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Zwei Millionen für mehr Tierwohl – Hermann und Nadja stellen um

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Zwei Millionen für mehr Tierwohl – Hermann und Nadja stellen um Wir im Wandel. Geschichten vom Umbruch

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Als Hermann Poppen die Schweinezucht seines Vaters übernimmt, ist klar, dass er was ändern will. Doch das Umstellen von konventionell auf Bio kostet Hermann und seine Frau Nadja nicht nur viel Geld. Auch die Tiere bereiten ihnen Kummer.

Zwei Millionen für mehr Tierwohl – Hermann und Nadja stellen um

Wir im Wandel. Geschichten von Umbruch

Zwei Millionen für mehr Tierwohl – Hermann und Nadja stellen um

Als Hermann Poppen die Schweinezucht seines Vaters übernimmt, ist klar, dass er was ändern will. Doch das Umstellen von konventionell auf Bio kostet Hermann und seine Frau Nadja nicht nur viel Geld. Auch die Tiere bereiten ihnen Kummer. Mehr Infos unter: www.bpb.de/wirimwandel

Das Transkript der Episode gibt es Interner Link: hier zum Download.

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Nadja und Hermann Poppen betreiben in Aurich den Hof Sonnenschein. Es ist die erste größere Bio-Schweinezucht in der Region Ostfriesland überhaupt. Mit rund 130 Sauen, vielen Ferkeln und drei Ebern. Einer dieser Eber ist Bobby – ein Angler Sattelschwein, das einen eigenen Externer Link: Instagram-Kanal hat. Mit Fotos und Geschichten zu Bobby bewirbt Familie Poppen ihren Hof und will ihre Art der Tierhaltung transparent machen.

Andere Tierhaltung – ohne Spaltenböden

Als Hermann Poppen 2016 in den Hof des Vaters mit einstieg, war ihm und seiner Frau Nadja klar, dass sie was ändern wollen. 2018 übernahm Hermann Poppen den Hof komplett und die Umstellung von konventioneller auf Bio-Schweinezucht ging los. Damit sind beide ein großes Wagnis eingegangen: Sie haben knapp zwei Millionen Euro in den Hof und die Umstellung investiert.

Dazu gehört zum Beispiel, dass die Schweine in den Ställen nicht mehr auf Spaltenboden stehen. In Deutschland ist letzteres bislang in der Schweinezucht der Standard, wie aktuelle Externer Link: Zahlen vom Statistischen Bundesamt zeigen. Insgesamt stehen 96 Prozent der Schweine auf Spaltenboden. Ein durchlässiger Boden, durch den Kot und Urin der Tiere abfließen können. 17 Prozent stehen auf Teilspaltenboden. Das heißt, für die Tiere gibt es einen Bereich im Stall ohne Spalten, in dem sie fressen und liegen können. 79 Prozent der Schweine stehen auf Vollspalten.

In einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats „Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft heißt es, dass solche Böden, die überall Spalten haben, das Tierwohl bedeutend beeinträchtigen. Das Gutachten (Externer Link: als PDF hier zugänglich) ist aus dem Jahr 2015.

Auf dem Hof Sonnenschein wurde aber noch mehr umgestellt und angepasst. Familie Poppen baute einen neuen Stall zum Abferkeln, in dem die Sauen ihre Ferkel zur Welt bringen. Ein Platz pro Sau kostet rund 10.000 Euro: Insgesamt investierten sie dafür 500.000 Euro. Im neuen Stall hat jede Sau einen Bereich, in dem sie sich frei bewegen kann. Der Boden ist ohne Spalten und es gibt Stroh.

Kastenstände in der Schweinehaltung

Das Abferkeln und anschließende Säugen unterscheidet sich zwischen konventioneller und Bio-Haltung deutlich. In der konventionellen Schweinezucht ist die Sau vor und nach der Geburt in einem Kastenstand fixiert. Dafür sind Anfang 2021 neue Regeln als Teil der Externer Link: Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung in Kraft getreten. Dabei gilt bei den Kastenständen für das Abferkeln eine Übergangsfrist von 15 Jahren. Nach der Übergangsfrist dürfen die Sauen nur noch fünf statt wie aktuell 35 Tage rund um die Geburt fixiert werden. Der dafür notwendige Stallumbau wird von der Bundesregierung finanziell gefördert.

Ein Argument für die Kastenstände ist, dass die Sauen unter Umständen die Ferkel verletzen können, weil sie sich auf die Ferkel drauflegen und sie erdrücken. Auch im Bio-Bereich ist das Fixieren der Sauen kurzfristig rund um die Geburt erlaubt. Hier unterscheiden sich je nach Bioverband die Vorgaben. Bei Familie Poppen ferkeln die Sauen komplett frei ab. Das heißt, ganz ohne Fixierung.

Mehr Tierwohl bedeutet einen höheren Preis

Über die Haltung von Nutztieren wird mittlerweile mehr und intensiver nachgedacht. Fragen des Tierwohls sind Teil der öffentlichen Diskussion. Dabei ist Tierwohl ein wissenschaftlicher Begriff, der klar definiert ist und sich auch messen lässt.

Solveig March vom Thünen Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, arbeitet zum Thema Tierwohl. Dazu zähle die Gesundheit der Tiere. Aber eben auch der Aspekt, ob sie ein natürliches Leben führen und sich normal verhalten können. Ebenso sei entscheidend, ob die Tiere positive Emotionen empfinden können. Das heißt im Umkehrschluss, dass sie keine Schmerzen und kein Leid erfahren. Bei Schweinen gehört zum normalen Verhalten, dass sie zum Beispiel gerne wühlen. Auf Vollspaltenböden ohne Stroh ist das nicht möglich. Ebenso sind Schweine sehr soziale Tiere.

Familie Poppen hat die Umstellung für mehr Tierwohl gewagt. Doch sie gehören zu einer kleinen Zahl von Bio-Schweinezuchten in Deutschland. Nur ein Prozent des Schweinefleischs insgesamt ist Bio-Schweinefleisch. Denn der Preis für Bio-Fleisch ist deutlich teurer als für Fleisch aus konventioneller Tierhaltung. Die effiziente und optimierte Tierhaltung macht es möglich, dass Fleisch günstig und damit erschwinglich ist.

Zugleich hat eine breite Diskussion über mehr Tierwohl begonnen. Und am Ende sind auch die Verbraucherinnen und Verbraucher – also die Fleischesser – gefragt, ob sie bereit sind, für eine andere Tierhaltung mehr Geld auszugeben.

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