Krieg in den Medien

1.10.2011

Methoden der Kriegspropaganda

Mitläuferfang

Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg, 1936Die Nationalsozialisten inszenierten in Deutschland ab 1933 gigantische Propagandaveranstaltungen. Die Ereignisse, wie hier der Reichsparteitag 1936 in Nürnberg, wurden aufwendig gefilmt und in den Kinos ausgestrahlt. (© Bundesarchiv, Bild 183-1987-0410-503 / Fotograf: o. Ang.)
Menschen stehen lieber auf der Gewinner- als auf der Verliererseite. Aus diesem Grund schließen sie sich gerne Mehrheiten an. Mehrheiten versprechen Erfolg, denn Menschen schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass Mehrheiten sich täuschen, als relativ gering ein. Das Denken folgt hier dem Grundsatz, dass irgendetwas schon dran sein wird, wenn so viele einer Sache folgen. Die Strategie des Mitläuferfangs nutzt dieses typisch menschliche Verhalten aus, indem sie die Menschen glauben macht, dass die kundgetane Meinung der Einstellung der Mehrheit entspricht. Dazu braucht es Bilder, die den Eindruck erwecken, eine große Masse würde bereits der Idee der Propagandisten folgen. Riesige Menschenmengen, die sich vor den Kameras geschlossen zu der propagierten Sache bekennen, eignen sich dafür besonders gut. Nicht selten wechseln anders denkende Menschen, bedingt durch das ungute Gefühl, zur Minderheit zu gehören, schnell die Seiten.

Ästhetisierung

Bild: AP / Dominique MollardFotografie des irakischen Flugabwehrfeuers und explodierender amerikanischer Bomben über Bagdad am 18. Januar 1991. Die für viele Menschen tödlich endende Bombardierung sieht auf der Aufnahme aus wie ein Feuerwerk. (© AP)
Ästhetisierung heißt, dass etwas so dargestellt wird, dass es wesentlich schöner und reizvoller wirkt, als es gewöhnlich erscheint. Durch eine ästhetische Darstellung des Krieges wird dem Krieg der Schrecken genommen. Er lässt sich dadurch leichter akzeptieren. Fotos und Filme, die den Krieg dokumentieren sollen, werden bewusst so aufgenommen bzw. ausgewählt, dass sie beim Betrachter eher Faszination als Abschreckung auslösen. Erreicht wird dies beispielsweise durch den Einsatz von Licht, Farben, Musik, bestimmte Kameraeinstellungen, die Anordnung der Bildobjekte oder die Verwendung von gemeinhin als schön wahrgenommenen Bildmotiven aus Kunst, Natur, Alltag und Werbung. All das sorgt dafür, dass das Bild schön und ansprechend empfunden wird, und lässt den Betrachter die eigentlich hässliche Kriegsrealität vergessen.

Empfindungssteuerung (Perzeptionsmanagement)

Bild: AP/Itsuo InouyeEnde 2003 wurde der irakische Diktator Saddam Hussein durch die US-Truppen gefangen genommen. Diese Nachricht verbreitete sich rasch weltweit. (© AP)
Das Perzeptionsmanagement (Perzeption = Empfindung) ist eine Form der Gefühlssteuerung und Meinungslenkung. Es wird dabei versucht, die Wahrnehmung und Bewertung von Ereignissen durch die Bevölkerung in der gewünschten Weise zu beeinflussen. Anders als bei der klassischen Propaganda werden hier nicht aktiv Fakten (durch falsche Behauptungen etc.) geschaffen. Stattdessen wird auf reale Fakten so reagiert, dass damit die öffentliche Diskussion über einen Sachverhalt in die gewünschte Richtung gelenkt wird.

Ein Beispiel stellt die Ergreifung des Diktators Saddam Hussein dar. Sie ereignete sich zu der Zeit, als sich die von den USA angeführten Gründe für den Irakkrieg 2003 in der öffentlichen Diskussion als nicht gerechtfertigt erwiesen. Die öffentliche Thematisierung der erfolgreichen Gefangennahme des Diktators lenkte jedoch hiervon ab. Statt auf die Vorwürfe der Nichtrechtmäßigkeit des Krieges einzugehen, wurde argumentiert, dass durch den Krieg doch wenigstens der Diktator gefasst und das Land befreit werden konnte. Das weltweit verbreitete Bild von der Ergreifung Saddam Husseins wurde zum Symbolbild für den erfolgreichen Militäreinsatz der USA im Irak und drängte die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Krieges in den Hintergrund.


Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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