"Prelude to War" – Warum wir kämpfen müssen (1942)
/ 14 Minuten zu lesen
Für was und wen sollen die US-amerikanischen Soldaten in den Krieg ziehen? Der Film "Prelude to War" rechtfertigt den Kriegseintritt der USA: die Diktaturen in Deutschland, Italien und Japan bedrohen die Demokratien in der ganzen Welt.
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Quelle: US National Archives, YouTube "Prelude to War" (Auftakt zum Krieg), produziert vom US-Signal Corps unter der Regie von
Einzelne Filmszenen mit Kommentar
„Prelude to War“ zeigt es plakativ: In diesem Krieg geht es um die zukünftige Weltordnung. Der Konflikt besteht zwischen der „slave world“
(Sklavenwelt) auf der einen Seite, vertreten durch den japanischen Kaiser Hirohito in Asien sowie die europäischen Diktatoren Adolf Hitler und Benito Mussolini. Auf der anderen Seite steht die „free world“ (freie Welt), sinnbildlich verkörpert durch die amerikanischen Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson und Abraham Lincoln (obwohl Washington und Jefferson wie fast alle US-amerikanischen Präsidenten bis Mitte des 19. Jahrhunderts Sklaven besaßen) – neben anderen „Befreiern“ wie dem südamerikanischen Unabhängigkeitskämpfer Simón Bolívar und dem Italiener Guiseppe Garibaldi. Diese Welt steht für Demokratie, Menschenrechte, Presse- und Religionsfreiheit sowie Individualität, die andere für Unterdrückung, Willkürherrschaft, Indoktrination sowie uniformierte Massen und militarisierte Gesellschaften. Die USA werden als progressive Reformnation gezeigt, innen- und außenpolitisch. Mit dem Wirtschafts- und Sozialreformprogramm „New Deal“ bekämpfen die USA unter Präsident Franklin D. Roosevelt die Folgen der Großen Depression. International setzen sich die USA für Abkommen und Abrüstung ein.
Zunächst wird die Position der Isolationisten gezeigt, also derjenigen, die gegen jede Einmischung in außeramerikanische Auseinandersetzungen sind
("No foreign entanglements", d.h. keine Verwicklung in fremde Angelegenheiten und keine Beistandsabkommen). Warum sollen die europäischen Konflikte Sorge der Bürger Amerikas sein?
Düstere Animationen veranschaulichen, dass die Aggressoren Deutschland, Italien und Japan nicht haltmachen werden, bevor sie die gesamte Welt
beherrschen – die USA mit eingeschlossen .
"Prelude to War" erläutert die japanische Annexion der Mandschurei, die am 18. September 1931 ihren Anfang nahm und durch die USA und den Völkerbund verurteilt wurde. Die Okkupation wird als Teil des sogenannten Tanaka-Plans zur Erlangung japanischer Weltherrschaft gesehen. Dieser Plan gilt als eine Art japanisches Gegenstück zu Hitlers "Mein Kampf". Mittlerweile geht die Forschung davon aus, dass der "Tanaka-Plan" ein Element der zeitgenössischen Anti-Japan-Propaganda Chinas war.*
* John W. Dower: War without Mercy. Race and Power in the Pacific War, New York 1986, S. 22.
1935 besetzen italienische Truppen Äthiopien. Bei der Eroberung des nahezu unbewaffneten Landes setzt die italienische Armee auch Giftgas gegen die
Bevölkerung ein. Italienische Soldaten gehen brutal gegen die Zivilbevölkerung vor, Hundertausende werden getötet, die äthiopische Oberschicht durch Massenerschießungen fast vernichtet.
Schließlich demonstriert "Prelude to War" die Hilf- und Nutzlosigkeit des Völkerbundes. Weder hat er Japan von der Annexion der Mandschurei abhalten
können, noch hat er Mussolini daran gehindert, Äthiopien zu okkupieren. Der äthiopische Kaiser Haile Selassie protestiert vor dem Völkerbund, erreicht aber damit weder einen Abzug der Truppen noch erhält Äthiopien Hilfe von anderen Staaten. Japan und Italien verlassen die Völkergemeinschaft. Der Zuschauer bleibt mit der Frage zurück: Wer außer den USA kann der Ausbreitung der Unterdrücker Einhalt gebieten?
US-Außenpolitik: Der Zweite Weltkrieg
Franklin D. Roosevelt unterzeichnet die Kriegserklärung gegen Japan am 8. Dezember 1941. Er ist der 32. Präsident der Vereinigten Staaten und regiert von 1933 bis zu seinem Tod am 12. April 1945. Obwohl er seinem Land 1939 verspricht, einen Kriegseintritt vermeiden zu wollen, vertritt der Demokrat bereits vor dem Angriff auf Pearl Harbor die Haltung, dieser Krieg betreffe auch die USA. Nach dem japanischen Überfall erhält er die Zustimmung des Kongresses, Japan den Krieg zu erklären. (© picture-alliance, CPA Media)
Franklin D. Roosevelt unterzeichnet die Kriegserklärung gegen Japan am 8. Dezember 1941. Er ist der 32. Präsident der Vereinigten Staaten und regiert von 1933 bis zu seinem Tod am 12. April 1945. Obwohl er seinem Land 1939 verspricht, einen Kriegseintritt vermeiden zu wollen, vertritt der Demokrat bereits vor dem Angriff auf Pearl Harbor die Haltung, dieser Krieg betreffe auch die USA. Nach dem japanischen Überfall erhält er die Zustimmung des Kongresses, Japan den Krieg zu erklären. (© picture-alliance, CPA Media)
Mit drei zwischen 1935 und 1937 verabschiedeten Neutralitätsgesetzen will der US-Kongress verhindern, dass die USA erneut in einen internationalen Krieg verwickelt werden. Während die Isolationisten nach dem
Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion findet im August 1941 ein geheimes Treffen zwischen Präsident Roosevelt und dem britischen Premierminister Winston Churchill auf einem Schiff vor der Küste Neufundlands statt. Dort besprechen beide das weitere gemeinsame Vorgehen in Bezug auf Deutschland. Die Staatsmänner veröffentlichen anschließend eine als
Die USA, die erst nach dem japanischen
Quelle: British Pathé, Youtube (englisch)
QuellentextAuszug aus einer Rede des amerikanischen Präsidenten Roosevelt vor dem Kongress am 8. Dezember 1941
"Der gestrige Tag, der 7. Dezember 1941, wird für alle Zeiten als Tag der Schande in Erinnerung bleiben, denn an diesem Tage wurden die Vereinigten Staaten unangekündigt und vorsätzlich von See- und Luftstreitkräften des japanischen Kaiserreichs angegriffen. Die Vereinigten Staaten befanden sich im Frieden mit dieser Nation und waren – auf die dringende Bitte der Japaner hin – weiterhin mit der Regierung und dem Kaiser im Gespräch mit dem Ziel, den Frieden im Pazifik zu wahren. Noch eine Stunde, nachdem die japanische Jagdstaffel mit der Bombardierung der amerikanischen Insel Oahu begonnen hatte, überbrachten der japanische Botschafter und sein Mitarbeiter dem Außenminister eine offizielle Antwort auf ein kürzlich verschicktes amerikanisches Schreiben. Daraus wird ersichtlich, dass Japan eine Überraschungsoffensive gestartet hat, die sich über große Gebiete des Pazifiks erstreckt. Die Ereignisse von gestern und heute sprechen für sich. Das amerikanische Volk hat sich bereits eine Meinung gebildet und ist sich der Folgen für unser Land und dessen Sicherheit bewusst. Mit dem Vertrauen in unsere Streitkräfte und der grenzenlosen Entschlossenheit unseres Volkes werden wir letztlich triumphieren, so wahr uns Gott helfe [Applaus]. Aufgrund des grundlosen und heimtückischen Angriffs der Japaner von Sonntag, dem 7. Dezember 1941, bitte ich den Kongress zu erklären, dass sich die Vereinigten Staaten mit dem japanischen Kaiserreich im Krieg befinden."
Fußnoten
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"Yesterday, December 7th, 1941, a date which will live in infamy, [the] United States of America was suddenly and deliberately attacked by naval and air forces of the empire of Japan. The United States was at peace with that nation, and, at the solicitation of Japan, was still in conversation with its government and its emperor, looking towards the maintenance of peace in the Pacific. Indeed, one hour after Japanese air squadrons had commenced bombing in the American island of Oahu, the Japanese ambassador to the United States, and his colleague, delivered to our secretary of state a formal reply to a recent American message. Japan has therefore undertaken a surprise offensive extending throughout the Pacific area. The facts of yesterday and today speak for themselves. The people of the United States have already formed their opinions, and well understand the implications for the very life and safety of our nation. With confidence in our armed forces, with the unbounding determination of our people, we will gain the inevitable triumph so help us God [applause]. I ask that the Congress declare that since the unprovoked and dastardly attack by Japan on Sunday, December 7th, 1941, a state of war has existed between the United States and the Japanese empire."
Zitiert nach Externer Link: https://encyclopedia.ushmm.org/content/en/film/us-enters-world-war-ii
Redemanuskript mit Änderungen unter Externer Link: https://www.archives.gov/education/lessons/day-of-infamy (Englisch)
Nazi-Zeitung "Der Freiheitskampf" vom 12. Dezember 1941: Am 11. Dezember 1941 erklärt das Deutsche Reich den USA den Krieg – drei Tage, nachdem Roosevelt die Kriegserklärung gegen Japan unterzeichnet hat. Zeitgleich erfolgt eine Kriegserklärung Italiens an Amerika. Der bis dahin hauptsächlich europäische Konflikt wird damit zum Weltkrieg. Die nationalsozialistische Zeitung "Der Freiheitskampf" schlachtet diese Ereignisse propagandistisch aus. (© Deutsches Historisches Museum)
QuellentextTranskript der Artikel: Der Freiheitskampf vom 12. Dezember
Die historische Sitzung des Reichstages
Dresden, 11. Dezember
Der deutsche Reichstag hat am Donnerstagnachmittag in einer denkwürdigen Sitzung die Entscheidung des Führers entgegengenommen, mit der er die unendliche Kette von Provokationen gegenüber dem nationalsozialistischen Großdeutschen Reich seitens des nordamerikanischen Präsidenten Roosevelt durch die Kriegserklärung an die USA beantwortet. Zu gleicher Zeit hat der Duce das italienische Volk mit der von Roosevelt erzwungenen Entscheidung Deutschlands und Italiens bekanntgemacht. Der Führer hat dem amerikanischen Geschäftsträger die Pässe zustellen lassen und in einer Note an die USA-Regierung festgestellt, daß sich nunmehr die beiden Achsenmächte endlich gezwungen sehen, Seite an Seite mit Japan den Kampf für die Unabhängigkeit ihrer Völker und Reiche gegen die USA und England bis zum erfolgreichen Ende gemeinsam zu führen. Zur Sicherung dieses unabdingbaren Zieles haben Deutschland, Italien und Japan ein den Dreimächtepakt ergänzendes Abkommen geschlossen, das am gleichen Tag in Kraft trat.
In diesem Abkommen wird der unerschütterliche Entschluß festgelegt, die Waffen nicht niederzulegen bis der gemeinsame Krieg gegen die USA und England siegreich beendet ist. Dieser Krieg wird mit allen zu Gebote stehenden Machtmitteln geführt. Die drei unterzeichneten Staaten verpflichten sich, ohne volles gegenseitiges Einverständnis mit keinem der Feinde Waffenstillstand oder Frieden zu schließen, und werden auch nach siegreicher Beendigung des Krieges zur Sicherung der gerechten Neuordnung auf das engste zusammenarbeiten. Der Jubel, mit dem die Männer des Reichstages den Entschluß des Führers zur Kenntnis nahmen, war mit den Dankesworten des Reichsmarschalls an Adolf Hitler das symbolhaft erneuerte Treuegelöbnis des deutschen Volkes, den ernsten Weg in die Zukunft unbeirrbar und einig bis zum Tage des endgültigen Sieges zu geben. Daß dieser Sieg zum Heile Europas und der ganzen Welt erfochten wird, dafür bürgt schon der vom Führer gegebene stolze Bericht über die bisherigen glänzenden Waffentaten der deutschen Wehrmacht, der sich die tapferen Verbündeten zur Seite stellen.
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Im Kriegszustand mit der den USA. Das Reich schlägt auf Roosevelts Herausforderung zurück
Berlin, 11. Dezember
Reichsaußenminister von Ribbentrop übergab heute dem USA-Geschäftsträger folgende Note: Herr Geschäftsträger! Nachdem die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika vom Ausbruch des durch die englische Kriegserklärung an Deutschland vom 3. September 1939 heraufbeschworenen europäischen 11. DezemberKrieges an alle Regeln der Neutralität in immer steigendem Maße zugunsten der Gegner Deutschlands auf das flagranteste verletzt, sich fortgesetzt der schwersten Provokationen gegen Deutschland schuldig gemacht hat, ist sie schließlich zu offenen militärischen Angriffshandlungen übergegangen.
Am 11. September 1941 hatte der Herr Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika öffentlich erklärt, daß er der amerikanischen Flotte und Luftwaffe den Befehl gegeben habe, auf jedes deutsche Kriegsfahrzeug ohne weiteres zu schießen. In seiner Rede vom 27. Oktober d.J. hat er nochmals ausdrücklich bestätigt, dass dieser Befehl in Kraft sei. Gemäß diesem Befehl haben seit Anfang September amerikanische Kriegsfahrzeuge deutsche Seestreitkräfte systematisch angegriffen. So haben amerikanische Zerstörer, z.B. die „Greer“, die „Kearnen“ und die „Reuben James“, planmäßig das Feuer auf deutsche U-Boote eröffnet. Der Staatssekretär der amerikanischen Marine, Herr Knox, hat selbst bestätigt, daß amerikanische Zerstörer deutsche U-Boote angegriffen haben.
Ferner habe die Seestreitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika auf Befehl ihrer Regierung deutsche Handelsschiffe auf dem offenen Meer völkerrechtswidrig als feindliche Schiffe behandelt und gekapert.
Die Reichsregierung stellt daher fest: Obwohl sich Deutschland seinerseits gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika während des ganzen gegenwärtigen Krieges streng an die Regeln des Völkerrechts gehalten hat, ist die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika von anfänglichen Neutralitätsbrüchen, endlich zu offenen Kriegshandlungen gegen Deutschland übergegangen. Sie hat damit praktisch den Kriegszustand geschaffen. Die Reichsregierung hebt deshalb die diplomatischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika auf und erklärt, daß sich unter diesen durch den Präsidenten Roosevelt veranlaßten Umständen auch Deutschland von heute ab als im Kriegszustand mit den Vereinigten Staaten von Amerika befindlich betrachtet.
Linktipp: "Six ways to invade US"
Zeitgenössische Karte mit möglichen Kriegsverläufen, März 1942. Dass von Deutschland und Italien eine direkte militärische Gefahr für die USA ausgeht, erklärt dieser LIFE-Artikel. erläutert sechs mögliche Strategien, mit denen die Achsenmächte in die USA einfallen könnten.
Externer Link: LIFE-Magazine vom 2. März 1942, S. 16f, Quelle: books.google.de
Teheran-Konferenz, 10. Dezember 1943: Franklin D. Roosevelt, Winston Churchill und Josef Stalin beim gemeinsamen Abendessen in Teheran, Iran. Besonders nachdem sich 1943 – nach der deutschen Niederlage in Stalingrad (heute: Wolgograd) – ein Sieg der Alliierten abzuzeichnen beginnt, finden sich die „Großen Drei“ zu mehreren Konferenzen in verschiedenen Ländern zusammen, um ihre gemeinsamen Ziele und ihr Vorgehen in Bezug auf Deutschland zu besprechen. (© picture-alliance/AP)
US-Innenpolitik 1941/42
Cartoon aus dem LIFE Magazine vom 26. Juni 1919: Uncle Sam (die Initialen ergeben das Akronym der Vereinigten Staaten: U.S.) wirbt 1917 mit den Worten "I Want You for U.S. Army" auf Rekrutierungsplakaten. Als militärische Werbefigur und Symbol für das amerikanische Vaterland eignet er sich hervorragend für Karikaturen. Hier zeigt sich dem Betrachter ein geschlagener Uncle Sam, dem die Konsequenzen der Beteiligung am Ersten Weltkrieg sprichwörtlich "um die Ohren fliegen". US-Präsident Woodrow Wilson ist mit großen Hoffnungen zu den Pariser Friedensverhandlungen gereist, kann sich aber nicht gegen die Forderungen nach einem Siegerfrieden durchsetzen. Sein Prestige und das der USA sind beschädigt. Das Bild ist untertitelt mit dem Satz: „Manche Leute denken, ich hätte zuhause bleiben sollen“. Das entspricht der Idee der sogenannten Monroe Doctrine: die USA sollten sich aus europäischen Angelegenheiten heraushalten um nicht im wahrsten Sinne des Wortes in europäische Konflikte und Kriege verwickelt zu werden, wie in den Stacheldrähten des Ersten Weltkriegs. (public domain, Wikimedia Commons) Lizenz: cc publicdomain/zero/1.0/deed.de
Cartoon aus dem LIFE Magazine vom 26. Juni 1919: Uncle Sam (die Initialen ergeben das Akronym der Vereinigten Staaten: U.S.) wirbt 1917 mit den Worten "I Want You for U.S. Army" auf Rekrutierungsplakaten. Als militärische Werbefigur und Symbol für das amerikanische Vaterland eignet er sich hervorragend für Karikaturen. Hier zeigt sich dem Betrachter ein geschlagener Uncle Sam, dem die Konsequenzen der Beteiligung am Ersten Weltkrieg sprichwörtlich "um die Ohren fliegen". US-Präsident Woodrow Wilson ist mit großen Hoffnungen zu den Pariser Friedensverhandlungen gereist, kann sich aber nicht gegen die Forderungen nach einem Siegerfrieden durchsetzen. Sein Prestige und das der USA sind beschädigt. Das Bild ist untertitelt mit dem Satz: „Manche Leute denken, ich hätte zuhause bleiben sollen“. Das entspricht der Idee der sogenannten Monroe Doctrine: die USA sollten sich aus europäischen Angelegenheiten heraushalten um nicht im wahrsten Sinne des Wortes in europäische Konflikte und Kriege verwickelt zu werden, wie in den Stacheldrähten des Ersten Weltkriegs. (public domain, Wikimedia Commons) Lizenz: cc publicdomain/zero/1.0/deed.de
Die Beteiligung am
Solche isolationistische Tendenzen kommen auch darin zum Ausdruck, dass sich der US-Senat gegen die Mitgliedschaft im
Durch den japanischen Angriff wird der Mehrheit der US-Bevölkerung klar, dass Neutralität keine Option mehr ist. Dennoch verstehen viele die Zusammenhänge nicht. Die Roosevelt-Administration steht nun vor der Aufgabe, den Amerikanern zu erklären, warum die japanische Aggression einen Krieg gegen Deutschland und Italien zur Folge hat und wofür die USA in diesem Krieg kämpfen. Die Regierung veranlasst eine umfangreiche Informations- und Propagandakampagne, um der Bevölkerung die Kriegsziele und die Alternativlosigkeit der Kriegsbeteiligung zu vermitteln.
Umfrage über eine mögliche Intervention der USA auf dem europäischen Kriegsschauplatz von September 1939. Das amerikanische Meinungsforschungsinstitut Gallup und das Fortune-Magazin führen nach dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 zahlreiche Meinungsumfragen durch: Ein Großteil der US-Bevölkerung äußert sich darin gegen eine wie auch immer geartete Intervention der USA. (bpb, Angaben nach Public Opinion Quarterly, März 1940) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/
Filmausschnitt aus „A Night at the Garden“ von Marshall Curry mit historischem Filmmaterial von der German American Bund Großkundgebung am 20. Februar 1939 im New Yorker Madison Square Garden. (Englisch) (Quelle: Externer Link: The Atlantic)
Sander A. Diamond, Zur Typologie der Amerikadeutschen NS-Bewegung (Quelle: Externer Link: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, IFZ München)
Noch bevor die USA aktiv in den Krieg eintreten, schreibt Henry Luce – Verleger und Gründer der Zeitschriften LIFE und Time – den berühmt gewordenen LIFE-Artikel "The American Century". Er vertritt die Position, dass Neutralität keine Option sei, da die USA bereits in den Konflikt involviert seien und setzt sich mit der Rolle der USA in diesem Krieg und in der Nachkriegswelt auseinander:
Jetzt, da wir uns in diesem Krieg befinden, stellt sich die Frage, wie wir dort hineingeraten sind. Der Grund lautet Verteidigung. Allein in diesem Wort steckt viel Falschheit und Selbsttäuschung. Der gewöhnliche Amerikaner denkt bei dem Wort Verteidigung an die Verteidigung des amerikanischen Staatsgebietes. Aber endet unsere nationale Politik heute mit der Verteidigung unseres Heimatlandes? Nein, das tut sie nicht. Wir befinden uns nicht in einem Krieg, bei dem es darum geht, amerikanischen Boden zu verteidigen. Wir kämpfen in diesem Krieg, um die sogenannten demokratischen Grundwerte auf der ganzen Welt zu verteidigen und zu fördern, sie voranzutreiben und ihnen neues Leben einzuhauchen.
Menschenmenge bei einer Rede von Charles A. Lindbergh in New York, 23. April 1941. Der Atlantikflug-Pionier Charles Lindbergh ist einer der berühmtesten Vertreter des America First Committee, das sich gegen eine amerikanische Kriegsbeteiligung einsetzt. Zwischen 10.000 und 15.000 America First-Unterstützer versammeln sich vor dem Manhattan Center, als Lindbergh seine Rede hält. (© picture alliance/AP Images | Uncredited)
Die brennende USS Arizona im Hafen von Pearl Harbor: Am Morgen des 7. Dezembers 1941 greifen 360 japanische Flugzeuge den Hauptstützpunkt der US-Pazifikflotte in Pearl Harbor, Hawaii an. Die USA und das Kaiserreich Japan unterhalten zu diesem Zeitpunkt diplomatische Beziehungen und befinden sich nicht im Kriegszustand. 2.403 Amerikaner sterben bei dem Angriff, der Stützpunkt wird nahezu vollständig zerstört. Das Ereignis wird zum amerikanischen Trauma und führt zum Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg. (© picture-alliance, CPA Media)
Das War Department, George C. Marshall und Frank Capra
Titelbild mit George C. Marshall, DER SPIEGEL 47/1947
Der "Spiegel" zeigt den amerikanischen Außenminister vor einem Dollar-Symbol und einem Ölzweig: Wohlstand und Frieden verbinden sich mit seinem Programm für Deutschland und Europa. (© DER SPIEGEL)
Titelbild mit George C. Marshall, DER SPIEGEL 47/1947
Der "Spiegel" zeigt den amerikanischen Außenminister vor einem Dollar-Symbol und einem Ölzweig: Wohlstand und Frieden verbinden sich mit seinem Programm für Deutschland und Europa. (© DER SPIEGEL)
Parallel zu den an die Zivilbevölkerung gerichteten Propagandakampagnen der Regierung versucht das Militär, die amerikanischen Truppen für den bevorstehenden Kriegseinsatz zu motivieren. Verantwortlich für die Lenkung dieser Maßnahmen ist der oberste Befehlshaber der US-Armee, General George C. Marshall. Für geeigneter als politische Schulungen oder Vorträge hält er eigens produzierte Filme: Diese sollen die Rekruten vom Sinn und Zweck ihres Kriegseinsatzes überzeugen. Das War Department (Kriegsministerium) gibt Anfang 1942 die siebenteilige Serie "Why We Fight" in Auftrag. Marshall gelingt es, den Oscar-Preisträger Frank Capra als Regisseur zu gewinnen. Im Mittelpunkt dieser Filmreihe, die zum Pflichtprogramm der Soldaten gehört, steht die Aufdeckung deutscher, italienischer und japanischer Kriegsverbrechen und Propagandalügen.
Im Gegensatz zu den Filmen, die an die Zivilbevölkerung gerichtet sind, scheut sich Capra in seiner "Why We Fight"-Serie nicht, Kriegshandlungen zu zeigen und Hass gegen den Feind zu schüren. Die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges haben zwar deutlich gezeigt, dass propagandistisch angeheizte Feindseligkeit bestimmten Nationalitäten gegenüber letztlich dem gesellschaftlichen Zusammenhalt im eigenen Land schadet. Wenn es allerdings um die Indoktrinierung von Soldaten geht, hält der "Guide to the Use of Information Materials" (Anleitung zur Nutzung von Informationsmaterial) des War Departments lapidar fest, dass das Wecken von Ressentiments eher als praktisches Trainingswerkzeug, denn als moralisches Problem betrachtet werden sollte
Linktipp: Pocket Guide to Germany
Das US-Kriegsministerium verteilt 1944 die Broschüre "Pocket Guide to Germany" für amerikanische Soldaten zum Umgang mit der deutschen Bevölkerung
Externer Link: https://archive.org/details/PocketGuideToGermany
BiografieFrank Capra (1897-1991)
Frank Capra wird mit dem "Legion of Merit award" ausgezeichnet, 29. November 1943. (© picture-alliance, Everett Collection)
Frank Capra wird mit dem "Legion of Merit award" ausgezeichnet, 29. November 1943. (© picture-alliance, Everett Collection)
Frank Capra stammt aus einer armen sizilianischen Familie. Die Eltern emigrieren 1903 auf der Suche nach einem besseren Leben mit ihren sieben Kindern in die USA. Capra muss neben der Schule arbeiten und finanziert sich das Chemiestudium am College selbst. 1922 beginnt er in der Filmindustrie zu arbeiten. Er dreht gesellschaftskritische Unterhaltungsfilme, sogenannte "Screwball-Komödien": Ein bodenständiger, unbescholtener Filmheld muss sich in einer von Gier und Korruption geprägten Welt behaupten. In den 1930er Jahren gewinnen Filme des inzwischen angesehenen Hollywood-Regisseur zahlreiche Preise, darunter mehrere Oscars. Die Filmstoffe gelten als Parabeln für den als New Deal bezeichneten, gesellschaftspolitischen Umbruch unter Präsident Roosevelt.
Als die USA in den Zweiten Weltkrieg eintreten, meldet sich Capra freiwillig zum Militär. Statt zum Gewehr greift er jedoch zur Kamera, denn General George Marshall beauftragt ihn, Propagandafilme für die Armee zu produzieren. Es gilt, die Kampfmoral der amerikanischen Soldaten zu stärken und die Bevölkerung auf den Krieg einzustimmen. Zwischen 1942 und 1945 entsteht die siebenteilige Dokumentarfilmreihe "Why We Fight". Capra lässt Einsätze der US-Truppen filmen und verwendet Propagandamaterial des Gegners. Die Bildsequenzen werden mittels Montagetechniken arrangiert und mit Kommentaren und Musik unterlegt. Mit den Möglichkeiten des Kinos wird die faschistische Bildsprache zur Verherrlichung von Macht und Krieg seziert und entkräftet. 1943 wird "Prelude to War", der erste Teil der Filmreihe, mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet. Die von Frank Capra für die Armee produzierten Dokumentarfilme und das darin verwendete Bildmaterial bilden bis heute den Grundstock für Visualisierungen des Zweiten Weltkriegs in Amerika.
Ich will folgendes sagen: Ich fand die Vorträge, die die Offiziere den Männern darüber hielten, wofür sie kämpfen und was der Feind getan hat aufgrund der Mittelmäßigkeit der Darbietung so unbefriedigend, dass ich die Herstellung dieser Film-Serie anordnete.
Verbreitung und Rezeption
Filmplakat zu "Prelude to War”: Nachdem der Film erfolgreich im militärischen Rahmen vorgeführt wurde, wird er auch in zivilen Kinos gezeigt. Geworben wird u.a. mit dem Slogan: "The film that made our troops fighting mad!" (© US Army Signal Corp, United States Army Military History Institute)
Filmplakat zu "Prelude to War”: Nachdem der Film erfolgreich im militärischen Rahmen vorgeführt wurde, wird er auch in zivilen Kinos gezeigt. Geworben wird u.a. mit dem Slogan: "The film that made our troops fighting mad!" (© US Army Signal Corp, United States Army Military History Institute)
"Prelude to War" wird ebenso wie die restlichen sechs Filme der "Why We Fight"-Serie für den Gebrauch innerhalb der amerikanischen Streitkräfte produziert. Ab Herbst 1942 ist die Vorführung des Films Teil der obligatorischen Ausbildung amerikanischer Rekruten
Die Filme werden schließlich auch einem zivilen Publikum vorgeführt. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit. Bei der Academy-Award-Verleihung am 4. März 1943 wird "Prelude to War" mit einem Oscar in der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" ausgezeichnet. Regisseur Frank Capra nimmt diesen Preis im Namen der US-Armee entgegen.
It’s Propaganda, all right, but it’s good propaganda.
"Prelude to War" ist Teil eines ersten Filmpakets, das in den amerikanischen Besatzungsgebieten vorgeführt wird. Bevor er dort tatsächlich zum Einsatz kommt, testen die Amerikaner die Wirkung des Films auf deutsche Gefangene in amerikanischen Kriegsgefangenenlagern
Kürzlich haben wir einen anderen WHY WE FIGHT-Film gesehen, er war dem über die Invasion von Polen
sehr ähnlich, aber ich finde er war in einer besseren Art und Weise gemacht und die Jungs waren ziemlich beeindruckt. Persönlich bin ich im festen Glauben, dass Film das bestmögliche Medium ist, um diesen Männern zu vermitteln, wozu all das Training und die Hölle, durch die sie gerade gehen, Sinn macht. Wenn sie diese Panzer sehen, die Flugzeuge und die Infanteristen, die da drüben alles geben, was sie haben, wird das sicher dem Meckern und dem Drückebergertum entgegenwirken.
Der Direktor des Filmbüros im
Ich glaube, dies ist in gewisser Hinsicht ein schlechter, wenn nicht gar gefährlicher Film … Es ist einer der am besten gemachten Filme, die ich je gesehen habe, und ist emotional ungeheuer überwältigend […] Hysterie in der Armee oder der Zivilbevölkerung zu erzeugen, könnte helfen, den Krieg zu gewinnen, doch ich bezweifle das. Diese Herangehensweise ist nicht dazu geeignet, die Menschheit nach dem Waffenstillstand wieder vernünftiger zu machen.
Kontext: Kriegsbeteiligung für den Weltfrieden
Antijapanisches Propagandaplakat der OWI Domestic Branch. Die Darstellung des furchteinflößend wirkenden Mannes mit einer Armee von Arbeitern im Hintergrund bedient rassistische Klischees und befördert die ohnehin ablehnende Haltung der japanischstämmigen US-Bevölkerung gegenüber. (© Externer Link: Office for Emergency Management. Office of War Information. Domestic Operations Branch. Bureau of Special Services, National Archives)
Antijapanisches Propagandaplakat der OWI Domestic Branch. Die Darstellung des furchteinflößend wirkenden Mannes mit einer Armee von Arbeitern im Hintergrund bedient rassistische Klischees und befördert die ohnehin ablehnende Haltung der japanischstämmigen US-Bevölkerung gegenüber. (© Externer Link: Office for Emergency Management. Office of War Information. Domestic Operations Branch. Bureau of Special Services, National Archives)
Neben den sieben Filmen der "Why We Fight"-Serie unterstreichen auch Hollywoodfilme, wie wichtig eine amerikanische Kriegsbeteiligung für den Weltfrieden ist. In den drei Jahren nach dem amerikanischen Kriegseintritt werden in Hollywood 1.313 Filme produziert, 374 davon setzen sich direkt oder indirekt mit dem Krieg auseinander
Auf unterschiedlichen medialen Kanälen werden Ressentiments gegen das Deutsche Reich und seine Verbündeten geschürt. In Bezug auf die Japaner funktioniert dies – viele Amerikaner verachten Asiaten oder asiatischstämmige Menschen und betrachten sie als "minderwertige Rasse".
Ein Teil unserer Bevölkerung glaubt, dass die Deutschen von einer kleinen Gruppe Kriegsherren betrogen und gesteuert werden und sie das Joch liebend gern abschütteln würden, wenn sie es könnten. Dieser Teil der Bevölkerung ist offenbar exakt so groß wie die Gruppe der Pazifisten, um Beschwichtigung Bemühten und Isolationisten, die so einfältig waren zu glauben, dass Hitler es nicht ernst meine.
Eine andere propagandistische Herausforderung ist es, die Allianz mit der Sowjetunion zu vermitteln. Die amerikanische Regierung verfolgt zuvor eine antikommunistische Politik, nun muss die plötzliche Freundschaft erklärt werden.
Linktipp: Sonderausgabe vom LIFE Magazine 1943 über die Sowjetunion
Die Sonderausgabe widmet sich dem Thema Stalin und UdSSR. Die Artikel behandeln in wohlwollender Weise das Alltagsleben der Menschen in der Sowjetunion und stellen sowjetische Kunst, Kultur und Politik vor. Es werden auch im Rahmen einer "United Nations" oder "Brothers in Arms" Kampagne des OWI entsprechende Filme produziert, z.B. "Song of Russia".
Externer Link: LIFE Magazine vom 29. März 1943, Quelle: books.google.de
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Sonja Hugi, M.A. Public History, studierte Geschichte, Kommunikationswissenschaften und Grafikdesign. Als Historikerin, Autorin, Illustratorin und Grafikerin betätigt sie sich in verschiedenen Bereichen der Geschichtsvermittlung. Ihr Fokus liegt auf Themen der jüngeren deutschen Geschichte.