Kinder der jüdischen Grundschule in Frankfurt am Main sitzen zusammen an einem Tisch

Geschichte der Jüdinnen und Juden in Deutschland

Um die wechselvolle und reichhaltige Geschichte sowie die verschiedenen Facetten jüdischen Lebens in Deutschland zu verstehen, ist ein Blick in die Vergangenheit notwendig. Dabei ist jüdisches Leben weder auf die großen kulturellen, geistigen, wirtschaftlichen Leistungen noch auf Ausgrenzung und Gewalt zu reduzieren. Jahrhundertelang lebten sie, geschützt von kaiserlichen Edikten, inmitten der christlichen Bevölkerung.

Mit dem sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg der deutschen Jüdinnen und Juden im 19. Jahrhundert prägte sich auch ein neuartiger Antisemitismus aus – bis mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 eine Vernichtungspolitik einsetzte, die zur industriell betriebenen Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden führte.

Nach der Shoah lebten im Jahre 1950 nur noch etwa 15.000 Jüdinnen und Juden in der Bundesrepublik Deutschland. Heute zählen rund 107.000 Mitglieder zur Jüdischen Gemeinde. Man geht davon aus, dass ca. genauso viele in Deutschland leben, die nicht Mitglied der jüdischen Gemeinde sind. Der Großteil der Mitglieder der Jüdischen Gemeinden immigrierte aus der ehemaligen Sowjetunion ab 1990 nach Deutschland.

Museum Shalom Europa – das Museum der Jüdischen Gemeinde Würzburg: Grabsteinfragmente aus der Zeit 1147 bis 1346, die größte Hinterlassenschaft aus einem mittelalterlichen Judenfriedhof weltweit

Michael Brenner

Von den Anfängen jüdischen Lebens in Deutschland bis zur Shoah

Über die Anfänge jüdischen Lebens auf deutschem Gebiet lässt sich nur spekulieren. Erstmals erwähnt werden sie in einem römischen Erlass aus dem Jahr 321 an den Statthalter in "Colonia", dem heutigen Köln. Spätestens ab dem 10. Jahrhundert kann mit Gewissheit von einer Kontinuität deutsch-jüdischen Lebens gesprochen werden.

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Grundsteinlegung für den Wiederaufbau der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße im Zentrum Ost-Berlins 1988.

Ulrike Offenberg

Leben im Schatten von Schoah und Stalinismus (1945-1989)

Die DDR verstand sich als Nachfolgerin des antifaschistischen Widerstandskampfes – gleichwohl begleiteten antijüdische Kampagnen immer wieder das Leben von Jüdinnen und Juden in der DDR. Erst ab Mitte der 1980er Jahre begann sich die Situation langsam zu ändern.

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Westend-Synagoge Frankfurt am Main

Anthony Kauders

Leben im Schatten der Shoah: Juden im geteilten Deutschland (1945-1989)

Die Geschichte der Juden in der Bundesrepublik muss immer auch als eine besondere Emotionsgeschichte verstanden werden. Denn Angst spielte eine große Rolle: vor traumatisierenden Erinnerungen, vor einer ungewissen Zukunft sowie vor der Indifferenz der Mehrheitsgesellschaft gegenüber Holocaust und Antisemitismus.

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Berlin: Kinder und Erwachsene der Ostberliner Adass Jisroel Gemeinde feierten im Februar 1991 in ihrem Gemeindehaus in der Tucholskystraße ihr Purimfest. Es war das zweite Mal nach der Wende, daß dieses Fest gefeiert wurde. Auch jüdische Aussiedler aus osteuropäischen Ländern nahmen an der Feier teil.

Julia Bernstein

Man hat Juden erwartet und es sind Menschen gekommen

Ab den 1990er Jahren migrierten zehntausende sogenannte jüdische Kontingentflüchtlinge aus der Sowjetunion in die Bundesrepublik Deutschland. Was waren die besonderen Herausforderungen russischsprachiger jüdischer Zuwanderung? Wie hat sich das Bild der Gemeinden seither verändert?

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Videos

Adina Stern

Moses Mendelssohn

Moses Mendelssohn gehörte zu den wichtigsten Intellektuellen Europas und zu den Wegbereitern der jüdischen Aufklärung (der Haskala). Seine Publikationen umfassten Themen der zeitgenössischen Philosophie, Ästhetik, politischen Theorie, Semiotik, Philologie und mehr.

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Adina Stern

Jüdische Emanzipation im 18. und 19. Jahrhundert

In Folge der europäischen Aufklärung wuchsen Ende des 18. Jahrhunderts auch im deutschsprachigen Raum das jüdische Streben und die Forderung nach Gleichberechtigung, ebenso wie die gleichzeitige Bereitschaft, sich in die christliche Mehrheitsgesellschaft einzugliedern.

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Mathias Berek

Politische Partizipation 1848-1933

Wenn es um deutsche Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert geht, ist selten davon die Rede, wie deutsche Jüdinnen und Juden die wechselhafte Geschichte dieses Landes entscheidend mitprägten.

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Weitere Inhalte

"Antisemitismus in Deutschland" lautet der Titel der Studie, die am Montag (23.01.2012) in Berlin zu sehen ist. Ein unabhängiger Expertenkreis hatte nach einem Bundestagsbeschluss aus dem Jahr 2008 das Ausmaß des Antisemitismus in Deutschland untersucht und nun die Studie vorgelegt.

Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 28–30/2014): Antisemitismus

Von der Judenfeindschaft zum Antisemitismus. Ein historischer Überblick

Der moderne Antisemitismus beerbt ältere Formen der Judenfeindschaft. Wurzelnd im christlichen Antijudaismus löst sich der neuzeitliche Judenhass von religiösen Motiven ab, gipfelt im NS-Vernichtungsantisemitismus und wirkt bis in die Gegenwart fort.

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Antisemitische Postkarte

Dossier Antisemitismus

Judenfeindschaft von der Antike bis zur Neuzeit

"Christusmörder", "Wucherer", "Schacherer": Judenfeindschaft hat eine lange Tradition. Von der Antike über das Mittelalter bis zur Neuzeit verfestigte sich ein negatives Judenbild, aufgeladen durch antijüdische Mythen und Klischees.

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Mahnmal für die Weiße Rose vor dem Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München

Dossier Antisemitismus

Die Gefahr erkennt man immer zu spät

Wie haben die deutschen Juden den Antisemitismus nach dem Ersten Weltkrieg sowie den Regimewechsel 1933 wahrgenommen? Auch wenn sich die Gefahren immer erst aus der Rückschau richtig einschätzen lassen, stellt sich die Frage: "Wann erkennt man die Gefahr?"

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Fisch in einem Fluss in China schwimmt gegen den Strom.

Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 27/2014): Widerstand

Widerstand und Selbstbehauptung von Juden im Nationalsozialismus

Juden waren keineswegs nur passive Opfer. Widerständiges Verhalten hatte vielfältige Formen und war längst nicht nur der bewaffnete Kampf, sondern auch Selbstbehauptung unter schwierigsten Bedingungen.

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Familienwege 1933-1989

Dossier Gerettete Geschichten

Elf jüdische Familien im 20. Jahrhundert

Elf Familiengeschichten zeigen, was Verfolgung, Kriege und Ost-West-Konflikt für Juden in Europa konkret bedeuten konnten. Jede der elf Biographien wird in einem Film erzählt. Interaktive Karten lassen die Größenordnung des Völkermordes und die Flucht- und Auswanderungsbewegungen vor und nach 1945 nachvollziehen. Texte beleuchten u.a. die Situation im Nachkriegseuropa sowie nach 1990.

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Idee_Staatsgruendung_290.jpg

Dossier Israel

Von der Idee zum Staat

Die Idee einer Rückkehr der Juden nach Eretz Israel ist so alt wie das Exil seit der Tempelzerstörung (70 n. Chr.). Der Zionismus, die jüdische Nationalbewegung, entstand Ende des 19. Jahrhunderts – beeinflusst vom Aufkommen der Nationalbewegungen in Europa und als Antwort auf den wachsenden Antisemitismus und den Assimilationstrend.

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Jüdisches Leben

Informationen zur politischen Bildung Nr. 307/2010

Jüdisches Leben in Deutschland

Die Geschichte des deutschen Judentums lässt sich nicht auf die Verfolgung durch die Nationalsozialisten reduzieren - die jüdische Kultur prägt seit Jahrhunderten Europa und Deutschland mit. Arno Herzig zeichnet Phasen der Ausgrenzung, aber auch der Annäherung zwischen jüdischer Minderheit und christlicher Mehrheit nach.

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Die Autorin Olga Grjasnowa

Dmitrij Belkin

Jüdische Kontingentflüchtlinge und Russlanddeutsche

In den 1990er und Anfang der 2000er Jahre migrierten sogenannte "jüdische Kontingentflüchtlinge" aus der Sowjetunion in die Bundesrepublik Deutschland. Wie kam es zu der jüdischen Migration? Was bewirkte sie? Und wie hängen die Migration von jüdischen Kontingentflüchtlingen und von Russlanddeutschen miteinander zusammen?

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Jüdisch in Europa, Teil 1

Der Arte-Zweiteiler thematisiert die kulturellen Wurzeln der Juden in Europa, ihren Alltag und ihr Selbstverständnis ebenso wie die Mythen und den Umgang mit ihnen.

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Jüdisch in Europa, Teil 2

Der Arte-Zweiteiler thematisiert die kulturellen Wurzeln der Juden in Europa, ihren Alltag und ihr Selbstverständnis ebenso wie die Mythen und den Umgang mit ihnen.

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Jerusalem mit Klagemauer und Tempelberg, vom dem aus die goldene Kuppel der Al-Aqsa-Moschee in den Himmel ragt.
Israel

Israel

Die Entwicklung Israels ist eine Erfolgsgeschichte: Seit seiner Gründung hat es Menschen aus über 120 Ländern in einen jüdisch-demokratischen Staat integriert. Aus einem landwirtschaftlich geprägten Land ist eine Hightech-Nation geworden.

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Dossier

Antisemitismus

Antisemitismus ist eine antimoderne Weltanschauung, die in der Existenz der Juden die Ursache aller Probleme der heutigen Welt sieht. Das Dossier beleuchtet Geschichte und Gegenwart der Judenfeindschaft und hilft, sie zu entlarven.

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Auschwitz – Ort und Symbol der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Der Name der südpolnischen Stadt steht für den millionenfachen Mord an Juden, Sinti und Roma und Menschen, die nach der NS-Rassenideologie nicht zur "Volksgemeinschaft" gehörten. Der Bombay Flying Club hat dazu eine Webdocumentary für die bpb umgesetzt - in deutscher, englischer und polnischer Sprache.

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Dossier

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Als er 1945 endete, lag Europa in Trümmern. Über 60 Millionen Menschen waren tot. Wie konnte es soweit kommen? Und wie sollte es weitergehen mit einem Land, das den größten Zivilisationsbruch der Geschichte begangen hatte?

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