Akquisos

6.12.2019

Im Fokus: Ehemalige und Alumni als vielfältige Ressource

Hinterkopf eines Mannes vor einer Schultafel. (© David-W- / photocase.de)

Wer Seminare, Fachtage, Vorträge, Fortbildungen oder Austauschprogramme im Feld der politischen Bildung anbietet, möchte damit - auch langfristig - etwas in der Gesellschaft bewirken. Im Rahmen ihrer Angebote kommen Träger politischer Bildung in Kontakt mit zahlreichen Menschen. Doch allzu oft sind die Bildungsformate einmalige oder kurzfristige Maßnahmen, danach endet der Kontakt. Es gibt einzelne Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die immer wieder kommen und wo sich eine längerfristige Bindung zum Veranstalter ergibt – doch was ist mit all den anderen?

Diese ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer können für Bildungsanbieter eine wertvolle Ressource sein. Sie sind nicht nur als potenzielle "Kundinnen und Kunden" für Angebote interessant, sondern auch als Partnerinnen und Partner: Sie können das erworbene Wissen weitertragen und für die Angebote werben. Sie können potenzielle Kooperationspartner/-innen für künftige Projekte sein, zu ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und auch zu Spenderinnen und Spendern werden. Zusammengefasst: Ehemalige Teilnehmende können auf verschiedene Weise dazu beitragen, den Zweck der eigenen Organisation zu erfüllen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie sich tatsächlich der Organisation verbunden fühlen und motiviert sind, etwas beizutragen.

Beziehungen sind wertvoll

In der Wirtschaft hat man den Wert von Beziehungen zu Kundinnen und Kunden längst erkannt. Im Marketing spielt "Beziehungsmanagement" eine wichtige Rolle. Jeder weiterführende Kontakt ist wertvoll, weil er dazu beiträgt, die Produkte unter die Leute zu bringen, das Prestige und die Positionierung am Markt zu festigen und zu stärken.

Auch Organisationen im Bildungsbereich wie Universitäten oder Stipendienprogramme von Stiftungen oder des Deutschen Akademischen Austauschdienstes halten Kontakt zu ihren Ehemaligen, den sogenannten Alumni. Bei ihnen steht die Pflege der Netzwerke im Vordergrund, um Wissen und Erfahrung auszutauschen, Kontakte im Berufsleben zu pflegen, Zugang zu ermöglichen und um die Ehemaligen als Fürsprecherinnen und Fürsprecher für die Organisation zu erhalten.

Sie tun dies, indem sie zum Beispiel regelmäßige Newsletter versenden, eigene Online-Plattformen oder Social Media-Gruppen zur Vernetzung anbieten, zu Ehemaligentreffen, regelmäßigen Stammtischen, Regionalgruppen oder speziellen Events einladen, oder indem sie Ehemalige gezielt als Expertinnen und Experten in Veranstaltungen einbinden. Manche großen Organisationen haben auch Regionalgruppen, die sich vor Ort vernetzen und treffen. Die gemeinsame geteilte, meist intensive Erfahrung, zum Beispiel während eines Auslandsaufenthalts oder der Studienzeit, verbindet die Menschen und weckt bei ihnen im Idealfall die Bereitschaft, ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihre Netzwerke mit anderen Alumni oder der Gesellschaft zu teilen.

Viele dieser Ansätze der Alumni-Arbeit lassen sich auf ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Bildungsangeboten bei Vereinen, in Tagungshäusern oder Bildungszentren übertragen. Auch wenn die Erfahrung kürzer ist, kann sie zum Beispiel über gemeinsames Interesse an einem Thema, Begeisterung für eine Methodik oder einfach persönliche Sympathien zu einer besonderen Bindung führen. Diese gilt es zu erhalten und zu vertiefen.

Eine Community aufbauen: Beziehungsmanagement

Beziehungsmanagement muss nicht unbedingt besonders zeit- und kostenintensiv sein, es ist aber auch kein Selbstläufer. Darius Polok, Geschäftsführer des International Alumni Center (iac Berlin), gibt folgenden Tipp: "Der erste Schritt ist, den vorhandenen Kontakt zu nutzen. Diesen haben wir, wenn die Person zu uns kommt und an unseren Veranstaltungen teilnimmt. Wenn wir aus unseren Teilnehmern langfristig Partner machen wollen und eine Community, ein Netzwerk des Miteinanders aufbauen wollen, müssen wir bei den Veranstaltungen den Teilnehmenden nicht nur kognitive Impulse geben. Wir müssen ihnen erste Erfahrungen von Zusammenarbeit und von Wirksamkeit geben und uns als Partner darstellen. Dies planen wir im Programm ein. Das ist auch ohne zusätzlichen zeitlichen oder monetären Aufwand möglich: Es geht vor allem um eine Veränderung in der Beziehung und in der Kommunikation."

Für Darius Polok ist die gemeinsame Erreichung der Satzungsziele der Organisation zentral. Er ist davon überzeugt, dass viele Teilnehmer/-innen von Bildungsangeboten intrinsisch motiviert sind, selbst die Ziele mitzuverfolgen. Nicht jeder hat immer Zeit und Ideen, sich einzubringen. Doch alle sollten über die Möglichkeiten des Netzwerkens und der Zusammenarbeit informiert sein und wissen, an wen sie sich wenden können.

Der nächste Schritt in einer solchen professionellen, langfristig angelegten Alumni-Arbeit wäre dann die Unterstützung und Stärkung der Selbstorganisation dieser motivierten Ehemaligen. Im Idealfall sollte die Kommunikation dabei nicht mehr zentral über die Organisation gesteuert werden: "Wir müssen dahin kommen, dass die Möglichkeit entsteht, dass sich die Community-Mitglieder bzw. die Alumni selbst organisieren und untereinander treffen. Und dafür brauchen sie irgendeine Art von Sichtbarkeit der Mitglieder, zum Beispiel mit einer technologischen Lösung wie einer Online-Plattform. Wir als Organisation sind dann verantwortlich für die Infrastruktur, für die Ermöglichung des fast Unmöglichen: Dass die Leute miteinander in Kontakt treten, ihr Wissen und ihre Interessen teilen und miteinander in Austausch kommen, und am Ende sagen können: Organisation A hat mir nicht nur eine Veranstaltung gegeben, sie hat mir ein Netzwerk gegeben, wo ich Wissen finde, wo ich Partner oder Gleichgesinnte finde und wo mir jemand zuhört."

Mit Alumni-Arbeit Ressourcen gewinnen

Darius Polok plädiert stark für einen erweiterten Ressourcenbegriff: "Es wird klassischerweise angenommen, die einzige Ressource, die uns die Community von außen geben kann, sei Geld. Es geht aber auch um Zeit, Zugang und Wissen. Und wenn aus der Community heraus Aktionen entwickelt werden und diese mit unserer Organisation verbunden werden, dann ist das doch ganz in unserem Sinne. Zu begreifen, dass heutzutage diese Art der Mitbeteiligung der Weg ist, um Ressourcen zu rekrutieren, ist wichtig."

Spenden einzuwerben kann zudem auch eines der Ziele der Ehemaligen-Arbeit sein. Wenn eine Organisation gute Alumni-Arbeit macht, pflegt sie die Kontakte und stärkt die Zugehörigkeit der Ehemaligen und den Austausch untereinander und mit der Organisation. Solche stark mit der Organisation verbundenen Ehemaligen sind auch bereit, die Organisation finanziell zu unterstützen.

Fördervereine sind eine mögliche Organisationsform, in der (ehemalige) Teilnehmende sich finanziell und ehrenamtlich für die Ziele des Trägers engagieren können. Im Interview berichtet Wolfgang Ebert, wie das in der Praxis funktioniert. Er hat unter anderem den Förderverein "Regionalbüro Arbeit und Leben für Politische Bildung e.V." ins Leben gerufen.