Dsa Bild zeigt ein Hinweisschild an einem abgesperrten Düsseldorfer Spielplatz mit der Aufschrift "gesund bleiben". Wegen der Verbreitung des Corona-Virus sind Bürgerinnen und Bürger bis auf weiteres aufgefordert Sozialkontakte zu meiden.

17.6.2020

Türkei: Versorgung ja, offene Debatte nein

Gesundheitlich hat die Türkei die Corona-Krise bisher vergleichsweise gut gemeistert. Hart trifft die Pandemie aber die Wirtschaft, soziale Hilfen gibt es kaum. Präsident Erdoğan setzt auf Polarisierung und geht massiv gegen seine Kritiker vor. Euro|topics-Korrespondentin Kristina Karasu erzählt, wie die krisenerprobten Türken mit der Situation umgehen.

Gesundheitlich hat die Türkei die Corona-Krise bisher vergleichsweise gut gemeistert. Hart trifft die Pandemie aber die Wirtschaft, soziale Hilfen gibt es kaum. Präsident Erdoğan setzt auf Polarisierung und geht massiv gegen seine Kritiker vor. Euro|topics-Korrespondentin Kristina Karasu erzählt, wie die krisenerprobten Türken mit der Situation umgehen.

Mit offiziell 179.831 Corona-Fällen und 4.825 Todesopfern (Stand 15. Juni 2020) hat die Türkei zurzeit eine wesentlich niedrigere Sterblichkeitsrate als viele andere Länder. Als Grund werden die relativ junge Bevölkerung, flächendeckende Krankenversicherung, kostenlose Corona-Behandlung und große Investitionen ins Gesundheitssystem in den vergangenen Jahren vermutet.

Zwischen Mitte März und Anfang Juni ließ die Regierung das gesellschaftliche Leben auf ein Minimum herunterfahren, führte die Maskenpflicht ein und verhängte Ausgangssperren an den Wochenenden. Menschen über 65 und unter 20 Jahren durften über zwei Monate lang nur an wenigen Stunden pro Woche das Haus verlassen.

Der erste Corona-Fall in der Türkei wurde erst am 10. März bekanntgegeben, obwohl das Virus zu diesem Zeitpunkt in den Nachbarländern schon weit verbreitet war. In den überwiegend regierungstreuen Massenmedien wurde darüber geschwiegen. In den sozialen Medien hingegen entbrannten große Diskussionen darüber, ob Ankara bewusst Fälle vertusche. Die Regierung geht seither massiv gegen solche Kritik vor: sie ließ über 11.000 Social-Media-Konten untersuchen, die angeblich "provokative Corona-Posts" verbreitet haben sollen, darunter von kritischen Ärzten und Journalisten. Mehrere Menschen wurden vorübergehend festgenommen.

Ziel von Repressionen wurden auch die oppositionellen Bürgermeister von Istanbul, Ankara und Izmir: Eine von ihnen gestartete Spendenkampagne für Bedürftige in der Corona-Krise ließ die Regierung verbieten und leitete Ermittlungen ein; anschließend startete Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan seine eigene Spendenkampagne. In seinen Reden hetzt Erdoğan gegen seine Gegner, setzt auch in der Pandemie auf Polarisierung.

Schon vor Corona befand sich die Türkei in einer tiefen Wirtschaftskrise mit Massenarbeitslosigkeit, hoher Inflation und massiver Auslandsverschuldung. Durch die Corona-Maßnahmen hat sich die Krise nun massiv verschärft, die Hilfspakete der Regierung bleiben unzureichend. Es fehlt insbesondere an Sozialhilfen, Millionen von Menschen leben unter der Armutsgrenze, besonders hart trifft es Geflüchtete aus Syrien und anderen Ländern, von denen immer noch viele in der Türkei ausharren. Große Hoffnung ruht derzeit auf dem Tourismus, doch die EU hat ihre Reisewarnung für die Türkei bisher nicht aufgehoben.
8. Juni, Istanbul: Auch in der Türkei hat der Normalisierungsprozess begonnen.8. Juni, Istanbul: Auch in der Türkei hat der Normalisierungsprozess begonnen. (© picture-alliance/akg, ZUMA Press)


Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 4.0 - Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International" veröffentlicht.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Cuxhaven am 12. Mai 2020: Spaziergänger laufen hinter Strandkörben über den Strand. Der Tourismus an der Nordsee in Niedersachsen läuft wieder an.
euro|topics-Presseschau vom 14. Mai 2020

Sommerurlaub: EU-Kommission legt Leitlinien vor

Brüssel hat Empfehlungen für den Tourismus in der EU in diesem Sommer vorgelegt: Die Mitgliedsstaaten sollen sicherstellen, dass Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten und Kontakte nachverfolgt werden können. Bedingung ist, dass die Ansteckungsgefahr gering ist, ausreichend Tests vorhanden und die Gesundheitssysteme nicht überlastet sind. Bringt das Konzept die Branche wieder auf die Beine?

Mehr lesen auf eurotopics.net

Farbfoto: Ein Kellner mit Atemmaske läuft mit Biergläsern auf einem Tablett im Außenbereich eines Restaurants auf einem historischen Platz.
euro|topics-Presseschau vom 13. Mai 2020

Corona: Wer zahlt die Rechnung?

In den meisten Ländern Europas hat die Politik Notfallprogramme in der einen oder anderen Form aufgelegt, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzumildern. Aber wird für alle Menschen das Mögliche getan, und funktionieren die Programme? Kommentatoren sind skeptisch.

Mehr lesen auf eurotopics.net

In mehreren deutschen Großstädten gab es am vergangenen Wochenende Proteste gegen die Corona-Schutzmaßnahmen. Teilweise kamen mehrere Tausend Demonstranten zusammen, vielerorts ohne den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand. Sie warfen der Bundesregierung Panikmache und die Einschränkung ihrer Grundrechte vor. Unter den Organisatoren waren auch bekannte Verschwörungstheoretiker. Ein Grund zur Sorge?

Mehr lesen auf eurotopics.net

In vielen europäischen Ländern werden die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 in diesen Tagen schrittweise gelockert. Geschäfte sind vielerorts wieder geöffnet, Kinder kehren in die Schulen zurück, Ausgangsbeschränkungen sind weniger restriktiv. Welche Herausforderungen diese Übergangsphase mit sich bringt, beschreiben Kommentatoren anschaulich.

Mehr lesen auf eurotopics.net