Am 20. September hat Mecklenburg-Vorpommern Interner Link: einen neuen Landtag gewählt. Die Alternative für Deutschland (AfD) wird nach vorläufigem Endergebnis der Landeswahlleitung mit 38,2 Prozent der Stimmen stärkste Partei. Im Vergleich zur Wahl 2021, als sie auf 16,7 Prozent kam, hat sie ihr Ergebnis mehr als verdoppelt. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) hat demnach 4,1 Prozentpunkte verloren und kommt auf 35,5 Prozent. Die Linke wird mit 6,5 Prozent drittstärkste Partei. Im Vergleich zur letzten Landtagswahl verliert sie 3,4 Prozentpunkte. Als viertstärkster Partei gelingt den GRÜNEN mit 5,7 Prozent mit leichten Verlusten der Einzug in das Landesparlament.
Die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) scheitert laut Landeswahlleitung mit 4,9 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde und verpasst damit erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik den Einzug in einen Landtag. 2021 waren die Christdemokraten noch auf 13,3 Prozent der Stimmen gekommen. Das erstmals bei einer Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern angetretene Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) scheitert mit 4,8 Prozent ebenfalls knapp an der Sperrklausel. Die Freie Demokratische Partei (FDP) rutscht von 5,8 Prozent auf 1 Prozent der Stimmen ab und ist damit nicht mehr im Landtag in Schwerin vertreten.
Die AfD kommt dem vorläufigen Ergebnis zufolge auf 32 Sitze, die SPD auf 29 – GRÜNE und Linke erhalten jeweils fünf Mandate. Damit hat die bisherige rot-rote Landesregierung ihre Mehrheit im Parlament verloren. Ein rot-rot-grünes Bündnis unter SPD-Führung hätte jedoch eine Mehrheit.
Die Wahlbeteiligung lag bei 78,1 Prozent und damit 7,3 Prozentpunkte höher als noch 2021.
Wer regierte bisher?
In Mecklenburg-Vorpommern amtiert seit 2021 eine Koalition aus SPD und Die Linke. Zuvor regierten die Sozialdemokraten viele Jahre in einem Bündnis mit der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU). Die SPD stellt seit 1998 die Ministerpräsidenten des Bundeslandes – seit 2017 hat Manuela Schwesig dieses Amt inne.
Bei der Landtagswahl 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 70,8 Prozent. Die SPD gewann damals die Wahl mit 39,6 Prozent der Zweitstimmen deutlich. Zweitstärkste Partei wurde damals die AfD mit 16,7 Prozent. Die CDU kam 2021 auf 13,3 Prozent, Die Linke auf 9,9 Prozent, die GRÜNEN auf 6,3 Prozent und die Freie Demokratische Partei (FDP) auf 5,8 Prozent.
Wie wird gewählt?
2022 hat der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern eine Absenkung des Wahlalters beschlossen: Wahlberechtigt sind bei der Landtagswahl deshalb alle Bürgerinnen und Bürger mit deutscher Staatsangehörigkeit, die mindestens 16 Jahre alt sind, mindestens seit 37 Tagen in Mecklenburg-Vorpommern leben und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind. Das passive Wahlalter liegt bei 18 Jahren.
Wählerinnen und Wähler haben jeweils zwei Stimmen. 36 der mindestens 71 Abgeordneten des künftigen Landtags werden mit der Erststimme in den Wahlkreisen direkt gewählt. Die restlichen Sitze werden mit der Zweitstimme über die Landeslisten der Parteien vergeben. Die Zweitstimme ist für die Sitzverteilung im Landtag entscheidend. Es gilt allerdings eine Sperrklausel. Erhält eine Partei bei den Zweitstimmen weniger als fünf Prozent der Stimmen, zieht sie nur dann ins Parlament ein, wenn mindestens eine oder einer ihrer Kandidatinnen oder Kandidaten ein Direktmandat erringt.
Falls eine Partei über die Direktmandate in den Wahlkreisen mehr Sitze gewinnt, als ihr aufgrund der Zweitstimmen zustehen, erhält sie sogenannte Überhangmandate. Die Gesamtzahl aller Landtagssitze wird dann so lange erhöht, bis das über die Zweitstimmen errechnete Verhältnis der Sitzverteilung zwischen den Parteien wiederhergestellt ist – dies erfolgt mithilfe sogenannter Ausgleichsmandate.
Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern
In Mecklenburg-Vorpommern lebten Ende 2025 fast 1,6 Millionen Menschen. Die Zahl der Wahlberechtigten liegt bei rund 1,3 Millionen.
Die Bevölkerung von Mecklenburg-Vorpommern ist bis 2010 deutlich zurückgegangen und stagniert seitdem weitgehend. Es sterben mehr Menschen als geboren werden – dieses Defizit wurde jedoch dadurch ausgeglichen, dass mehr Menschen aus dem In- und Ausland in das Bundesland zuzogen. Mit neun Prozent hat Mecklenburg-Vorpommern bundesweit den niedrigsten Anteil an Menschen mit Einwanderungsgeschichte.
Die Arbeitslosenquote in Mecklenburg-Vorpommern lag im Juli dieses Jahres mit 7,8 Prozent über dem Bundesschnitt von 6,4 Prozent. Externer Link: Im Bundesvergleich erhalten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hier die niedrigsten Löhne. Das Bruttoinlandsprodukt des nordöstlichen Bundeslands legte Berechnungen des Arbeitskreises Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder zufolge 2025 preisbereinigt vorläufig um 1,4 Prozent zu – bundesweit wuchs die Wirtschaft im vergangenen Jahr dagegen nur um 0,2 Prozent.
Über 70 Prozent der Wertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern wird im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig des Bundeslandes. Das Land verfügt zudem über eine starke Gesundheitswirtschaft. Fast jede fünfte erwerbstätige Person arbeitet in dieser Branche. Die Land- und Forstwirtschaft und insbesondere die Fischerei gelten als traditionelle Wirtschaftszweige und Kulturgut, machen aber nur noch knapp drei Prozent der Wirtschaftsleistung aus.
Mecklenburg-Vorpommern ist eher ländlich geprägt, liegt an der Ostsee mit einer langen Küstenlinie und zahlreichen Inseln – traditionell spielt daher der Schiffbau eine wichtige Rolle. Der Nordosten beheimatet aber auch Automobilzulieferer, Maschinenbauer und andere Industriebetriebe – die Windenergie, insbesondere im Offshore-Bereich, ist wirtschaftlich von wachsender Bedeutung.
Wer stand zur Wahl?
Zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2026 Interner Link: traten 19 Parteien an.
Die derzeit stärkste Fraktion im Landtag bildete bislang die Interner Link: Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD). Sie regiert zusammen in einer Koalition mit der Linken und stellt mit Manuela Schwesig die Ministerpräsidentin. Die SPD will die Wirtschaft des Landes durch mehr staatliche Investitionen stärken. Im Rahmen eines Investitionsplans will die Partei beinahe zwei Milliarden Euro zusätzlich für den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur investieren. Die Sozialdemokraten kündigen in ihrem Wahlprogramm zudem Investitionen in die Bildung an, wie etwa über eine Milliarde Euro in Schulen und die Beibehaltung der beitragsfreien Kitas. Auch das Ehrenamt, die Vereine und die Feuerwehren will die SPD stärken. Spitzenkandidatin der Partei war die amtierende Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Bei den bevorstehenden Wahlen muss die Partei mit deutlichen Verlusten rechnen.
Die Interner Link: Alternative für Deutschland (AfD) setzt ihre Schwerpunkte im Wahlprogramm auf die Sicherheits-, Bildungs- und Wirtschaftspolitik. Sie spricht sich für eine bessere Ausstattung von Polizei und Justiz aus und möchte „freiwillige Sicherheitshelfer“ einsetzen. Die Partei will eine Grenz- und Rückführungspolizei aufbauen und Zuwanderung nach Beruf und Qualifikation steuern. Kinder mit geistiger oder sozial-emotionaler Behinderung sollen Förder- statt Regelschulen besuchen, das mehrgliedrige Schulsystem soll erhalten bleiben. Der Kandidat der AfD für das Ministerpräsidentenamt ist Leif-Erik Holm. Spitzenkandidat der AfD war Enrico Schult. Der Landesverband der AfD in Mecklenburg-Vorpommern wird vom Landesamt für Verfassungsschutz bisher nicht Interner Link: wie in anderen Bundesländern als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft die Partei jedoch als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein. Über eine weitreichendere Einstufung durch das Bundesamt steht die gerichtliche Entscheidung noch aus.
Drittstärkste Kraft im Landtag war bislang die Interner Link: Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU). Die CDU wollte laut ihrem Wahlprogramm unter anderem Unternehmen durch Bürokratieabbau und Digitalisierung entlasten und Familien mit einem landeseigenen Baukindergeld fördern. Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse sollten von der Einschulung zurückgestellt werden und an verpflichtenden Sprachförderungen teilnehmen. Die CDU wollte zudem Polizei und Justiz personell stärken. Als CDU-Spitzenkandidat trat Daniel Peters an.
Interner Link: Die Linke ist seit 2021 an der aktuellen SPD-geführten Landesregierung beteiligt und dort mit zwei Ministerinnen vertreten. Sie fordert unter anderem kleinere Gruppengrößen in Einrichtungen der Kinderbetreuung sowie Fachkräfte für Soziale Arbeit an jeder Schule. Förderschulen will sie in inklusive Regelschulen umwandeln. Zudem will die Partei kommunale und genossenschaftliche Wohnungsunternehmen fördern. Sie fordert einen Aktionsplan gegen Armut und einen entgeltfreien öffentlichen Personennahverkehr für alle unter 21 Jahren. Zur Wahl trat die Partei mit der aktuellen Bildungsministerin Simone Oldenburg als Spitzenkandidatin an.
Interner Link: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen in ihrem Wahlprogramm stark auf die Themen Klima- und Energiepolitik. Klimaschutz soll als Staatsziel in die Landesverfassung aufgenommen werden. Wer in der Nähe von Wind- oder Solarparks wohnt, soll künftig keine Netzentgelte mehr zahlen müssen. Das Land soll bis 2035 treibhausgasneutral werden. Günstigen Strom aus erneuerbaren Energien will die Partei nutzen, um energieintensive Industrien im Land anzusiedeln. Spitzenkandidatin der GRÜNEN war Claudia Müller.
Als sechste Partei schaffte Interner Link: 2021 die Interner Link: Freie Demokratische Partei (FDP) den Sprung in das Landesparlament. Die FDP wollte unter anderem Schulen mit eigenen Budgets ausstatten und sprach sich für eine Rückkehr zum mehrgliedrigen Schulsystem aus. In der Wirtschaftspolitik sollen kleine und mittlere Unternehmen von Bürokratie entlastet werden, beispielsweise durch die Vereinfachung des Vergaberechts und die Aufhebung des Sonntagsöffnungsverbots. Die FDP wollte Verkehrswege verbessern und forderte eine flächendeckende Internetversorgung. Ihr Spitzenkandidat für die Landtagswahl war Jakob Schirmer.
Das Interner Link: Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit (BSW) forderte, dass sich Mecklenburg-Vorpommern für Frieden und Abrüstung einsetzen sollte. Der Ausbau militärischer Infrastruktur, etwa des NATO-Hauptquartiers für den Ostseeraum in Rostock, solle gestoppt werden. Entsprechend ihrer sozialpolitischen Ausrichtung forderte die Partei einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 15 Euro. Energiepolitisch sprach sich das BSW für die Wiederaufnahme von Gaslieferungen aus Russland aus. Spitzenkandidat für die Landtagswahl war Peter Schabbel.
Die wichtigsten Wahlkampfthemen
Ein wichtiges Thema im Wahlkampf war die Wirtschaft. Trotz der auch im Bundesvergleich leicht positiven Entwicklung klagen Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger über hohe Energie- und Lebenshaltungskosten. Ein weiteres Wahlkampfthema war die Bildungspolitik. Gestritten wurde etwa über den Erhalt eines mehrgliedrigen Schulsystems oder die Umsetzung der Inklusion. Auch Migration und Sicherheit werden von verschiedenen Parteien im Wahlkampf diskutiert. In den vergangenen Wochen wurden zudem vermehrt Bundesthemen wie die geplanten Sozialreformen thematisiert – so etwa die geplante Abschaffung der abschlagsfreien „Rente mit 63“ nach 45 Beitragsjahren.
So könnte es nun weitergehen
Das bisherige Regierungsbündnis aus SPD und Linken hat seine Mehrheit verloren. Da die AfD stärkste Partei wurde, beansprucht sie den Regierungsauftrag für sich. Da allerdings alle anderen im Parlament vertretenen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen, hat AfD-Kandidat Holm wahrscheinlich zurzeit keine Chance, Ministerpräsident zu werden.
Es gilt als wahrscheinlich, dass die aktuelle SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig die bisherige Koalition um die GRÜNEN erweitert, um weiter regieren zu können. Das Ausscheiden der CDU aus dem Landtag hat den Druck auf Bundeskanzler Friedrich Merz erhöht. Der Christdemokrat nannte das Wahlergebnis ein „Desaster“, kündigte zugleich aber am Wahlabend an, er wolle Parteichef und Kanzler bleiben. Auch an den geplanten Sozialreformen möchte er festhalten.
Dieser Beitrag wurde zuerst am 17.09.2026 veröffentlicht und am 21.09.2026 auf Grundlage des vorläufigen amtlichen Endergebnisses aktualisiert.
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