Akquisos

2.12.2015

Flohmärkte und Tombolas in der Praxis

Basare für Flüchtlinge

Die Aufnahme und Unterstützung von Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten ist in Deutschland in diesem Jahr zu einem zentralen gesellschaftlichen Thema geworden. Viele Menschen haben das Bedürfnis, zu helfen. So finden unter anderem viele Basare und Märkte zugunsten von Flüchtlingen oder Hilfsorganisationen statt. Diese sind sehr unterschiedlich gestaltet. Ein Beispiel ist der "Kontakt-Bazar" des Generationenhauses Stuttgart-Heslach. Bürgerinnen und Bürger waren aufgerufen, Dinge, die in ihren Augen "nützlich und auch noch gut in Schuss" sind, für "eher symbolisches Geld (1 Cent bis 1-2 Euro)" zu verkaufen. Käuferzielgruppe waren die Flüchtlinge, die in der Einrichtung leben. Die Veranstalter baten explizit darum, Dinge mitzubringen, die "das Leben schöner machen […], keinen Ramsch". Ein weiteres Ziel der Veranstaltung war, sich gegenseitig kennenzulernen. Alle Verkäufer/-innen erhielten daher Namensschildchen, und sie wurden angeregt, neu gewonnene Kontakte zu einem Tee in die Cafeteria einzuladen.[1]
Andere Veranstalter, wie der Berliner Dom, veranstalten eher klassische karitative Basare, auf denen verschiedene selbst gemachte oder gespendete Waren sowie Kaffee und Kuchen zugunsten der Flüchtlingshilfe verkauft werden.[2]

Souvenirs, Spaß und Spenden: Tombola und Flohmarkt bei MitOst

MitOst e.V. ist ein internationaler Verein mit 1.400 Mitgliedern in 40 Ländern und Sitz in Berlin. Laut eigenen Angaben verbindet MitOst „engagierte Menschen zu einem vielfältigen und offenen Netzwerk in Mittel-, Ost- und Südosteuropa und seinen Nachbarregionen. Wir führen Projekte durch, die Kulturaustausch und zivilgesellschaftliches Engagement fördern und wirken auf diese Weise mit an einer lebendigen Bürgergesellschaft – über kulturelle, sprachliche und politische Grenzen hinweg."

Tombola International

Jedes Jahr findet an einem anderen Ort in Mittel- oder Osteuropa das 4-5 tägige MitOst-Festival statt, zuletzt in Ivano-Frankivsk in der Ukraine, im serbischen Novi Sad und in Leipzig. Es reisen jeweils 220-350 Mitglieder und Gäste an, um gemeinsam Workshops, Diskussionen, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und die Mitgliederversammlung des Vereins zu erleben. Seit einigen Jahren ist eine Tombola fester Bestandteil des Festivals. Alle Festivalteilnehmenden werden vorab eingeladen, ein Mitbringsel aus ihrer Heimat für die Tombola zu spenden. Da die Mitglieder aus vielen verschiedenen Ländern anreisen, sind die Preise sehr vielfältig und originell. "Von regionalen Schokoladen- und alkoholischen Spezialitäten bis hin zu Skulpturen, diversen Kopfbedeckungen und Fußballtrikots war schon alles dabei", berichtet Maria Shamaeva, Referentin in der Geschäftsstelle von MitOst. Während des Festivals können Lose erworben werden, der Erlös kommt den ehrenamtlichen Mitgliederprojekten zugute. "Die Moderatoren sorgen mit großem Einsatz und viel mehrsprachigem Spaß dafür, dass die Tombola einer der Festival-Höhepunkte ist", so Shamaeva. Anschließend werden die Geschichten zu den Preisen ausgetauscht, Kulinarisches wird gern geteilt. So kommt auch die landeskundliche Bildung nicht zu kurz.

Flohmarkt vor Ort

Auch in Sachen Flohmarkt sind die Mitglieder von MitOst einfallsreich: In Stuttgart wohnen einige aktive Mitglieder, die sich in regelmäßigen Abständen zu Stammtischen treffen. Dabei entstand vor einigen Jahren die Idee, mit einem Stand auf einem öffentlichen Flohmarkt in der Stadt Geld für die ehrenamtlichen Mitgliederprojekte zu sammeln. Die Stuttgarter Mitglieder kramen dafür Skurriles und Praktisches aus Schubladen, Schränken und vom Dachboden hervor. Viele Souvenirs oder Gastgeschenke aus Mittel- und Osteuropa bereichern das Flohmarktangebot und sorgen für angeregte Gespräche mit den potenziellen Kundinnen und Kunden. Kreativ gestaltete Werbeplakate in verschiedenen Sprachen machen viele Flohmarktbesucher neugierig. Ganz nebenbei können die Mitglieder so die Arbeit ihres Vereins vorstellen, mit Besuchern über die politische Situation und das Leben in verschiedenen osteuropäischen Staaten ins Gespräch kommen, Infomaterial verteilen und Spenden einsammeln. Für die beteiligten Mitglieder bedeutet der Flohmarkt nicht nur Spaß, die Aktion verstärkt auch ihre Bindung an den Verein und die anderen Mitglieder. Der Erlös aus den Verkäufen und die Spenden kommen der Projektarbeit des Vereins zugute.

Fußnoten

1.
http://freundeskreis-süd.de/wp-content/uploads/2015/09/Flohmarkt_einladung.pdf
2.
http://www.berlinerdom.de/content/view/409/207/lang,en/