Dsa Bild zeigt ein Hinweisschild an einem abgesperrten Düsseldorfer Spielplatz mit der Aufschrift "gesund bleiben". Wegen der Verbreitung des Corona-Virus sind Bürgerinnen und Bürger bis auf weiteres aufgefordert Sozialkontakte zu meiden.

26.5.2020

Griechenland: Hoffen auf die Touristen

Der Kampf gegen Covid-19 in Griechenland gilt als Erfolgsgeschichte: Im Vergleich zu anderen Ländern wurden sehr schnell restriktive Maßnahmen umgesetzt, nur so konnte Schlimmeres verhindert werden.

Der Kampf gegen Covid-19 in Griechenland gilt als Erfolgsgeschichte: Im Vergleich zu anderen Ländern wurden sehr schnell restriktive Maßnahmen umgesetzt, nur so konnte Schlimmeres verhindert werden. Im Podcast sprechen euro|topics-Korrespondentin Chrissi Wilkens aus Athen/Kreta und euro|topics-Redakteurin Sophie Elmenthaler aus Berlin darüber, wie die Corona-Krise Griechenland zusetzt.

Denn die harte Sparpolitik, die die internationalen Gläubiger dem Land wegen der Schuldenkrise auferlegt hatten, hat auch das öffentliche Gesundheitssystem signifikant geschwächt. Es mangelt den Krankenhäusern massiv an nötiger Ausrüstung wie Masken und Schutzkleidung. Im März verfügte Griechenland gerade einmal über gut 560 Betten auf Intensivstationen, für eine Bevölkerung von knapp elf Millionen Menschen. Die Krankenhäuser meldeten auch massiven Mangel an nötiger Ausrüstung wie z.B. Masken und Schutzkleidung, der aber mittlerweile behoben ist. Vergleichszahlen zum EU-Durchschnitt gibt es nur aus dem Jahr 2012, doch diese zeigen, dass Griechenland mit sechs Intensivbetten pro 100.000 Einwohnern schon damals am unteren Ende der Skala rangierte, im Vergleich zum Nachbarland Bulgarien mit rund zwölf, Italien mit rund 13 und Deutschland mit damals rund 29. Der EU-Durchschnitt lag bei 11,5.

Der erste Corona-Fall in Griechenland wurde am 26. Februar diagnostiziert. Eine 38-jährige griechische Modedesignerin hatte das Virus aus Mailand mitgebracht. Etwa zeitgleich kündigte Ankara an, die türkische Grenze zu Europa zu öffnen. Tausende Geflüchtete sammelten sich in der Grenzregion in Evros. Die Lage eskalierte.

Am 23. März ging Griechenland für 42 Tage in einen Lockdown. Menschen durften die Wohnung nur mit einem Begründungsschreiben verlassen. Seit dem 4. Mai werden die Bewegungseinschränkungen im Rahmen eines Stufen-Plans gelockert und mehrere Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe wieder geöffnet. Die Behörden meldeten am 17. Mai landesweit 2.834 Corona-Patienten und 163 Tote.

Da in Griechenland weiterhin aber nur wenige Tests durchgeführt werden (insgesamt 126.300 am 17. Mai), gibt es kein klares Bild über die tatsächliche Ausbreitung der Pandemie in der Bevölkerung. Trotz der unsicheren Lage weltweit drängt die Regierung nun darauf, das Land ab dem 1. Juli für Touristen zu öffnen - ohne regelmäßige Tests oder Quarantäne-Pflicht. Viele Social-Media-Nutzer haben ihre Ängste darüber auf Twitter ausgedrückt, sie stellten teilweise auch den Sinn des zweimonatigen Lockdowns in Frage. Doch die Regierung will die stark angeschlagene Wirtschaft wieder ankurbeln, die EU-Kommission sagt Griechenland mit 9,7 Prozent die schlimmste Rezession in der Eurozone voraus. Die Arbeitslosigkeit könnte laut Internationalem Währungsfonds sogar die 22-Prozentmarke erreichen.

Die Lage für Schutzsuchende bleibt schwierig. Über 120.000 Geflüchtete befinden sich derzeit in Griechenland, gut ein Drittel von ihnen harrt in den überfüllten Hotspots auf den ägäischen Inseln aus – unter katastrophalen sozialen und hygienischen Bedingungen, die den Vorschriften zum Social Distancing nicht entsprechen.
18.05.2020, vor der Athener Akropolis: Nach der verhängten Sperrung zur Verhinderung der Ausbreitung des Coronavirus werden viele archäologische Stätten unter Auflagen wieder zugänglich gemacht.18.05.2020, vor der Athener Akropolis: Nach der verhängten Sperrung zur Verhinderung der Ausbreitung des Coronavirus werden viele archäologische Stätten unter Auflagen wieder zugänglich gemacht. (© picture-alliance, ANE)


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