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18.12.2018

Praxisbeispiel: Givat Haviva – Center for a Shared Society

Givat Haviva – Center for a Shared Society (© Katharina Reinhold)

Givat Haviva – Center for a Shared Society

www.givat-haviva.net
Samer Atamneh, Direktor der BildungsabteilungSamer Atamneh, Direktor der Bildungsabteilung (© Katharina Reinhold)
In Givat Haviva sprachen wir mit Samer Atamneh, Direktor der Bildungsabteilung, mit Nurit Gery, Direktorin des CoLab, mit Finanzdirektorin Gita Amrani und der Mitarbeiterin des International Department und Studienreiseleiterin Lydia Aisenberg. Bereits in Frankfurt sprachen wir mit Torsten Reibold, Repräsentant in Europa.

Givat Haviva ist die größte und älteste nicht-staatliche Bildungs- und Dialoginstitution in Israel. Auch über Israels Grenzen hinaus ist Givat Haviva mit Programmen zur jüdisch-arabischen Verständigung und zur Friedens- und Demokratieerziehung bekannt.

Der Campus von Givat Haviva liegt 65 km nördlich von Tel Aviv, nur wenige Kilometer von der Grenze zum Westjordanland entfernt. Dort befinden sich zwei Schulen, Gästehäuser, eine Mensa, die Büros von zwei Jugendorganisationen und mehrere Bildungszentren, z.B. das jüdisch-arabische Zentrum für den Frieden, das Kunstzentrum mit Friedensgalerie oder die Bibliothek des Friedens mit dem arabischen Zeitungsarchiv. Bereits 1949 wurde Givat Haviva als Weiterbildungszentrum der Kibbutzbewegung Ha’artzi gegründet. Die Kibbutz-Prinzipien Freiheit und Gleichheit standen jedoch im starken Widerspruch zur Ungleichheit zwischen Juden und Arabern im Staat Israel. Daher gründete Givat Haviva 1963 das Jüdisch-Arabische Zentrum für den Frieden. Von Anfang an standen der Leitgedanke, durch gegenseitiges Kennenlernen zu Dialog und Verständnis zu gelangen, sowie die Gleichberechtigung der arabischen Minderheit im Mittelpunkt. Etwa 20% der gut acht Millionen israelischen Staatsbürger sind Araber. Sie leben vor allem in der Berglandschaft von Carmel und Golan im Norden des Landes, während in Tel Aviv und der Küstenebene 90% der Bevölkerung jüdisch sind. Die Lebenswelten sind sehr stark getrennt und es gibt kaum Kontakt zwischen den Bevölkerungsgruppen, obwohl dieser theoretisch jederzeit möglich wäre. Ein Grund dafür sind die getrennten Schulsysteme für jüdische und arabische Israelis.

2013 gab sich Givat Haviva den Namenszusatz "Center for a Shared Society", um den Wechsel der Zielsetzung der "Koexistenz" hin zum Ziel einer gemeinsam "geteilten" Gesellschaft zu verdeutlichen. Ziel ist die Schaffung einer gleichberechtigten, inklusiven und nachhaltig demokratischen Bürger/-innengesellschaft. Ein wichtiges Projekt ist "Shared Communities", bei dem zehn jüdische und zehn arabische Gemeinden an neuen Wegen der Kooperation arbeiten. Es gibt zudem eine Vielzahl von Schul- und Jugendprojekten.

Finanzierung und Fundraising
Die Gruppe auf dem Gelände von Givat HavivaDie Gruppe auf dem Gelände von Givat Haviva (© Daniel Kraft )
Givat Haviva finanziert sich neben eigenen Einnahmen für Bildungsprogramme und Dienstleistungen (46%) sowie Förderung durch den Staat, die Kibbutzbewegung und Spenden aus Israel (14,5%) durch Fördermittel und Spenden aus dem Ausland (39,5%). Die Begegnungssstätte hat Freundeskreise in mehreren westeuropäischen und nordamerikanischen Staaten, die vor Ort Fundraising betreiben. Während die Freundeskreise in den meisten Ländern von jüdischen Communities getragen werden, sind die Mitglieder in Deutschland vorwiegend nicht-jüdisch.

Was fällt auf?
Im Gegensatz zu vielen anderen Non Profit-Organisationen in Israel kommen bei Givat Haviva mehr Gelder aus Europa als aus den USA (2017). Repräsentant für Europa ist Torsten Reibold. Seine Aufgabe ist es unter anderem, Fördermittel und Spenden in Europa zu akquirieren und mit den Freundeskreisen zusammenzuarbeiten. Während in Deutschland Fördermittel von politischen oder privatwirtschaftlichen Stiftungen und aus der öffentlichen Hand die größte Rolle spielen, kommen aus den Niederlanden und der Schweiz immer wieder Großspenden. Hier spielen Einzelpersonen eine wichtige Rolle: "Ein Kunstmäzen in den Niederlanden hat sich im vergangenen Jahr als Gastgeber für ein exklusives Fundraising-Event in seinen privaten Ausstellungsräumen angeboten", berichtet Torsten Reibold. "Wir haben zwei Jugendliche aus Israel eingeladen, eine mit jüdischem, eine mit arabischem Hintergrund. Sie haben sich bei einem Projekt von Givat Haviva kennengelernt und sind gute Freundinnen geworden. Sie haben gemeinsam mit mir die Arbeit von Givat Haviva vorgestellt". Die Spendenbereitschaft beim wohlhabenden Publikum sei anschließend sehr groß gewesen.

Unter den privaten Spender/-innen Givat Havivas finden sich vorwiegend Jüdinnen und Juden. Eine Aufgabe für die Zukunft stellt die Gewinnung arabischer Spender/-innen dar, die bisher nur punktuell angesprochen werden.