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Krieg in den Medien

1.10.2011

Methoden der Kriegspropaganda

Propagandisten können auf eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden zurückgreifen.

Hartmann von AueLieder, die zu Propagandazwecken eingesetzt werden, gibt es spätestens seit dem Hochmittelalter. Sie wurden damals von Minnesängern vorgetragen, wie dem hier dargestellten Hartmann von Aue. (© Public Domain)
Propaganda bildet vor, während und nach dem Krieg einen wichtigen Teil der politisch-militärischen Strategie. Die Methoden der Kriegspropaganda sind dabei seit Jahrhunderten nahezu dieselben geblieben. An ihrer Wirksamkeit hat dies jedoch kaum etwas geändert: Die Menschen fallen heute genauso auf Kriegspropaganda herein wie Generationen vor ihnen. Propaganda hat einen großen Anteil daran, dass Kriege geführt werden. Bedrohungsszenarien und Feindparolen, die durch Medien verbreitet werden, schüren die Kriegsbereitschaft. Die Wahrheit bleibt dagegen häufig auf der Strecke. Im Folgenden werden einige Methoden der Propaganda vorgestellt und mit Hilfe von Beispielen erläutert.

Angsterzeugung

Menschen lassen sich am ehesten von der Notwendigkeit eines Militäreinsatzes überzeugen, wenn sie sich einem besonders bedrohlichen Gegner ausgesetzt sehen. Mit der Angst vor dem Verlust des Besitzes oder gar
Bild: Deutsches Historisches Museum, BerlinPropagandaplakat aus der Zeit des Nationalsozialismus, das die Gefahr durch den Bolschewismus beschwört. (© Deutsches Historisches Museum, Berlin)
des eigenen Lebens steigt die Bereitschaft, einen Krieg zu befürworten. Diese Angst kann sich schnell in Wut wandeln und in Hass auf den vermeintlichen Feind umschlagen. Daher ist es äußerst wirksam, einen Zustand zu schaffen, in dem die Bedrohung von außen allgegenwärtig erscheint. Dies geschieht zum Beispiel durch die ständige Wiederholung der Größe der Gefahr und der Bedrohung durch den Feind. Dafür wird ein teuflisches Bild vom Gegner gezeichnet. Die eigene Bevölkerung wird hingegen als unschuldig und absolut gut dargestellt. Der Krieg scheint moralisch gerechtfertigt, weil dadurch das Gute (= wir) bewahrt und das Böse (= der Feind) bekämpft wird.


Zensur

Schon immer machte die Zensur einen Teil der Propaganda aus: Eine Sichtweise kann dann besonders gut vermittelt werden, wenn eine andere unterdrückt wird. Zensur bezeichnet die in der Regel vom Staat ausgeübte Überwachung und Unterdrückung von Medienprodukten. Sie sorgt dafür, dass nur bestimmte Informationen die Öffentlichkeit erreichen. Davon betroffen sein können Druckerzeugnisse wie Zeitungen und Bücher, aber auch Hörfunk-, Film-, Tonträger- und Videoproduktionen oder Webseiten. In Kriegszeiten werden mit Zensurmaßnahmen vor allem zwei Ziele angestrebt: Zum einen versucht das Militär zu erreichen, dass dem Gegner keine geheimen Informationen zukommen – zum Beispiel über Waffen, Truppenstärke und geplante Manöver. Zum anderen soll verhindert werden, dass bestimmte Darstellungen des Krieges das Vertrauen in Politik und Militär sowie die Zustimmung der Bevölkerung zum Krieg gefährden. Niederlagen, Fehlschläge, Kriegsverbrechen der eigenen Armee und das durch den Krieg ausgelöste Leid werden daher der Öffentlichkeit vorenthalten.

Man kann drei Formen der Zensur unterscheiden: direkte Zensur, indirekte Zensur und Selbstzensur. Direkte Zensur bedeutet, dass Medienprodukte vor der Veröffentlichung von einer Behörde kontrolliert werden. Wenn die Darstellungen nicht der vorherrschenden politischen Meinung entsprechen, wird ihre Verbreitung verhindert. Die direkte Zensur wurde in der westlichen Welt weitgehend abgeschafft. Aufgrund des weitverzweigten Mediensystems ist eine totale Kontrolle der Medien, insbesondere des Internets, mittels direkter Zensur heute deutlich erschwert. Wenn bereits der Zugang zu Informationen kontrolliert wird, spricht man von indirekter Zensur. Den Journalisten werden entweder wichtige Informationen vorenthalten, oder sie dürfen bestimmte Orte (zum Beispiel den Kriegsschauplatz) nicht betreten. Den Medienvertretern bleibt dann in Kriegszeiten oft nichts anderes übrig, als die Meldungen der Militärs ungeprüft zu übernehmen. Gegebenenfalls haben sie noch die Möglichkeit, an alternative Informationen über das Internet zu gelangen. Unterschlagen Journalisten bestimmte Informationen, obwohl es keine politischen oder militärischen Zensurvorschriften gibt, wird dies als Selbstzensur bezeichnet. Gründe können zum Beispiel die wirtschaftliche Abhängigkeit eines Mediums von seinen Inserenten oder eine direkte Bestechung oder Begünstigung sein. Viel häufiger allerdings ist eine Berichterstattung, die wichtige Aspekte bewusst ausblendet, auf die Angst der Journalisten zurückzuführen, sich durch das Vertreten unpopulärer Ansichten Karrierechancen zu verbauen. Hinzu kommt, dass Journalisten oftmals wegen ihrer eigenen patriotischen Einstellungen und Meinungen die Realität nur einseitig wahrnehmen. In Kriegszeiten orientieren sich Medienmacher bei ihrer Berichterstattung teilweise an offiziellen Regierungsquellen. Die Position der Regierung wird übernommen, nur selten wird über Kriegsgegner berichtet. Die durch die Regierung geprägte kriegsbefürwortende nationale Einstimmigkeit wird auf diese Weise sogar noch verstärkt.

Sprachliche Verzerrung

Verantwortungsvoller Umgang mit Sprache Nachrichtenmoderator Thomas Kausch über die Verantwortung im Umgang mit Sprache bei Kriegsnachrichten. (© 2006, Bundeszentrale für politische Bildung)
Sprache ist ein wirksames Mittel der Kriegspropaganda. Bei politischen Reden und militärischen Pressekonferenzen wird davon ganz bewusst Gebrauch gemacht. Durch eine gezielte Wortwahl lassen sich bei den Zuhörern gewisse Stimmungen hervorrufen oder unterdrücken. Um den Krieg als gute Sache gegen einen bösen Gegner erscheinen zu lassen, werden häufig Schlagwörter eingesetzt, die man auch als "White Words" und "Black Words" bezeichnet. Außerdem werden bei Reden über den Krieg negativ besetzte Ausdrücke meistens vermieden. Stattdessen werden Begriffe verwendet, die normalerweise in anderen Zusammenhängen gebraucht werden. Man bezeichnet dies auch als "sprachliche Schönfärberei".
  • Die Verwendung von "Black Words"
    "Black Words" dienen dem Aufbau eines klaren Feindbildes. Sie können beim Zuhörer Unbehagen und Angst auslösen. In politischen Reden wird bei der Beschreibung des Kriegsgegners häufig davon Gebrauch gemacht. Zu den "Black Words" gehören Begriffe wie: Diktator, Hass, Waffen, Terrorismus, Unterdrückung, Regime, Tyrannei, das Böse, Fanatismus etc.

  • Die Verwendung von "White Words"
    "White Words" sind Begriffe, die bei den meisten Menschen mit sehr positiven Gefühlen verbunden sind. Die Verwendung von "White Words" dient der moralischen Rechtfertigung des Krieges. Er erscheint als notwendiges Übel, um zu bewahren, was allen gleichermaßen lieb und teuer ist. Zu den "White Words" gehören Begriffe wie: Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit, Sicherheit, Frieden, Familie, Nation, Humanität, Vaterland etc.

  • "Sprachliche Schönfärberei"
    Bestimmte Wörter werden von Politikern und Militärs im Zusammenhang mit Krieg bewusst vermieden, weil sie die Grausamkeit und Barbarei des Krieges zutage treten lassen. Sie werden durch verharmlosende Formulierungen ersetzt, die sicherstellen sollen, dass der Widerstand gegen den Krieg innerhalb der Öffentlichkeit so gering wie möglich bleibt. Häufig verwendete beschönigende Formulierungen sind beispielsweise "Kollateralschaden" statt "Getötete oder verletzte Zivilisten" oder "Luft-Kampagne" statt "Bombardement".




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