sich demnach Anfang 2024 auf etwa zehn Millionen Menschen. Hinzu kommt, dass aufgrund dieses Bevölkerungsverlusts die Zahl der in der Ukraine geborenen Kinder zurückgeht. Zudem ist die Sterblichkeit durch den Krieg massiv gestiegen. Nicht nur werden Soldaten und Zivilisten getötet. Auch die anhaltende Stressbelastung und die Einschränkung der medizinischen Versorgung in frontnahen Gebieten haben gesundheitliche Folgen, die sich in den Sterbezahlen widerspiegeln.

Auch die Altersstruktur der Bevölkerung wird sich verändern. Die genauen Auswirkungen sind unklar, da auf der einen Seite vor allem junge Frauen mit Kindern das Land verlassen haben, auf der anderen Seite der Anstieg der Sterblichkeit nicht nur Männer im wehrfähigen Alter betrifft, sondern auch betagte Menschen. (Abb. 2).

Abb. 2: Altersstruktur der ukrainischen Bevölkerung 2014 und 2023 (in tausend)

Geburtenentwicklung

Die Geburtenzahlen sind in der Ukraine seit den 1960er Jahren zu gering, um eine einfache Reproduktion der Bevölkerung sicherzustellen. In Städten lagen sie sogar bereits Anfang der 1950er Jahre unter dem für die Reproduktion benötigten Niveau. Seit 1993 ist dies auch in ländlichen Regionen der Fall. Im Jahr 1991 betrug die Geburtenrate pro Frau nur noch 1,8 auf das gesamte Land gesehen, bis Jahr 2013 ging sie weiter auf 1,5 und bis 2021 sogar auf 1,2 zurück. In den Jahren 2023 und 2024 betrug sie nur noch 0,9 (Abb. 3).

Grund für den weiteren Rückgang in den Kriegsjahren sind allgemeine Unsicherheit und wachsende Zukunftsängste. Dies zeigt sich u. a. daran, dass der Anteil der Erstgeborenen an der Gesamtzahl der Neugeborenen zurückgegangen ist. Im Jahr 2020 waren 42,6 Prozent der geborenen Kinder Erstgeburten, 2024 nur noch 38,8 Prozent (Externer Link: https://phc.org.ua/monitoring-i-statistika/meddata).

Man kann davon ausgehen, dass nach einer Einstellung der Kampfhandlungen die Geburtenrate wieder steigen wird. Höhere Raten als ca. 1,5 sind jedoch allenfalls dann zu erreichen, wenn der Staat die Leistungen für Familien mit Kindern erhöht, mehr frühkindliche Betreuung anbietet und flexible Arbeitszeitmodelle bietet. Um den Bevölkerungsrückgang mittelfristig zu stoppen, müsste jedoch eine Geburtenrate von ca. 2,5 erreicht werden. Dies ist nach momentanem Stand der Dinge sehr unwahrscheinlich.

Abb. 3: Geburtenrate 1991–2024; Abb. 4: Zahl der Neugeborenen, 1991–2024 (in tausend)

Die Zahl der Neugeborenen ist seit der Unabhängigkeit der Ukraine kontinuierlich gesunken. 1991 wurden 630.800 Kinder geboren, im Jahr 2013 nur noch 503.700, acht Jahre später 272.000, im ersten Kriegsjahr 206.000 und 2024 nach Schätzungen des Ptucha-Instituts nur noch 176.700. Der Einbruch um nahezu 70.000 Geburten im Jahresvergleich 2021/2022 wird langfristige Spuren im Altersaufbau der Bevölkerung hinterlassen. Der Krieg wird demografische Nachwirkungen haben, die mit jenen vergleichbar sind, die der Holodomor der Jahre 1932–1933, der Zweite Weltkrieg und der Umbruch der 1990er Jahre hinterlassen haben.

Mortalität

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen lag in der Ukraine im Jahr 2019 um 10,1 Jahre höher als die von Männern. In Deutschland beträgt der Unterschied 4,6 Jahre, in Polen 7,4. Der Krieg hat die Sterberate in der Ukraine im Allgemeinen und die von Männern im Besonderen zweifellos erhöht. Es fehlen jedoch belastbare Daten; nicht einmal die Gesamtzahl der Getöteten ist bekannt, geschweige denn deren Alter und Geschlecht. Daher kann weder der zu erwartende Rückgang der durchschnittlichen Lebenserwartung noch der Anstieg der Sterbewahrscheinlichkeit in einzelnen Altersgruppen genau beziffert werden. Die Analyse ist auf Schätzungen angewiesen, die auf indirekten Daten beruhen.

Im Jahr 2019 wurden in der Ukraine 581.100 Sterbefälle registriert, in den Jahren der Covid-Pandemie 2020 und 2021 waren es 616.800 beziehungsweise 714.300. Da im Jahr 2022 die Gesamtzahl der statistisch erfassten Menschen durch die Besatzung zurückging, wurden in diesem Jahr auf dem von Kyjiw kontrollierten Territorium der Ukraine auch weniger Todesfälle als in den Vorjahren registriert. Offiziell erfasst wurden 541.300 Sterbefälle (Abb. 5). Die tatsächliche Zahl dürfte weitaus höher liegen. Aussagekräftiger sind Schätzungen zur durchschnittlichen Lebenserwartung. Sie basieren auf Modellrechnungen, in die auch offenen Quellen entnommene Zahlen zu den gefallenen Soldaten einfließen. Im Jahr 2022 lag die so errechnete Lebenserwartung bei nur noch knapp 65 Jahren. Ein Jahr zuvor hatte sie noch bei rund 70 Jahren gelegen. Der anhaltende Krieg hat die Lebenserwartung weiter sinken lassen – auf nur noch 63,6 Jahre im Jahr 2024.

Abb. 5: Zahl der Verstorbenen, 1991–2025 (in tausend); Abb. 6: Durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung, 1991–2024 (in Jahren)

Abb. 7: Geburtenrate, Sterberate und natürliche Bevölkerungsentwicklung (ohne Migration), 1950–2023

Migration

Nach Russlands Überfall auf die Ukraine flohen mehrere Millionen Menschen aus dem Land. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass sich Anfang 2026 knapp sechs Millionen Staatsbürger der Ukraine kriegsbedingt außerhalb ihres Herkunftslands aufhielten, davon 5,3 Millionen in Europa (UNHCR: Operational Data Portal. Ukraine Refugee Situation, Externer Link: https://data2.unhcr.org/en/situations/ukraine). In den 27 Staaten der Europäischen Union sind es rund 4,2 Millionen (Eurostat: Beneficiaries of temporary protection at the end of the month by citizenship, age and sex-monthly data, Externer Link: https://ec.europa.eu/eurostat/databrowser/view/migr_asytpsm__custom_10559172/default/table?lang=en). Diese Zahl hat sich seit 2023 kaum verändert. Bezogen auf die von Kyjiw kontrollierten Gebiete hält sich fast ein Fünftel der Menschen im erwerbsfähigen Alter im Ausland auf.

Abb. 8: Zahl der Geflüchteten aus der Ukraine in der EU, Monatsende, August 2022–Juni 2025 (in tausend)

Zwei Drittel dieser Menschen hielten sich Anfang 2026 in vier Ländern auf: Deutschland (1.196.600), Polen (992.00), Tschechien (378.400) und Spanien (239.900). Besonders problematisch für die Zukunft der Ukraine ist, dass mehr als 2,1 Millionen Kinder und Jugendliche das Land verlassen haben, alleine unter den in der EU registrierten Geflüchteten sind 1.327.900 Kinder und Jugendliche (Tab. 1). Zum Vergleich: Auf dem von Kyjiw kontrollierten Territorium leben 5,5 Millionen Minderjährige. Kehren diese jungen Menschen nicht in die Ukraine zurück, hat dies langfristige Auswirkungen auf die Altersstruktur und die Reproduktionsfähigkeit der Gesellschaft sowie auf das wirtschaftliche Potenzial des Landes.

Tabelle 1: Personen mit Flüchtlingsstatus und/oder temporärem Schutz in den EU-Ländern nach Alter und Geschlecht (Angaben in tausend)

Tabelle 2: Alters- und Geschlechtsstruktur der ukrainischen Kriegsflüchtlinge in den EU-Ländern (in %)

Die Alters- und Geschlechtsstruktur der ukrainischen Kriegsflüchtlinge unterscheidet sich in den Aufnahmeländern deutlich (Tab. 2). Ins Auge fällt der hohe Anteil von Kindern und jungen Menschen in Polen: fast 70 Prozent der dort registrierten ukrainischen Kriegsflüchtlinge sind jünger als 35 Jahre. In Deutschland und Italien liegt der Anteil bei rund 50 Prozent. Entsprechend liegt der Anteil der Menschen im höheren erwerbsfähigen Alter (35–64 Jahre) in Deutschland mit rund 40 Prozent höher als in Polen (27 Prozent). Am höchsten ist er in Tschechien mit 40,2 Prozent. Der Anteil der über 65-Jährigen ist in Italien mit 9,5 Prozent am höchsten.

Je länger der Krieg andauert, desto weniger Menschen werden nach einem Waffenstillstand in die Ukraine zurückkehren. Gerade Menschen, die in Ländern Fuß gefasst haben, in denen das Lebensniveau deutlich höher ist als in der Ukraine, werden nicht zurückkehren. Auch die geografische Entfernung der Aufnahmeländer von der Ukraine spielt eine Rolle. Dies zeigte sich während der Covid-Pandemie, als weltweit viele Arbeitsmigranten in ihre Heimatländer zurückkehrten. In die Ukraine kehrten fast ausschließlich Menschen zurück, die zuvor in Polen gelebt hatten.

Nicht unerheblich ist das Risiko, dass es nach einem Ende der Kampfhandlungen zu einer zweiten großen Migrationswelle kommt. Wenn das Kriegsrecht und damit auch die Ausreisebeschränkungen für Männer aufgehoben werden, stellt sich für viele Familien die Frage, ob die Lebensbedingungen in der Ukraine eine Rückkehr der Frauen und Kinder erlauben – oder ob die Männer ihren Frauen und Kindern ins Ausland folgen. Ein entscheidender Faktor wird die Migrationspolitik der Europäischen Union sein. Werden die EU-Staaten die Ukrainer als wichtige Ressource auf dem Arbeitsmarkt betrachten und versuchen, sie von einer Rückkehr abzuhalten? Oder werden sie mit der Aufhebung des Kriegsrechts in der Ukraine auch die aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen ändern, die den Zustrom von Menschen aus der Ukraine seit Februar 2022 ermöglicht hat?

Demografische Perspektiven

Die Bevölkerung der Ukraine wird weiter zurückgehen. Die ohnehin niedrigen Geburtenzahlen, die während des Krieges zudem stark eingebrochen sind, haben Auswirkungen über mehrere Generationen. Wenn die geburtenschwachen Jahrgänge in das reproduktionsfähige Alter kommen, wird dies zu einem weiteren Geburtenrückgang führen, wenn nicht die Geburtenrate stark steigt.

Selbst wenn es gelingen sollte, einen Großteil der Menschen, die die Ukraine nach Russlands Überfall verlassen haben, zu einer Rückkehr zu bewegen, ist die Altersstruktur der Bevölkerung bereits so ungünstig, dass eine einfache Reproduktion der Generationen nicht mehr möglich ist. Sollten die gegenwärtig besetzten Gebiete wieder befreit werden, wird die statistisch erfasste Gesamtbevölkerung der Ukraine wieder steigen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass ein Teil der Bewohner dieser Gebiete, insbesondere jene, die aktiv mit den Besatzungsbehörden kooperieren, nicht in der Ukraine bleiben würde.

Ein massiver Zuzug von Migranten aus dem Ausland könnte der ungünstigen demografischen Entwicklung entgegenwirken. Damit es zu einem Zustrom junger Menschen im reproduktionsfähigen Alter kommt, bedürfte es eines dynamischen Wiederaufbaus, für den viele Arbeitskräfte benötigt werden. Diese werden auch deswegen benötigt, weil durch die kriegsbedingte Abwanderung qualifizierter Personen und der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Gesamtbevölkerung die volkswirtschaftliche Produktivität zurückgegangen ist. Gerade im aktiven Segment der Bevölkerung, also unter jenen, die sich für ihr Umfeld und ihr Land engagieren, sind die Verluste besonders hoch. Hinzu kommen die zusätzlichen Belastungen für die Sozialversicherungssysteme durch die beschleunigte Alterung, was den Druck auf die erwerbstätige Bevölkerung erhöht. Sinkt der Anteil junger Menschen, geht zudem die Innovationsfähigkeit, Mobilität und Anpassungsfähigkeit einer Gesellschaft zurück, umgekehrt steigt der Anteil von Menschen, die von staatlicher Unterstützung abhängig sind und potenziell auch paternalistische Einstellungen hegen.

Auch wenn sich aus demografischer Sicht derzeit ein eher düsteres Bild ergibt, so sind doch die Informationen noch lückenhaft und viele Faktoren offen. Erst wenn vollständige Informationen über die Zahl der Gefallenen, ihr Alter und Geschlecht sowie über zivile Opfer in frontnahen und besetzten Gebieten vorliegen, lässt sich ein genaueres Bild zeichnen. Und viel wird von der Migrationspolitik und dem Migrationsverhalten der Ukrainer abhängen: Kehren die Geflüchteten und Ausgewanderten zurück, verlassen nach Aufhebung des Kriegsrechts noch mehr Menschen das Land – und welche Menschen sind es, die sich für den einen oder anderen Weg entscheiden. Und auch der Rückgang der Geburtenrate ist zwar ein langfristiger, durch den Krieg beschleunigter Trend, jedoch keine irreversible Entwicklung.

Aus dem Ukrainischen von Anna Guminska, Berlin

Der Beitrag erschien in der OSTEUROPA 11-12/2025. Wir danken der OSTEUROPA-Redaktion und der Autorin für die Erlaubnis zur Nachnutzung.

Fussnoten

Weitere Inhalte

Prof. Dr. Ella Libanowa ist Direktorin des Ptucha-Instituts für Demografie und Sozialforschung der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine in Kyjiw. Sie forscht zu Demografie, Armut, sozialer Ungleichheit und dem Arbeitsmarkt.