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Bildnerinnen und Bildner empfehlen … Apps/Web-Anwendungen für den Unterricht

Welche freien Apps und digitalen Anwendungen, sind aus dem Unterricht nicht mehr wegzudenken? Wir haben Daniel Bernsen, Verena Knoblauch und Steffen Jauch um ihre Top 3 Empfehlungen gebeten.

Schülerin vor geöffnetem LaptopGute Apps erleichtern digitales Lernen - nicht nur beim Homeschooling. Lizenz: cc by-sa/4.0/deed.de (Annie Spratt / Unsplash/Lizenz)

  • Daniel Bernsen empfiehlt: Wikipedia, App in die Geschichte & YouTube

  • Verena Knoblauch empfiehlt: ANTON App, Pixabay, Kindersuchmaschinen

  • Steffen Jauch empfiehlt: OpenShot, Boats Animator, H5P


  • Daniel Bernsen empfiehlt:
    Wikipedia, App in die Geschichte & YouTube

    Wikipedia
    Die App/Web-Anwendung:
    20 Jahre alt wird die Wikipedia im nächsten Jahr. Das Internet ist kein Neuland mehr und die Wikipedia so zuverlässig wie jedes andere Lexikon auch. Seit ihrem Start hat sich einiges getan und die Wikipedia ist nicht mehr wegzudenken – weder aus unserem Alltag noch aus der Schule. Nicht zuletzt aufgrund des hohen Rankings in der Google-Suche ist die Wikipedia die erste und nicht selten einzige Seite, auf der Schülerinnen und Schüler recherchieren.
    Das Portrait Daniel Bernsen.Daniel Bernsen (© Daniel Bernsen; Quelle: privat)
    Dabei sind die Artikel der Wikipedia wegen ihrer Detailfülle und auch sprachlich zumindest für jüngere Schülerinnen und Schüler eine Heraus- wenn nicht gar eine Überforderung. Daher ist es meiner Meinung nach Aufgabe der Schule, die Lernenden an eine sinnvolle Nutzung der Wikipedia heranzuführen – genauso, wie wir damals den Umgang mit Lexika gelernt haben. Dazu gehört das Kennenlernen der Funktionsweise wie auch von Lese- und Suchstrategien in der Wikipedia.

    Die Einsatzmöglichkeiten:
    Dass die Wikipedia kostenlos und frei überall verfügbar ist, hat sie schnell in Schulen und bei Lernenden wie Lehrenden ankommen lassen. Neben der weiten Verbreitung bietet sie durch die Möglichkeit, die Sprachversion zu wechseln, aber auch Zugang zu Fachbegriffen in Fremdsprachen oder zu neuen Blickwinkeln auf bestimmte Themen und Debatten. Diese Funktion lässt sich im Geschichtsunterricht gut nutzen, etwa um zu diskutieren, welche unterschiedlichen Konnotationen mitschwingen, wenn man "Hitlerputsch" oder "Beer Hall Putsch" sagt. Auf diese Weise lassen sich grundlegende Einsichten über die Bedeutung der Wortwahl beim Sprechen über Geschichte gewinnen. Auch die oft vielfältigen Sprachkenntnisse von Schülerinnen und Schülern lassen sich durch die verschiedenen Sprachversionen der Wikipedia gewinnbringend und wertschätzend in den Geschichtsunterricht integrieren. Ein weiterer Vorteil gegenüber gedruckten Lexika ist ihre Aktualität: Geschichts- oder erinnerungskulturelle Debatten werden dort schnell abgebildet, und die gesellschaftliche Kontroversität spiegelt sich in der Regel nicht nur zusammenfassend im Text, sondern auch innerhalb der Versionsgeschichte wider, die angesehen und untersucht werden kann – und die sich nicht selten zu einem Bearbeitungskrieg ("edit war") ausweitet. Als Beispiel sei die aktuelle Debatte um die Restitution afrikanischer Kulturgüter genannt. Im Gegensatz zur Frühzeit der Online-Enzyklopädie lassen sich heute kaum noch Lücken oder Fehler finden, die von Schülerinnen und Schülern gefüllt bzw. korrigiert werden können. Da ist es oft besser im Unterricht gemeinsam ein eigenes Wiki anzulegen, um über ein Schuljahr oder länger ein eigenes Klassen- oder Kurslexikon zu erstellen. Das kann anschließend zum Beispiel auch zum Lernen für die Abiturprüfungen dienen.

    Ein Beispiel:
    Selbst für Lokal- und Regionalgeschichte finden sich in der Wikipedia mittlerweile viele Informationen zu Denkmälern, Kirchen und Gebäuden. In einem Unterrichtsprojekt mit einer Mittelstufenklasse zur Barockkultur in unserer Schulstadt, an das ich mich besonders gerne zurückerinnere, haben wir die Wikipedia als Ausgangspunkt genutzt, um zu sehen, welche Barockgebäude überhaupt in der Stadt vorhanden sind, um dann zum Abschluss des Projekts aus der Anschauung vor Ort, die vorhandenen Artikel in der Wikipedia zu korrigieren und zu ergänzen.

    Hintergrundinfos zum Angebot (Anm. d. Red.)
    "Wikipedia" ist ein Angebot des Wikimedia e.V. Die Datenverarbeitung erfolgt durch Wikimedia. Nutzerinnen und Nutzer haben jederzeit das Recht, unentgeltlich Auskunft über Herkunft, Empfänger und Zweck ihrer gespeicherten personenbezogenen Daten zu erhalten. Zu den Datenschutzrichtlinien.


    YouTube
    Die App/Web-Anwendung:
    "In 80.000 Clips durchs 20. Jahrhundert" titelte der SPIEGEL im Jahr 2014: 80.000 – damit war die Zahl an Filmquellen gemeint, die British Pathé damals in ihrem eigenen YouTube-Kanal eingestellt hat. Aber auch darüber hinaus ist YouTube voll von historischen Filmquellen und filmischen Geschichtsdarstellungen. Wie auch die Wikipedia ist YouTube aufgrund der kostenlosen und einfachen Zugänglichkeit die zentrale Anlaufstelle geworden, um Filme für den Geschichtsunterricht zur Analyse oder produktiven Arbeit zu finden. Die Nutzung von digitalen oder digitalisierten Filmen kann den Geschichtsunterricht von seiner traditionellen Textlastigkeit befreien und ermöglicht den Erwerb grundlegender Kompetenzen – sowohl was den Umgang mit Medien als auch die Auseinandersetzung mit Geschichte angeht.

    Die Einsatzmöglichkeiten:
    Die Filmquellen können im Unterricht zur Analyse in Ergänzung zu Text- und Bildquellen herangezogen werden. Schülerinnen und Schüler können aber auch mit den vorhandenen Filmquellen eigene Geschichtsdokumentationen erstellen, etwa indem sie einzelne oder mehrere Filmquellen in Kombination mit einem eigenen Audiokommentar versehen. Durch das eigene Handeln lassen sich die Grundlagen historischen und journalistischen Arbeitens erlernen, die später wieder auf die Analyse filmischer Darstellungen angewandt werden können. Ähnliches gilt auch für Videoprojekte, in denen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen interviewt werden. YouTube kann dann als Plattform dienen, um die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler öffentlich und für andere zugänglich zu machen.

    Ein Beispiel:
    Die meisten Schülerinnen und Schüler nutzen YouTube natürlich auch selbstständig. Vor allem die zahlreichen Kanäle, die leichtes Lernen und effizientes Wiederholen versprechen, erfreuen sich großer Beliebtheit. Statt diese Angebote zu ignorieren oder sie anstelle frontaler Vorträge zur vermeintlich hippen, zusammenfassenden Belehrung im Klassenzimmer einzusetzen, ist es besser, diese Darstellungen beispielhaft selbst zum Gegenstand des Unterrichts zu machen. Im vorbereitenden Unterricht für das Abitur im Leistungskurs habe ich zuletzt ein Video zur Verfassung der Weimarer Republik von simpleclub sowie ein Video von MrWissenToGo angeschaut. Neben der sehr unterschiedlichen Darstellung und Auswahl der Inhalte wurde sehr schnell klar, dass die Videos sich keineswegs "perfekt" zum Lernen für Klausuren eignen, da sie zum einen viele Details enthielten, die im Unterricht gar nicht vorkamen, und zum anderen wesentliche Punkte, die wir im Unterricht kennengelernt und diskutiert hatten, vollkommen ausließen. Der Zeitpunkt dieser Erkenntnis kurz vor dem Abitur war eigentlich zu spät. Diese Form einfacher und kritischer Medienbildung sollte Bestandteil aller Unterrichtsfächer bereits in der Mittelstufe sein.

    Hintergrundinfos zum Angebot (Anm. d. Red.)
    "YouTube" ist ein Angebot der Google Ireland Limited. Bei der Nutzung der App und der Angebote von Google werden verschiedene Daten aus dem Nutzungsverhalten erhoben. Wenn Nutzerinnen und Nutzer zusätzlich mit einem Account angemeldet sind, werden darüber hinaus auch die personenbezogenen Daten des Accounts ausgewertet. Diese werden unterschiedlich lange gespeichert und mitunter an Dritte weitergegeben, etwa zu Werbezwecken. Die Datenschutzeinstellungen können Nutzerinnen und Nutzer hier nachlesen und verwalten.


    App in die Geschichte:
    Die App/Web-Anwendung:
    Die Beschreibung, Untersuchung und Bewertung von Veränderungen im Lauf der Zeit ist der Kern des Geschichtslernens. Somit ist die Chronologie zwar nicht die einzige, aber die zentrale Orientierungslinie des Geschichtsunterrichts. Zeitleisten sind ebenso wichtige wie fachspezifische Arbeitsmittel. Vor einigen Jahren durfte ich an der Entwicklung einer WebApp, der "App in die Geschichte", zum mobilen Geschichtslernen mitarbeiten. Damals gab es bereits einige digitale Zeitleisten, allerdings nur auf Englisch oder Französisch. Die Integration der Zeitleisten-Funktion in die App war damals das erste Angebot auf Deutsch und dadurch auch schon in der Unter- und Mittelstufe nutzbar.

    Die Einsatzmöglichkeiten:
    Digitale Zeitleisten bieten den Vorteil, dass sie immer auch multimedial sind und neben Text auch das Einbetten von Bildern sowie von Audio-, Film- oder anderen Dateiformaten erlauben. Außerdem eignen sie sich hervorragend zum kollaborativen Arbeiten. Neben der Zeitleistenfunktion lassen sich bei "App in die Geschichte" auch Bilder in Form eines Spiels verschlagworten oder Fotos auf einer Karte lokalisieren, um historische Orte heute aufzusuchen und die Veränderungen im Stadt- und Landschaftsbild zu untersuchen.

    Ein Beispiel:
    In einem Projekt zur Erinnerungskultur haben Schülerinnen und Schüler eines Leistungskurses mit Hilfe der App den ehemaligen Standort und digitalisierte Archivfotos eines Denkmals untersucht, als öffentlich diskutiert wurde, ob man dieses Denkmal wieder errichten solle. Eine digitale Zeitleiste diente der Einordnung des Denkmals in die Geschichte des Kaiserreichs. Zum Abschluss des Projekts veröffentlichte dann ein Schüler einen Leserbrief mit einer kritischen Einschätzung der Wiedererrichtung des Denkmals als Online-Kommentar unter einen entsprechenden Beitrag der lokalen Tageszeitung. Damit hat er aus dem Unterricht heraus aktiv an einer gesellschaftlichen Debatte zum Umgang mit Geschichte und Denkmälern partizipiert – und genau das ermöglicht und dazu ermutigt guter Geschichtsunterricht.

    Hintergrundinfos zum Angebot (Anm. d. Red.)
    Hinter "App in die Geschichte" steht die Internationale Akademie für innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie gGmbH (INA) an der Freien Universität Berlin. Es werden keine personenbezogenen Daten im Sinne des Bundesdatenschutzgesetzes erhoben. Zu den AGB.



    Verena Knoblauch empfiehlt: ANTON App, Pixabay, Kindersuchmaschinen

    ANTON App
    Die App/Web-Anwendung:
    Bei ANTON handelt es sich um eine Übungs-App, die vielfältige Aufgaben und Lernspiele für die Fächer Deutsch, Mathe, Sachunterricht, Deutsch als Zweitsprache und Musik bietet. Die Aufgaben sind nach Jahrgangsstufe (1-10) und Fach sortiert und orientieren sich an den Lehrplänen der einzelnen Jahrgangsstufen.
    Portrait Verena KnoblauchVerena Knoblauch (© Lisa Hörterer; Quelle: privat)


    Die Einsatzmöglichkeiten:
    Beim Bearbeiten der Aufgaben erhalten die Schülerinnen und Schüler Münzen, die später für kleine Mini-Spiele eingesetzt werden können. Für die Anmeldung geben die Schüler an, ob sie Lehrende oder Lehrende sind, wählen einen Spitznamen und einen Avatar (Mensch oder Monster). Optional können die Schüler ihre Schule angeben. Die Lehrkraft kann dann Klassen anlegen und Schülern Aufgaben zuweisen. ANTON kann im Browser oder als App (iOS, Windows, Android) kosten- und werbefrei genutzt werden. Personenbezogene Daten wie z.B. Logins werden geschützt auf dem Server abgelegt. Es entspricht der EU-Datenschutz-Grundverordnung.

    Ein Beispiel:
    Inhalte des Unterrichts können geübt und gefestigt werden.

    Hintergrundinfos zum Angebot (Anm. d. Red.)
    "ANTON App" ist ein Angebot der solocode GmbH und wird cofinanziert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Die App speichert diejenigen (personenbezogenen) Daten, die Nutzerinnen und Nutzer selbst bereitstellen, sowie Daten, die die Nutzung der App betreffen. Dabei werden die Daten in Deutschland gespeichert, ausschließlich zur App-gebundenen Nutzung und Weiterentwicklung verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Zu den Datenschutzrichtlinien.

    Pixabay
    Die App/Web-Anwendung:
    Pixabay eignet sich als sehr gute Quelle für Bild- und Videomaterial, da die Lizenz eine kostenfreie Nutzung für nichtkommerzielle Zwecke erlaubt und keine Angabe von Urheber und Urheberin, Bildquelle und Lizenz erfordert (eine freiwillige erfreut natürlich immer). Die gezeigten Inhalte können jedoch durch Marken- oder Persönlichkeitsrechte geschützt sein.

    Die Einsatzmöglichkeiten:
    Lehrende können über Pixabay unterschiedlichstes Bildmaterial für den Unterricht finden. Die Schülerinnen und Schüler können anhand der Anwendung im Unterricht nicht nur die Recherche von Informationen üben, sondern auch lernen, geeignete Bilder für verschiedene Zwecke zu finden. Für viele Unterrichtsprojekte werden Bilder benötigt, um damit zum Beispiel Präsentationen zu erstellen oder um sie als neuen Hintergrund bei der Green-Screen-Technik zu verwenden. Pixabay kann im Browser oder als kostenlose App genutzt werden. Die App bietet den Vorteil, dass – anders als bei der Nutzung im Browser – keine Werbung in Form von kommerziellen Fotos angezeigt wird.

    Ein Beispiel:
    Im Deutschunterricht überlegen sich die Schülerinnen und Schüler, wie ihr Traumurlaub aussehen würde, wenn Zeit und Geld keine Rolle spielen. Sie machen vor grünem Hintergrund ein Foto und ersetzen den Hintergrund anschließend durch ein zu ihren Vorstellungen passendes Bild von Pixabay. Anschließend erzählen oder schreiben Sie über ihre (fiktiven) Erlebnisse.

    Hintergrundinfos zum Angebot (Anm. d. Red.)
    "Pixabay" ist ein Angebot der Pixabay GmbH mit Sitz in München. Unter anderem erfasst die Seite Daten zum technischen Nutzungsverhalten, die keine Rückschlüsse auf die Person zulassen. Registrierte Nutzerinnen und Nutzer geben zudem persönliche Daten an, über die sie jederzeit Auskunft erhalten können. Die Datenübertragung ist verschlüsselt. Zur Datenschutzerklärung.


    Kindersuchmaschine Blinde Kuh
    Die App/Web-Anwendung:
    Bei Blinde Kuh handelt es sich um eine Internetsuchmaschine speziell für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ ). Wir leben in einer Informationsgesellschaft, in der fast alle die Möglichkeit haben, online an Informationen zu gelangen, die noch vor einigen Jahren nicht ohne Weiteres zugänglich gewesen wären. Allerdings muss man mit dieser gewaltigen Informationsflut auch effizient und verantwortungsbewusst umgehen, um davon für sich und sein Lernen zu profitieren. Diese Informationskompetenz ist eine der Schlüsselkompetenzen, um sich in unserer modernen und dynamischen Informationsgesellschaft zurecht zu finden.

    Die Einsatzmöglichkeiten:
    Suchmaschinen für Kinder sorgen dafür, dass nur kindgerechte Inhalte und von Medienpädagoginnen und -pädagogen redaktionell geprüfte Treffer angezeigt werden. Ein noch größerer Vorteil besteht darin, dass Seiten, die speziell für Kinder konzipiert wurden, in den Suchergebnissen ganz oben erscheinen. Die Kinder finden so also leichter Informationen, die sie auch verstehen können. Der Nachteil: Suchmaschinen für Kinder liefern nicht zu jedem Thema gute beziehungswiese aktuelle Ergebnisse, was manchmal frustrierend sein kann. Mit Hilfe der Kindersuchmaschine können Kinder erste Erfahrungen mit der Internetrecherche sammeln. Sie lernen, geeignete Schlagworte zu verwenden und passende Treffer auszuwählen. Dieses neu erworbene Wissen kann im Anschluss auf verschiedenste Art weiterverwendet und präsentiert werden.

    Ein Beispiel:
    Die Schülerinnen und Schüler suchen mit der Kindersuchmaschine und in Büchern nach Informationen zu einem Waldtier ihrer Wahl und erstellen eine digitale Präsentation, die sie den Klassenkameraden anschließend vorführen.

    Hintergrundinfos zum Angebot (Anm. d. Red.)
    Hinter "Blinde Kuh" steht der Blinde Kuh e.V., vertreten durch Birgit Bachmann. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugens (BMFSFJ). Persönliche Daten werden nicht gesammelt und somit auch nicht an Dritte weitergegeben. Erhoben werden lediglich Daten zur technischen Nutzung. Zur Datenschutzerklärung.


    Steffen Jauch empfiehlt: OpenShot, Boats Animator, H5P

    OpenShot (Filmschnitt und GreenScreen)
    Die App/Web-Anwendung:
    OpenShot ist eine kostenlose Filmschnitt-Software unter GPL-Lizenz (Version 3.0). Sie folgt dabei dem Credo: leichte Bedienbarkeit, großer Funktionsumfang und stabile Software unter Windows, macOS X und Linux.
    Portrait Steffen JauchSteffen Jauch (Lizenz CC BY 4.0; Quelle: privat)
    Dabei verfügt OpenShot über alle gängigen Filmbearbeitungstools (Schneiden, Übergänge, Titel usw.), ein GreenScreen-Tool sowie 3D-Animationswerkzeuge. Eine interaktive Einführung, ein gut strukturiertes Handbuch und eine große Foren-Community ermöglichen die schnelle Umsetzung eigener Filmprojekte und zeitnahe Hilfe.

    Die Einsatzmöglichkeiten:
    Sind die Video-Clips gedreht, werden sie in OpenShot importiert und dort zunächst zurechtgeschnitten. Anschließend nutzt man das "Chroma key" Tool (Youtube-Tutorial) und ersetzt den grünen Hintergrund durch das gewünschte Hintergrund-Bild (wahlweise Film, Foto, Dokument oder auch Kombinationen daraus). Ist der Film fertig, wird er in dem gängigen Videoformat .mp4, .avi, .mov, usw. exportiert. Die Software läuft ohne Account, Cloudspeicher, Lizenzmanager oder ähnlichem direkt auf dem Computer. Somit werden auch keine Daten auf Server hochgeladen. Eure OpenShots gehören nur euch!

    Ein Beispiel:
    Mit ein paar grünen Wolldecken, einer Digitalkamera, motivierten Schülerinnen und Schülern und etwas Kreativität schafft man innerhalb eines Schultages einen einzigartigen Trailer für den Tag der offenen Tür, Länderportraits oder Quellenanalysen. Die Filmclips werden vor den grünen Decken aufgenommen. Dabei sollte man etwas auf die Beleuchtung sowie eine laute, deutliche Aussprache achten, wenn man ohne Mikrofone arbeitet. Hilfreich ist es zudem, wenn man die Hintergrundbilder, die mit OpenShot zum Videoclip hinzugefügt werden, für den Vortragenden sichtbar zur besseren Orientierung in der Filmszene aufhängt. Am Stativ der Kamera ist meist ein guter Platz dafür.

    #EchtJetztEuropa: "Was bedeutet für dich Europa?" Unter dieser Leitfrage erarbeiteten verschiedene meiner Klassen vor der Europawahl 2019 einen Trailer zur Bedeutung Europas und der EU für ihr Leben. Sie beschäftigen sich mit der Geschichte der EU, der aktuellen EU-Politik, den Vorteilen, die uns die EU bietet, und der Herausforderung einer Reform der Europäischen Union. Sie entwickelten Statements und drehten dazu einen Film mit der GreenScreen-Technik.

    Hintergrundinfos zum Angebot (Anm. d. Red.)
    Das Open Source-Angebot "Open Shot" der OpenShot Studios LLC erfasst keine personenbezogenen Daten seiner Nutzerinnen und Nutzer. Eine Ausnahme bilden Spenden für das Projekt. Zur Datenschutzerklärung.


    Boats Animator (StopMotion)
    Die App/Web-Anwendung:
    Ein paar Legosteine und Figuren, eine Webcam, ein Linux-, Windows- oder Mac-Rechner und Boats Animator (GPL-Lizenz Version 3.0) und fertig ist das eigene StopMotion-Studio. Mit Shaun das Schaf oder Lego-Filmchen auf YouTube wurde die StopMotion-Technik (wieder) populär: Ein Foto, minimale Veränderung im Motiv, wieder ein Foto usw. Die Bilder aneinandergereiht ergeben flüssige Bewegungen und Animationsfilme.

    Die Einsatzmöglichkeiten:
    Mit StopMotion erweckt man die Märchen der Schülerinnen und Schüler zum Leben, erklärt komplizierte Prozesse und Abläufe, verdeutlicht historische Entwicklungen und kulturelle Praktiken. Die Bedienung ist wirklich kinderleicht: Das Kamerabild wird im Monitor angezeigt. Wenn die Szene passt, einfach ein Foto machen. Nächste Szene vorbereiten, Foto machen und so weiter. Zur Vermeidung ungewollter Bildsprünge kann man das aktuelle Kamerabild mit dem letzten Foto überblenden. Außerdem kann man sich jederzeit in der Vorschau seinen Film ansehen. Nachdem alles animiert ist, spricht man seine Texte oder Dialoge direkt über den Film und exportiert ihn als MP4-Datei. Wer trotzdem Probleme mit der Steuerung hat, dem wird im Handbuch oder Forum sicher weitergeholfen. Die Software läuft ohne Account, Cloudspeicher, Lizenzmanager oder ähnlichem direkt auf dem Computer und ist daher unkompliziert im Datenschutz.

    Ein Beispiel:
    Der Magier: Die Schülerinnen und Schüler einer fünften Klasse behandelten im Deutschunterricht die Literaturgattung "Märchen". Sie lasen verschiedene internationale Märchen, bestimmten die Merkmale und analysierten typische Handlungsverläufe. Anschließend schrieben sie ihr eigenes Märchen. Zwei Schüler waren schnell fertig, sodass sie als Ergänzung ihr Märchen als StopMotion-Film umsetzten. Aus über 400 Einzelbildern und einer Tonaufnahme entstand "Der Magier".

    Hintergrundinfos zum Angebot (Anm. d. Red.)
    "Boats Animator" ist ein Projekt des Open Source-Entwicklers Charlie Lee.


    H5P (u.a. interaktive Filme)
    Die App/Web-Anwendung:
    2012 suchte die Norwegian Digital Learning Arena einen Nachfolger für das technisch überholte Flashformat von Adobe. Es sollte, dem OER-Gedanken folgend, auf offenen Standards wie HTML5 basieren und das Erstellen, Teilen und Verändern von Inhalten vereinfachen. Seit rund sechs Jahren erfreut sich die daraus entstandene Plattform H5P wachsender Beliebtheit in der eLearning-Szene, da der Code mit der MIT-Lizenz Open Source ist und die erstellten Inhalte mit CC-BY International 4.0 lizensiert werden.

    Die Einsatzmöglichkeiten:
    Der Funktionsumfang von H5P wächst stetig. Anfangs konnten vor allem Multiple-Choice Fragebögen mit Bildern und Videos erstellt werden. Seinen Durchbruch verdankt es der Funktion Videos mit interaktiven Markern zu versehen: Dabei läuft ein Video bis zu einem definierten Stopppunkt. Dort erscheint die Frage, der Hinweis, das Spiel oder ähnliches und der oder die Zuschauende muss aktiv werden, bevor das Video zum nächsten Marker weiterläuft. Ziel ist es, so die Aufmerksamkeit beim Zuschauen zu erhöhen – zum Beispiel von Schülerinnen oder Schülern. Dies ist zum Beispiel hilfreich bei Lern-Videos im Flipped-Classroom-Konzept, in der medienpädagogischen Filmarbeit, für die Quellenkritik oder bei der Überprüfung von Nachrichten gegenüber Fake-News. Gedacht war H5P ursprünglich für Lehrende. Für Lernende kann es jedoch auch nützlich sein, mit H5P interaktive Videos für andere zu gestalten, da man sich dann tiefer mit einem Thema auseinandersetzen muss. Die Erstellung von interaktiven Videos erfolgt direkt im jeweiligen Webbrowser via Drag and Drop. H5P.org bietet eine Spielwiese zum Ausprobieren der Funktionen. Alle dort erstellten Inhalte sind öffentlich zugänglich unter CC-BY-Lizenz. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann das H5P-Plugin in sein eigenes Lernmanagement-System – Moodle, Blackboard, Canvas und Brightspace – oder in seine (Schul-)Webseite einfügen (sofern Wordpress- oder Drupal-basiert). Damit hat man die volle Datenhoheit und kann, zugangsgeschützt, eigene Videos mit Schülergesichtern benutzen. Wem die Installation des H5P-Plugins nicht möglich ist, dem bietet H5P.com die Möglichkeit, H5P auch bezahlt zu nutzen. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Daten dann bei der Firma hinter H5P-Joubel in Tromsø/ Norwegen liegen.

    Ein Beispiel:
    Multimediale Zeitleiste zur Friedlichen Revolution: Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen erarbeiten eine multimediale Zeitleiste zur Friedlichen Revolution 1989/90. Sie verfassen kurze Überblickstexte und suchen passende zeithistorische multimediale Quellen zu den Ereignissen heraus. Durch die vorgegebene Struktur von H5P, konnten sie sich dabei voll auf den Inhalt konzentrieren. Dieses Projekt wurde leider durch die Coronavirus-Pandemie unterbrochen.

    Hintergrundinfos zum Angebot (Anm. d. Red.)
    H5P wird betrieben von Joubel AS und erhebt Daten unterschiedlicher Kategorien, wobei Nutzerinnen und Nutzer jederzeit die Möglichkeit haben, diese zu verwalten. Zu den Datenschutzbestimmungen.

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    Über die Bildnerinnen und Bildner:

    Daniel Bernsen ist Lehrer für Geschichte, Französisch und Spanisch und Oberstufenleiter an der IGS Pellenz. Ab August 2020 wird er Prozessbegleiter für das Pädagogische Qualitätsmanagement und die Regionale Fortbildung Deutscher Schulen im Ausland in der Region nördliches Südamerika.

    Verena Knoblauch ist Medienpädagogin und Lehrerin an der Friedrich-Staedtler-Grundschule Nürnberg. Außerdem ist sie in der Lehrerfortbildung tätig, hält Vorträge und Workshops zum Thema Lehren und Lernen mit digitalen Medien, kooperiert mit der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg im Rahmen des Digitalen Campus und ist Koordinatorin für Digitale Bildung am Schulamt Nürnberg.

    Steffen Jauch gestaltet an der Realschule Calberlah projektorientierte Lernangebote. Ob im Makerspace, im smarten Schulgarten oder beim Astronautentraining steckt er Schülerinnen und Schüler mit dem "Einfach-mal-machen"-Gen an.

    Creative Commons License

    Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-SA 4.0 - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International" veröffentlicht.
    Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


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    Kommentare anderer Nutzer

    Karsten Rook | 08.07.2020 um 17:46 [Antworten]

    Apps?

    Tolle Tipps, leider ist die App in die Geschichte momentan nicht verfügbar...


    Hätten Sie es gewusst?

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