US-Flüchtlingspolitik - "The Cummington Story" (1944)
/ 7 Minuten zu lesen
Der Film "The Cummington Story" von 1944 zeigt in nachgestellten Szenen die zögerliche Annäherung zwischen den Bewohnern einer Kleinstadt in New England und dort auftauchenden Kriegsflüchtlingen.
Zu den Inhalten springen
The Cummington Story (1944)
"The Cummington Story" (Die Geschichte von Cummington) von 1944 unter der Regie von Helen Greyson und Larry Madison entstanden, erzählt von vier Flüchtlingsfamilien aus Europa und idealisiert ihre gelungene Integration in den USA. Zunächst stoßen die Neuankömmlinge auf eine ablehnende Haltung bei den Einwohnern der kleinen Stadt Cummington an der amerikanischen Ostküste. Aber die "Neuen" integrieren sich rasch und die Einheimischen begreifen, dass auch sie vom Zuzug profitieren. Freundschaften entstehen und als die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren können, lassen die Einheimischen sie nur ungern ziehen. Der Film basiert auf der wahren Geschichte von Cummington und dem Pastor Carl Sangree, der in einem unbewohnten Haus auf eigene Initiative das "Refugee Hostel", eine Unterkunft für aus Europa geflüchtete Künstler und Intellektuelle, einrichtet. Das
In einer Externer Link: Rede vor dem Kongress formuliert US-Präsident Franklin Delano Roosevelt am 6. Januar 1941 die "Four Freedoms" (vier Freiheiten): freedom of speech (Redefreiheit), freedom of worship (Religionsfreiheit), freedom from want (Freiheit von Not), and freedom from fear (Freiheit von Angst). Diese grundlegenden, unveräußerlichen Menschenrechte propagiert auch das OWI. Es beauftragt den Maler Norman Rockwell, die vier Freiheiten zu illustrieren – in der "Cummington Story" werden diese Bilder filmisch umgesetzt:
Justice William O. Douglas vom Supreme Court (rechts) und Staatssekretär des US-Finanzministerium Daniel W. Bell (Mitte) schauen auf das Gemälde
"Freedom of Speech" des Künstlers Norman Rockwell auf der "Four Freedoms War Bond Show" in Washington, D.C. am 26. April 1943.
Diese Szene zeigt die "Freedom of Speech" (Redefreiheit).
Das Gemälde "Freedom of Worship" (Religionsfreiheit) beim Aufbau der Ausstellung "Rockwell, Roosevelt et les quatre libertés" im Mai 2019 im
französischen Caen.
Die "Freedom of Worship" (Religionsfreiheit) wird anhand eines Gottesdienstes inszeniert, an dem die europäischen Flüchtlinge teilnehmen. Die Kirche
wird im Film als Ort gezeigt, an dem jeder seiner eigenen Religion nachgehen kann und der alle im Glauben vereint.
Das Gemälde "Freedom from Fear" (Freiheit von Angst) von Norman Rockwell von 1942 aus dem Saturday Evening Post Magazine.
Die Szene, die die "Freedom from Fear" (Freiheit von Angst) illustriert, zeigt die Flüchtlingsfamilien nach ihrer Ankunft im "Refugee Hostel" –
ihre erste Nacht in Sicherheit und Ruhe nach einer langen und Reise.
Das Gemälde "Freedom from Want" (Freiheit von Not) beim Aufbau der Ausstellung "Rockwell, Roosevelt et les quatre libertés" im Mai 2019 im
französischen Caen.
Bei "Freedom from Want" (Freiheit von Not) weicht der Film von dem Gemälde von Norman Rockwell ab. Anstelle eines "Thanksgiving"-Essens mit dem
obligatorischen Truthahn – das der Realität der Kriegsrationierungen wohl zu sehr widersprochen hätte – wird sie hier anhand der üppigen Erträge auf einer Erntemesse verbildlicht.
Linktipps: "Four Freedoms"
Externer Link: Text und Dokumente zu Franklin D. Roosevelts Rede über die "Four Freedoms" (englisch), Quelle: FDR Library
Externer Link: Franklin D. Roosevelts Rede über die "Four Freedoms" (ab Minute 32) (englisch), Quelle: Wikimedia
Gustav Wolf als "Peter" und Leona Wolf als "Anna" in "Cummington Story" (oben) und 1939 in New York (unten). Die Darsteller in "Cummington Story" sind tatsächlich europäische Emigranten. Der deutsch-jüdische Maler und Grafiker Gustav Wolf verkörpert im Film "Peter". Seine Frau Leona spielt die Rolle von "Josefs" Frau "Anna". Während die Geflüchteten im Film unterschiedliche berufliche und soziale Hintergründe haben, beherbergte das echte "Refugee Hostel" hauptsächlich jüdische Künstler und Intellektuelle aus Österreich und Deutschland.*
*Vgl. Carol J. Oja/Judith Tick: Aaron Copland and His World, Princeton/Oxford 2005, S. 376 / Externer Link: http://kuenste-im-exil.de/ (© Oben: Filmstills aus "Cummington Story", United States, Office of War Information; unten: Porträt Gustav und Leona Wolf, unbekannter Fotograf, Quelle: Germanisches Nationalmuseum)
Gustav Wolf als "Peter" und Leona Wolf als "Anna" in "Cummington Story" (oben) und 1939 in New York (unten). Die Darsteller in "Cummington Story" sind tatsächlich europäische Emigranten. Der deutsch-jüdische Maler und Grafiker Gustav Wolf verkörpert im Film "Peter". Seine Frau Leona spielt die Rolle von "Josefs" Frau "Anna". Während die Geflüchteten im Film unterschiedliche berufliche und soziale Hintergründe haben, beherbergte das echte "Refugee Hostel" hauptsächlich jüdische Künstler und Intellektuelle aus Österreich und Deutschland.*
*Vgl. Carol J. Oja/Judith Tick: Aaron Copland and His World, Princeton/Oxford 2005, S. 376 / Externer Link: http://kuenste-im-exil.de/ (© Oben: Filmstills aus "Cummington Story", United States, Office of War Information; unten: Porträt Gustav und Leona Wolf, unbekannter Fotograf, Quelle: Germanisches Nationalmuseum)
US-Flüchtlingspolitik
Die USA beschränken die Einwanderung seit den 1920er-Jahren mit Quoten, die die Zahl der Zuziehenden pro Herkunftsland festlegen. Auf dem Papier wird dabei jede Nationalität gleich behandelt. Aber die Quote von zwei bzw. drei Prozent wird an der Zahl der jeweiligen Ausländer bemessen, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt bereits in den USA aufhalten. So werden vor allem West- und Nordeuropäer bevorzugt, "unerwünschte" andere Gruppen dagegen massiv ausgeschlossen. Diejenigen, die zwischen 1925 und 1928 als "Deutsche" gerechnet werden, machen demnach etwa ein Drittel der überhaupt erlaubten Einwanderer aus
Aus dem Deutschen Reich dürfen etwa 25.000 Menschen jährlich zuwandern
Anzahl Immigrierte, denen zwischen 1890 und 1959 permanentes Bleiberecht in den USA gewährt wurde, Angaben nach: Yearbook of Immigration Statistics
2005, Office of Immigration Statistics, U.S. Department of Homeland Security, 2006. Die Immigration in die USA sinkt Anfang der 1930er Jahre auf ein Rekordtief. Obwohl während des Zweiten Weltkrieges die Anzahl der Antragsteller massiv steigt, erhalten nur wenige Immigrationswillige ein dauerhaftes Bleiberecht. Dennoch nehmen die USA mit insgesamt 140.000 im internationalen Vergleich die meisten deutsch-jüdischen Flüchtlinge aus dem Deutschen Reich auf.
Was ist Ihre Haltung in der Frage, ob es deutschen, österreichischen und anderen politischen Flüchtlingen erlaubt sein sollte die in die USA zu
kommen? Eine Umfrage des Fortune-Magazins 1938.
Im Februar 1939 scheitert ein Gesetzentwurf im Kongress, der zusätzlich zur bestehenden Quote 20.000 deutsch-jüdischen Kindern die Einreise in die
USA erlauben soll – eine Reaktion auf die Nachrichten über die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Laut Meinungsumfragen stößt die zusätzliche Aufnahme von Flüchtlingen (jüdischen und nicht-jüdischen) auch in der Bevölkerung auf Ablehnung. Diese Umfrage des US-Meinungsforschungsinstituts Gallup von 1939 zeigt wie "populär" Einwanderungsbeschränkungen und das Quotensystem sind, sie werden nicht nur von explizit "rechten" Politikern oder Gruppierungen befürwortet. Der Hintergrund: Die USA stecken noch immer –und trotz der Verbesserungen durch den New Deal – in einer schweren Wirtschaftskrise, was die Stimmung in der Bevölkerung gegen die Aufnahme von anderen "Notleidenden" mit erklärt.
Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sind in der US-Bevölkerung weit verbreitet. Rechte Politiker und Gruppierungen wie etwa bis 1921 die "Immigration Restriction League" sind eine starke Kraft. Die Regierung unter Präsident Roosevelt diskutiert ab 1933 eher vorsichtig Möglichkeiten, besondere Einwanderungsregelungen für Juden zu schaffen.
1. Juni 1939: Die St. Louis, ein Passagierschiff der Hamburg-Amerika-Linie mit über 900 deutsch-jüdischen Flüchtlingen an Bord, darf in der kubanischen Hauptstadt Havanna nicht anlegen, obwohl die Regierung sich zuvor bereit erklärt hatte, deutschen Flüchtlingen vorübergehend Asyl zu gewähren. Das Schiff muss mit seinen Passagieren nach Europa zurückkehren, viele von ihnen werden später im KZ umgebracht. (Quelle: Externer Link: https://www.ushmm.org/ (© Foto: picture alliance/AP Images)
Linktipp: Interviews aus dem Film "Turned Away"
Externer Link: https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn560255
Sammlung von Oral History Interviews mit Passagieren der St. Louis und Experten aus dem Dokumentarfilm "Turned Away", in englischer Sprache (Quelle: USHMM)
Das sogenannte Riegner-Telegramm informiert das US-Außenministerium 1942 darüber, dass die seit Längerem kursierenden Gerüchte über den Massenmord an den europäischen Juden der Wahrheit entsprechen.
Quellentext29. August 1942: Das "Riegner-Telegramm"
Der Vertreter des Jüdischen Weltkongresses in Genf, Gerhart Riegner, setzt am 8. August 1942 ein Telegramm ab. Darin notiert er seine Informationen über den beginnenden Massenmord an den europäischen Juden. Über den Leiter der britischen Sektion des Jüdischen Weltkongresses Samuel Silverman (1895-1968), der zugleich britisches Parlamentsmitglied ist, und den amerikanischen Rabbiner Stephen Wise (1874-1949) gelangt sein Bericht an das US-Außenministerium. Dort bezweifelt man zunächst dessen Wahrheitsgehalt. Dies ist der Telegrammtext, den Samuel Silverman am 29. August 1942 an Stephen Wise weiterleitet:
"Erhielt durch das Außenministerium folgende Nachricht von Riegner Genf STOP Erhielt alarmierenden Bericht in Führerhauptquartier werde Plan diskutiert und erwogen alle Juden in von Deutschland besetzten oder kontrollierten Ländern Anzahl 3,5 bis 4 Millionen nach Deportation und Sammlung im Osten mit einem Schlag auszurotten und damit die jüdische Frage in Europa ein für allemal zu lösen. Aktion geplant für Herbst. Methoden einschließlich Blausäure in Diskussion. Wir übersenden diese Information unter gebotenem Vorbehalt, da Genauigkeit nicht überprüft werden kann. Unser Informant soll enge Verbindungen mit höchsten deutschen Behörden haben und seine Berichte [sind] im Allgemeinen zuverlässig. […] Samuel Silverman."
Fußnoten
-
"Have received through foreign office following message from Riegner Geneva STOP Received alarming report that in Fuhrers headquarters plan discussed and under consideration all Jews in countries occupied or controlled Germany number 3½ to 4 million should after deportation and concentration in East at one blow exterminated to resolve once and for all Jewish question in Europe. Action reported planned for autumn. Methods under discussion including prussic acid STOP We transmit this information with all necessary reservation, as exactitude cannot be confirmed STOP Informant stated to have close connexions with highest German authorities, and his reports generally reliable […] Samuel Silverman."
Zitiert nach: Externer Link: United States Holocaust Memorial Museum
Dennoch bleiben offizielle Reaktionen bis Kriegsende aus. 1944 ruft Präsident Roosevelt einen Kriegsflüchtlingsausschuss (War Refugee Board) ins Leben. Dieser arbeitet mit jüdischen Organisationen, Diplomaten neutraler Länder und Widerstandsgruppen in Europa zusammen, um Juden aus Gebieten unter NS-Herrschaft zu retten. Umstrittenen Schätzungen zufolge kann der Ausschuss zur Rettung von insgesamt etwa 200.000 Juden beitragen
US-Innenpolitik
Die USA stehen im Zweiten Weltkrieg für die Verteidigung von Freiheit und Demokratie in der Welt. Während in Übersee das nationalsozialistische Regime bekämpft wird, zeigen sich aber im eigenen Land umso deutlicher Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Ungerechtigkeit.
Charles Coughlin redet auf einer Wahlveranstaltung in Cleveland Ohio am 10. Mai 1936. "Father" Charles Coughlin (1891-1979), ist ein bekannter Radioprediger. Er führt die antisemitische Bewegung "The Christian Front" (Die Christliche Front) an und gibt die Zeitschrift "Social Justice" (Soziale Gerechtigkeit) heraus, die immer wieder gegen Juden hetzt. 1932 unterstützt Coughlin Roosevelt im Wahlkampf, wendet sich dann aber 1934 allmählich von ihm ab. Roosevelts
Charles Coughlin redet auf einer Wahlveranstaltung in Cleveland Ohio am 10. Mai 1936. "Father" Charles Coughlin (1891-1979), ist ein bekannter Radioprediger. Er führt die antisemitische Bewegung "The Christian Front" (Die Christliche Front) an und gibt die Zeitschrift "Social Justice" (Soziale Gerechtigkeit) heraus, die immer wieder gegen Juden hetzt. 1932 unterstützt Coughlin Roosevelt im Wahlkampf, wendet sich dann aber 1934 allmählich von ihm ab. Roosevelts
Besonders die afroamerikanische Bevölkerung, bei Kriegseintritt der USA mit zehn Prozent die größte Minderheit, wird weiter diskriminiert. 75 Prozent der Afroamerikaner leben in den Südstaaten, wo
Insassen des Manzanar Relocation Center in Kalifornien stehen Schlange für das Mittagessen (1943). In sieben Staaten existieren insgesamt zehn Internierungslager für die japanischstämmige Bevölkerung der USA. Die Unterkünfte bestehen aus schlecht isolierten Holzbaracken, die rudimentären Sanitätseinrichtungen müssen gemeinsam genutzt werden. (© picture-alliance / akg-images | akg-images)
"Two Vs Sweep the Nation". Der Slogan der "Double V Campaign" (Doppel-V-Kampagne) ist "Victory at home and abroad" (Sieg zu Hause und im Ausland). Die Afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung fordert, dass der Kampf gegen den Faschismus in Übersee Hand in Hand mit dem Kampf gegen die Rassendiskriminierung im eigenen Land gehen müsse. (© Externer Link: National Archives, Office for Emergency Management. Office of Civilian Defense. Public Counsel Division)
"Two Vs Sweep the Nation". Der Slogan der "Double V Campaign" (Doppel-V-Kampagne) ist "Victory at home and abroad" (Sieg zu Hause und im Ausland). Die Afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung fordert, dass der Kampf gegen den Faschismus in Übersee Hand in Hand mit dem Kampf gegen die Rassendiskriminierung im eigenen Land gehen müsse. (© Externer Link: National Archives, Office for Emergency Management. Office of Civilian Defense. Public Counsel Division)
Als sich im Dezember 1944 ein Ende des Krieges abzeichnet, werden die "Gefangenen" entlassen. Nach drei Jahren, in denen sie entrechtet und ihres Eigentums beraubt eingesperrt gewesen sind, ist ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft äußerst schwierig. Erst 1988 erkennt der amerikanische Kongress das Unrecht an, das den japanischstämmigen Amerikanern angetan wurde, spricht eine offizielle Entschuldigung aus und beschließt Entschädigungszahlungen.
"Americans All" (Wir sind alle Amerikaner) ist ein Schlagwort der US-Regierung während des Krieges. Die Diskrepanz zwischen dieser Botschaft und der – nicht selten von Fremdenhass und Antisemitismus geprägten – Realität bleibt nicht ohne Konsequenzen. Sie ist ein wichtiger Antrieb für die Bürgerrechtsbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Das Office of War Information
Franklin D. Roosevelt unterzeichnet am 13. Juni 1942 die Dokumente zur Gründung des
Fußnoten
-
Die "strategy of truth" ist eine OWI-Doktrin, die vor allem von Sherwood und MacLeish vertreten wurde, siehe dazu u.a. Allan M. Winkler: The Politics of Propaganda. The Office of War Information 1942-1945, New Haven/London 1978, S. 76. Oder: Nicholas Evan Sarantakes: Word Worriers: Information Operations during World War II, in: James Jay Carafano/Richard Weitz (Hg.): Mismanaging Mayhem. How Washington Responds to Crisis, Westprot/London 2008, S. 32. Oder: Justin Hart: Empire of Ideas: The Origins of Public Diplomacy and the Transformation of U.S. Foreign Policy, Oxford 2013, S.75.
Kontext: Die antiamerikanische Agitation der Nationalsozialisten
Unmittelbar nachdem Adolf Hitler den USA am 11. Dezember 1941 den Krieg erklärt hat, präsentiert das Reichspropagandaministerium unter der Leitung von Joseph Goebbels seine Strategie für die antiamerikanische Agitation. Diese sieht vor, auf unterschiedlichen medialen Kanälen sowohl die deutsche Intelligenz als auch die breite Masse von der angeblichen Kulturlosigkeit der USA zu überzeugen.
Cover der Broschüre "Roosevelt verrät Amerika" von Robert Ley, Berlin 1941. Diese nationalsozialistische Propagandaschrift gegen das politische
System in den USA ist typisch für die Anfangsphase der Anti-Amerika-Propaganda. Dabei wird die amerikanische Bevölkerung noch weitgehend ausgeklammert. Goebbels konzentriert sich auf die Diffamierung der politischen Elite. Der Verfasser dieser Schrift, Robert Ley ist u.a. 1933 für die Zerschlagung aller bisher freien und unabhängigen Gewerkschaften zur Deutschen Arbeitsfront (DAF) verantwortlich und wird ab 1934 Reichsorganisationsleiter der NSDAP. Der führende NS-Politiker nimmt entscheidenden Einfluss auf die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik im "Dritten Reich" – auch durch seine antisemitische Agitation. In "Roosevelt verrät Amerika" suggeriert Ley, dass die amerikanische Gesellschaft von Juden unterwandert und zum Teil dominiert werde. Roosevelt opfere und verrate die Interessen des amerikanischen Volkes für die Juden. Mit angeblichen "Fakten" versucht Ley nachzuweisen, dass Roosevelt jüdische Vorfahren habe.
Eine andere Art von Propaganda gegen die USA nimmt die angeblich dekadenten Auswüchse in der „Neuen Welt“ ins Visier. Schriften wie diese, die
die USA als eine Art Kuriositätenkabinett zeigen, erfreuen sich großer Beliebtheit.
Häufig werden angebliche Meldungen aus amerikanischen Medien aufgenommen und "übersetzt". So soll die Propaganda einen objektiven Eindruck machen.
Karikatur in der deutschen Satire-Zeitschrift Kladderadatsch, Heft 36, 3. September 1933Die Karikatur gibt vor, die Doppelmoral der USA "neutral" zu
entlarven: Zwar geben die amerikanischen Verantwortlichen vor, sich für die verfolgten Geflüchteten einzusetzen – im eigenen Land haben wollen sie diese aber nicht.
Die Propaganda setzt dabei oft bei vorhandenen positiven Amerika-Klischees an – Freiheit, Fortschritt, unbegrenzte Möglichkeiten – und konterkariert diese. Dekadenz, Materialismus, Kulturlosigkeit und Oberflächlichkeit sind geläufige Attribute, mit denen sie die USA in Druckschriften, Radiosendungen und Filmen versieht. Zudem verspottet das Propagandaministerium bis 1943 die militärische Schlagkraft der USA, die US-Soldaten erscheinen als kaum ernstzunehmende Gegner.
Als Reaktion auf den "Anschluss" Österreichs an das "Dritte Reich" lädt US-Präsident Roosevelt im Juli 1938 zu einer internationalen Konferenz im französischen Évian-Les-Bains ein. Vertreter von 32 Staaten beschäftigen sich mit der Situation der jüdischen Flüchtlinge. Die Hoffnungen, die Roosevelt damit weckt, werden schnell enttäuscht: Die USA empfangen die europäischen Flüchtlinge nicht mit offenen Armen. Alle Staaten bekunden zwar Mitgefühl mit den Flüchtlingen, lehnen ihre Aufnahme aber ab. Die meisten verweisen dabei auf die mit der Aufnahme verbundenen Kosten, die sie nicht tragen könnten. Als Resultat der Konferenz schließen die meisten Staaten ihre Grenzen komplett.
Bis heute wird der Film einmal jährlich in Cummington gezeigt. Seine besondere Glaubwürdigkeit basiert auf dem Einsatz von Laiendarstellern statt Schauspielern.
Weitere Inhalte
Weitere Inhalte
Sonja Hugi, M.A. Public History, studierte Geschichte, Kommunikationswissenschaften und Grafikdesign. Als Historikerin, Autorin, Illustratorin und Grafikerin betätigt sie sich in verschiedenen Bereichen der Geschichtsvermittlung. Ihr Fokus liegt auf Themen der jüngeren deutschen Geschichte.