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Globale Energiebeziehungen | Energiepolitik | bpb.de

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Globale Energiebeziehungen Abhängigkeiten, Risiken und Handlungsspielräume

Jacopo Maria Pepe

/ 11 Minuten zu lesen

Deutschlands Energieversorgung ist stark global vernetzt. Geopolitische Spannungen zeigen die Risiken und Abhängigkeiten. Es bleibt herausfordernd, Sicherheit, Effizienz und Klimaschutz zu verbinden.

Der norwegische LNG-Tanker Höegh Esperanza wird bei der Ankunft am LNG-Terminal Wilhelmshaven von Polizeibooten begleitet. Das Schiff soll hier dauerhaft als schwimmende Plattform dienen, um von Tankern angeliefertes LNG anzulanden und zu dekomprimieren. Im Jahr 2025 war Norwegen der größte Gasimporteur Deutschlands. (© picture-alliance, Caro | Bastian)

Abhängigkeiten von Energieimporten

Die Energieversorgung ist eine zentrale Grundlage von Wirtschaft und Gesellschaft: Strom, Wärme und Treibstoffe ermöglichen industrielle Produktion, Mobilität und den Betrieb privater Haushalte. Ein sicherer, erschwinglicher und stabiler Zugang zu Energie ist entscheidend für Wohlstand, wirtschaftliche Entwicklung sowie innen- und außenpolitische Handlungsfähigkeit. In Deutschland stammt weiterhin ein erheblicher Teil der benötigten Energie aus dem Ausland. 2024 wurden rund 68 Prozent des Energiebedarfs durch Importe gedeckt, lediglich 32 Prozent entfielen auf heimische Erzeugung.

Bei fossilen Energieträgern ist die Abhängigkeit besonders hoch: Mineralöl wird zu rund 99 Prozent, Erdgas zu etwa 94 Prozent importiert. Dies prägt die Abhängigkeit Deutschlands von Importen, selbst wenn andere Energieträger, wie erneuerbare Energien, überwiegend im Inland gewonnen werden. Denn in 2025 nutze Deutschland weiterhin vorrangig fossile Energieträger. Nur ein Fünftel des gesamten Primärenergieverbrauchs stammte aus erneuerbaren Energien.

Gleichzeitig wächst die inländische erneuerbare Stromerzeugung deutlich. Nach Daten des Fraunhofer ISE lag ihr Anteil an der öffentlichen Nettostromerzeugung 2025 bei rund 62 Prozent, getragen vor allem von Windkraft und Photovoltaik. Dadurch sinkt die unmittelbare Importabhängigkeit im Stromsektor signifikant.

Abhängigkeiten bei erneuerbaren Energien verschwinden jedoch nicht, sondern verlagern sich. Technologien für erneuerbare Energien, Batterien oder Wasserstoff erfordern kritische Rohstoffe und industrielle Vorprodukte. Deren Förderung und Verarbeitung ist international stark konzentriert. Zudem wird Deutschland auch künftig auf Energieimporte angewiesen bleiben, insbesondere bei grünem Wasserstoff. Externer Link: Laut der Wasserstoffimportstrategie der Bundesregierung sollen 2030 rund 50 bis 70 Prozent des Bedarfs aus dem Ausland gedeckt werden, mit steigender Tendenz danach.

Gleichzeitig wird im Kontext des Atomausstiegs zunehmend auf neue Formen indirekter Abhängigkeit verwiesen: In Phasen geringer erneuerbarer Erzeugung steigt der Bedarf an Stromimporten, insbesondere aus Nachbarländern mit Kern- und Wasserkraft. Diese sind zwar marktgetrieben und Teil eines integrierten europäischen Stromsystems, werfen aber dennoch Fragen nach geopolitischer Verwundbarkeit und Versorgungssouveränität auf. Hinzu kommt, dass auch die Kernenergie selbst nicht frei von internationalen Abhängigkeiten ist, da Uranförderung, Anreicherung sowie die Fertigung von Brennelementen global konzentriert und arbeitsteilig organisiert sind.

Globale Energiemärkte und Geopolitik

Lange Zeit galt die deutsche Importabhängigkeit als wirtschaftlicher Vorteil, da internationale Energiemärkte eine günstige und verlässliche Versorgung ermöglichten. Spätestens die Interner Link: Energiepreiskrise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat jedoch gezeigt, dass globale Energiebeziehungen und eng verflochtene Wertschöpfungsketten erhebliche Risiken bergen.

Globale Energiemärkte sind von wirtschaftlichen Interessen, politischen Strategien und internationalen Rahmenbedingungen geprägt. Technologische Entwicklungen und der Zustand der internationalen Ordnung beeinflussen maßgeblich, ob Energie als Endprodukt, Vorleistung oder Rohstoff geopolitisch instrumentalisiert wird. Veränderungen in der Verfügbarkeit von Energieressourcen können politische Machtverhältnisse verschieben. Gleichzeitig können politische Rahmenbedingungen darüber entscheiden, ob Energie als Druckmittel eingesetzt, oder gar Ziel militärischer Angriffe wird.

Besonders deutlich ist diese Verflechtung bei Öl- und Gaslieferungen über Pipelines. Zwar erhöhen Erdöl und LNG (Flüssigerdgas), die auf globalen Märkten gehandelt und über See transportiert werden können, Flexibilität und Diversifizierung. Jedoch bleiben strukturelle Machtasymmetrien bestehen. Die Konzentration von Ressourcen, Infrastruktur, Kapital und Know-how begünstigt weiterhin die Dominanz weniger Akteure, weniger Routen und Infrastrukturen. Auch erneuerbarer Strom, Batterien und Wasserstoff sind nicht frei von Abhängigkeiten und Risiken dieser Art.

In Politik und Wissenschaft bestehen traditionell unterschiedliche Einschätzungen zur Rolle von Energie als Machtinstrument. Einige Energieexpertinnen und -experten betonen die stabilisierende Wirkung gegenseitiger Abhängigkeiten. Andere sehen diese als gezieltes Druckmittel und warnen vor Risiken konzentrierter Lieferströme, insbesondere bei geopolitischer Instabilität. Verschiedene Konflikte verweisen auf eine konfliktreiche Fragmentierung der internationalen politischen Ordnung: Der Krieg Russlands gegen die Ukraine, der Krieg der USA und Israels gegen den Iran sowie die geopolitische Systemrivalität zwischen den USA und China. Gleichzeitig sind neben Schwellenländern, wie die Türkei, mehrere Groß- und Mittelmächte im Globalen Süden mit eigenen Interessen, Ressourcen und wachsender außenpolitischer Handlungsfähigkeit entstanden – darunter Indien, Indonesien, die Golfstaaten und Brasilien.

Diese Entwicklung wirkt sich unmittelbar auf internationale Energiebeziehungen und die Versorgungssicherheit aus. Zunehmende Angriffe auf kritische Energieinfrastruktur, etwa auf die Nord-Stream-Pipelines, auf Untersee-Stromkabel in der Nord- und Ostsee, oder auf LNG und Produktionsinfrastruktur in den Golfstaaten, verstärken diese Unsicherheit. Auch die zunehmend aggressive fossile und rohstoffpolitische Außenpolitik der USA, etwa im Kontext VenezuelasInterner Link: oder Grönlands, verdeutlichen den wachsenden Einfluss geopolitischer Faktoren auf globale Energiemärkte und Wertschöpfungsketten. Hinzu kommen Interner Link: Chinas dominante Stellung in grünen Industrien (Solar- Wind, EV-Batterien, Elektrolyseure), Katars Schlüsselrolle als regionale und globale LNG-Macht sowie Indiens Aufstieg zu einer technologie- und industriepolitischen Alternative zu China.

Am 26. April 2022 wurde ein Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee mit mehreren Sprengungen verübt. (© picture-alliance/AP, Uncredited)

In einer geopolitisch multipolaren Weltordnung wird Energie ein zentraler Hebel im globalen Wettbewerb sein. Ein Aspekt des globalen Wettbewerbs ist der Konflikt zwischen klassischen Petrostaaten (Erdölstaaten), wie den Golfstaaten sowie mittlerweile den USA und Elektrostaaten, wie China. Während die Petrostaaten ihre Macht aus fossilen Ressourcen ziehen, stützen sich Elektrostaaten auf elektrische Technologien. Dieser Gegensatz ist zwar wichtig, aber nicht der ausschlaggebende Faktor. Die Welt spaltet sich nicht einfach in die zwei einheitlichen Blöcke „Petro vs Grün “, sondern es kommen weitere Faktoren, wie Finanzmacht, Kontrolle von industriellen Technologien und die Kontrolle von Rohstoffen hinzu. Viele Akteure verfügen aber über mehrere dieser Merkmale gleichzeitig und versuchen diese parallel einzusetzen. Preisschwankungen und Lieferausfälle folgen damit zunehmend geopolitischen Logiken und wirken sich direkt auf Unternehmen sowie Verbraucherinnen und Verbraucher aus.

Seit der Energiekrise 2022/23 gewinnt diese Perspektive auch in der deutschen Politik an Bedeutung. Resilienz, Redundanz, Diversifizierung, Industrieerhalt und staatliche Koordination gelten zunehmend als zentrale Voraussetzungen für die gegenwärtige und künftige Versorgungssicherheit. Sie führen zu einer Neutarierung energiepolitischer Prioritäten Interner Link: im strategischen Dreieck Versorgungssicherheit-Preisgünstigkeit-Umweltverträglichkeit.

Russischer Angriffskrieg gegen die Ukraine

Im Februar 2022 kam es im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zu massiven Verwerfungen auf den Energiemärkten. Dies ist auf ausbleibende Öl- und Gaslieferungen aus Russland, Sanktionen sowie wachsende politische und militärische Spannungen zurückzuführen. Insbesondere beim Erdgas kam es zu extremen Preissteigerungen und akuten Versorgungsrisiken. Deutschlands starke Abhängigkeit von Russland wurde als sicherheitspolitisches Risiko erkannt und rasch reduziert – vor allem durch den schnellen Ersatz russischer Pipelinegaslieferungen durch LNG. Laut KfW Research sank der Anteil russischer fossiler Energieimporte 2024 auf etwa 0,1 Prozent des Gesamtwerts. Norwegen, die USA und die Niederlande wurden zu den wichtigsten Lieferländern, wobei die USA insbesondere als LNG-Lieferant an Bedeutung gewannen.

Dieser Strategiewechsel stabilisierte die Versorgung kurzfristig und senkte die Abhängigkeit von Russland deutlich. Jedoch verursachte dieser erhebliche Kosten mit anhaltenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Im ersten Halbjahr 2023 lagen laut Statistischem Bundesamt die Gaspreise um 52,5 Prozent, die Strompreise um 26,2 Prozent höher als noch im vorherigen Jahr. Haushalte waren mit stark steigenden Kosten konfrontiert, dies hat einkommensschwächere Gruppen besonders getroffen. Trotz rückläufiger Großhandelspreise liegen die Endkundenpreise für Strom und Gas auch 2024 noch spürbar über dem Vorkrisenniveau.

Auch Unternehmen litten erheblich unter hohen Energiekosten. Zeitweise zahlten industrielle Verbraucher in der EU mehr als doppelt so hohe Strompreise wie Wettbewerber in den USA. Dies beeinträchtigte die Wettbewerbsfähigkeit, führte zu Produktionsdrosselungen, Investitionszurückhaltung und in Einzelfällen zur Verlagerung von Kapazitäten ins Ausland. Die durch die Energiekrise entstandenen Mehrkosten für Beschaffung, gepaart mit Netzentgelten und Steuer- sowie CO2-Abgaben, belasten die deutsche Industrie – trotz rückläufigem Trend und Entlastungen. Seither hat sich die Debatte über Deindustrialisierung, die Attraktivität des Standorts Deutschland sowie um die Kosten und Zukunft der Energietransformation deutlich verschärft.

Zugleich schuf die veränderte energiepolitische Realität neue strukturelle Abhängigkeiten, insbesondere von den USA. Diese haben sich zum wichtigsten LNG-Lieferanten für die EU und Deutschland entwickelt. Der Anteil von US-LNG an Deutschlands gesamten Gasimporten – also Flüssiggas (LNG) und Pipeline-Gas – lag bereits 2023 bei 13,5 Prozent. Zugleich stammten rund 84,5 Prozent der deutschen LNG-Importe aus den USA. Die deutsche Abhängigkeit von US-LNG dürfte vor dem Hintergrund sinkender bzw. stagnierender Förderkapazitäten in Norwegen und den Niederlanden trotz rückgängigem Verbrauch noch weiter steigern. In 2025 lag der US-Anteil an LNG-Importen bei 96 Prozent.

Zwar erhöht LNG die Flexibilität der Beschaffung, geht jedoch mit höheren Preisen, größerer Volatilität und geopolitischer Verwundbarkeit einher. Dies wird insbesondere angesichts der aktuellen fossilen Diplomatie der US-Administration deutlich, welche gezielt Energieexporte als geopolitisches Machtinstrument nutzt. Liefermengen reagieren zudem stark auf globale Preissignale, insbesondere aus Asien, und können politisch gesteuert werden. Angesichts eines weiterhin angespannten globalen LNG-Marktes und erwartet steigender Nachfrage in Asien, bleibt die Hoffnung auf dauerhaft günstige und verlässliche LNG-Märkte mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Die aktuelle Kriegssituation am Golf zeugen von Volatilität, Risiken und Unwägbarkeiten der Versorgung. Denn damit gingen Anfang März 2026 die Unterbrechung der LNG-Produktion und des Exports Katars einher sowie der direkte Schock-Effekt auf Öl- und LNG-Preise.

Energiewende und neue globale Abhängigkeiten

Die Energiekrise hat auch zu einer Neudeutung der Energietransformation geführt. Die Energiewende ist nun nicht nur primär klimapolitisch vorangetrieben, sondern kann durch den Ausbau erneuerbarer Energien und entsprechender Technologien den Bedarf an fossilen Brennstoffen aus dem Ausland senken. Dadurch kann die Energiebeschaffung langfristig günstiger werden. Abhängigkeiten für Deutschland bleiben jedoch bestehen. Für die Herstellung von Solaranlagen, Windkraftwerken, Batterien und Wasserstofftechnologien werden große Mengen spezifischer Rohstoffe benötigt, darunter Lithium, Kobalt und seltene Erden. Diese werden häufig in wenigen Ländern gefördert und weiterverarbeitet. Besonders China nimmt entlang vieler dieser Wertschöpfungsketten (bei Abbau sowie bei Veredelung und Verarbeitung) eine zentrale Rolle ein. Zudem dominiert China die industrielle Massenproduktion zentraler Komponenten – von Solarpanelen über Windturbinen und Batterien für Elektrofahrzeuge bis hin zu Elektrolyseuren. Dies verschafft dem Land strategische Hebel in globalen Zukunftsmärkten.

Neben Rohstoffen gewinnen technologische Kompetenzen und Innovationen weiter an Bedeutung. Staaten die Schlüsseltechnologien entwickeln oder kontrollieren, können erhebliche wirtschaftliche und industriepolitische Vorteile erzielen. Auch hier spielt China – neben den USA und Europa – eine zunehmend wichtige Rolle und holt insbesondere bei Patenten für grüne Technologien deutlich auf.

In Politik und Wissenschaft wird daher verstärkt argumentiert: China verfolgt mit seiner Industrie- und Rohstoffstrategie klare Ziele. Durch gezielte Förderprogramme, geostrategische Partnerschaften, Infrastrukturinvestitionen im Globalen Süden und die Internationalisierung chinesischer Unternehmen will das Land seinen politischen Einfluss in der globalen Energiewende sichern.

Vor diesem Hintergrund wird häufig eine stärkere Diversifizierung oder teilweise Entkopplung von China gefordert. Kurz- bis mittelfristig bleibt Chinas Dominanz jedoch bestehen, zumal dessen Produktionsskalierung kostengünstige, und teils qualitativ hochwertige Alternativen bietet. Angesichts wachsender transatlantischer Spannungen und einer zunehmend aggressiven fossilen Diplomatie der USA, plädieren manche daher für einen pragmatischeren Umgang mit China – etwa durch kontrollierte Interdependenzen und strikte Bedingungen bei Technologietransfer und Investitionen in europäischen Schlüsselindustrien wie Batterien oder Elektrolyseuren.

Auch bei Wasserstoff und zunehmend Interner Link: grenzüberschreitend gehandeltem Strom entstehen neue, geopolitisch und infrastrukturell risikobehaftete Importabhängigkeiten. Diese machen die Versorgungssicherheit und Preisstabilität verwundbar.

Die Energiewende führt damit nicht zu vollständiger Unabhängigkeit, sondern zu neuen Formen internationaler Verflechtung. Dies verursacht kurz- bis mittelfristig weitere Mehrkosten für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen. Offen bleibt weiterhin, wie diese Abhängigkeiten unter Bedingungen verschärfter systemischer Rivalität, geopolitischer Unsicherheit und finanzieller Mehrbelastung gestaltet werden können, ohne die Ziele der Energiewende, den Industriestandort und den wirtschaftlichen Wohlstand zu gefährden.

Dauerhafte Herausforderungen

Die deutsche wie die europäische Energieversorgung ist eng in globale Energiebeziehungen eingebunden. Die hohe Importabhängigkeit ist Ausdruck einer international vernetzten Volkswirtschaft. Diese bringt jedoch aufgrund wachsender globaler Spannungen und einer Rückkehr geopolitischer Großmachtrivalität zunehmende Verwundbarkeiten mit sich. Die Energiepreiskrise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat diese Risiken deutlich gemacht und bestehende Annahmen über Sicherheit und Verlässlichkeit infrage gestellt.

Gleichzeitig hat die Krise gezeigt, dass Anpassungen möglich sind. Neue Lieferbeziehungen, Einsparmaßnahmen und staatliche Eingriffe trugen dazu bei, kurzfristige Versorgungsengpässe zu vermeiden. Diese Maßnahmen waren jedoch mit hohen wirtschaftlichen und finanziellen Kosten verbunden und führten zu neuen Abhängigkeiten sowie zu Trade-offs – etwa zwischen Klimaschutz und Versorgungssicherheit oder zwischen Klimaschutz und internationaler Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Daraus erwachsen politische Debatten über Resilienz versus Effizienz, marktbasierte versus staatlich gelenkte Energiemärkte, Industriestärkung versus Energietransformation. Hinzu kommen der Umgang mit der fossilen Supermacht USA oder der „Elektrosupermacht“ China, und nicht zuletzt die Notwendigkeit eines robusten, gar militärischen, Schutzes kritischer Energieinfrastruktur.

Während fossile Abhängigkeiten extrem risikobehaftet bleiben, ist jedoch festzuhalten, dass auch langfristig Deutschland in einer „dekarbonisierten“ Wirtschaft auf internationale Energie-Rohstoff- und Technologiemärkte angewiesen bleiben wird. Selbst eine klimaneutrale Energieversorgung bedeutet nicht das Ende globaler Abhängigkeiten, sondern deren Umgestaltung. Energiepolitik bewegt sich daher dauerhaft im Spannungsfeld von Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz. Unter den verschärften geopolitischen Bedingungen wird Energieversorgungsicherheit immer mehr systemisch gedacht werden müssen. Es wird entscheidend sein, fortbestehende fossile Abhängigkeiten und deren Risiken kurz- bis mittelfristig zu managen und die langfristigen geopolitischen Rahmenbedingungen einer post-fossilen Versorgung stärker zu berücksichtigen und in öffentliche und private Entscheidungsfindungsprozesse einzupreisen.

Dr. Jacopo Maria Pepe ist seit 2019 Wissenschaftler an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), wo er zur europäischen und globalen Energiepolitik, sowie zur Geopolitik der Energiemärkte und der Energiewende forscht und berät.

Durch die Energiewende soll der Anteil der fossilen Energieträger wie Erdöl, Erdgas, Kohle und der Kernenergieanteil am Energiemix in Deutschland zugunsten der erneuerbaren Energien verringert werden…

Interner Link: Kompletten Eintrag "Energiewende" lesen

Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 6. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2016. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2016.

Durch die Energiewende soll der Anteil der fossilen Energieträger wie Erdöl, Erdgas, Kohle und der Kernenergieanteil am Energiemix in Deutschland zugunsten der erneuerbaren Energien verringert werden…

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Duden Wirtschaft von A bis Z: Grundlagenwissen für Schule und Studium, Beruf und Alltag. 6. Aufl. Mannheim: Bibliographisches Institut 2016. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung 2016.