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3.8.2018

Aufstieg des Terrornetzwerks "Al-Qaida"

Vor 20 Jahren detonierten vor den amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania Autobomben – dabei starben mehr als 200 Menschen. Das Terrornetzwerk "Al-Qaida" wurde schlagartig einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Die Ereignisse waren ein Vorspiel für die Anschläge vom 11. September 2001.

Feuerwehrleute löschen am 7.8.1998 die Brände nach einer schweren Bombenexplosion, die ein Bankgebäude und die US-Botschaft im Zentrum von Nairobi zerstört hat.Feuerwehrleute löschen am 7.8.1998 die Brände nach einer schweren Bombenexplosion, die ein Bankgebäude und die US-Botschaft im Zentrum von Nairobi zerstört hat. (© picture-alliance/dpa)

Am Vormittag des 7. August 1998, fährt ein mit Sprengstoff beladener Kleinlastwagen zum Eingang der amerikanischen Botschaft im Zentrum der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Noch vor dem Tor der Vertretung wird die Autobombe gezündet. Die Wucht der Explosion ist so stark, dass die komplette Fassade der US-Botschaft aufgerissen wird und ein weiteres Gebäude kollabiert. 213 Menschen werden Opfer des Anschlags.

Fast zur gleichen Zeit wird das Botschaftsgebäude der USA in Daressalam, der Hauptstadt von Tansania, ebenfalls Ziel eines Bombenanschlags. Dabei kommen elf Menschen ums Leben.

Die anschließenden Ermittlungen ergeben: Die Anschläge wurden vom bis dahin unbekannten Terrornetzwerk "Al-Qaida" (deutsch "die Basis") unter Führung von Osama bin Laden begannen.

Erstmals wurde über "Al-Qaida" gesprochen

Die Anschläge in den beiden ostafrikanischen Ländern markierten einen Wendepunkt in der Wahrnehmung des radikal-islamistischen Terrors: Den Sicherheitsbehörden, aber auch der Öffentlichkeit in den westlichen Ländern wurde deutlich, dass religiöser Extremismus ein globales Problem ist, das sich nicht nur auf die arabischen Länder beschränkt. Erstmals wurde der Name "Al-Qaida" weltweit einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Außerdem zeigten die Taten, dass sich Islamisten auf der ganzen Welt für einen Kampf gegen die politische Hegemonie der USA rüsteten. "Der Befehl, die Amerikaner und ihre Verbündeten zu töten, ist eine individuelle Verpflichtung für jeden Muslim", hatte bin Laden Anfang 1998 gesagt.

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Islamismus Definition:

"Islamismus" ist eine Sammelbezeichnung für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islam die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben. Der ideologische Ursprung der gemeinten Bewegung liegt in inner-islamischen Reformbestrebungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die organisatorische Wurzel ist in der 1928 in Ägypten gegründeten "Muslimbruderschaft" zu sehen. Allen späteren Strömungen war und ist die Absicht eigen, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Dies bedeutet: Religion und Staat sollen nicht mehr getrennt und der Islam institutionell verankert sein. Damit einher geht die Ablehnung der Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.


US-Präsident Bill Clinton, antwortete mit Vergeltungsschlägen: Auf Ziele in Afghanistan und im Südsudan ließ er Raketen abfeuern. Dabei kamen zahlreiche Menschen ums Leben, Al-Qaida wurde dadurch jedoch nicht zerschlagen.

Gründung von Al-Qaida bereits nach dem sowjetischen Abzug aus Afghanistan

Bis zu den Explosionen in Nairobi und Daressalam waren die Namen Al-Qaida und Osama bin Laden allenfalls in Sicherheitskreisen ein Begriff. Bin Laden, Sohn eines reichen Bauunternehmers aus Saudi-Arabien, wurde Ende der 1950er-Jahre in Riad geboren. Er radikalisierte sich als Jugendlicher und schloss sich Anfang 1980 dem Kampf der Mudschaheddin gegen die Sowjetarmee in Afghanistan an. Diesen Konflikt betrachteten die islamistischen Widerstandskämpfer als einen Glaubenskrieg – auf Arabisch: "Dschihad".

Nachdem die Sowjetunion im Mai 1988 mit dem Rückzug ihrer Soldaten begonnen hatte, berieten die Führer der "arabischen Afghanen", unter ihnen Osama bin Laden, über die Fortführung des Dschihad gegen andere "Ungläubige". Zu diesem Zweck gründeten sie am 11. August 1988 "Al-Qaida".

Hier kam der Reichtum aus dem Erbe von bin Laden mit dem Fachwissen geübter Guerilla-Kämpfer und politischer Extremisten zusammen. Was Al-Qaida von anderen radikalislamistischen Organisationen unterschied, war der transnationale Fokus – und die starke Verachtung des westlichen Lebensstils, welcher als Bedrohung für islamische Werte dargestellt wurde.

In der westlichen Öffentlichkeit wurden die "Befreiungskämpfe" an den Rändern der Sowjetunion, in Afrika und in Asien jedoch wenig beachtet. Der Fokus der Dschihadisten hingegen verschob sich mit der irakischen Besetzung Kuwaits im Jahr 1990 und dem darauffolgenden Eintreffen amerikanischer Truppen in Saudi-Arabien auf die USA.

Erster Anschlag auf das World Trade Center im Jahr 1993

Am 26. Februar 1993 verübten Islamisten einen Sprengstoffanschlag auf die Tiefgarage des World Trade Centers in New York. Ziel war es, den Nordturm des Gebäudekomplexes zum Einsturz zu bringen, angeblich rechneten die Terroristen mit bis zu 100.000 Toten. Tatsächlich aber hielt die Statik der Explosion stand. Sechs Menschen starben.

Amerikanische Medien vermuteten zuerst, dass jugoslawische Extremisten hinter der Tat stecken könnten. Später war von "ägyptischen Fundamentalisten" die Rede. Auch der Name Osama bin Ladens fiel wiederholt – wenn auch lange in anderer Schreibweise: "Ussama ibn Ladin".

Die Debatte über Al-Qaida wird jedoch erst seit den Anschlägen von Nairobi und Daressalam im August 1998 in den Massenmedien geführt. Manche sehen in den Taten die wahre Geburtsstunde von Al-Qaida – weil es den Terroristen zum ersten Mal gelungen war, von der Weltöffentlichkeit als Organisation wahrgenommen zu werden.

Vom Netzwerk zum "Terror-Franchise"

Es dauerte weitere drei Jahre, bis Al-Qaida den bereits 1993 gefassten Plan zur Zerstörung des World Trade Centers in die Tat umsetzen konnte. Dieses Mal griffen die Terroristen aus der Luft an, mit gekaperten Flugzeugen. Die Anschläge vom 11. September 2001 in New York, Washington D.C. und Pennsylvania veränderten die Welt grundlegend – besonders aber die Politik der USA.

Al-Qaida entwickelte sich in den folgenden Jahren, auch unter dem Druck des amerikanischen "Krieg gegen den Terror" ("War on Terror"), zu etwas, das Experten "Terror-Franchise" nennen: Extremisten konnten sich zu ihren Taten im Namen von Al-Qaida bekennen. Damit bekamen sie Aufmerksamkeit und transportierten gleichzeitig die Botschaft von Al-Qaida in die Welt.

Von 1992 bis 2008 kamen bei Al-Qaida-Anschlägen außerhalb von Afghanistan und des Irak laut Angaben der britischen Wochenzeitung "The Economist" insgesamt 4.400 Menschen ums Leben. Eine andere Studie, die auch den Terror im Irak mit einbezieht, kommt allein für die Jahre zwischen 2004 und 2009 auf 3.000 Opfer. Fast 90 Prozent davon waren Muslime.

Mit den Jahren traten andere Organisationen, wie der sogenannte Islamische Staat auf den Plan, die den Franchise-Gedanken von Al-Qaida fortführten. Osama bin Laden wurde im Jahr 2011 von amerikanischen Spezialeinheiten in Pakistan getötet. Al-Qaida existiert immer noch – ist aber nur noch eine Terrororganisation unter vielen.

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