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Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2026 | Hintergrund aktuell | bpb.de

Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2026

Redaktion

/ 6 Minuten zu lesen

Mecklenburg-Vorpommern wählt am 20. September einen neuen Landtag. Umfragen zufolge dürfte die Bildung einer Regierung im Anschluss schwierig werden.

Das Schweriner Schloss ist UNESCO-Weltkulturerbe und Sitz des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern. (© picture-alliance, dpa-Zentralbild | Stephan Schulz)

Am 20. September wählt Mecklenburg-Vorpommern Interner Link: einen neuen Landtag. Die Ergebnisse der Wahl werden auch im Rest der Republik gespannt erwartet. Nach dem Wahlsieg der Alternative für Deutschland (AfD) bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen könnte laut Wahlumfragen auch in Mecklenburg-Vorpommern die AfD als stärkste Partei hervorgehen. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) – laut Umfragen an zweiter Stelle – hofft derweil, weiterhin die Ministerpräsidentin stellen zu können.

Wer regiert bisher?

In Mecklenburg-Vorpommern amtiert seit 2021 eine Koalition aus SPD und Die Linke. Zuvor regierten die Sozialdemokraten viele Jahre in einem Bündnis mit der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU). Die SPD stellt seit 1998 die Ministerpräsidenten des Bundeslandes – seit 2017 hat Manuela Schwesig dieses Amt inne.

Bei der Landtagswahl 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 70,8 Prozent. Die SPD gewann damals die Wahl mit 39,6 Prozent der Zweitstimmen deutlich. Zweitstärkste Partei wurde damals die AfD mit 16,7 Prozent. Die CDU kam 2021 auf 13,3 Prozent, Die Linke auf 9,9 Prozent, die GRÜNEN auf 6,3 Prozent und die Freie Demokratische Partei (FDP) auf 5,8 Prozent.

Wie wird gewählt?

2022 hat der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern eine Absenkung des Wahlalters beschlossen: Wahlberechtigt sind bei der Landtagswahl deshalb alle Bürgerinnen und Bürger mit deutscher Staatsangehörigkeit, die mindestens 16 Jahre alt sind, mindestens seit 37 Tagen in Mecklenburg-Vorpommern leben und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind. Das passive Wahlalter liegt bei 18 Jahren.

Wählerinnen und Wähler haben jeweils zwei Stimmen. 36 der mindestens 71 Abgeordneten des künftigen Landtags werden mit der Erststimme in den Wahlkreisen direkt gewählt. Die restlichen Sitze werden mit der Zweitstimme über die Landeslisten der Parteien vergeben. Die Zweitstimme ist für die Sitzverteilung im Landtag entscheidend. Es gilt allerdings eine Sperrklausel. Erhält eine Partei bei den Zweitstimmen weniger als fünf Prozent der Stimmen, zieht sie nur dann ins Parlament ein, wenn mindestens eine oder einer ihrer Kandidatinnen oder Kandidaten ein Direktmandat erringt.

Falls eine Partei über die Direktmandate in den Wahlkreisen mehr Sitze gewinnt, als ihr aufgrund der Zweitstimmen zustehen, erhält sie sogenannte Überhangmandate. Die Gesamtzahl aller Landtagssitze wird dann so lange erhöht, bis das über die Zweitstimmen errechnete Verhältnis der Sitzverteilung zwischen den Parteien wiederhergestellt ist – dies erfolgt mithilfe sogenannter Ausgleichsmandate.

Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern lebten Ende 2025 fast 1,6 Millionen Menschen. Die Zahl der Wahlberechtigten liegt bei rund 1,3 Millionen.

Die Bevölkerung von Mecklenburg-Vorpommern ist bis 2010 deutlich zurückgegangen und stagniert seitdem weitgehend. Es sterben mehr Menschen als geboren werden – dieses Defizit wurde jedoch dadurch ausgeglichen, dass mehr Menschen aus dem In- und Ausland in das Bundesland zuzogen. Mit neun Prozent hat Mecklenburg-Vorpommern bundesweit den niedrigsten Anteil an Menschen mit Einwanderungsgeschichte.

Die Arbeitslosenquote in Mecklenburg-Vorpommern lag im Juli dieses Jahres mit 7,8 Prozent über dem Bundesschnitt von 6,4 Prozent. Externer Link: Im Bundesvergleich erhalten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hier die niedrigsten Löhne. Das Bruttoinlandsprodukt des nordöstlichen Bundeslands legte Berechnungen des Arbeitskreises Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder zufolge 2025 preisbereinigt vorläufig um 1,4 Prozent zu – bundesweit wuchs die Wirtschaft im vergangenen Jahr dagegen nur um 0,2 Prozent.

Über 70 Prozent der Wertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern wird im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig des Bundeslandes. Das Land verfügt zudem über eine starke Gesundheitswirtschaft. Fast jede fünfte erwerbstätige Person arbeitet in dieser Branche. Die Land- und Forstwirtschaft und insbesondere die Fischerei gelten als traditionelle Wirtschaftszweige und Kulturgut, machen aber nur noch knapp drei Prozent der Wirtschaftsleistung aus.

Mecklenburg-Vorpommern ist eher ländlich geprägt, liegt an der Ostsee mit einer langen Küstenlinie und zahlreichen Inseln – traditionell spielt daher der Schiffbau eine wichtige Rolle. Der Nordosten beheimatet aber auch Automobilzulieferer, Maschinenbauer und andere Industriebetriebe – die Windenergie, insbesondere im Offshore-Bereich, ist wirtschaftlich von wachsender Bedeutung.

Wer steht zur Wahl?

Zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2026 Interner Link: treten 19 Parteien an.

Die derzeit stärkste Fraktion im Landtag bildet die Interner Link: Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD). Sie regiert zusammen in einer Koalition mit der Linken und stellt mit Manuela Schwesig die Ministerpräsidentin. Die SPD will die Wirtschaft des Landes durch mehr staatliche Investitionen stärken. Im Rahmen eines Investitionsplans will die Partei beinahe zwei Milliarden Euro zusätzlich für den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur investieren. Die Sozialdemokraten kündigen in ihrem Wahlprogramm zudem Investitionen in die Bildung an, wie etwa über eine Milliarde Euro in Schulen und die Beibehaltung der beitragsfreien Kitas. Auch das Ehrenamt, die Vereine und die Feuerwehren will die SPD stärken. Spitzenkandidatin der Partei ist die amtierende Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Bei den bevorstehenden Wahlen muss die Partei mit deutlichen Verlusten rechnen. Wahlumfragen sahen die Partei zuletzt bei 33 bis 35 Prozent.

Die Interner Link: Alternative für Deutschland (AfD) setzt ihre Schwerpunkte im Wahlprogramm auf die Sicherheits-, Bildungs- und Wirtschaftspolitik. Sie spricht sich für eine bessere Ausstattung von Polizei und Justiz aus und möchte „freiwillige Sicherheitshelfer“ einsetzen. Die Partei will eine Grenz- und Rückführungspolizei aufbauen und Zuwanderung nach Beruf und Qualifikation steuern. Kinder mit geistiger oder sozial-emotionaler Behinderung sollen Förder- statt Regelschulen besuchen, das mehrgliedrige Schulsystem soll erhalten bleiben. Der Kandidat der AfD für das Ministerpräsidentenamt ist Leif-Erik Holm. Spitzenkandidat der AfD ist Enrico Schult. Der Landesverband der AfD in Mecklenburg-Vorpommern wird vom Landesamt für Verfassungsschutz bisher nicht Interner Link: wie in anderen Bundesländern als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft die Partei jedoch als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein. Über eine weitreichendere Einstufung durch das Bundesamt steht die gerichtliche Entscheidung noch aus. In Umfragen kam die AfD zuletzt auf 37 bis 38 Prozent der Stimmen.

Drittstärkste Kraft im Landtag ist die Interner Link: Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU). Die CDU will laut ihrem Wahlprogramm unter anderem Unternehmen durch Bürokratieabbau und Digitalisierung entlasten und Familien mit einem landeseigenen Baukindergeld fördern. Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse sollen von der Einschulung zurückgestellt werden und an verpflichtenden Sprachförderungen teilnehmen. Die CDU will zudem Polizei und Justiz personell stärken. Als CDU-Spitzenkandidat tritt Daniel Peters an. In Umfragen gaben zuletzt 7 Prozent der Befragten an, die CDU wählen zu wollen.

Interner Link: Die Linke ist seit 2021 an der aktuellen SPD-geführten Landesregierung beteiligt und dort mit zwei Ministerinnen vertreten. Sie fordert unter anderem kleinere Gruppengrößen in Einrichtungen der Kinderbetreuung sowie Fachkräfte für Soziale Arbeit an jeder Schule. Förderschulen will sie in inklusive Regelschulen umwandeln. Zudem will die Partei kommunale und genossenschaftliche Wohnungsunternehmen fördern. Sie fordert einen Aktionsplan gegen Armut und einen entgeltfreien öffentlichen Personennahverkehr für alle unter 21 Jahren. Zur Wahl tritt die Partei mit der aktuellen Bildungsministerin Simone Oldenburg als Spitzenkandidatin an. In Umfragen lag Die Linke zuletzt bei 10 bis 11 Prozent.

Interner Link: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen in ihrem Wahlprogramm stark auf die Themen Klima- und Energiepolitik. Klimaschutz soll als Staatsziel in die Landesverfassung aufgenommen werden. Wer in der Nähe von Wind- oder Solarparks wohnt, soll künftig keine Netzentgelte mehr zahlen müssen. Das Land soll bis 2035 treibhausgasneutral werden. Günstigen Strom aus erneuerbaren Energien will die Partei nutzen, um energieintensive Industrien im Land anzusiedeln. Spitzenkandidatin der GRÜNEN ist Claudia Müller. In Umfragen lag die Partei zuletzt konstant bei 5 Prozent.

Als sechste Partei schaffte Interner Link: 2021 die Interner Link: Freie Demokratische Partei (FDP) den Sprung in das Landesparlament. Die FDP will unter anderem Schulen mit eigenen Budgets ausstatten und spricht sich für eine Rückkehr zum mehrgliedrigen Schulsystem aus. In der Wirtschaftspolitik sollen kleine und mittlere Unternehmen von Bürokratie entlastet werden, beispielsweise durch die Vereinfachung des Vergaberechts und die Aufhebung des Sonntagsöffnungsverbots. Die FDP will Verkehrswege verbessern und fordert flächendeckendes Internet. Ihr Spitzenkandidat für die Landtagswahl ist Jakob Schirmer. Die Liberalen wurden zuletzt nur in wenigen Umfragen ausgewiesen und lagen dort bei 2 bis 3 Prozent. Damit würden sie den Wiedereinzug in den Landtag verpassen.

Das Interner Link: Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit (BSW) lag zuletzt mit Umfragewerten von 3 bis 4 Prozent ebenfalls unter der Fünf-Prozent-Hürde. Die Partei fordert, dass sich Mecklenburg-Vorpommern für Frieden und Abrüstung einsetzen soll. Der Ausbau militärischer Infrastruktur, etwa des NATO-Hauptquartiers für den Ostseeraum in Rostock, soll gestoppt werden. Entsprechend ihrer sozialpolitischen Ausrichtung fordert die Partei einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 15 Euro. Energiepolitisch spricht sich das BSW für die Wiederaufnahme von Gaslieferungen aus Russland aus. Spitzenkandidat für die Landtagswahl ist Peter Schabbel.

Aussagekraft und Genauigkeit von Umfragen zu Wahl

Umfragen liefern vor allem ein Stimmungsbild zum Zeitpunkt der Befragung – sie sind keine Prognose des endgültigen Wahlausgangs. Geringe Veränderungen oder Unterschiede zwischen zwei Erhebungen können innerhalb der statistischen Unsicherheit liegen. Ob es sich um einen tatsächlichen Trend handelt, lässt sich dann nicht eindeutig sagen. Rückschlüsse auf das Wahlverhalten oder Entwicklungen bis zum Wahltag sind auch mit Blick auf die Wahlberechtigten ohne feststehende Wahlpräferenz nur begrenzt möglich.

Gerade bei Parteien, die nahe an der Fünf-Prozent-Hürde liegen, können kleine statistische Abweichungen erheblichen Einfluss auf die Interpretation haben. Infratest dimap und die Forschungsgruppe Wahlen, die an den Wahltagen die Analysen und Hochrechnungen des Wahlergebnisses bei ARD und ZDF liefern, geben den Fehlerbereich bei Werten von 40 bis 50 Prozent mit etwa drei Prozentpunkten und für Werte von 10 Prozent mit etwa zwei Prozentpunkten an.

Die wichtigsten Wahlkampfthemen

Ein wichtiges Thema im Wahlkampf ist die Wirtschaft. Trotz der auch im Bundesvergleich leicht positiven Entwicklung klagen Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger über hohe Energie- und Lebenshaltungskosten. Ein weiteres Wahlkampfthema ist die Bildungspolitik. Gestritten wurde etwa über den Erhalt eines mehrgliedrigen Schulsystems oder die Umsetzung der Inklusion. Auch Migration und Sicherheit werden von verschiedenen Parteien im Wahlkampf diskutiert. In den vergangenen Wochen wurden zudem vermehrt Bundesthemen wie die geplanten Sozialreformen thematisiert – so etwa die geplante Abschaffung der abschlagsfreien „Rente mit 63“ nach 45 Beitragsjahren.

So könnte es nach der Wahl weitergehen

Ob es Ministerpräsidentin Manuela Schwesig gelingt, nach der Wahl erneut ein Regierungsbündnis mit eigener Mehrheit zu bilden, hängt auch davon ab, wie viele Parteien am Ende in den Landtag einziehen. An einer eigenen Mehrheit könnten SPD und Linke den letzten Umfragen zufolge knapp scheitern. Denkbar wäre theoretisch auch eine Koalition aus SPD, CDU und GRÜNEN. Eine Zusammenarbeit mit der Linken hat die CDU dagegen ausgeschlossen.

Sämtliche bislang im Landtag vertretenen Parteien schließen ebenso wie das BSW eine Koalition mit der AfD aus. Das BSW spricht sich allerdings für eine Zusammenarbeit mit der AfD unter einem überparteilichen Ministerpräsidenten in einer Expertenregierung aus. Selbst wenn die AfD stärkste Fraktion werden sollte, gilt es deshalb als unwahrscheinlich, dass sie den Ministerpräsidenten stellen wird. Sollte Schwesig keine eigene Mehrheit bekommen, könnte sie versuchen, mit einer Minderheitsregierung im Amt zu bleiben.

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