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Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen

Björn Lefers am 12.09.2016

Per Screencast Lernvideos mit geringem Aufwand produzieren

Lernvideos eignen sich besonders, um Inhalte anschaulich darzustellen oder Lernenden zugänglich zu machen, die nicht bei der Lehrveranstaltung dabei sein können. Wie Lehrende mit geringem Aufwand eigene Lernvideos per Screencast produzieren können, welche Soft- und Hardware dafür nötig ist und was bei Ton, Schnitt und Upload zu beachten ist, erzählt Gastautor Björn Lefers.

Foto von Equipment zum Produzieren eigener LernvideosMit einfachem Equipment selbst Lernvideos produzieren. (jim simonson/Flickr/ bearbeitet) Lizenz: cc by/2.0/de

Lehrende können heutzutage mit geringem technischen, finanziellen und zeitlichen Aufwand eigenständig Lernvideos produzieren: per Screencast bzw. Bildschirmaufnahme.
In der Schule oder Hochschule nutzen viele Lehrende die Tafel und Präsentationen, um Inhalte zu vermitteln. Statt diese für das Lernvideo abzufilmen, lassen sich per Grafiktablet und Screencast-Software Tafelbilder und Präsentationen als Bild und die Stimme des Lehrenden, also der Ton, aufzeichnen. Im Folgenden wird beschrieben, welche Software und Hardware dafür nötig ist.

Präsentationen in Videos umwandeln
Die Präsentationssoftware von Microsoft Powerpoint liefert gleich eine Screencast-Funktion mit, so dass man eine vorhandene Präsentation leicht aufzeichnen und als Video speichern kann. Nicht nur unter Windows, auch auf dem Mac ist dies möglich. Über das eingebaute Mikrofon des Computers – die meisten mobilen Rechner bieten das standardmäßig – kann man gleichzeitig den Ton aufzeichnen. Ist kein Mikrofon eingebaut, muss man auf eine externe Variante zurückgreifen.

Zeichnen mit dem Computer
Mit einem Grafiktablett sowie dem dazugehörigen Stift können am Computer handschriftliche Zeichnungen oder eben auch Tafelbilder angefertigt werden. Einige Tablet-Computer werden direkt mit einem (Zeichen-)Stift ausgeliefert.

Tafelbilder auf dem Computer
Grafiktablet mit StiftGrafiktablet mit Stift (Medvedev / Own work [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons)
Möchten Sie als Lehrende ein Tafelbild für ein Lernvideo verwenden, können Sie dies direkt mit dem Grafiktablett und der dazugehörigen Zeichen-Software digitalisieren. Das Bild vom Grafiktablett können Sie auch während des Unterrichts mit einem Beamer an die Wand projizieren und per Screencast-Software aufzeichnen (z. B. um es Lernenden zugänglich zu machen, die nicht anwesend sein konnten). Bei Windows ist die Zeichen-Software Windows Journal vorinstalliert, auf dem Mac ist zum Beispiel GIMP frei verfügbar und SketchBook Pro für Studierende, Lehrende und Bildungseinrichtungen kostenlos. Wenn Sie kein Grafiktablett haben, können Sie zum Ausprobieren die Maus oder ein Trackpad verwenden. Mit einem Grafiktablet können Sie auch in PowerPoint-Folien zeichnen und dies per Screencast aufnehmen.

Tafelbilder in Videos umwandeln
Digitalisiertes TafelbildDigitalisiertes Tafelbild von Christine Krüger, Lehrbeauftragte für Wirtschaftsmathematik an der HWR Berlin (Björn Lefers [CC BY-SA 3.0])
Tafelbilder sind nicht immer verständlich, wenn es keine Erläuterungen oder die Möglichkeit gibt, den sukzessiven Aufbau nachzuverfolgen. Hier lässt sich eine Screencast-Software nutzen, um den Bildschirminhalt und Ton aufzuzeichnen und das Tafelbild zu erläutern. Für Mac, Windows und Linux bietet der kostenlose VLC Media Player eine Screencast-Funktion. Auf dem Mac ist Quicktime vorinstalliert und ermöglicht Bildschirmaufnahmen. Eine weit verbreitete, aber kostenpflichtige Software zur Bildschirmaufnahme und Videobearbeitung ist Camtasia. Übrigens gibt es auch Software, mit der in PDFs und auf Webseiten gezeichnet und markiert werden kann.


Was gehört zum guten Ton?
Für das Aufzeichnen von Screencasts zu Hause bietet sich ein kleines USB-Mikro an, wohingegen in einer Präsenzveranstaltung ein kabelloses Headset sinnvoll ist. Ein größeres Problem als die Aufnahmequalität der Mikros sind in der Praxis meist die Umgebungsgeräusche, die zum Beispiel durch ein offenes Fenster oder die Lüfter älterer Computer entstehen. Sorgen Sie also für eine ruhige Umgebung bei der Aufnahme Ihres Screencasts.

Schnitt und Upload
Neben Camtasia können auf Windows mit dem kostenlosen Video-Editor VSDC Videos geschnitten werden; auf vielen Macs ist iMovie vorinstalliert und kostenlos. Meist kann das Video direkt aus der Screencast- und Schnitt-Software zu YouTube oder einem anderen Video-Anbieter hochgeladen werden. Um den Zuschauerkreis bei YouTube einzuschränken, können Videos dort auch als "nicht gelistet" gespeichert werden. Das Video wird dann nicht in den Suchergebnissen aufgeführt und ist nur für diejenigen Nutzerinnen und Nutzer auffindbar, die über den Link verfügen. Die Videos können auch in Webseiten bzw. Lernplattformen (wie z. B. Moodle) eingebettet werden.

Schaffen Lehrende sich dadurch nicht selbst ab?
Die Angst, dass Lehrende sich selbst überflüssig machen, ist unbegründet. Lernvideos eignen sich gut, um Grundlagen und Faktenwissen zu vermitteln, ersetzen aber nicht die Praxis. So können Lernende sich beispielsweise mithilfe von Lernvideos auf Präsenzveranstaltungen vorbereiten, wo nun mehr Raum für Gruppenarbeit, Diskussionen und Praxisprojekte zur Verfügung steht ("Flipped Classroom"). Lehrende schaffen sich also nicht ab, sondern ihre Rolle verändert sich vom reinen Wissensvermittler hin zum moderierenden Praxisbegleiter.

Über den Autor und das Projekt

Björn Lefers ist Filmemacher, Web-Konzepter und Instructional Designer. An der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin entwickelt er im Team mit Professoren einen Blended Learning Studiengang in Business Administration, der Berufstätigen, jungen Eltern und Menschen ohne Abitur ein flexibles Studium ermöglicht.

Das hier beschriebene Vorgehen hat sich durch die Beratung von Professoren an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin ergeben; für den Bachelor-Studiengang Business Administration im Blended Learning-Format produzieren Lehrende auf diese Weise selbst Lernvideos.



Creative Commons License Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by-sa/3.0
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.

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Kommentare anderer Nutzer

Hoppach, Gabi | 21.09.2016 um 19:05 [Antworten]

Lernvideos auch für andere Betriebssysteme

Gibt es sowas nicht auch für Open Source ?

Beier Andreas | 06.10.2016 um 10:24 [Antworten]

Artikel v. 12.09.16: Per Screencast Lernvideos mit geringem Auf

Sehr geehrter Herr Lefers,

ich danke Ihnen für ihre Publikation. Eine Bitte hätte ich, wenn es Ihnen möglich wäre weniger kommerzielle Software zu propagieren, obgleich Sie auch freie Software nannten.

Die Möglichkeiten durch und mit Open Source Software sind immens, so dass die proprietären Produkte in allgemeinbildenen Schulen, allein aus Kostengründen* gar nicht zur Debatte stehen sollten.

Es ist mir bewusst, dass es auf Grund der Verbreitung und der Bequemlichkeit der Nutzer diese vorherrschende Stelung von Microsoft und Co. Apple, Google, Amazon, Facebook,... gibt. Und genau aus diesem Grunde, sind die proprietären Softwareprodukte aus dem steuerbezahlten Bildungswesen auszugrenzen. Die Masche des Ausnutzens der Bequemlichkeit der Anwender und des Abhängigmachens von vermeintlicher Produktüberlegenheit durch kürzer werdende Intervalle von Produktgenerationen darf nicht in der Lehre geben.
Hinzu kommt die Beeinflussung der Nutzer durch kommerziellabhängige begleitende Zusatzleistungen Tools, Apps, Services, Filme etc.

Diese Gegebenheiten untergraben die, dem aus Steuergeld bezahten Bildungswesen, von der Kita bis zur Uni, Ausildung frei denkender, frei reflektierender, mündiger Bürger.

Verzeihen Sie, meine vielleicht ausufernde Sicht, ich Stelle im Alltag immer wieder diese Abhängigkeiten bei Schülern, Eltern und Kollegen fest. Wir sind nicht mehr in der Lage, nach unserer Fasson zu leben, weil uns diese Abhängigkeiten stetig beeinflussen.

Ich wünsche mir wahre Freiheit für alle und keine suggerierte Vielfalt in den Händen Weniger, die selbst vom Goodwill ihrer Regierungen abhängen.

Diese ausschweifende Rückmeldung liegt darin begründet, das im pädagogischen Bereich Publikationen zu finden sind, die Produkte oben genannter Firmen verbreiten.

siehe: https://www.gnu.org/philosophy/free-sw.de.html;
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Stallman-Freie-Software-ist-die-Basis-fuer-IT-Sicherheit-2507190.html

Mit besten Grüßen
Andreas Beier


* Es ist kein Lob, als Firma etwas kostenfrei anzubieten, es ist Kalkül und jede Lizenz-Gebühr und sei sie noch so gering, ist zu teuer.
maximal: Armortisation ohne Folgeoptionen und kein Gewinn

Björn Lefers | 14.03.2017 um 11:41 [Antworten]

Open-Source-Software für Screencasts

Liebe Frau Hoppach, lieber Herr Beier,

leider habe ich Ihre Beiträge erst jetzt gesehen und gelesen, als ich zufällig auf dieser Webseite gelandet bin und runter gescrollt habe. Eine automatische Benachrichtigung über neue Beiträge per Email wäre toll und ich schlage das mal der Redaktion vor!

Ich bin selbst großer Freund des Open-Source-Gedankens wir nutzen an der HWR z. B. das Open-Source-Learning-Management-System Moodle, entwickeln Plugins für Moodle, die wir unter Open-Source-Lizenz veröffentlichen wollen und versuchen unsere Lehrenden dazu bewegen, ihre Lernmaterialien unter Open-Source-Lizenz zu veröffentlichen.

Das im Artikel beschriebene Vorgehen hat sich durch die Beratung von Professoren an der Hochschule für Wirtschaft und Recht und in Absprache mit u. a. unserer IT-Abteilung ergeben. Das Vorgehen an unserer Hochschule ist deshalb leider nicht eins zu eins auf Schulen übertragbar, da die Gegebenheiten dort andere sind wir haben eine IT-Abteilung, Lehrende werden mit Hard- und Software ausgerüstet und wir verfügen über Drittmittel-Projekte wie unseres auch ein Budget, usw.

Im Dialog mit den Lehrenden und unserer IT-Abteilung sind wir uns z. B. für Camtasia entschieden, weil ein Auszug aus einem Kommentar von mir im Blog des Hochschulforums Digitalisierung: https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/blog/screencast-lernvideos-produzieren :
- „einige Lehrende es bereits auf Ihren Hochschul-Rechnern installiert hatten,
- es Enterprise-fähig ist d. h. unsere IT-Abteilung kann es "fernaufspielen" und so den Wartungsaufwand gering halten
- und es sowohl auf Windows und Mac verfügbar ist was den Beratungsaufwand für uns gering hält - wir müssen nur eine Software kennen und diesbzgl. Support anbieten.“

ABER: Ich bin mir sicher, dass es auch gute Open-Source-Lösungen für Screencast-Zwecke gibt, nur kenne ich diese leider nicht, bzw. habe diesbzgl. kaum Erfahrungswerte, weil bei uns die Voraussetzungen andere sind Microsoft Office z. B. ist auf Hochschul-Rechnern meist vorinstalliert und Open-Source-Software fügt sich teilweise leider nicht so gut in unsere bestehende IT-Infrastruktur ein siehe u. a. die Gründe oben.

Können Sie, Herr Beier, Open-Source-Software empfehlen? Liest sich so, als wären Sie der Experte auf diesem Gebiet! ;-

Eine schnelle Google-Suche hat folgende Möglichkeit zu Tage gebracht, um Screencasts mit CamStudio kostenfrei und Open Office Open Source zu erstellen: https://www.kigoo.de/hd-video-mit-openoffice-impress-erstellen/

Außerdem empfehle ich, einen Blick auf mySimpleShow zu werfen, womit sich ganz leicht und kostenfrei Erklärvideos mit kleinen Zeichnungen erstellen lassen, die unter Creative-Commons-Lizenz veröffentlich werden können: https://www.mysimpleshow.com/

Ich hoffe, dass ich hiermit weiterhelfen konnte!

Viele Grüße
Björn

Björn Lefers | 14.03.2017 um 11:45 [Antworten]

Freie Alternativen zu Camtasia

Hallo zusammen,
ein kleiner Nachtrag, da ich gerade über einen Artikel unserer studentischen Mitarbeiterin Deniz Desti im Elearning-Blog unserer Hochschule gestolpert bin und beim Lesen an Sie denken musste - hier werden mit „Microsoft Expression Encoder 4 Screen Capture“ und „shotcut“ weitere kostenlose Alternativen aufgezeigt: https://blog.hwr-berlin.de/elerner/lehrvideos-erstellen-camtasia-und-alternative/
Viele Grüße
Björn


 

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