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Vor 80 Jahren: Überfall auf die Sowjetunion

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Vor 80 Jahren: Überfall auf die Sowjetunion

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Am 22. Juni 1941 marschierte die deutsche Wehrmacht in die Sowjetunion ein. Mit dem "Unternehmen Barbarossa" begann ein machtpolitisch, wirtschaftlich und rassenideologisch motivierter Vernichtungskrieg.

Deutsche Panzer beim Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion, Juni 1941. (© picture-alliance, IBL Schweden)

Am 22. Juni 1941 begann der Überfall der deutschen Interner Link: Wehrmacht auf die Sowjetunion. Mit beinahe 3,3 Millionen Soldaten griff die Wehrmacht ohne Kriegserklärung auf breiter Front zwischen Ostsee und Schwarzem Meer an, obwohl seit August 1939 ein Interner Link: Nichtangriffspakt zwischen Berlin und Moskau bestand. Ziel war es, auch hier einen "Blitzkrieg"-Erfolg zu erreichen. Unter dem Decknamen "Barbarossa" war der Überfall vom NS-Regime sorgfältig geplant worden.

Mit dem Einmarsch in die Sowjetunion begann ein beispielloser Interner Link: Vernichtungskrieg, um "Lebensraum" im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie zu schaffen. Hitler wollte diesen Krieg von Anfang an führen. Er war Kern seines ideologischen Programms, das Kommunismus und Judentum zum Hauptgegner erklärt hatte. Deutlich hatte Hitler bereits im März 1941 in seinen Anweisungen an den Chef des Wehrmachtsführungsstabes Interner Link: Alfred Jodl formuliert: "Dieser kommende Feldzug ist mehr als nur ein Kampf der Waffen; er führt auch zur Auseinandersetzung zweier Weltanschauungen. […] Die jüdisch-bolschewistische Intelligenz, als bisheriger 'Unterdrücker' des Volkes, muss beseitigt werden." Ebenso sollten die eroberten Gebiete und ihre Bewohnerinnen und Bewohner wirtschaftlich ausgebeutet werden.

Ausgangslage und Vorbereitungen

Auf Weisung Hitlers traf die Wehrmacht ab Dezember 1940 konkrete Vorbereitungen für einen Krieg gegen die Sowjetunion. Vorgesehen war, einen Großteil der dortigen Bevölkerung zu töten, einen kleinen Teil zu "germanisieren" – und den Rest zu versklaven oder zu vertreiben. Hierdurch sollte der "Lebensraum im Osten" für die Ansiedlung von Deutschen entstehen. Dasselbe Motiv hatte bereits dem Interner Link: Krieg gegen Polen zugrunde gelegen. Da Deutschland einer Interner Link: kriegsbedingten Knappheit ausgesetzt war, hatte das NS-Regime auch ein wirtschaftliches Interesse an der Sowjetunion. So koordinierte die "Wirtschaftsorganisation Ost" bzw. der "Wirtschaftsstab Ost" in den besetzen Gebieten die massenhafte Ausbeutung von Rohstoffen und die Verschleppung von Interner Link: Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern.

Der endgültige Name des Feldzugs, angelehnt an Interner Link: Kaiser Friedrich I. aus dem Adelsgeschlecht der Staufer, fiel in der "Interner Link: Weisung Nr. 21 Fall Barbarossa" vom 18. Dezember 1940 und wurde seit Januar 1941 allgemein als Deckname für den Angriff verwendet. Die Gründe für die Namenswahl sind jedoch bis heute unklar.

Vernichtende Kriegsführung

Für das "Unternehmen Barbarossa" wurde die Wehrmacht zu Interner Link: erbarmungsloser Kriegsführung verpflichtet. Nachdem Hitler die Generalität auf den besonderen Charakter des anstehenden Feldzuges eingeschworen hatte, Interner Link: erging am 13. Mai ein Erlass, der den Soldaten ein brutales Vorgehen gegen die sowjetische Zivilbevölkerung erlaubte. Zudem erließ das Oberkommando der Wehrmacht in eigener Initiative am 6. Juni im sogenannten Interner Link: Kommissarbefehl "Richtlinien für die Behandlung politischer Kommissare" der Roten Armee: Diese seien nach ihrer Gefangennahme zu "erledigen".

Diese völkerrechtswidrigen Befehle fanden nur vereinzelt Widerspruch und wurden später weitgehend befolgt. Von vorneherein nahm die Militärführung überdies ein Massensterben sowjetischer Kriegsgefangener billigend in Kauf. In der Folge sollten über die Hälfte der 5,7 Millionen Rotarmisten, die bis Kriegsende in deutsche Gefangenschaft gerieten, sterben. Schließlich half die Wehrmacht der SS als Komplize des Massenmordes an einem Teil der sowjetischen Bevölkerung, den die Nationalsozialisten als rassisch minderwertig und politisch missliebig betrachteten.

Der Feldzug mit den Mitteln des "barbarischen Terrors" (Götz Aly) richtete sich explizit auch gegen die Zivilbevölkerung. Durch den Erlass vom 13. Mai geschützt, verwüsteten Deutsche das Land, erschossen, erhängten, vergasten, verbrannten und erschlugen sowjetische Männer, Frauen und Kinder. Oder setzten sie dem Interner Link: Hunger- und Kältetod aus. Mit dem Interner Link: Befehl von Generalfeldmarschall Walter von Reichenau zum "Verhalten der Truppe im Ostraum" am 10. Oktober 1941, wird die Unterwerfung der Soldaten des rassenideologischen Vernichtungskrieges verschriftlicht und die Kriegsführung brutalisiert. In den besetzten Gebieten wurden im Umgang mit der Zivilbevölkerung wichtige Regeln der Militärgerichtsbarkeit außer Kraft gesetzt. Zivilpersonen, die sich gegen die deutschen Besatzer auflehnten, sollten ohne Einschaltung eines Kriegs- oder Standgerichts, einem Offizier vorgeführt werden, der über ihre Erschießung zu entscheiden hatte. Darüber hinaus hatten deutschen Soldaten, die gewaltsame Übergriffe auf die Zivilbevölkerung begingen, keine Verurteilung zu befürchten.

Dimensionen des Vernichtungskrieges: Die Debatte um die Wehrmachtsausstellung

Von April 1995 bis Oktober 1999 wurde in deutschen und österreichischen Städten die Interner Link: Wanderausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" gezeigt, die das Hamburger Institut für Sozialforschung organisiert und finanziert hatte. Nach massiver Kritik wurde die Ausstellung überprüft und zahlreiche gravierende sachliche Mängel, Fehler und Manipulationen festgestellt. Im November 2001 schließlich wurde die zweite Wehrmachtsausstellung unter dem Titel "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941–1944" in Berlin eröffnet. Sie wurde an elf Orten in Deutschland, Luxemburg und Österreich gezeigt, zuletzt von Januar bis März 2004 in Hamburg und anschließend in den Bestand des Deutschen Historischen Museums (DHM) Berlin überführt.

Mit der Ausstellung begann eine Interner Link: grundsätzliche, emotionale und kontroverse Debatte über die Rolle der Wehrmacht im Vernichtungskrieg. Denn die Ausstellung fokussierte, dass auch die Wehrmacht ein verbrecherisches System war – was aber nicht bedeutet, dass auch all ihre Angehörigen Verbrecher waren. Durch die Debatte um die Verbrechen der Wehrmacht trat zu Tage, welche Probleme die Deutschen noch Ende der 1990er-Jahre mit der NS-Vergangenheit hatten.

Der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, stellte, ähnlich wie im Polenfeldzug, spezielle "Einsatzgruppen" zusammen, die Interner Link: mehr als eine halbe Millionen Juden, Sinti und Roma, Kriegsgefangene und kommunistische Funktionäre ermordeten. Das größte Massaker begingen sie Ende September 1941 in der Schlucht von Babi Jar, als sie innerhalb weniger Tage fast 34.000 Juden aus Kiew ermordeten. Dabei waren auch Angehörige der Wehrmacht direkt oder durch logistische Unterstützung indirekt an den Massenerschießungen der "Einsatzgruppen" beteiligt. Aus der Wehrmachtsführung regte sich nur vereinzelt Widerstand gegen Hitlers Vernichtungsfeldzug.

Teile der ukrainischen und baltischen Bevölkerung begrüßten die deutschen Soldaten anfangs sogar als Befreier vom "Interner Link: stalinistischen Joch." Doch angesichts des brutalen Vorgehens der Besatzungstruppen schlug die anfängliche Freude sehr bald in Ablehnung um.

Angriff und Rechtfertigung durch die NS-Propaganda

Das NS-Regime informierte die deutsche Bevölkerung erst am Tag des Angriffs über den Überfall und versuchte, ihn als Präventivschlag gegen eine unmittelbare Bedrohung durch den "jüdischen Bolschewismus" darzustellen. Tatsächlich war die Rote Armee nicht wirklich abwehrbereit, auch wenn man den deutschen Aufmarsch bemerkt hatte. Stalin hatte aber im Vertrauen auf das Interner Link: gute und vertraglich geregelte Verhältnis zu Deutschland jede Provokation vermeiden wollen. Auch im deutschen Generalstab kam man zu diesem Schluss. So konnte die Wehrmacht vom Überraschungsmoment profitieren und schnell nach Osten vordringen.

In den frühen Morgenstunden des 22. Juni 1941 ließ schließlich das Auswärtige Amt der sowjetischen Regierung eine Note zukommen. Darin durfte auf Weisung Hitlers das Wort "Kriegserklärung" nicht erwähnt werden. Stattdessen verwiesen die deutschen Diplomaten darauf, das russische Verhalten habe die deutsche Wehrmacht zu Gegenmaßnahmen gezwungen.

Verlauf und Ausgang der Operation

Zu Beginn verlief die Operation für die Wehrmacht erfolgreich. Die Rote Armee wurde von der Wucht des Angriffs überrascht und musste anfangs starke Verluste hinnehmen. Innerhalb weniger Monate kam der deutsche Angriff jedoch zum Erliegen, begleitet von starken Versorgungsengpässen. Die Stäbe in Berlin hatten damit gerechnet, dass die über drei Millionen Mann starke Armee über reguläre Nachschubwege nicht verpflegt werden könnte. Deshalb sollten sie sich aus dem Land ernähren. Unter dem kalten Kalkül, dass Nahrung in der Sowjetunion nur in begrenztem Umfang zur Verfügung stand, hieß es in einer Staatssekretärbesprechung im Mai 1941, dass "[…] zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird".

Im Winter 1941 geriet der deutsche Vormarsch ins Stocken, und die Sowjetarmee ging zu einer groß angelegten Gegenoffensive über. Durch diese Offensive brach die "Heeresgruppe Mitte" fast zusammen. In der Erwartung einer schnellen Entscheidung waren die deutschen Verbände nicht ausreichend mit winterfester Kleidung ausgestattet worden. Schon bald starben mehr Soldaten an Erfrierungen als in Kampfeinsätzen. Während die Wehrmacht Ende 1941 mit über 200.000 Toten und 620.000 Verwundeten enorme und kaum auszugleichende Verluste erfahren hatte, begann die Sowjetunion ihre Gegenoffensive mit frisch herangeführten Truppen. Zwar erreichte die deutsche Machtausdehnung ihren Höhepunkt erst mit dem Vorstoß in den Interner Link: Kaukasus im Sommer 1942. Allerdings führte die Ausdehnung der deutschen Frontlinien zur Einschließung und Gefangennahme der 6. Armee im "Interner Link: Kessel von Stalingrad". Die Interner Link: Leningrader Blockade vom 8. September 1941 bis 27. Januar 1944 gilt als grausames Kriegsverbrechen. Mehr als eine Million der dreieinhalb Millionen Bewohnerinnen und Bewohner der nordrussischen Stadt sind während der Wehrmacht-Blockade verhungert.

Das Scheitern der Operation "Barbarossa" vor Moskau sowie die spätere Niederlage der deutschen 6. Armee in Interner Link: Stalingrad mit der Kapitulation ihrer wenigen verbliebenen Soldaten Ende Januar/Anfang Februar 1943 gelten als Interner Link: Wendepunkte des Zweiten Weltkrieges. Die Wehrmacht zog sich in einem dreijährigen Feldzug vor der personell und materiell weit überlegenen Roten Armee zurück, deren Vormarsch erst in der verlustreichen Schlacht um Berlin endete.

Bis Kriegsende im Mai 1945 verloren im deutsch-sowjetischen Krieg auf sowjetischer Seite insgesamt bis zu 27 Millionen Menschen ihr Leben, davon knapp die Hälfte Soldaten. Auf deutscher Seite kamen im gesamten Zweiten Weltkrieg zwischen sechs und sieben Millionen Menschen um, weit überwiegend Soldaten.

Der Überfall auf die Sowjetunion ging als "Interner Link: Großer Vaterländischer Krieg" in die sowjetische Geschichtsschreibung ein. Seitdem wird der Sieg über Nazideutschland jährlich mit einer Militärparade in Moskau gefeiert.

Zum 80. Jahrestag spricht Osteuropa-Historiker Prof. Dr. Martin Aust über Deutschlands Erinnerungsverantwortung gegenüber Polen, Belarus, der Ukraine und Russland.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Zitiert nach: Wildt, Michael: Geschichte des Nationalsozialismus. Göttingen 2008, S. 157f.

  2. Zitiert nach: Aly, Götz: Externer Link: 75 Jahre deutscher Vernichtungskrieg. Berliner Zeitung, 2016

  3. Bis heute wird immer wieder versucht, den Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion entgegen der allgemein anerkannten Forschungsergebnisse als "Interner Link: Präventivkrieg" dazustellen.

  4. Aktennotiz über Ergebnis der heutigen Besprechung mit den Staatssekretären über Barbarossa, 2.5.1941. Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof, Nürnberg 1947, Bd. 31, S. 84, zitiert nach: Wildt, s.o.

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