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Ausbildungswege

Helle Becker

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Es gibt keine Standardausbildung für eine Tätigkeit in der außerschulischen politischen Bildung. Die einen führt der Berufs- und Lebensweg zufällig in die politische Bildung, andere streben gezielt danach. Welche Fähigkeiten und welches Wissen braucht man, um in der politischen Bildung außerhalb der Schule zu arbeiten und welche Ausbildungswege gibt es?

Der Weg in das Berufsfeld politische Bildung führt meistens über ein Hochschulstudium. (© picture-alliance/dpa, Patrick Pleul)

Was sind "politische Bildnerinnen und Bildner"?

Diejenigen, die in der außerschulischen politischen Bildung arbeiten, werden häufig "politische Bildnerinnen und Bildner" genannt. Dieser Begriff hat sich eingebürgert, er ist aber keine anerkannte Berufsbezeichnung. Er umfasst diejenigen, die im Bereich der außerschulischen politischen Jugend- und Erwachsenenbildung arbeiten und im Sinne einer "Profession" denselben thematischen Bezugspunkt haben ("Politik" und "das Politische"), ein gemeinsames pädagogisches Engagement und gemeinsame Werte ("Berufsethos") teilen. Politische Bildnerinnen und Bildner arbeiten in unterschiedlichen Anstellungs- und Entlohnungsverhältnissen: als haupt- und nebenamtlich Tätige oder als Freiberufler. Aber da die außerschulische politische Bildung Teil der Zivilgesellschaft ist, wird ein großer Teil der politischen Bildungsarbeit in Organisationen und Einrichtungen in unterschiedlicher, meist nicht staatlicher Trägerschaft, auch von pädagogischen oder fachlichen Laien sowie ehrenamtlich geleistet.

Was müssen politische Bildnerinnen und Bildner können?

Politische Bildnerinnen und Bildner sollen in der Lage sein, Gelegenheiten zu schaffen, in denen Kinder, Jugendliche und Erwachsene sich politisch bilden können – indem diese sich Wissen über Politik aneignen, Politik erfahren, reflektieren und eigene Handlungsmöglichkeiten kennenlernen. Politische Bildnerinnen und Bildner vermitteln "Kenntnisse über Gesellschaft und Staat, europäische und internationale Politik", sie regen zur "Urteilsbildung über gesellschaftliche und politische Vorgänge und Konflikte" an und sollen "zur Wahrnehmung eigener Rechte und Interessen ebenso wie der Pflichten und Verantwortlichkeiten gegenüber Mitmenschen, Gesellschaft und Umwelt befähigen" (Kinder- und Jugendplan des Bundes, BMFSFJ 2009, S. 786). Sie konzipieren und gestalten dafür Erfahrungs- und Lerngelegenheiten, die von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen freiwillig wahrgenommen werden.

Politische Bildnerinnen und Bildner müssen also vieles können: Sie müssen etwas von Politik verstehen ebenso wie darüber, wie man dieses Wissen vermittelt. Sie müssen sich damit auskennen, wie man Bildungsprozesse ermöglicht und unterstützt – individuell wie für Gruppen. Sie sollten wissen, was welche Menschen interessiert und wie man Angebote und ganze Programme so konzipiert und bewirbt, dass Menschen gern daran teilnehmen. Gleichzeitig sollen sie auch die betriebswirtschaftlichen, personellen und organisatorischen Bedingungen für diese Angebote managen können. Für all das benötigen politische Bildnerinnen und Bildner neben dem fachlichen Know-how auch persönliche Kommunikations- und Sozialkompetenzen. Und sie sollten eine besondere innere Haltung einnehmen: Sie sollen die Menschen, mit denen sie es zu tun haben und deren individuellen Bildungsprozesse respektieren, nicht versuchen, ihnen ihre Meinung aufzuzwingen (Überwältigungsverbot). Sie sollen kontroverse politische Themen auch kontrovers darstellen und diskutieren (Kontroversitätsgebot) sowie die Teilnehmenden dabei unterstützen, Mittel und Wege zu finden, die politische Lage zu beeinflussen (Befähigungsprinzip oder Handlungsorientierung). Die drei Regeln entstammen dem so genannten Interner Link: Beutelsbacher Konsens, einem Minimalkonsens, dem sich die politische Bildung in und außerhalb der Schule weitgehend verpflichtet hat.

Diese Aufzählung ist allerdings weder abgeschlossen noch unumstritten. Denn dazu, was politische Bildnerinnen und Bildner alles können sollten, gibt es immer wieder Auseinandersetzungen und Definitionsversuche (vgl. exemplarisch Hufer 2011 und aktuell das Projekt ProPol). Dies liegt nicht nur daran, dass sie mit unterschiedlichen Menschen zu tun haben - ein politischer Bildner in der Erwachsenenbildung muss andere Dinge wissen und können als jemand, der mit Kindern und Jugendlichen arbeitet -, sondern auch daran, dass die vielen verschiedenen Träger unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

Keine Ausbildung für politische Bildnerinnen und Bildner?

Die Diskussion darüber, was politische Bildnerinnen und Bildner wissen und können sollten, ist auch deswegen so offen, weil es – anders als für Politiklehrkräfte an Schulen – keine geregelten Zugänge zu diesem Beruf gibt. Eine "klassische" oder grundständige Ausbildung für außerschulische politische Bildnerinnen und Bildner gibt es nicht. Es gibt zurzeit auch nur wenige erziehungswissenschaftliche und politikdidaktische Lehrstühle, die sich auf die Ausbildung für die außerschulische politische Kinder-, Jugend- oder Erwachsenenbildung spezialisiert haben. Wenn, dann sind die Ausbildungsangebote Aufbau-, Ergänzungs- oder Schwerpunktstudiengänge oder -module. So gibt es an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt einen Aufbaustudiengang Politische Bildung, der an der Geschichts- und Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät errichtet wurde und wissenschaftliche Kenntnisse und Fähigkeiten für die außerschulische Jugend- und Erwachsenenbildung vermitteln soll. An der Fakultät für Bildungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen kann man das Wahlpflichtmodul "Politische Bildung" im Masterstudiengang "Erwachsenenbildung/European Adult Education" wählen. Eine Erweiterung dieser Möglichkeiten könnte sich dadurch ergeben, dass einige der neu errichteten Masterstudiengänge für das Lehramt auch auf die Tätigkeiten im außerschulischen Bildungsbereich vorbereiten sollen.

Welche Vorbildung haben politische Bildnerinnen und Bildner zurzeit?

Menschen, die in der außerschulischen politischen Bildung tätig sind, haben unterschiedliche, meist akademische Werdegänge. Viele haben Politikwissenschaft, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften, Geistes- und Geschichtswissenschaften oder Humanwissenschaften (Psychologie, Erziehungswissenschaften, Kulturwissenschaften) studiert. Einige haben Studiengänge zur Jugend- oder Erwachsenenbildung oder Politikdidaktik durchlaufen. Von denjenigen, die bei kirchlichen Trägern angestellt sind, haben auch viele ein Theologiestudium absolviert. Genaue Untersuchungen dazu, zu welchem Anteil Absolventinnen und Absolventen der einzelnen Studiengänge in der außerschulischen politischen Bildung arbeiten, gibt es leider nicht.

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Dr. Helle Becker, Kultur- und Erziehungswissenschaftlerin. Seit 1995 mit dem Büro "Expertise & Kommunikation für Bildung" selbstständig als Wissenschaftlerin, Autorin, Journalistin und Moderatorin, als Projektmanagerin und in der Fortbildung tätig. Arbeitsschwerpunkte u.a.: Bildungstheorie, politische und kulturelle Jugend- und Erwachsenenbildung.