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4. November 2011: Selbstenttarnung des NSU

Redaktion

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Die rechtsextreme Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) beging ab 1998 Sprengstoffanschläge und Raubüberfälle und ermordete von 2000 bis 2007 neun Menschen aus rassistischen Motiven sowie eine Polizistin. Seine Selbstenttarnung im November 2011 offenbarte rassistische Stereotype und strukturelle Defizite in deutschen Medien und Sicherheitsbehörden.

Demonstrierende bei einer Kundgebung zum Ende des NSU-Prozesses in München 2018 mit Abbildungen der NSU-Opfer. Deren Angehörige wiesen schon 2006 mit Schweigemärschen auf mögliche rechtsextreme Täter hin. Erst die Selbstenttarnung des NSU beendete jahrelange Fehldeutungen in den Ermittlungen und Medien. (© picture-alliance/dpa, Lino Mirgeler)

Vor 15 Jahren wurden die gezielten rassistischen Morde, Sprengstoffanschläge und Banküberfälle des sogenannten Interner Link: Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) öffentlich. Die Taten des NSU stehen mit ihrer Brutalität und Zielsetzung in der Interner Link: Kontinuität rechtsterroristischer Taten seit 1945. Zugleich markiert seine Enttarnung nach jahrelangen Fehlermittlungen eine politische und gesellschaftliche Zäsur in der Geschichte der Bundesrepublik. Mit ihr stellten sich grundlegende Fragen nach dem Schutz vor Rechtsterrorismus und dem Umgang mit Rassismus in demokratischen Institutionen.

Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter hießen die Menschen, die von den Mitgliedern der rechtsextremen Terrorgruppe zwischen 2000 und 2007 ermordet wurden. Viele weitere wurden bei Sprengstoffanschlägen des NSU schwer verletzt und traumatisiert.

Jahrelang berücksichtigten weder Polizei noch Verfassungsschutz ein mögliches rechtsextremes Motiv für die Taten. Interner Link: Viele Familien der Opfer wurden durch eine Interner Link: abwertende Medienberichterstattung sowie die Interner Link: Arbeit der Sicherheitsbehörden stigmatisiert und erhielten nicht die ihnen zustehende staatliche Unterstützung. Die systematischen Verbrechen des NSU wurden erst im November 2011 bekannt, als die Gruppe sich durch eine Verkettung von Ereignissen selbst enttarnte.

In den vergangenen Monaten waren die NSU-Morde wieder verstärkt in das öffentliche Bewusstsein gerückt, da am Oberlandesgericht (OLG) München nach 15 Jahren Haft über die weitere Sicherheitsverwahrung von NSU-Mitglied Beate Zschäpe verhandelt wurde.

Der zum aktuellen Zeitpunkt letzte Untersuchungsausschuss in Mecklenburg-Vorpommern beendete seine Arbeit im Sommer 2026. In einem – zumindest vorläufig letzten – NSU-Prozess wurde ebenfalls 2026 eine Unterstützerin des NSU zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Selbstenttarnung des NSU

Feuerwehrleute und Polizisten stehen am 4. November 2011 in Eisenach-Stregda vor einem qualmenden Wohnmobil, in dem zwei Leichen entdeckt wurden. (© picture-alliance, ZB | Carolin Lemuth)

Als sich Polizisten am 4. November 2011 in einem Vorort des thüringischen Eisenach einem Wohnmobil näherten, in dem sie zwei flüchtige Bankräuber vermuteten, fielen im Fahrzeug zwei Schüsse, wenig später geriet es in Brand. In dem Wohnmobil fand die Polizei die Leichen zweier Männer, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Im sächsischen Zwickau zündete am selben Tag Beate Zschäpe die Wohnung an, die sie mit Mundlos und Böhnhardt im Geheimen bewohnt hatte – mutmaßlich, um Beweise zu vernichten. Daraufhin kam es in dem Wohngebäude zu einer Explosion und die Polizei begann, nach Zschäpe zu fahnden.

Am 7. November 2011 gab die Polizei zunächst bekannt, dass neben weiteren Waffen auch die Dienstpistolen einer 2007 in Heilbronn erschossenen Polizistin und ihres Kollegen in dem Wohnmobil entdeckt wurden. Einen Tag später stellte sich Beate Zschäpe der Polizei. Ermittlerinnen und Ermittler fanden in ihrer ausgebrannten Zwickauer Wohnung zahlreiche Schusswaffen, darunter eine Pistole jenes Typs, Interner Link: die bei einer von 2000 bis 2006 andauernden Mordserie an Menschen mit Migrationshintergrund verwendet worden war. In der Wohnung der Rechtsterroristen stellte die Polizei auch ein zutiefst menschenverachtendes 15-minütiges Video sicher, in dem sich der NSU enttarnte und mit seinen Verbrechen prahlte. Zschäpe hatte das Video vor ihrer Festnahme an Zeitungen, Moscheevereine und Parteien versendet.

Festnahmen und Unterstützernetzwerk

Am 11. November erklärte die mittlerweile federführende Bundesanwaltschaft, dass sie Verbindungen zwischen der Mordserie und dem Mord an einer Polizistin sehe. Am 13. November erließ der Bundesgerichtshof (BGH) einen Haftbefehl gegen Beate Zschäpe wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Am selben Tag nahm die Polizei in Niedersachsen Holger G. als potenziellen Mittäter fest. Bis Februar 2012 inhaftierte die Polizei vier weitere mutmaßliche NSU-Unterstützer: den als Neonazi bekannten Ralf Wohlleben, André E., der das Bekennervideo produzierte, den an der Waffenbeschaffung beteiligten Carsten S. und Matthias D., der die Zwickauer Wohnung bereitgestellt haben soll und später wieder frei gelassen wurde.

Die drei Kernmitglieder des NSU verfügten über ein breites Netzwerk an Unterstützerinnen und Unterstützern sowie Sympathisantinnen und Sympathisanten, dessen genauer Umfang bis heute nicht eindeutig identifiziert ist.

Radikalisierung der Gruppe und Bildung des NSU

Interner Link: Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt wuchsen in Jena auf und kamen früh mit der dort Anfang der 1990er-Jahre weit verbreiteten rechtsextremen Jugendkultur in Verbindung. Besonders in den neuen Bundesländern gründeten sich in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung gewaltbereite Neonazi-Gruppen. Auch führende westdeutsche Neonazis gingen nach dem Zusammenbruch der DDR gezielt in den Osten, um die rechtsradikale Bewegung zu stärken. Sie nutzten gezielt die Spielräume, die sich in dieser Transitionsphase ergaben.

Die Ideologie der rechtsextremen Interner Link: „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD) prägte Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe in ihren Jugendjahren maßgeblich und sie beteiligten sich an Aufmärschen der Partei. Bereits 1995 gründeten die drei gemeinsam mit Ralf Wohlleben und Holger G. die Kameradschaft Jena.

Schnell stiegen sie in der Szene-Hierarchie auf und nahmen an Neonazi-Aktionen in ganz Deutschland teil. Kurze Zeit später schlossen sie sich einer der bundesweit größten Neonazi-Kameradschaften an, dem Interner Link: „Thüringer Heimatschutz“.

1996 stellten Mundlos, Zschäpe und Böhnhardt erste Bomben her und verschickten mehrere Attrappen von Sprengsätzen an das Rathaus in Jena sowie die dortige Polizei und eine Zeitungsredaktion. Infolgedessen durchsuchten 1998 Ermittlerinnen und Ermittler die Wohnungen und Garagen der Gruppe. Dabei fanden sie unter anderem Rohrbomben, woraufhin ein Haftbefehl gegen Böhnhardt erlassen wurde. Bei den Durchsuchungen unterliefen den Sicherheitsbehörden jedoch schwere Fehler, den Rechtsterroristen gelang die Flucht.

Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe tauchten unter. Isoliert waren sie dabei nie, sie verfügten über ein Interner Link: breites Unterstützernetzwerk. In Chemnitz etwa brachten Kameraden der Blood-&-Honour-Sektion Sachsen Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt in unterschiedlichen Wohnungen unter. Ihr Leben im Untergrund finanzierten sie sich insbesondere mit Bank- und Raubüberfällen.

Opfer des NSU

Im Juni 1999 beging der NSU den ersten Anschlag: In einer türkischen Gaststätte in Nürnberg explodierte eine mit einem Sprengsatz präparierte Taschenlampe und verletzte den damals 18-jährigen Serkan Yildirim schwer. Er gilt als eines der wenigen überlebenden Opfer des NSU.

Zitat

Ich hatte Angstzustände und konnte in Nürnberg nicht mehr so leben, wie ich vorher gelebt hatte. Ich habe Angst gehabt, vor die Tür zu gehen. (…) 2004 habe ich entschieden, Nürnberg zu verlassen. (…) Das Schlimmste war, als ich meine Aussage gegeben habe. (…) Ich wurde, wie viele andere Opferfamilien, auch beschuldigt: Ob es Versicherungsbetrug ist oder ob ich in einem falschen Milieu drin bin. Anstatt mich zu fragen, wie es mir geht, wurde ich jahrelang beschuldigt.

Serkan Yildirim

Im September 2000 begann die Mordserie des NSU, sie dauerte bis 2007 an. Die ersten neun Opfer waren Kleingewerbetreibende mit Migrationsgeschichte, das zehnte eine Polizistin. Die Getöteten waren zwischen 21 und 50 Jahre alt. Für ihre Familien brach mit den Morden eine Welt zusammen.

Neben den Morden verübte der NSU Nagelbomben- und Sprengstoffanschläge in Köln, 2001 in der Probsteigasse und 2004 in der Keupstraße, 23 Menschen wurden dabei teils schwer verletzt.

Die Folgen reichten weit über körperliche Verletzungen hinaus: Überlebende und Angehörige berichten bis heute von traumatischen Belastungen. Für viele Betroffene bedeuteten die Anschläge auch finanzielle Schäden, etwa durch den Verlust des Familiengeschäfts oder weil sie sich wegen der erlebten Stigmatisierung für einen Umzug entscheiden mussten.

Zitat

Mein Vater wurde in der Öffentlichkeit als Krimineller dargestellt, als sei er deshalb gestorben. Ich wurde auf der Straße von Menschen verflucht, die meinen Baba nicht einmal kannten. Sie sagten, ich solle genauso verrecken wie die Kinder, die mein Vater mit Drogen vergiftet habe. Das stand so auch in den Medien. Ein Jahr lang war ich nach Vaters Tod nur auf meinem Zimmer. Ich konnte es nicht mehr ertragen, wie die Menschen hinter meinem Rücken gesprochen, wie sie die Straßenseite gewechselt haben.

Gamze Kubaşık

Strukturelle Versäumnisse der Sicherheitsbehörden

Wegen der misslungenen Suche nach Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt und den jahrelangen, erfolglosen Ermittlungen der nicht als rassistisch erkannten Mordserie sowie der Stigmatisierung ihrer Opfer, standen die Sicherheitsbehörden seit der Enttarnung des NSU jahrelang in der Kritik.

Bereits ab Mitte November 2011 kamen immer mehr schwere Fehler und Versäumnisse im Umgang mit dem NSU an die Öffentlichkeit. So hatten Polizeibehörden Spuren, die in Richtung von rechtsterroristischen Taten deuteten, nicht oder nicht ausreichend verfolgt, ihr Täterbild lag zunächst vornehmlich im Umfeld der Opfer. Interner Link: Profiler des LKA Baden-Württemberg etwa stellten fest, dass „die Tötung von Menschen in unserem Kulturraum mit einem hohen Tabu belegt“ sei und verorteten die Täter daher „weit außerhalb des hiesigen Normen- und Wertesystems“.

Ein Großteil der Ermittlerinnen und Ermittler war lange davon ausgegangen, dass der Hintergrund der Morde mit organisierter Kriminalität im Umfeld der Opfer zusammenhänge. In diesem Kontext gegründete Sonderermittlungskommissionen trugen Namen wie „Halbmond“ oder „Bosporus“.

Heftige Kritik gab es auch an den Verfassungsschutzbehörden: Deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermittelten in vielen Fällen nachlässig – Hinweise von V-Leuten wurden nicht weitergegeben, wichtige Akten wurden vernichtet. Im Fall des Mordes an Halit Yozgat in Kassel im Jahr 2006 war der Verfassungsschutzmitarbeiter Andreas Temme am Tatort anwesend und gab später an, den Mord nicht bemerkt zu haben.

Aufklärungsbemühungen in Untersuchungsausschüssen

Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss (PUA) ist ein vom Parlament eingesetztes Gremium, das politische und staatliche Vorgänge aufklären und die Arbeit von Behörden und Regierung kontrollieren soll. Von 2012 bis 2026 untersuchten 15 parlamentarische Untersuchungsausschüsse auf Bundes- und Landesebene die Hintergründe der NSU-Mordserie und mögliche strukturelle Versäumnisse der Behörden. Sie sollten politische Verantwortung sichtbar machen und Handlungsempfehlungen erarbeiten.

Im August 2013 legte der erste Untersuchungsausschuss des Bundestags seinen Abschlussbericht vor. Darin konstatieren die Abgeordneten „schwere behördliche Versäumnisse und Fehler sowie Organisationsmängel“.

Der Interner Link: Rechts- und Politikwissenschaftler Maximilian Pichl sieht im PUA des Bundestags „das zentrale Instrument für eine effektive Aufklärungsarbeit“, der mit „die umfassendsten Erkenntnisse zum Netzwerk des NSU und zu den Verfehlungen von Polizei und Verfassungsschutz“ geliefert habe. Häufig konnten in den Ausschüssen demnach Fragen behandelt werden, die im NSU-Strafprozess am OLG München weniger verfolgt wurden.

Trotz der Errungenschaften durch die parlamentarischen Aufarbeitung bewerten zivilgesellschaftliche und juristische Beobachter sowie Betroffene das Gesamtergebnis der NSU-Aufklärung aber als unzureichend, so Pichl. Das liege auch an den nach wie vor unbeantworteten zentralen Fragen, etwa zur Größe des NSU-Netzwerks und zur Auswahl der konkreten Opfer.

Der NSU-Prozess

Interner Link: Im Mai 2013 eröffnete das Oberlandesgericht München die Hauptverhandlung gegen Beate Zschäpe und die vier Mitangeklagten. In dem mehr als fünf Jahre dauernden Prozess ging es nicht zuletzt um die Frage, ob Zschäpe eine Beteiligung an den vom NSU verübten Morden nachgewiesen werden konnte.

Das Gericht sprach Zschäpe im Juli 2018 nach 430 Verhandlungstagen des zehnfachen Mordes schuldig. Nach Abwägung aller Beweise und Indizien sah der Vorsitzende Richter die damals 43-Jährige als gleichberechtigtes Mitglied eines eingeschworenen Trios an, das gemeinsam den Beschluss gefasst habe, Menschen aus rassistischen Motiven zu töten. Die Ausführung der Taten hätte ohne Zschäpe nicht gelingen können, so die Richter. Sie habe die Zuflucht von Mundlos und Böhnhardt im Untergrund organisiert. Zschäpe wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter erkannten bei ihr eine besondere Schwere der Schuld.

Die namentlich bekannten Unterstützer des NSU vor Gericht

Der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben, der die Tatwaffe besorgt haben soll, erhielt wegen Beihilfe zum Mord eine zehnjährige Gefängnisstrafe. André E. wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt, Holger G. zu drei Jahren Haft. Letzterer hatte nach eigener Aussage einmal eine Waffe überbracht sowie Personalpapiere für Böhnhardt beschafft. Carsten S., der gestanden hatte, im Jahr 2000 die Tatwaffe überbracht zu haben, wurde zu einer Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt.

2021 bestätigte der BGH alle Urteilssprüche von 2018 gegen Zschäpe, Wohlleben und André E. als rechtskräftig. Eine Beschwerde Zschäpes vor dem Bundesverfassungsgericht blieb ebenfalls erfolglos. Im Mai 2026 wurde Wohlleben entlassen – seither sind bis auf Zschäpe alle Verurteilten wieder auf freiem Fuß. In einem weiteren – zumindest vorläufig letzten – NSU-Prozess wurde Susann E., die Zschäpe ihren Ausweis und ihre Krankenkassenkarte lieh, im Juli 2026 vom Oberlandesgericht Dresden zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Zschäpes Haftentlassung frühestens 2035

Nach 15 Jahren Haft hat jede lebenslang verurteilte Person das Recht auf eine Prüfung, ob die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann, so auch das NSU-Mitglied Beate Zschäpe. Das OLG München hatte in seinem Urteil 2018 die „besondere Schwere der Schuld“ festgestellt, dies spricht einer Entlassung nach 15 Jahren entgegen. Ende Oktober 2026 legte das OLG eine Haftstrafe für Zschäpe bis mindestens 2035 fest. Die Entscheidung ist allerdings noch nicht rechtskräftig, Zschäpes Verteidigung und die Bundesanwaltschaft können dagegen Beschwerde einlegen.

Kritiker des NSU-Prozesses hielten die Haftstrafen für die NSU-Helfer für zu milde. Zudem bemängelten Angehörige der Opfer, dass zentrale Fragen wie die Verstrickung der Sicherheitsbehörden in den NSU-Komplex oder dem NSU-Netzwerk unbeantwortet geblieben seien.

Rechtsextremer Terror in Deutschland

Auch in den eineinhalb Jahrzehnten nach der Aufdeckung des NSU-Terrors kam es immer wieder zu rechtsterroristischen Anschlägen in der Bundesrepublik. Interner Link: Am 22. Juli 2016 erschoss der 18-jährige David S. aus rassistischen Motiven neun Menschen und sich selbst unweit des Münchener Olympia-Einkaufzentrums (OEZ). In der Nacht zum 2. Juni 2019 wurde der Kasseler Regierungspräsident Interner Link: Walter Lübcke vor seinem Wohnhaus von einem Rechtsextremen erschossen. Am Interner Link: 9. Oktober 2019 tötete der Rechtsextremist Stephan B. in Halle (Saale) am jüdischen Feiertag Jom Kippur zwei Menschen. Interner Link: Im Februar 2020 erschoss Tobias R. in Hanau aus rassistischen Motiven neun Personen, seine Mutter und sich selbst. In den vergangenen Jahren nahmen Ermittler mehrfach mutmaßliche Mitglieder von rechtsextremen Terrorgruppen fest. Auch vor den Taten des NSU hatte es in Deutschland immer wieder rechtsextremistisch motivierte Terrorakte gegeben: 1980 etwa wurden bei einem Interner Link: Bombenattentat auf das Münchner Oktoberfest. 13 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt.

Gedenken, Erinnern und Aufklären

Am 4. November 2026, dem 15. Jahrestag der Aufdeckung des NSU, finden zahlreiche Gedenkkundgebungen für die NSU-Opfer statt – so etwa in Zwickau und Chemnitz. Im Mai 2025 wurde in Chemnitz das bundesweit erste NSU-Dokumentationszentrum eröffnet. Es wird von zivilgesellschaftlichen Vereinen vor Ort getragen und mit öffentlichen Geldern finanziert. Laut Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung soll zudem auch in Nürnberg ein NSU-Dokumentationszentrum entstehen. Die Bundeszentrale für politische Bildung Externer Link: trifft dafür vorbereitende Maßnahmen.

Die Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus Natalie Pawlik (SPD) fördert im Rahmen des Projektes „Selbstbestimmt vernetzen, erinnern und bilden“ bei der Amadeu-Antonio-Stiftung Initiativen von Angehörigen der NSU-Opfer und unterstützt diese in ihrer Erinnerungs- und Gedenkarbeit. Auch die Bundeszentrale für politische Bildung will Initiativen zum Gedenken an die Opfer des NSU und anderer rechtsterroristischer Gewalttaten sowie zur politischen Bildung über die Geschichte des Rechtsterrorismus in Deutschland Interner Link: mit Fördermitteln unterstützen.

Im Bundestag findet am 5. November eine Debatte anlässlich des Jahrestages statt. Sie trägt den Titel Externer Link: „15 Jahre Aufdeckung des NSU – Der Opfer gedenken, der Verantwortung gerecht werden und heutige Bedrohungen ernst nehmen“. Die Fraktion Die Linke kündigte einen Antrag mit dem Titel Externer Link: „15 Jahre nach der Selbstenttarnung des NSU: Den Terror von gestern aufklären – Den Terror von morgen verhindern“ an, über den der Bundestag ebenfalls am 5. November beraten soll.

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