Autoritäre Werte und Einstellungen scheinen weltweit an Einfluss zu gewinnen, die Regierungsform Demokratie steht erheblich unter Druck. Ende 2025 wurden mehr Länder autokratisch regiert als demokratisch – gemessen an der Bevölkerung lebten sogar rund drei Viertel der Menschen in autokratischen Regimen. Das Qualitätsniveau vieler Demokratien hat sich in den vergangenen 25 Jahren merklich verringert, weil Grundrechte eingeschränkt, demokratische Rechenschaftspflichten ausgehöhlt oder die Gewaltenteilung geschwächt wurden. Indien hat so seinen Status als größte Demokratie der Welt verloren, und auch die älteste moderne Demokratie, die Vereinigten Staaten, erleidet gerade unter der zweiten Trump-Administration erhebliche Demokratieverluste. Mit Ungarn hat auch die Europäische Union einen Mitgliedstaat in ihren Reihen, der von der vergleichenden Demokratieforschung derzeit als (elektorale) Autokratie klassifiziert wird.
Gleichwohl kommen Abgesänge auf die Demokratie etwas zu früh. Nicht nur ist die oft nur mäßige Leistungsbilanz vieler Autokratien keine sonderlich überzeugende Werbung für autokratisches Regieren, auch erweisen sich viele Demokratien als erstaunlich resilient. In Brasilien, Südkorea oder Polen etwa haben sich die Bevölkerungen erfolgreich gegen Versuche eines autokratischen Staatsumbaus gewehrt; auch in Ungarn stehen die Zeichen derzeit wieder auf Demokratisierung. Ein erneuter weltweiter Siegeszug der Demokratie ist aber wohlgemerkt nicht zu erwarten; viele Länder werden auf absehbare Zeit bestenfalls fragile Demokratien bleiben.
Autoritäre Versuchungen (Wilhelm Heitmeyer) stellen liberale, offene Gesellschaften seit jeher vor Herausforderungen. Der Umgang mit ihnen ist aber nicht vorbestimmt. Ob aus ihnen eine ernsthafte Bedrohung für die Demokratie erwächst, entscheiden letztlich die relevanten Akteure selbst: Regierungen und Parteien, die Zivilgesellschaft – und eine Wahlbevölkerung, die ihre Entscheidung an der Urne idealerweise wohlinformiert zu treffen weiß.