"City Harvest" (ca. 1943)
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Der Kurzfilm "City Harvest" zeigt, wie die Menschen in Chicago während des 2. Weltkrieges gemeinschaftlich Nahrungsmittel herstellten, um die amerikanische Armee zu versorgen.
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City Harvest (1943)
Schauplatz von "City Harvest" (Die Ernte der Stadt) ist die Millionenstadt Chicago. Der Film idealisiert den Zusammenhalt der amerikanischen Einwohner an der "Heimatfront". Er zeigt Menschen mit unterschiedlichen ethnischen und kulturellen Wurzeln, die gemeinsam nach Feierabend "Victory Gardens" (Siegesgärten) auf Dächern oder im öffentlichen Raum anlegen. Ihre Anstrengungen werden durch eine reiche Ernte belohnt und Vizepräsident Henry A. Wallace würdigt die Stadtfarmer mit Auszeichnungen. "City Harvest" inszeniert die Einwohner Chicagos als funktionierende multikulturelle Gemeinschaft, die stellvertretend für eine friedliche und produktive Eintracht der amerikanischen Gesellschaft stehen soll. Der beschwerliche Kriegsalltag wird durch Fleiß und harte Arbeit gemeinsam bewältigt.
Einzelne Filmszenen mit Kommentar
Chicago ist nach Detroit die zweitwichtigste Industriestadt in den USA und ist damit von großer Bedeutung für die Rüstungsproduktion. Während des
Zweiten Weltkrieges ziehen zehntausende Arbeiter, vor allem aus den Südstaaten, in die Stadt. Das friedliche Zusammenleben wird auf eine harte Probe gestellt.
In Chicago werden im Rahmen des "Victory Gardens"-Programms des Landwirtschaftsministeriums allein 1943 145.000 Gärten angelegt.* Das Programm ist nirgendwo so erfolgreich wie in dieser Stadt. Neben der Lebensmittelversorgung soll das gemeinschaftliche Gärtnern auch dazu beitragen, soziale Spannungen abzubauen.
*V. R. Cardozier: The Mobilization of the United States in World War II: how the government, military and industry prepared for war, North Carolina 1995, S. 241.
"City Harvest" betont, dass die europäischen Kulturen in den USA gewürdigt und alte Traditionen hochgehalten werden. Aus allen gemeinsam entsteht
eine neue Kultur, und sie werden Amerikaner.
Vizepräsident Henry A. Wallace ist einer der wichtigsten Vertreter der New Deal-Politik von Präsident Roosevelt. Mit diesem Wirtschafts- und
Sozialprogramm sollen die schwerwiegenden ökonomischen und sozialen Folgen der Großen Depression bekämpft und die Wirtschaftskrise in den USA überwunden werden. Als Landwirtschaftsminister von 1933-1940 ist der ehemalige Farmer Wallace für die Umsetzung der Reformpolitik im Agrarbereich zuständig. 1944 wird der linke Demokrat nicht mehr als Kandidat für die Vizepräsidentschaft nominiert. Aufgrund seiner offenen Kritik an der Eindämmungspolitik gegenüber der Sowjetunion im beginnenden Kalten Krieg wird der im neuen Kabinett als Handelsminister fungierende Wallace im September 1946 von Präsident Truman gefeuert.
Im Zweiten Weltkrieg übernehmen Frauen vielfach Stellen, die zuvor von Männern besetzt gewesen sind. Der Anteil der berufstätigen Frauen steigt
rasch und Gesetze, die es verheirateten Frauen verbieten zu arbeiten, werden aufgehoben. Diese Filmszene setzt die Frauenarbeit in der Rüstungsindustrie in ein positives Licht und zeigt sie als individuelles Engagement für den Sieg der Freiheit.
Gesellschaft im Krieg – die amerikanische Heimatfront
Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 und dem darauffolgenden Kriegseintritt der USA steigt die Unterstützung in der Bevölkerung auch in den Kreisen derjenigen, die sich zuvor gegen eine amerikanische Kriegsbeteiligung geäußert haben. Dies ist entscheidend für die Kriegsfinanzierung, denn fast die Hälfte der amerikanischen Kriegskosten von etwa 340 Milliarden US-Dollar wird durch den Verkauf von Kriegsanleihen an die Bevölkerung bestritten.
Film: "Dig for Victory" ("Buddeln für den Sieg")
Während des Krieges wird Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums zufolge beinahe die Hälfte des Lebensmittelbedarfs der US-Bevölkerung mit selbstangebauten Lebensmitteln gedeckt. Die Menschen legen Obst- und Gemüsegärten auf Hausdächern, Baseballfeldern, in Hinterhöfen oder Stadtparks an – das "Victory Gardens"-Programm zeigt Wirkung.* (Quelle: Imperial War Museum London)
*V. R. Cardozier: The Mobilization of the United States in World War II: how the government, military and industry prepared for war, North Carolina 1995, S. 241.
Anstehen für Zucker 1942-1945. Zucker ist eines der ersten Produkte, das in den USA rationiert wird. Durch die japanische Besatzung der Philippinen fällt im Frühjahr 1942 ein Hauptlieferant weg. Die Zuckerrationierungen beginnen offiziell am 4. Mai 1942, werden aber bereits im Januar angekündigt, was zu Hamsterkäufen führt. (© Office for Emergency Management. Office of War Information. Overseas Operations Branch. New York Office. News and Features Bureau. (12/17/1942 - 09/15/1945), U.S. National Archives)
Plakat des OWI 1943. Die Bevölkerung wird während des Krieges dazu aufgefordert, umsichtig mit Lebensmitteln umzugehen und diese nach Möglichkeit selbst zu produzieren. ("Food is a weapon - Don't waste it! - Buy wisely - Cook carefully - Eat it all - Follow the National Wartime Nutrition Program") (© United States, Office of War Information, Division of Public Inquiries Externer Link: [OWI Poster No. 58, UNT Libraries Government Documents Department])
Plakat des OWI 1943. Die Bevölkerung wird während des Krieges dazu aufgefordert, umsichtig mit Lebensmitteln umzugehen und diese nach Möglichkeit selbst zu produzieren. ("Food is a weapon - Don't waste it! - Buy wisely - Cook carefully - Eat it all - Follow the National Wartime Nutrition Program") (© United States, Office of War Information, Division of Public Inquiries Externer Link: [OWI Poster No. 58, UNT Libraries Government Documents Department])
Viele Amerikaner haben während der Wirtschaftskrise Verzicht geübt und wollen nun, da die Wirtschaft wieder in Schwung kommt, von ihrem neuen Wohlstand profitieren. Sie besorgen sich auf dem Schwarzmarkt rationierte Produkte. Die Lebensqualität der Amerikaner verbessert sich ungeachtet der Einschränkungen während des Krieges: Die Arbeitslosenrate sinkt, Löhne steigen und die Lücke zwischen Reichen und Armen verringert sich.
Das Office of War Information
Franklin D. Roosevelt unterzeichnet am 13. Juni 1942 die Dokumente zur Gründung des
*Die "strategy of truth" ist eine OWI-Doktrin, die vor allem von Sherwood und MacLeish vertreten wird, siehe dazu u.a. Allan M. Winkler: The Politics of Propaganda. The Office of War Information 1942-1945, New Haven/London 1978, S. 76. Oder: Nicholas Evan Sarantakes: Word Worriers: Information Operations during World War II, in: James Jay Carafano/Richard Weitz (Hg.): Mismanaging Mayhem. How Washington Responds to Crisis, Westprot/London 2008, S. 32. Oder: Justin Hart: Empire of Ideas: The Origins of Public Diplomacy and the Transformation of U.S. Foreign Policy, Oxford 2013, S.75.
Kontext: Die antiamerikanische Agitation der Nationalsozialisten
Unmittelbar nachdem Adolf Hitler den USA am 11. Dezember 1941 den Krieg erklärt hat, präsentiert das Reichspropagandaministerium unter der Leitung von Joseph Goebbels seine Strategie für die antiamerikanische Agitation. Diese sieht vor, auf unterschiedlichen medialen Kanälen sowohl die deutsche Intelligenz als auch die breite Masse von der angeblichen Kulturlosigkeit der USA zu überzeugen.
Die antiamerikanische Agitation der Nationalsozialisten
Cover der Broschüre "Roosevelt verrät Amerika" von Robert Ley, Berlin 1941. Diese nationalsozialistische Propagandaschrift gegen das politische
System in den USA ist typisch für die Anfangsphase der Anti-Amerika-Propaganda. Dabei wird die amerikanische Bevölkerung noch weitgehend ausgeklammert. Goebbels konzentriert sich auf die Diffamierung der politischen Elite. Der Verfasser dieser Schrift, Robert Ley ist u.a. 1933 für die Zerschlagung aller bisher freien und unabhängigen Gewerkschaften zur Deutschen Arbeitsfront (DAF) verantwortlich und wird ab 1934 Reichsorganisationsleiter der NSDAP. Der führende NS-Politiker nimmt entscheidenden Einfluss auf die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik im "Dritten Reich" – auch durch seine antisemitische Agitation. In "Roosevelt verrät Amerika" suggeriert Ley, dass die amerikanische Gesellschaft von Juden unterwandert und zum Teil dominiert werde. Roosevelt opfere und verrate die Interessen des amerikanischen Volkes für die Juden. Mit angeblichen "Fakten" versucht Ley nachzuweisen, dass Roosevelt jüdische Vorfahren habe.
Eine andere Art von Propaganda gegen die USA nimmt die angeblich dekadenten Auswüchse in der „Neuen Welt“ ins Visier. Schriften wie diese, die
die USA als eine Art Kuriositätenkabinett zeigen, erfreuen sich großer Beliebtheit.
Häufig werden angebliche Meldungen aus amerikanischen Medien aufgenommen und "übersetzt". So soll die Propaganda einen objektiven Eindruck machen.
Umschlag des Romans "Juan in Amerika" von Eric Linklater von 1942. Die deutsche Übersetzung des 1931 auf Englisch publizierten Romans des Schotten Eric Linklater wird in Nazi-Deutschland zum Bestseller. Die satirische Geschichte eines jungen Engländers, der zum Studieren in die USA fährt und dabei phantastische Abenteuer erlebt, gilt Goebbels als authentischer Beleg für die "Verkommenheit" der Amerikaner.*
*Günter Moltmann: Amerikaklischees der deutschen Kriegspropaganda 1941-1945, in: Amerikastudien Jahrgang 31, Heft 3, München 1986, S. 309-310 und Ine Van linthout, Das Buch in der nationalsozialistischen Propagandapolitik. de Gruyter, 2012, 153
Die Propaganda setzt dabei oft bei vorhandenen positiven Amerika-Klischees an – Freiheit, Fortschritt, unbegrenzte Möglichkeiten – und konterkariert diese. Dekadenz, Materialismus, Kulturlosigkeit und Oberflächlichkeit sind geläufige Attribute, mit denen sie die USA in Druckschriften, Radiosendungen und Filmen versieht. Zudem verspottet das Propagandaministerium bis 1943 die militärische Schlagkraft der USA, die US-Soldaten erscheinen als kaum ernstzunehmende Gegner.
Sonja Hugi, M.A. Public History, studierte Geschichte, Kommunikationswissenschaften und Grafikdesign. Als Historikerin, Autorin, Illustratorin und Grafikerin betätigt sie sich in verschiedenen Bereichen der Geschichtsvermittlung. Ihr Fokus liegt auf Themen der jüngeren deutschen Geschichte.