Themen Mediathek Shop Lernen Veranstaltungen kurz&knapp Die bpb Meine Merkliste Geteilte Merkliste PDF oder EPUB erstellen Mehr Artikel im

Analyse: Vier Jahre nach Kriegsbeginn. Wie entwickelt sich die Integration ukrainischer Geflüchteter in Deutschland? | Ukraine-Analysen | bpb.de

Ukraine Demografie / Ukrainische Flüchtlinge in Deutschland und Europa (18.05.2026) Analyse: Demografie im Krieg: Flucht, Fertilität und Mortalität Lesetipp: Härtetest. Die Ukraine in Zeiten des Kriegs Analyse: Vier Jahre nach Kriegsbeginn. Wie entwickelt sich die Integration ukrainischer Geflüchteter in Deutschland? Statistik: Situation ukrainischer Geflüchteter in Deutschland Analyse: Zwischen Integration und Rückkehr. Ukrainische Geflüchtete in der EU Statistik: Ukrainische Geflüchtete in Europa Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik 40 Jahre Tschornobyl (24.04.2026) Analyse: Zwischen imperialer Katastrophe und nationaler Resilienz: die ukrainische Kernenergie 40 Jahre nach Tschornobyl Statistik: Atomkraftwerke in der Ukraine Umfragen: Einstellung der Bevölkerung zu Kernenergie Kommentar: Tschornobyl und der Krieg Kommentar: Russland nutzt das nukleare Katastrophenpotenzial von Tschernobyl aus Kommentar: Vierzig Jahre danach: Wie die ukrainische Zivilgesellschaft mit Tschornobyl umgeht Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Die OSZE und Friedenssicherung in der Ukraine / Dokumentation: Friedensverhandlungen (25.03.2026) Kommentar: Lehren aus der OSZE Special Monitoring Mission (SMM) für eine mögliche Friedenssicherung in der Ukraine Kommentar: Auf alle Eventualitäten (nicht) vorbereitet: Die OSZE und ein mögliches Ende des russischen Krieges gegen die Ukraine Analyse: Jenseits hochrangiger Diplomatie: Die OSZE und innergesellschaftlicher Dialog in der Ukraine Dokumentation: Friedensverhandlungen Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Spenden und Wohltätigkeit (09.03.2026) Analyse: Crowdfunding in Kriegszeiten: Eine Analyse der größten Spendenkampagnen der Ukraine Statistik: Spendenverhalten Analyse: Spenden- und Wohltätigkeitsaktivitäten ukrainischer Oligarchen im Krieg Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Kriegsgeschehen / Verhandlungen (24.02.2026) Analyse: Donbas im Fokus, Saporischschja im Blick: Die militärische Entwicklung des russisch-ukrainischen Krieges in 2025 und ein Ausblick auf 2026 Statistik: Besetztes Staatsgebiet der Ukraine (24.02.2022 – 22.02.2026) Kommentar: Wie sich der russisch-ukrainische Krieg 2026 entwickeln könnte Analyse: Russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur – Trends und Ausblick Statistik: Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur Kommentar: Verhandlungen Russland-Ukraine-USA: Theater für Trump? Kommentar: Europa im Dilemma: Ukraine-Gespräche zwischen den USA und Russland Kommentar: Das Pokerface des Kremls Kommentar: Wie können Sicherheitsgarantien für Kyjiw aussehen? Die Illusion einer „Rückversicherungstruppe“ in der Ukraine Dokumentation: Die wichtigsten Verhandlungsführer im Kurzportrait Chronologie: Hinweis auf die Online-Chronik 20 Jahre Ukraine-Analysen / Aktuelle Lage in Gesellschaft und Politik (10.02.2026) Editorial: Editorial: 20 Jahre Ukraine-Analysen Analyse: Die gesellschaftliche Stimmung in der Ukraine nach vier Jahren Vollinvasion Kommentar: Von der Machtvertikale zur Troika? Die ukrainische Innenpolitik im Umbruch Kommentar. Beziehungsstatus: kompliziert. Wie sich Washingtons „strategische Unklarheit“ auf die Beziehungen zur Ukraine auswirkt Kommentar: EU-Beitritt im Eilverfahren – Sonderweg auf der Suche nach Frieden? Dokumentation: Rede von Präsident Wolodymyr Selenskyj beim Weltwirtschaftsforum in Davos Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Journalistische / soziale Medien und Krieg (21.01.2026) Analyse. Zwischen Krieg und Prekarität: Die Lage von Medien, Journalistinnen und Journalisten in der Ukraine Dokumentation. Truth Hounds, Reporters Without Borders: The Russian Strikes on Ukrainian Hotels Silencing the Press Analyse. Vertrauen, Popularität und die Rolle von Telegram in Kriegszeiten Umfragen. Nutzung journalistischer und sozialer Medien in der Ukraine (2024/25) Chronik. Hinweis auf die Online-Chronik Umweltfolgen des Krieges und nachhaltige Transformation im Agrarsektor (15.12.2025) Analyse: Satellitenbilder enthüllen große Kriegsschäden in den ukrainischen Wäldern Analyse: Empirische Einblicke in die Bereitschaft des ukrainischen Agrarsektors zur Umsetzung des Farm Sustainability Data Network Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Korruption: Skandale, Bekämpfung, Proteste (27.11.2025) Analyse: Angriff auf die ukrainische Korruptionsbekämpfungsinfrastruktur Analyse: Verfahren ohne Ende. Wie Tausende Korruptionsfälle in der Ukraine ergebnislos bleiben Kommentar: Am Scheideweg - Korruption und der Kampf um die Zukunft der Ukraine Kommentar: Der ukrainische Staat im Ausnahmezustand - Zentralisierung, Machtkampf und der Versuch institutioneller Selbstreinigung Kommentar: Die ukrainische Zivilgesellschaft hält stand Kommentar: Jung, weiblich, erfolgreich - Die Proteste im Sommer 2025 für die Unabhängigkeit der Antikorruptionsbehörden Dokumentation: Berichte der EU-Kommission, der OECD und der ukrainischen Zivilgesellschaft zum Stand der Korruptionsbekämpfung in der Ukraine Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Drohnenkrieg (17.11.2025) Analyse: Drohnenkrieg in der Ukraine: Das Zusammenspiel von High- und Low-Tech Dokumentation: Zeitleiste der Evolution ukrainischer FPV-Drohnen Statistik: Produktion und Einsatz von Drohnen Dokumentation: Angriffe russischer Drohnen auf die ukrainische Zivilbevölkerung entlang des Dnipro Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Russlands Krieg gegen die Ukraine und Kriegsverbrechen (03.11.2025) Editorial: Einleitung der Gastherausgeberin Analyse: Kriegsverbrechen vor Gericht: Braucht es ein Sondertribunal für das Verbrechen der Aggression? Analyse: Kriegsverbrechen im Visier der ukrainischen Strafjustiz Analyse: Modernisierung des ukrainischen Strafprozessrechts zum Umgang mit Kriegsverbrechen Kommentar: Hindert die mangelhafte rechtliche Bewältigung sowjetischen Staatsunrechts die Ukraine bei der Aufarbeitung von Kriegsverbrechen? Kommentar: Folter als Methode in Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine Kommentar: Ökozid in der Ukraine: Verbrechen oder Kollateralschaden? Kommentar: Rettungskräfte im Fadenkreuz: Russlands gezielte „Double-Tap“-Angriffe auf Notfalleinsätze Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Persönliches Wohlbefinden und Glück (10.10.2025) Analyse: Das subjektive Wohlbefinden in der Ukraine im Wandel Analyse: Wie der Krieg sich auf Glück und Lebenszufriedenheit in der Ukraine auswirkt Umfragen: Das subjektive Wohlbefinden der ukrainischen Bevölkerung Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Hochschulbildung und Krieg (02.07.2025) Analyse: Von der Revolution zur Resilienz: Die Transformation des ukrainischen Hochschulsektors in Zeiten von Krise und Krieg Analyse: Wissenschaftsfreiheit und Herausforderungen ukrainischer Wissenschaftler:innen in Kriegszeiten Analyse: Von Burnout bis Breakdown: Zur psychischen Gesundheit ukrainischer Wissenschaftler:innen in Kriegszeiten Karte: Beschädigte und zerstörte Universitäten Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Widerstand und Besatzung (12.06.2025) Analyse: Ϊ – Ze Ukrajina! Zum Widerstand in den besetzten Gebieten Analyse: „Eine Schule der Korruption“: Illegale Finanzen in den von Russland besetzten Gebieten Dokumentation: Kurzzusammenfassungen ausgewählter Berichte zur aktuellen Lage in den von Russland besetzten Gebieten Karte: Das von der Russischen Föderation besetzte ukrainische Territorium (Stand: 12.06.2025) Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Lehren aus den Minsker Abkommen (05.06.2025) Analyse: Lehren aus den Minsk-Verhandlungen für die Beilegung des aktuellen Krieges Analyse: Das Minsk-Abkommen von 2015 – zehn Lehren für 2025 Umfragen: Einstellungen der ukrainischen Bevölkerung zu den Minsker Vereinbarungen sowie zu möglichen Friedensverhandlungen Dokumentation: Lesetipps: Lehren aus den Minsker Abkommen Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Wahlen im Krieg? (20.05.2025) Analyse: Hürden und Herausforderungen für Wahlen in der Ukraine Analyse: Warum Wahlen in der Ukraine den Russisch-Ukrainischen Krieg nicht beenden können Dokumentation: Statement of Ukrainian Non-Governmental Organizations on the Impossibility of Holding Democratic Elections without the Sustainable Peace Umfragen: Einstellung der ukrainischen Bevölkerung zu Wahlen im Krieg Chronik: Hinweis auf das Online-Angebot Arbeitsmarkt / Wirtschaftsentwicklung (11.04.2025) Analyse: Der ukrainische Arbeitsmarkt in Kriegszeiten Statistik: Kennzahlen für den Arbeitsmarkt Umfragen: Selbsteinschätzung der materiellen Lage Analyse: Wirtschaftsentwicklung weiterhin durch Krieg gebremst Statistik: Wirtschaftskennziffern Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Rüstungsindustrie (25.03.2025) Analyse: Wovon die ukrainische Rüstungsindustrie lebt und was ihr Wachstum behindert Interview: Die europäischen Staaten müssen die Ärmel hochkrempeln, mit dem Jammern aufhören und ihre Forderungen stellen Dokumentation: US-amerikanische Unterstützung der Ukraine mit Schwerpunkt auf Militärhilfe Kommentar: Europas Rüstungsindustrie im Stresstest: Warum die Unterstützung der Ukraine stockt Dokumentation: Rüstungsindustrie in Europa Dokumentation: Konflikt zwischen Verteidigungsministerium und Rüstungsbeschaffungsbehörde / Korruption in der Rüstungsbeschaffung Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Kriegsgeschehen / Friedensverhandlungen (24.02.2025) Analyse: Das Jahr 2024 aus militärischer Sicht: Von Awdijiwka über Pokrowsk bis Kursk Statistik: Militärische Entwicklung in Grafiken und Zahlen Analyse: Welche Strategie verfolgt der russische Luftkrieg gegen die Ukraine und wie kann man Städte und zivile Infrastruktur besser schützen? Analyse: Verringern die russischen Angriffe auf zivile Ziele die Unterstützung der ukrainischen Bevölkerung für die Fortsetzung des Krieges? Kommentar: Frieden à la Trump? Drei Probleme und zwei Szenarien Kommentar: Ohne Sicherheitsgarantien bedeutet das "Einfrieren des Krieges" ein zweites "München 1938" Kommentar: Die Ukraine und Europa stehen mit dem Rücken zur Wand Kommentar: Stellen die USA und Russland die Ukraine und Europa beim Friedensprozess aufs Abstellgleis? Dokumentation: Rede von Wolodymyr Selenskyj auf der Münchener Sicherheitskonferenz 2025 Dokumentation: Wirklich ein "Diktator ohne Wahlen"? Zur Legitimität und Popularität des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Lesehinweis: Friedensverhandlungen: Quellen, Stellungnahmen, Lesetipps Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Ende des Gastransits (11.02.2025) Analyse: Das Ende des Gastransits: Was sind die Implikationen? Analyse: Folgen der Beendigung des Gastransports durch die Ukraine für die EU-Länder und Moldau Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Weitere Angebote der bpb Redaktion

Analyse: Vier Jahre nach Kriegsbeginn. Wie entwickelt sich die Integration ukrainischer Geflüchteter in Deutschland? Ukraine-Analysen Nr. 332

Kseniia Gatskova

/ 8 Minuten zu lesen

Aktuell leben ca. 1,3 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer in Deutschland. Es gibt Fortschritte bei der Integration, aber Betreuungspflichten und Qualifikationshürden bleiben.

(© picture-alliance, Caro | Bastian)

Zusammenfassung

Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 sind über 1,3 Millionen Menschen aus der Ukraine nach Deutschland gekommen, überwiegend Frauen und Kinder. Über die vergangenen vier Jahre ist die Arbeitsmarktintegration ukrainischer Geflüchteter in Deutschland kontinuierlich fortgeschritten und die Beschäftigungsquoten sind deutlich gestiegen. Zugleich zeigt sich jedoch ein ausgeprägtes geschlechtsspezifisches Gefälle, das eng mit unterschiedlichen Familienkonstellationen sowie Betreuungs- und Sorgeverpflichtungen zusammenhängt. Empirische Befunde deuten darauf hin, dass der Abschluss von Deutschkursen, gute Deutschkenntnisse, soziale Kontakte zur Mehrheitsbevölkerung sowie die Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen die Beschäftigungschancen signifikant erhöhen. Trotz Fortschritten bei der Arbeitsmarktintegration bleibt die Lebenssituation vieler Geflüchteter aufgrund der weiterhin unsicheren Lage in der Ukraine fragil. Daraus ergibt sich ein anhaltender Bedarf an unterstützenden Maßnahmen.

Herausgeber der Länderanalysen

Die Ukraine-Analysen werden von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH gemeinsam herausgegeben. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb veröffentlicht die Analysen als Lizenzausgabe.

Seit Beginn des großangelegten russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 sind mehr als 1,3 Millionen Menschen aus der Ukraine nach Deutschland zugewandert (UNHCR 2026). Mehr als die Hälfte der im Jahr 2024 in Deutschland lebenden ukrainischen Geflüchteten ist bereits in den ersten beiden Kriegsmonaten eingereist (Siegert 2025). Von den Personen, die zwischen dem 24. Februar 2022 und dem 30. Juni 2024 nach Deutschland eingereist sind, befanden sich Ende Juni 2024 rund drei Viertel weiterhin im Land, während etwa 15 % Deutschland wieder verlassen hatten (Siegert 2025).

Am 19. November 2025 verabschiedete das Bundeskabinett ein Gesetz, das für neu ankommende ukrainische Geflüchtete (rückwirkend ab dem 1. April 2025) einen Wechsel vom Bürgergeld (SGB II) in den Leistungsbezug nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) vorsieht. Diese Änderung hat unter anderem Auswirkungen auf den Zugang zu Integrationsmaßnahmen, geht mit geringeren Sozialleistungen einher und beeinflusst den Zugang zum Gesundheitssystem. Gleichzeitig bleiben die Beschäftigungsmöglichkeiten unverändert, da kein Arbeitsverbot für ukrainische Geflüchtete eingeführt wurde.

In den vergangenen vier Jahren hat sich die Situation ukrainischer Geflüchteter in Deutschland deutlich verbessert, insbesondere im Hinblick auf die Integration in den Arbeitsmarkt. Die Erwerbstätigenquote unter Geflüchteten im erwerbsfähigen Alter (18–64 Jahre) ist kontinuierlich gestiegen. Während sie im ersten Quartal 2023 noch bei etwa 18 % lag, waren im September 2025 bereits mehr als 37 % der in Deutschland lebenden ukrainischen Geflüchteten erwerbstätig (BA-Statistik 2025). Bei der Interpretation dieser Zahlen ist zu berücksichtigen, dass die Statistik der Bundesagentur für Arbeit das Zuzugsdatum nicht berücksichtigt, sodass die aktuellen Daten auch kürzlich eingereiste Personen einschließen. Die Erwerbstätigenquote steigt mit zunehmender Aufenthaltsdauer und fällt bei Geflüchteten mit längerer Verweildauer im Land deutlich höher aus. Aktuelle Analysen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen, dass etwa 50 % der zu Beginn des Krieges aus der Ukraine nach Deutschland gekommenen Geflüchteten innerhalb von dreieinhalb Jahren nach ihrer Ankunft erwerbstätig waren (Kosyakova et al. 2026a).

Ähnlich weisen Analysen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung darauf hin, dass bis zum Frühsommer 2025 mehr als die Hälfte (53 %) der ukrainischen Asylsuchenden im Alter von 20 bis 50 Jahren, die vor dem Sommer 2022 eingereist sind, erwerbstätig waren (Ette et al. 2025).

Gleichzeitig besteht weiterhin ein geschlechtsspezifischer Unterschied. Die Erwerbstätigenquote ukrainischer Männer lag bei 37,7 %, gegenüber 33,2 % bei ukrainischen Frauen (BA-Statistik 2025). Dabei handelt es sich um alle Personen mit ukrainischer Staatsbürgerschaft in Deutschland, unabhängig vom Zeitpunkt der Einreise, weshalb die Quoten im Vergleich zu Geflüchteten, die bereits vor vier Jahren eingereist sind, niedriger ausfallen.

Zudem ist der Anteil von Männern unter den Geflüchteten im Zeitverlauf leicht gestiegen. Unter denjenigen, die zwischen Februar und Mai 2022 eingereist sind, lag er bei 22,5 %, während er unter den zwischen Juni und Ende 2023 Eingereisten 37,1 % betrug (Kosyakova et al. 2025).

Bildung und Qualifikation

Der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt ist stark von formalen schulischen und beruflichen Qualifikationen abhängig (Müller & Shavit 1998). Zwar verfügen ukrainische Geflüchtete über ein vergleichsweise hohes Qualifikationsniveau – rund drei Viertel besitzen einen Berufs- oder Hochschulabschluss, und nahezu 90 % berichten über umfangreiche Berufserfahrung –, dennoch zeigt sich insbesondere in der frühen Phase beruflicher Tätigkeiten ein Mismatch zwischen Qualifikation und ausgeübter Tätigkeit. Viele Geflüchtete nehmen zunächst Beschäftigungen unterhalb ihres Qualifikationsniveaus auf, wobei Frauen stärker betroffen sind als Männer (Kosyakova et al. 2025). Eine im Ausland erworbene Qualifikation allein reicht damit häufig nicht für eine ausbildungsadäquate Arbeitsmarktintegration aus. Insbesondere in reglementierten Berufen (z. B. Ärzt:innen, Schullehrer:innen, Rechtsanwält:innen) ist die formale Anerkennung der Abschlüsse Voraussetzung für qualifikationsadäquate Beschäftigung und verbessert nachweislich die Beschäftigungs- und Einkommensperspektiven von Migrant:innen in Deutschland.

Im Durchschnitt haben bis Anfang 2024 rund 21 % der Geflüchteten, die entweder über eine abgeschlossene berufliche Ausbildung oder einen Hochschulabschluss verfügen, einen Antrag auf Anerkennung ihrer Qualifikation gestellt (Kosyakova et al. 2025). Die meisten Anerkennungsanträge entfallen auf Berufe in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung, gefolgt von Tätigkeiten in Unternehmensorganisation, Verwaltung und Recht sowie in der Produktion. Dabei zeigen sich deutliche Geschlechterunterschiede: Geflüchtete Frauen stellen Anerkennungsanträge überwiegend in sozialen und verwaltungsnahen Berufen, während bei Männern vor allem Produktions- und Fertigungsberufe dominieren.

Als häufigste Gründe für nicht gestellte Anerkennungsanträge werden fehlende Erfolgsaussichten, unzureichende Informationen zum Verfahren sowie fehlende Unterlagen genannt. Darüber hinaus spielen ein hoher bürokratischer und finanzieller Aufwand eine Rolle (Kosyakova et al. 2025). Personen, die einen längeren Aufenthalt in Deutschland planen, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, die Anerkennung ihrer Qualifikationen zu beantragen. Der Wunsch ukrainischer Geflüchteter, dauerhaft in Deutschland zu bleiben, steigt im Zeitverlauf langsam an; etwas mehr als die Hälfte plant einen dauerhaften Verbleib.

Sprachkenntnisse und soziale Netzwerke

Menschen, die aus ihrem Herkunftsland fliehen müssen, haben in der Regel keine Möglichkeit, sich vor der Flucht auf das Zufluchtsland vorzubereiten. Entsprechend sind Kenntnisse der Sprache des Aufnahmelandes bei Geflüchteten zum Zeitpunkt der Einreise nur selten vorhanden. Dabei spielt die Beherrschung der Landessprache eine zentrale Rolle im Integrationsprozess, da Sprachkenntnisse die Alltagsbewältigung erleichtern, den Aufbau sozialer Kontakte unterstützen und die Chancen auf Arbeitsmarktintegration erhöhen (z. B. Brücker et al. 2019). Was ukrainische Geflüchtete in Deutschland angeht, konnte nur ein sehr geringer Anteil von ihnen bei der Einreise Deutsch sprechen (etwa 8 % mittelmäßig, gut oder sehr gut). Mit zunehmender Aufenthaltsdauer verbessert sich das Sprachniveau jedoch deutlich: Nach 20 bis 23 Monaten Aufenthalt geben bereits 56 % der Geflüchteten an, Deutsch zumindest mittelmäßig, gut oder sehr gut zu beherrschen.

Neben den Sprachkenntnissen spielen auch persönliche soziale Netzwerke eine zentrale Rolle für die Arbeitsmarktintegration. Kontakte zu Freund:innen oder Bekannten erleichtern den Zugang zu Beschäftigungsmöglichkeiten. 51 % der erwerbstätigen Geflüchteten gaben an, dass sie von ihrer Stelle durch persönliche Kontakte erfahren haben (Kosyakova et al., 2025). Bemerkenswert ist, dass rund zwei Drittel dieser Personen angaben, dass die wichtigste vermittelnde Person aus ihrem deutschen Bekanntenkreis war. Diese Befunde unterstreichen die Bedeutung von sozialen Kontakten zur ansässigen Bevölkerung, nicht nur für die sprachliche Integration im Alltag, sondern auch für die Bereitstellung relevanter Informationen, die den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern. Im Vergleich dazu führten behördliche Stellenvermittlungen, etwa über die Agentur für Arbeit, sowie private Vermittlungsangebote lediglich bei 7 % der Geflüchteten zur Arbeitsaufnahme.

Erwerbstätigkeit

Ein regionaler Vergleich zeigt, dass die Erwerbstätigenquoten in Bayern und Baden-Württemberg am höchsten sind, während sie in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland am niedrigsten ausfallen (Kosyakova et al. 2026b).

Der Arbeitsmarkt weist zudem eine ausgeprägte Polarisierung zwischen höher- und geringer qualifizierten Tätigkeiten auf, die mit den Bleibeabsichten der Geflüchteten zusammenhängt. Personen mit langfristiger Bleibeabsicht investieren häufiger in den Erwerb von Sprachkenntnissen, beruflichen Qualifikationen und weiteren arbeitsmarktrelevanten Kompetenzen (vgl. Adda et al. 2022). Diese Investitionen gehen kurzfristig oftmals mit einer geringeren Erwerbsbeteiligung einher, da die Teilnahme an Integrations- und Sprachkursen die Verfügbarkeit für eine Beschäftigung einschränkt. Nach Abschluss dieser Maßnahmen verbessern sich die Beschäftigungsaussichten jedoch deutlich und münden häufiger in qualifizierte oder hochqualifizierte Tätigkeiten sowie in besser entlohnte Beschäftigungsverhältnisse.

Demgegenüber sind Personen mit kurzfristigen Bleibeabsichten vergleichsweise häufiger in gering qualifizierten Helfertätigkeiten beschäftigt. Unter denjenigen mit langfristiger Bleibeabsicht beträgt der Anteil in solchen Tätigkeiten rund 30 %, gegenüber 42 % bei Personen mit temporären Aufenthaltsplänen. Qualifizierte und hochqualifizierte Tätigkeiten sind hingegen deutlich häufiger unter Geflüchteten mit langfristiger Bleibeorientierung zu finden.

Zahlreiche ukrainische Geflüchtete in Deutschland, die zuvor in qualifizierten oder hochqualifizierten Positionen in der Ukraine tätig waren, arbeiten derzeit in gering oder mittel qualifizierten Beschäftigungen, was auf eine vorübergehende Dequalifizierung hindeutet. Etwa die Hälfte der erwerbstätigen Männer ist in Tätigkeiten unterhalb ihres früheren Qualifikationsniveaus beschäftigt; bei Frauen liegt dieser Anteil bei 57 %. Eine solche temporäre Entwertung im Ausland erworbener Qualifikationen ist insbesondere in der frühen Phase nach der Migration verbreitet. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer und verbesserten Sprachkenntnissen steigt jedoch in der Regel auch die Qualität der ausgeübten Beschäftigung.

Ukrainische Geflüchtete sind vor allem in den Bereichen Reinigung, Speisenzubereitung, Bildung sowie Sozialarbeit beschäftigt (Kosyakova et al. 2025). Darüber hinaus finden sie häufig Beschäftigung in der mechanischen und industriellen Produktion, im Lagerwesen, in der Post- und Zustelllogistik sowie in der Waren- und Güterverarbeitung. Ein erheblicher Anteil ist zudem in Branchen tätig, die in Deutschland von Arbeitskräfteengpässen geprägt sind, insbesondere in der Pflege, in Gesundheitsberufen sowie im Gastgewerbe.

Da es sich bei den ukrainischen Geflüchteten in Deutschland überwiegend um Frauen handelt, die vielfach mit Kindern, jedoch ohne Partner in Deutschland leben, ergeben sich spezifische Herausforderungen im Zusammenhang mit Sorgearbeit und Kinderbetreuung. Vor diesem Hintergrund kommt dem Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten, dem beschleunigten Zugang zu Sprachfördermaßnahmen sowie der Sicherstellung der Vereinbarkeit von Kinderbetreuung, Sprachkursen und Erwerbstätigkeit eine zentrale Bedeutung zu. Ergänzend tragen intensivere Kontakte zur Aufnahmegesellschaft, etwa durch integrative Angebote oder Sportvereine, nicht nur zur Sprachaneignung bei, sondern stellen zugleich wichtige Zugangswege in den Arbeitsmarkt dar.

Fazit

Vier Jahre nach Beginn der russischen Vollinvasion auf die Ukraine lassen sich deutliche Fortschritte bei der Integration ukrainischer Geflüchteter in Deutschland beobachten, insbesondere im Bereich der Arbeitsmarktteilhabe. Dennoch ist die Arbeitsmarktintegration weiterhin durch deutliche Unterschiede gekennzeichnet. Viele Geflüchtete beginnen ihre Tätigkeit in niedrigqualifizierten Jobs, die unter ihrem ursprünglichen Qualifikationsniveau liegen, während diejenigen mit langfristigen Bleibeabsichten häufiger den Zugang zu Fach- und Expertentätigkeiten finden. Sprachkenntnisse und persönliche soziale Netzwerke erweisen sich dabei als entscheidende Faktoren für eine erfolgreiche Integration. Ein frühzeitiger Zugang zu Sprachkursen, die gezielte Förderung der deutschen Sprache sowie der Ausbau von Kontakten zur einheimischen Bevölkerung können die Chancen auf eine adäquate Erwerbstätigkeit deutlich verbessern.

Mehr als die Hälfte der ukrainischen Geflüchteten in Deutschland strebt inzwischen einen langfristigen Verbleib an. Laut der IAB-BAMF-SOEP-Befragung gaben 60 % der zwischen Februar und Ende Mai 2022 eingereisten Geflüchteten in der zweiten Jahreshälfte 2023 an, dauerhaft in Deutschland bleiben zu wollen (Kosyakova et al. 2025). Diese Bleibeabsichten stehen im Zusammenhang mit dem fortbestehenden Krieg in der Ukraine sowie den bereits erzielten Integrationsfortschritten. Zugleich besteht weiterhin erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der künftigen Aufenthaltsperspektiven sowie der Möglichkeit einer Rückkehr, insbesondere vor dem Hintergrund aktueller geopolitischer Entwicklungen.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass ukrainische Geflüchtete in Deutschland in vielen Bereichen Fortschritte erzielt haben, gleichzeitig aber weiterhin gezielte Unterstützungsmaßnahmen benötigen. Zentrale Handlungsfelder sind der verbesserte Zugang zu Kinderbetreuung und Bildung, die Vereinfachung von Anerkennungsverfahren für ausländische Qualifikationen, der Erwerb zusätzlicher beruflicher Kompetenzen sowie die Klärung des rechtlichen Status der Geflüchteten, um sowohl ihnen als auch den Arbeitgeber:innen eine langfristige Planungsperspektive zu ermöglichen. Eine erfolgreiche Integration verbessert nicht nur die Sicherheit, das Einkommen und das allgemeine Wohlbefinden von Geflüchteten, sondern kann auch dazu beitragen, den Fachkräftemangel in Deutschland zu verringern. Politische und gesellschaftliche Maßnahmen sollten daher darauf ausgerichtet sein, stabile Lebensbedingungen sowie nachhaltige Integrationspfade auf lange Sicht zu schaffen.

Quellen / Literatur

Adda, J., Dustmann, C., & Görlach, J. S. (2022). The dynamics of return migration, human capital accumulation, and wage assimilation. The Review of Economic Studies, 89(6), 2841–2871.

BA Statistik (2025). Arbeitsmarktsituation von Staatsangehörigen der Asylherkunftsländer (TOP 8) und Ukraine. Stand November 2025. Externer Link: https://statistik.arbeitsagentur.de/Statistikdaten/Detail/Aktuell/arbeitsmarktberichte/faktenblatt-asyl8-ukr/faktenblatt-asyl8-ukr-d-0-pdf.pdf?__blob=publicationFile&v=1.

Brücker, H.; Croisier, J.; Kosyakova, Y.; Kröger, H.; Pietrantuono, G.; Rother, N.; Schupp, J. (2019): Zweite Welle der IAB-BAMF-SOEP-Befragung: Geflüchtete machen Fortschritte bei Sprache und Beschäftigung. In: IAB-Kurzbericht Nr. 3.

Ette, Andreas, Karelis Olivo Rumpf, C. Katharina Spieß (2025). Schutzsuchende aus der Ukraine in Deutschland. Entwicklungen und Veränderungen von Sozialstruktur, Familie, Teilhabe und Rückkehr. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Externer Link: https://www.bib.bund.de/Publikation/2025/pdf/Schutzsuchende-aus-der-Ukraine-in-Deutschland.pdf?__blob=publicationFile&v=4.

Kosyakova, Yuliya, Nina Rother & Sabine Zinn (Hrsg.); Bartig, Susanne, Louise Biddle, Matteo Jacques Büsche, Adriana Cardozo Silva, Philippa Cumming, Jan Eckhard, Kseniia Gatskova, Theresa Koch, Yuliya Kosyakova, Andrea Marchitto, Silvia Schwanhäuser, Manuel Siegert, Elena Sommer, Felix Süttmann, Kerstin Tanis, Nina Rother & Sabine Zinn (2025): Lebenssituation und Teilhabe ukrainischer Geflüchteter in Deutschland: Ergebnisse der IAB-BAMF-SOEP-Befragung. (IAB-Forschungsbericht 05/2025 (de)), Nürnberg, 127 S. DOI:10.48720/IAB.FB.2505.

Müller W.; Shavit Y. (1998): Bildung und Beruf im institutionellen Kontext: Eine vergleichende Studie in 13 Ländern [Education and profession in institutional context: a comparative study in 13 countries]. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 1, S. 501–33.

Siegert, Manuel (2025). Die Veränderung der Bevölkerungsstruktur ukrainischer Geflüchteter in Deutschland zwischen Ende 2022 und Mitte 2024 – Ergebnisse auf Basis des Ausländerzentralregisters (Kurzanalyse 04|2025). Nürnberg. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Externer Link: https://doi.org/10.48570/bamf.fz.ka.04/2025.d.2025.bevoelkukr.1.0.

UNHCR (2026). Operational Data Portal. Externer Link: https://data.unhcr.org/en/situations/ukraine.

Fussnoten

Weitere Inhalte

Dr. habil. Kseniia Gatskova ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Arbeitsmarkt, Migration und Integration, soziale Ungleichheiten, Geschlechterungleichheiten sowie Familiensoziologie.