Bildung im digitalen Wandel

Bildungsplattformen: Wie funktionieren MUNDO und Co.?

Junge, der im Klassenzimmer vor einem Laptop sitzt.Welche neuen Bildungsangebote bringt der DigitalPakt mit sich? Lizenz: cc by-sa/4.0/deed.de (Foto: Jeswin Thomas unsplash.com)



Der DigitalPakt Schule ist eine der sechs Leitinitiativen in der Digitalstrategie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Er umfasst mindestens 5,5 Milliarden Euro von Bund und Ländern für eine Laufzeit von fünf Jahren. Mit dem Geld soll vor allem die digitale Infrastruktur der Schulen gestärkt werden, denn spätestens seit Anfang des Jahres ist klar: Digitale Lehr- und Lernformen sind aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken.

Ein Ziel des DigitalPakts ist der verantwortungsvolle Umgang von Schülerinnen und Schülern mit digitalen Medien. Auch soll der Unterricht mithilfe digitaler Medien flexibler gestaltet werden.

Der DigitalPakt ist eine Infrastruktur-Förderung. Diese besteht nicht dauerhaft, sondern endet nach 2025. Nachhaltige strukturelle Änderungen werden dann vor allem durch die regionalen als auch landesweiten und länderübergreifenden Maßnahmen geschaffen. Auf diese Weise soll eine Infrastruktur entstehen, die auch nach Jahren noch Bestand hat. Und es sollen gemeinsame Standards für digitale Lernangebote der einzelnen Bundesländer entwickelt werden. Die finanzielle Unterstützung durch den DigitalPakt soll es den Schulen außerdem ermöglichen, neue Endgeräte für ihre Schülerinnen und Schülern oder auch Beamer für die Klassenräume anzuschaffen.

Insgesamt stellt der Bund für Investitionen in die digitale Bildungsinfrastruktur fünf Milliarden Euro zu Verfügung, ergänzt von 550 Millionen Euro der Schulträger für die einzelnen Länder. Auch wurden im Zuge der Corona-Pandemie zwei Soforthilfen auf den Weg gebracht: 100 Millionen Euro für den digitalen Unterricht und weitere 500 Millionen Euro, die der Unterstützung von Schülerinnen und Schülern ohne Endgeräte zuhause dienen sollen.

Zuletzt wurden mit den Geldern des DigitalPakts mehrere Bildungsplattformen gestartet, um Schulen und vor allem Lehrkräfte mit einer Auswahl passender Materialien und Medien zu unterstützen. Hier eine Übersicht über aktuelle Projekte:

MUNDO

Das frei zugängliche Bildungsportal MUNDO ist Teil der mit Mitteln des DigitalPakts Schule beauftragten Infrastruktur SODIX. Diese beinhaltet neben MUNDO die Bausteine „Editor" für kollaboratives Arbeiten, "Content Adapter“ zur standardisierten Umwandlung von Daten, "Content Hub“ zur Speicherung dieser Daten und „API" als Sodix-Schnittstelle, die Nutzerinnen und Nutzern diese Daten als Lehrinhalte zur Verfügung stellt. Entwickelt wurde das Portal vom Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU). Die Mediathek von MUNDO bietet Bildungsmedien, die in Teilen speziell für Lernende, Lehrende und Eltern konzipiert wurden. Auf der Website kann man zwischen verschiedenen Schulfächern wählen. Die Angebote sind laut Angaben auf der Website offen, lizenz- und qualitätsgeprüft. Dabei soll von OERs in Form von Arbeitsblättern oder Lückentexten über Videos bis hin zu Hörverstehensübungen sukzessive ein breites Spektrum an Angeboten aufgebaut werden.

Für das Fach Französisch gibt es beispielsweise einen virtuellen Rundgang durch das Musée d’Orsay. Dieser wird ergänzt durch Lernanweisungen und Beispiele für eine Einbettung in den Unterricht. Bereitgestellt wird diese Ressource durch das digital.learning.lab, ein „Hamburger Kompetenzzentrum für die Unterrichtsgestaltung in digitalen Zeiten“. Dort erhalten Lehrkräfte Anregungen und Unterstützung, wie sie ihre Unterrichts-Methodiken an die digitalen Anforderungen anpassen können.

Insgesamt werden Materialien für 14 Fächer zur Verfügung gestellt: neben Mathe, Deutsch und Englisch auch für politische Bildung. Darunter sind bislang vor allem Videos zu finden, die zum großen Teil von öffentlich-rechtlichen Medien stammen. Mittlerweile gibt es jedoch auch einige Angebote von unabhängigen Institutionen – beispielsweise PDF-Ressourcen von Digibits, einem Projekt des Vereins Deutschland sicher im Netz. Hier steht vor allem die Vermittlung von Medienkompetenz im Fokus – etwa in Form von Tipps und Tools zur Unterrichtsgestaltung rund um das Thema künstliche Intelligenz.

WirLernenOnline

WirLernenOnline ist eine Suchmaschine für Lern- und Lehrmaterialien. Wie MUNDO wird auch das Projekt von Wikimedia Deutschland und edu-sharing.net vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. WirLernenOnline soll Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern den Zugang zu Bildungsmaterial erleichtern. Inhalte, Methoden und Tools werden vorsortiert und in Fachportalen von einem Redaktionsteam gesichtet. Das Projekt zielt jedoch vor allem auf eine aktive Beteiligung unterschiedlicher Bildungsakteure. Aktuell arbeitet WirLernenOnline an verbesserten Upload-Möglichkeiten zum Teilen von Materialien.. Eine umfangreiche Suchfunktion nach Fächern sowie nach Schulstufengibt es bereits.

Im Gegensatz zu MUNDO wird auf verschiedene Lernplattformen verwiesen, und das Material ist nicht auf der Plattform selbst gespeichert. Zum Angebot auf der Website gehören multimediale Lehr- und Lernbausteine, die in schon vorhandene Lerninhalte als Ergänzung und Hilfe eingebunden werden können – zum Beispiel Multiple Choice-Tests oder Kreuzworträtsel. Die Anwendung bietet Lehrkräften und Lernenden außerdem die Möglichkeit, selbst Anwendungsbausteine hochzuladen.

Sowohl MUNDO als auch WirLernenOnline stecken bislang noch in den Kinderschuhen: MUNDO soll laut Informationen auf der Website kontinuierlich mit Medien angereichert werden. Wikimedia schreibt, dass auch WirLernenOnline seit der Beta-Version stetig wächst.

Prototypische Lerninfrastruktur: Die Schulcloud

Schon lange geplant ist die Schulcloud des Hasso-Plattner-Institutes. Diese soll bald allen Schulen bereitstehen, die bislang über kein vergleichbares Angebot verfügen. Materialien können mit Hilfe der Cloud geteilt und im Team bearbeitet werden. Das BMBF hat außerdem vorgeschlagen, dass die Schulen mit den Mitteln des DigitalPakts eigene Angebote für die Schulcloud entwickeln können. Unabhängig von der Schulcloud haben die Bundesländer andere Plattformen an ihren Schulen im Einsatz. Häufig wird die weitverbreitete Open-Source-Plattform Moodle genutzt, mit der Materialien hochgeladen und bearbeitet werden können.

In Berlin wird mit dem Lernraum gearbeitet. Dieser bietet Online-Kursräume für den Unterricht sowie Foren und Videokonferenzanwendungen für die einzelnen Klassen.

Weitere Angebote und Planungen

Inzwischen gibt es online auch zahlreiche kommerzielle Lernplattformen, die sich oft an Eltern richten und sich im privaten Gebrauch als Ergänzung zum Unterricht und zu Übungszwecken eignen.

Welche weiteren länderübergreifenden Plattformen in Zukunft entstehen werden, bleibt abzuwarten. Geplant wurde im Rahmen eines Koalitionsausschusses der SPD ein Sonderprogramm zur Digitalisierung von Schulen. Teil davon soll auch eine neue Lernplattform sein - die vor allem die Privatsphäre der Schülerinnen und Schüler schützen soll. Auch die Verbreitung und Vernetzung der Schulen untereinander soll dadurch in Zukunft erleichtert werden. Es wird auf ein einheitliches System hingearbeitet, das all das verbindet, was die neuen Plattformen schon jetzt einzeln bieten.

So soll zukünftig auch im Fall einer zwangsläufigen Umstellung auf Fernlehre ein reibungsloser Ablauf des Unterrichts möglich sein.




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