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Filmliste von Alejandro Bachmann

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Filmliste von Alejandro Bachmann

Alejandro Bachmann

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Alejandro Bachmann (© Alejandro Bachmann)

ALEJANDRO BACHMANN ist Kulturarbeiter mit Schwerpunkten im Vermitteln von und Schreiben über Film sowie in der Zusammenstellung von Filmprogrammen. Er ist Teil der Auswahlkommission der Diagonale – Festival des Österreichischen Films und der Duisburger Filmwoche. Er war langjähriger Leiter des Bereichs Vermittlung, Forschung und Publikationen des Österreichischen Filmmuseums. Durch seinen argentinisch-britischen und deutsch-österreichischen Hintergrund hat "Interkulturalität" sein Leben stets bestimmt. Alejandro ist Autor des Konzeptes des Projektes Interkulturelle Filmbildung und führte gemeinsam mit Martina Döcker Fortbildungen für Multiplikator/innen und Autor/innen im Rahmen dieses Projektes durch.

Für seine Filmliste war Alejandro die Idee des "Dazwischen" wichtig – in politischer, ästhetischer wie narrativer Hinsicht. Er bietet eine vielschichtige Auswahl an: in den Formen Dokument, Fiktion und Experiment sind in gleichberechtigter Form Filme von Männern und Frauen präsent; darüber hinaus stehen Filme, die aus einem westlichen Kontext heraus verständlich sind, neben solchen, die in ganz anderen kulturellen Zusammenhängen entstanden sind. Im Zentrum stand aber immer, dass die Filme als Kunstwerke, Dokumente, Erfahrungen für sich stehen können und weit über den interkulturellen Kontext hinaus und nicht erst durch ihn relevant sind.

Angst essen Seele auf

(BRD 1974, R: Rainer Werner Fassbinder, 89 Min.)
Die verwitwete Putzfrau Emmi und der 20 Jahre jüngere Marokkaner Ali passen auf den ersten Blick nicht zusammen, sind aber glücklich miteinander - für Emmis Umgebung eine absurde Vorstellung. In seiner (...) Synthese von klassischem Hollywood-Melodram und kritischer Gesellschaftsstudie bewies Rainer Werner Fassbinder, wie man Gegensätze überwindet.
Quelle: Externer Link: https://programm.ard.de/TV/3sat/angst-essen-seele-auf/eid_280071526292023

Mit ANGST ESSEN SEELE AUF wird die Idee des Blicks aufgenommen und in eine Narration überführt. Es geht nicht nur um Sehen und Wahrnehmen, sondern um die Verschiebung dieser Momente in der Entwicklung einer Geschichte, von der Montage einer Sequenz bis in den Bogen der Erzählung.

Altersfreigabe: freigegeben ab 12 Jahren
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Originalsprachen: Deutsch, Arabisch


Do the Right Thing

(USA 1989, R: Spike Lee, 120 Min.)
Die Temperaturen steigen, Hochsommer in Brooklyn, die Gemüter erhitzen sich. Der Italo-Amerikaner Sal versorgt die Gäste in seinem Lokal mit Pizza, der afroamerikanische Mookie trägt sie als Lieferant in die benachbarten Straßen und Viertel, während um die Ecke ein koreanisches Paar ihren 24/7 betreiben. Man lebt nebeneinander und miteinander und dennoch werden ständig Grenzen markiert. Als am Abend eines langen Tages Radio Raheem mit seinem Ghettoblaster in der Pizzeria auftaucht, wird aus schwelenden Konflikten ein Feuer.
Quelle: Synopsis verfasst von Alejandro Bachmann.

DO THE RIGHT THING erzählt von einem Dazwischen, das nie ausgehandelt, und damit immer kleiner wird. Die Hitze des Tages kocht die immer schon bestehenden Konflikte erst richtig auf, die Menschen leben hier zwar Seite an Seite, begegnen sich physisch aber eben nicht im Einnehmen unterschiedlicher Perspektiven.

Altersfreigabe: freigegeben ab 12 Jahren
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Originalsprachen: Englisch, Italienisch, Spanisch, Koreanisch


Die und der von da und dort

(Ö 2011, R: Lisa Weber, 7 Min.)
TouristInnen werfen sich vor Wiener Sehenswürdigkeiten in Pose, alleine oder zu zweit, auch in Gruppen. Zu stummen Bildern erzählt die Filmemacherin, was sie in der kurzen Zeit über die Menschen erfahren hat.
Quelle: Externer Link: https://www.cinemanext.at/film/die-und-der-von-da-und-dort

Interkultur wird auch durch die Bewegungen des Tourismus hergestellt, dieser Film erzählt von den daraus resultierenden Begegnungen zwischen subjektiver Wahrnehmung und projiziertem Klischee.

Altersfreigabe: nicht geprüft
Altersempfehlung: ab 8 Jahren
Originalsprachen: Deutsch


Heiße Grenze (The Wonderful Country)

(USA 1959, R: Robert Parrish, 98 Min.)
Wegen Totschlags flieht ein Amerikaner von Missouri nach Mexiko, wo er als Pistolero für eine mächtige Großgrundbesitzerfamilie tätig wird. In einem Grenzort wird er in Abenteuer verstrickt, verliebt sich in die Frau des dortigen Fort-Kommandanten, lehnt einen Mordauftrag des Gouverneurs ab, entkommt einem letzten Mordanschlag, um waffenlos in die Staaten zurückzukehren.
Quelle: Externer Link: https://www.zweitausendeins.de/filmlexikon/?sucheNach=titel&wert=9028

Die Hauptfigur ist zwischen zwei kulturellen Identitäten zerrissen, fühlt sich weder als Mexikaner, noch als US-Amerikaner. Wie funktioniert diese Identität der Unentschiedenheit, des Dazwischen in den typischen Konfliktlinien eines Western?

Altersfreigabe: freigegeben ab 12 Jahren
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Originalsprachen: Englisch


Om

(GB 1986, R: John Smith, 4 Min.)
OM ist ein kurzer Film, der die Dimension der interkulturellen Begegnung auf das filmische Grundelement des Blicks verdichtet.

Altersfreigabe: nicht geprüft
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Originalsprachen: Keine gesprochene Sprache


Paradies! Paradies!

(Ö 2016, R: Kurdwin Ayub, 78 Min.)
Die Sonne scheint auf den frisch gemähten Rasen, von einem Spielplatz hallen Kinderstimmen herüber. Hinter einer Mauer reihen sich Neubauvillen bis zum Horizont. Das hier muss das Paradies sein. Kurdwin Ayub läuft mit der Kamera durch Dohuk im Nordirak. Sie filmt ihren Vater. Der möchte in seiner früheren Heimatstadt unbedingt eine Wohnung kaufen. Er träumt davon, endlich wieder hier zu leben. Eine Sehnsucht, die seiner Tochter seltsam fremd bleibt. Denn ihre Eltern haben schon eine Wohnung in Wien. Ayub dokumentiert Besichtigungstermine und Besuche in Maklerbüros; beharrlich meldet sie aus dem Off ihre Zweifel an. Dann dringt eine andere Wirklichkeit in die Bilder: Nur wenige Kilometer vor der Stadt kämpfen kurdische Soldat*innen gegen den "Islamischen Staat."
Quelle: Externer Link: https://dokfilmwoche.com/de/project/paradies-paradies/

Die Filmemacherin vermittelt das Dazwischen einer migrantischen Identität ohne dabei in den Ton betroffener Ernsthaftigkeit zu verfallen, mit einer lässigen, witzigen und zugleich hochreflektierten filmischen Form.

Altersfreigabe: nicht geprüft
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Originalsprachen: Deutsch, Kurdisch


Schafe töten (Killer of Sheep)

(USA 1978, R: Charles Burnett, 87 Min.)
Stan ernährt seine kleine Familie durch die Arbeit in einem Schlachthof. Kommt er nach Hause, warten Reparaturen, seine besorgte Frau und die Kindererziehung auf ihn. Beharrlich weigert er sich, sein Geld unehrlich zu verdienen, auch wenn sein Job ihn um den Schlaf bringt.
Quelle: Externer Link: https://programm.ard.de/TV/Programm/Sender/?sendung=2872410500726658

Ein Blick nicht auf, sondern von den Rändern der Gesellschaft, mit und von Menschen, die in den üblichen Medien kaum oder immer nur auf die immer gleiche Art und Weise abgebildet werden. Film wird hier zum emanzipatorischen Medium, zum Ergreifen einer eigenen Stimme.

Altersfreigabe: freigegeben ab 16 Jahren
Altersempfehlung: ab 15 Jahren
Originalsprachen: Englisch


Scheiß auf den Tod (S'en Fout la Mort)

(F/BRD 1990, R: Claire Denis, 90 Min.)
Dah und Jocelyn, Migranten aus Benin wollen in Frankreich ein Geschäft mit Hahnenkämpfen aufziehen. Irgendwo am Rande einer Autobahn, im Keller eines Restaurants, das Jocelyns Stiefvater gehört, trainieren sie die Tiere, während oben Toni, die Geliebte des Besitzers an der Bar die Spediteure und Reisenden bedient. Mit der Eröffnung der Arena verschärfen sich die Konfliktlinien zwischen allen Beteiligten, deren Verhältnis zueinander weitaus mehr als nur ein geschäftliches ist.
Quelle: Synopsis verfasst von Alejandro Bachmann.

Ein cooler und zugänglicher Film, der doch zugleich sperrig und düster ist. Elemente des Gangsterfilms treffen auf eine trocken-nüchterne Milieustudie und bilden den Rahmen einer Geschichte, in der die Vergangenheit Frankreichs auf seine postkoloniale Gegenwart trifft. Claire Denis gelingt es vor allem vom Andauern ausbeuterischer Verhältnisse zu erzählen und dabei die Ausgebeuteten nicht bloß als Oper zu beschreiben.

Altersfreigabe: freigeben ab 12 Jahren
Altersempfehlung: ab 15 Jahren
Originalsprachen: Französisch


Touki Bouki

(SEN 1973, R: Djibril Diop Mambéty, 85 Min.)
In [...] TOUKI BOUKI möchte das junge Paar Anta und Mory nach Paris auswandern, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Doch die abenteuerliche Reise endet am Hafen von Dakar, wo sich die Wege der beiden trennen. Anta nimmt das Schiff, Mory besinnt sich und kehrt zurück zu seinen Wurzeln. Der Film besticht sowohl durch seine vielbeachtete formale Eigenwilligkeit als auch durch seine politische und soziale Weitsicht, indem er in Anta und Mory Außenseiter der Gesellschaft schildert und damit diese Thematik in die afrikanische Filmgeschichte einführt.
Quelle: Externer Link: http://www.africa-alive-festival.de/mille-soleils-touki-bouki/

Ein Klassiker des Weltkinos aus dem Senegal. Ein relativ bekanntes Sujet, nämlich die Sehnsucht von Menschen aus afrikanischen Ländern nach Europa zu kommen, wird auf eine für den westlichen Blick sehr verwirrende Weise erzählt, aus Versatzstücken des europäischen Kinos wie auch einer vollkommen eigenständigen Bildsprache.

Altersfreigabe: freigegeben ab 12 Jahren
Altersempfehlung: ab 15 Jahren
Originalsprachen: Wolof, Arabisch, Französisch

Fussnoten

Alejandro Bachmann ist Kulturarbeiter mit Schwerpunkten im Vermitteln von und Schreiben über Film sowie in der Zusammenstellung von Filmprogrammen. Er ist Teil der Auswahlkommission der Diagonale – Festival des Österreichischen Films und der Duisburger Filmwoche. Er war langjähriger Leiter des Bereichs Vermittlung, Forschung und Publikationen des Österreichischen Filmmuseums.