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9.3.2021

Projektfinanzierung im ländlichen Raum

Projekte im ländlichen Raum, die sich vornehmlich der politischen Bildung bzw. der Stärkung der Zivilgesellschaft verschrieben haben, werden meist über öffentliche Fördermittel oder Stiftungsgelder finanziert. Welche Förderprogramme kommen in Betracht und was ist darüber hinaus möglich?

Money makes me feel good (© MADworks / photocase.de)

Die Finanzierung von Projekten im ländlichen Raum, die sich vornehmlich der politischen Bildung bzw. der Stärkung der Zivilgesellschaft verschrieben haben, läuft meistens über öffentliche Fördermittel oder Stiftungsgelder. Förderprogramme mit speziellem Fokus auf den ländlichen Raum sind das Bundesprogramm "Zusammenhalt durch Teilhabe“ des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (Umsetzende Behörde: Bundeszentrale für politische Bildung), das Bundesprogramm "Ländliche Entwicklung“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, das Programm "Miteinander reden“ der Bundeszentrale für politische Bildung oder das Programm "Neulandgewinner“ der Robert Bosch Stiftung GmbH (siehe Links und Literatur).

Darüber hinaus können sich Projekte je nach inhaltlichem Schwerpunkt für viele weitere regionale, bundesweite und europäische Fördergelder bewerben, die nicht speziell auf die Verortung im ländlichen Raum abzielen.

Lan Böhm vom Bundesprogramm "Zusammenhalt durch Teilhabe“ weist darauf hin, dass Vereine oder Ortsgruppen die eigenen Dachverbände in die Finanzierung mit einbeziehen können. In einigen Bundesländern gibt es zudem Landesprogramme zur Demokratieförderung und Extremismusprävention. Dazu gehören zum Beispiel die Landesprogramme "Weltoffenes Sachsen“, "Denkbunt“ in Thüringen oder "Hessen - aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“. Auch Förderungen durch Stiftungen wie die Lotto-Stiftung oder Soziallotterien wie Aktion Mensch können zur Finanzierung von Projekten im ländlichen Raum herangezogen werden. Spenden oder Mitgliedsbeiträge seien ebenfalls Bausteine im Finanzierungsmix, so Böhm.

Andreas Willisch, Leiter des Programmbüros von "Neulandgewinner“, wünscht sich eine stärkere Unabhängigkeit der Projektträger von öffentlichen Fördergebern, die in spezifischen Programm Mittel für eine bestimmte erwünschte Projektförderung ausgeben. Die Förderlandschaft sei zwar riesig, aber er sieht es als große Aufgabe, "vom reinen Förderdenken wegzukommen und über andere Formen der Finanzierung nachzudenken. Es wäre schön, ein unabhängigeres Selbstverständnis zu entwickeln. Es wird zu oft zuerst auf staatliche Förderung geschaut. Dabei könnte man auch mal auf Unternehmen zugehen. Spenden müssen raus aus dieser Almosen-Ecke.“ Im kulturellen Bereich gelänge es dem ein oder anderen Projekt durchaus, auch Spenden zu generieren – auch aus umliegenden Städten.

Babette Scurrell, Mitglied im Vorstand des Verein Neuland gewinnen e.V., hebt einen großen Vorteil von ländlichen Projekten hervor: "Im ländlichen Raum vervielfachen sich die eingesetzten Mittel sehr gut. Mit 2.000 Euro können die richtig viel bewegen“. Grund seien starke Dorfgemeinschaften, die sich mit ihren vielfältigen Ressourcen einbrächten. Die Handwerker/-innen und Baufirmen vor Ort packen mit an, baggern den Spielplatz aus, stellen Material und Werkzeug zur Verfügung und bringen mit ihrem Fachwissen und Können viel Arbeitsleistung ein. Gastronom/-innen bieten kostenloses Catering, Einzelhändler/-innen öffnen Räume und stellen Werbeplätze zur Verfügung. "Dieser Schatz findet jedoch viel zu selten Berücksichtigung. Was über diese Kanäle an Eigenleistung hereinfließt, wird bei vielen Förderern nicht als Eigenmittel anerkannt, es ist nicht finanzierungszuträglich. Aber es ist ein bedeutender Faktor, weil man mit viel weniger viel mehr erreicht. Das rechnet man in der zivilgesellschaftlichen Förderung – im Gegensatz zu Wirtschaftsförderung – leider nie an, es wird gesellschaftlich einfach nicht wertgeschätzt“.

Die Teilnehmer/-innen von Neulandgewinner seien grundsätzlich offen für andere Formen der Finanzierung und experimentieren gerne, bestätigen die beiden Projektleiter. Crowdfunding wurde hier und da schon ausprobiert, sodass eine Käserei über diesen Weg 550 Unterstützer/-innen fand. Letztlich fehle es aber oft an den notwendigen Ressourcen. Denn eine Crowdfunding-Kampagne kostet viel Zeit und überfordere viele Initiativen, die schon ihre ganze Kraft in die Projekte stecken. "Es wäre hilfreich, wenn Crowdfunding-Plattformen nicht nur die digitale Infrastruktur stellen würde, sondern auch bei der Umsetzung unterstützen könnten. Sonst ist es am Ende doch wieder einfacher und planbarer, den Förderantrag zu stellen“, erhofft sich Willisch.

Es bestehe aber auch wachsendes Interesse, mit den Projekten Einnahmen zu generieren, so Scurrell. In der Corona-Krise sei deutlich geworden, wie viele Einkünfte vorher über wirtschaftliche Zweckbetriebe hereingekommen seien. Das geschlossene "Sonntags-Café“ oder der Wegfall von Eintritten aus kulturellen Veranstaltungen von Initiativen machten sich schnell bemerkbar.