Krieg in den Medien

1.10.2011

Methoden der Kriegspropaganda

Lüge und Täuschung

Propagandalügen im Irakkrieg Die Kriegsreporterin Antonia Rados über ihre Erfahrung mit Propagandalügen im Irakkrieg 2003. (© 2006, Bundeszentrale für politische Bildung)
Eine Mischung aus Wahrheit, Halbwahrheiten und Lüge ist eine beliebte Methode, um die Meinung möglichst vieler Menschen langfristig und unbemerkt zu beeinflussen. In Kriegszeiten lassen sich Informationen nur schwer oder gar nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen. Das macht es für kriegführende Parteien einfach, die Öffentlichkeit durch Streuung falscher Informationen auf Kriegskurs zu bringen. Um die Menschen davon zu überzeugen, dass eine Lüge wahr ist, muss sie nur stetig wiederholt werden. Als wirksam erweist sich dabei auch der Einsatz besonders vertrauenswürdig erscheinender Personen.

Militainment



Bild: Capa ProductionDie für den 40. Grimme-Preis nominiert Dokumentation "Marschbefehl für Hollywood: Die US-Armee führt Regie" (2003) zeigt auf, in welcher Form das US-Militär Einfluss auf Hollywood-Filmproduktionen nimmt. (© Capa Production)
Ausschnitte der Dokumentation "Marschbefehl für Hollywood: Die US-Armee führt Regie" finden sich auf der DVD "Der Krieg in den Medien" in E3 – Alles Propaganda? / Wissen im Detail unter Methoden / Militainment und Formen / Objekte
"Militainment" verbindet die Begriffe "Militär" und "Entertainment" (Unterhaltung). Gemeint ist damit die Zusammenarbeit zwischen Militär und Medienunternehmen bei der Produktion von Kriegsfilmen, -serien, -dokumentationen oder Computerkriegsspielen. Beide Seiten ziehen Nutzen daraus: Das Militär stellt die Ausrüstung zur Verfügung, die für eine Produktion nötig ist. Als Gegenleistung verpflichten sich die Medienmacher, den Krieg in der vom Militär gewünschten Weise darzustellen. Letztlich entscheidet das Militär darüber, was gezeigt werden darf und was nicht. So wird der Krieg zum Schauplatz von Heldengeschichten, in denen das Militär ehrenvoll erscheint und andere Möglichkeiten als Krieg zur Lösung von Konflikten ausgeblendet werden. Diese Darstellungsweise trägt dazu bei, dass das Ansehen des Militärs und die gesellschaftliche Akzeptanz von Kriegen steigen.

So kam kaum ein Hollywoodkriegsfilm der letzten Jahrzehnte ohne die Hilfe des Militärs aus. Die Produktion von "Black Hawk Down" (2001) wurde zum Beispiel mit der Bereitstellung von Elitesoldaten und Hubschraubern unterstützt. Dafür durfte das Militär Einblick in das Drehbuch nehmen und konnte die eine oder andere Veränderung durchsetzen. Szenen, die den Ruf des Militärs schaden könnten, haben keine Chance. Sie müssen umgeschrieben werden, sonst ist eine Veröffentlichung nicht möglich. Regisseure, die ohne Unterstützung des Militärs produzieren, haben es schwer: Oliver Stone beispielsweise brauchte zehn Jahre, um seinen kritischen Vietnamfilm "Platoon" (1986) fertigzustellen.

Auch die Computer- und Softwareindustrie wird durch das Militär unterstützt. Ähnlich wie bei Kriegsfilmen ist ein realistisches Erscheinungsbild für Computerkriegsspiele sehr wichtig. Doch wie kommt man an alle Taktiken, Uniformen, Sounds, Einsatzpapiere oder gar Stimmen und Karten heran? – Man braucht die Army. Da die sich allerdings aussucht, wer welches Material bekommt, kann sie von einem Einspruchsrecht Gebrauch machen. Das ist nicht unstatthaft, wer würde schließlich ein Projekt finanzieren oder unterstützen, das das eigene Werbebild beschädigt? So sind in den letzten Jahren viele proamerikanische Spiele entwickelt worden, bei denen die US-Armee zu einem nicht unerheblichen Teil mitgewirkt hat. Beispiele sind unter anderem: "Battlefield 2" (2005), "Brothers in Arms: Road to Hill 30" (2005), "Full Spectrum Warrior" (2004) oder "America's Army 3"(2009).

Populismus

Bild: Deutsches Historisches Museum, BerlinPopulismus im Ersten Weltkrieg: "Ich kenne keine Parteien mehr!" Die Postkarte aus dem Jahr 1914 zeigt Kaiser Wilhelm II. im Kreise von Arbeitern. (© Deutsches Historisches Museum, Berlin)
Populismus bezeichnet ein politisches Verhalten, mit dem versucht wird, die Sympathie der Bevölkerung zu gewinnen. So präsentieren sich beispielsweise Politiker besonders in Kriegszeiten gerne als Teil des "einfachen Volkes". Es soll der Eindruck erweckt werden, die Bevölkerung stehe – über alle Statusunterschiede hinweg – im Krieg geschlossen zusammen. Es gibt keine Unterschiede zwischen Herrscher und Volk. Alle scheinen dieselben Interessen zu haben. Dass sich die Machteliten in der Regel zur Durchsetzung ihrer eigenen Ziele anderer Menschen bedienen, die dafür zu leiden und zu sterben haben, wird verschwiegen. Die Politiker täuschen mit dieser Methode über die Tatsache hinweg, dass sie von den unmittelbaren Folgen des Krieges (Leid, Sterben, Arbeitslosigkeit etc.) im Allgemeinen nicht betroffen sind. Getragen wird die Last von eben jenen, mit denen sie sich gleichgestellt präsentieren.


Die neuen technischen und inhaltlichen Entwicklungen der digitalen Medien sind eine Herausforderung für Medienmacher, Publikum und Politik. Journalisten müssen beispielsweise immer mehr Informationskanäle beobachten und große Mengen an Daten auswerten. Für die Bürger können die Veränderungen in der Medienlandschaft zu einer stärkeren (politischen) Beteiligung führen und Medien werden genutzt, um für politische Belange Aufmerksamkeit zu erzeugen. Neue Entwicklungen wie soziale Medien oder das Internet der Dinge werden bezüglich des Daten- und Verbraucherschutzes kontrovers diskutiert. Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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