Konflikte um Rohstoffe sind auch Konflikte um Boden. Ressourcen „sind, wo sie sind“: Sie liegen an bestimmten Orten unter der Erde. Mit dieser Eigenschaft ist einiges Konfliktpotenzial verbunden. Denn die Förderung von Rohstoffen beansprucht große Flächen, die damit von anderen Nutzungen ausgeschlossen sind. Um Rohstoffe abbauen zu können, werden Siedlungen, Anbau-, Wald- und Weideflächen aufgegeben – häufig, wahrscheinlich in den meisten Fällen, gegen die Interessen der bisherigen Nutzer:innen. Und auch auf vermeintlich ungenutzten Flächen gibt es vielfältige Nutzungen – Sammeln von Holz, Kräutern und Früchten, Reserveflächen für Wanderweidewirtschaft, spirituelle Nutzungen und andere, für die in der Regel keine formalisierten Nutzungsrechte bestehen. Dies führt dazu, dass Nutzer:innen im Planungsprozess des Rohstoffabbaus nicht konsultiert werden und auch keine Entschädigungen erhalten. Eine weitere Eigenschaft fossiler und mineralischer Rohstoffe besteht darin, dass ihr Abbau kapital- und technologieintensiv, aber vergleichsweise wenig arbeitsintensiv ist. Auch dies führt zu typischen Konflikten, weil die Rohstoffförderung meist mit weniger und weniger dauerhaften Arbeitsplätzen und Einkommensmöglichkeiten vor Ort einhergeht als versprochen oder erhofft. Abhängig vom Rohstoff, der Art des Vorkommens und der Förderung werden in vielen Fällen erhebliche Mengen an Wasser beansprucht und Chemikalien eingesetzt.
Es geht also bei Konflikten um Rohstoffe – wie bei Konflikten um Boden insgesamt – um die Verteilung der Gewinne und Kosten. Beide sind im Fall der Rohstoffförderung erheblich: Im Jahr 2024 verkauften die 100 größten Bergbauunternehmen weltweit Mineralien und Metalle im Wert von 946,4 Milliarden US-Dollar. Die drei größten – das Schweizer Unternehmen Glencore, BHP (Australien) und Rio Tinto (England) – verbuchten 2024 jeweils einen Jahresumsatz von weit über 50 Milliarden US-Dollar.
Wir beschreiben in diesem Beitrag, worum es bei Konflikten um Rohstoffförderung geht, welche Akteure beteiligt sind und mit welchen Mitteln sie ausgetragen werden. Wir gehen auf die aktuelle Debatte um sogenannte kritische Rohstoffe ein. Abschließend diskutieren wir das Potenzial von Ressourcenkonflikten zur Transformation der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Strukturen, die diesen Konflikten zugrunde liegen.
Worum geht es?
Bergbau hat enorme wirtschafts-, entwicklungs- und energiepolitische Bedeutung. Er trägt zum makroökonomischen Wachstum bei und generiert staatliche Einnahmen über Gebühren, Steuern und Zölle. Bergbaulich geförderte Rohstoffe sind für die Energiegewinnung essenziell, für fossile wie erneuerbare Energien gleichermaßen. Zugleich hat der Bergbau weitreichende negative soziale und ökologische Auswirkungen: Verlust von Anbau- und Weideflächen, Verknappung und Verschmutzung von Oberflächen- und Grundwasser, die Belastung von Böden, Lärm und steigende Lebenshaltungskosten in Bergbaugebieten. In vielen Staaten zählen die Abbauregionen zu den ärmsten und am wenigsten „entwickelten“ innerhalb des Landes. Für lokale Akteure stellt der industrielle Rohstoffabbau häufig eine Bedrohung ihrer Lebensgrundlage (meist Landwirtschaft oder handwerklicher Bergbau) und ihrer territorialen, kulturellen oder politischen Rechte dar. Die Ausweitung des Bergbaus führt zu weitreichenden Veränderungen in der Landnutzung, den Eigentumsverhältnissen und der Infrastruktur. Bestimmten Akteuren wird der Zugang zu Wasser und Land auf Kosten anderer gewährt: Neue Infrastrukturen wie befestigte Straßen und Häfen werden gebaut, und es kommt zu Verschiebungen in den sozialen Verhältnissen (Arbeits-, Geschlechter-, Klassen- und politische Machtverhältnisse). Oft geht es in Konflikten um Rohstoffe weniger darum, ob diese abgebaut werden sollen oder nicht, sondern um angemessene Entschädigungen für den Verlust von Häusern und Land, um die Art und Weise von Umsiedlungen und den Zugang zu Arbeitsplätzen.
Weltweit haben Konflikte im Zusammenhang mit dem Rohstoffabbau in den letzten zwei Jahrzehnten zugenommen. Quantitative Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen der Ausweitung des Bergbaus und einer Zunahme bewaffneter Konflikte hin.
Wer ist beteiligt?
Bewaffnete und kriegerische Konflikte um Rohstoffe sind jedoch eher die Ausnahme als die Regel. Die große Mehrheit der Konflikte um Ressourcen verlaufen zwischen zivilgesellschaftlichen, privatwirtschaftlichen und staatlichen Akteuren und weisen ein niedrigeres Niveau direkter physischer Gewalt auf. Konfliktakteure sind nationale und transnationale Unternehmen; nationale und lokale Regierungen, Behörden und Politiker:innen; religiöse, ethnische und bäuerliche Organisationen und Bewegungen; nationale und internationale Nichtregierungsorganisationen sowie Akteure, die handwerklichen Bergbau betreiben. Je nach ihrer sozialen Position verfügen diese Akteure über unterschiedliche Mittel und Möglichkeiten, ihre Interessen zu artikulieren und ihre Forderungen durchzusetzen.
Gewerkschaften und Arbeiter:innen sind zentrale Akteure in Konflikten um Löhne, Vertragsbedingungen, Arbeitszeiten etc. In Ländern, in denen industrieller Bergbau eine Tradition hat, gibt es oft starke Bergbaugewerkschaften. Darüber hinaus organisieren sich Arbeiter:innen auch jenseits tradierter gewerkschaftlicher Strukturen. Ein bekanntes Beispiel ist der „wilde“ Streik von Arbeiter:innen in der Platinmine Marikana in Südafrika 2012, bei dem 34 Streikende in Auseinandersetzungen mit der Polizei getötet wurden.
Die Konfliktkonstellationen hängen von der bisherigen Landnutzung, den Eigentumsverhältnissen und den Landrechtsregimen in den jeweiligen Kontexten ab. Die verschiedenen bestehenden Formen der Landnutzung – Land- und Forstwirtschaft, Tierhaltung, Siedlungen, handwerklicher Bergbau, kulturelle, spirituelle und andere Nutzungen – und die damit verbundenen materiellen und sozialen Bedeutungen und Beziehungen prägen die Konflikte, die entstehen, wenn ein Unternehmen eine Konzession zur Erkundung oder Förderung von Rohstoffen erhält. Ein bekanntes Beispiel in Europa ist die Goldmine Roșia Montană in Rumänien. Zivilgesellschaftliche Organisationen mobilisieren seit zwei Jahrzehnten gegen die Roșia Montană Gold Corporation (zu 80 Prozent im Besitz des kanadischen Unternehmens Gabriel Resources) und die staatlichen Behörden. Sie protestieren gegen die drohende Umsiedlung von drei Dörfern, die mögliche Schädigung einer der wichtigsten archäologischen Stätten des Landes sowie ökologische Risiken durch den Einsatz von Zyanid im Goldabbau. Mit ihren Protesten waren sie gegenüber der rumänischen Regierung erfolgreich, woraufhin Gabriel Resources den rumänischen Staat auf 4,4 Milliarden US-Dollar Schadensersatz verklagte. Das Internationale Zentrum für die Beilegung von Investitionsstreitigkeiten wies im März 2024 die Klage zurück.
Weitere wichtige Akteure in Konflikten um Rohstoffabbau sind in vielen Weltregionen artisanal miners, handwerkliche Bergleute. Handwerklichen Bergbau gibt es nicht in allen Bergbaugebieten, und nur einige Ressourcen werden handwerklich abgebaut (zum Beispiel Gold, Edelsteine und Metalle wie Kobalt oder Zinn). Im Globalen Norden gibt es praktisch keinen handwerklichen Bergbau – im Gegensatz zu Afrika, Lateinamerika und der Karibik, Süd- und Ostasien sowie dem Pazifikraum, wo er zu den wichtigsten wirtschaftlichen Aktivitäten der Bevölkerung zählt, insbesondere in ländlichen Gebieten. Der handwerkliche und kleinräumige Bergbau (Artisanal and Small-Scale Mining, ASM) ist in den letzten Jahren aufgrund steigender Preise für Mineralien und Metalle einerseits sowie mangels alternativer Einkommensmöglichkeiten (vor allem in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft) andererseits erheblich gewachsen. Weltweit sind schätzungsweise mehr als 41 Millionen Menschen im ASM tätig, allein 15 Millionen in Indien, neun Millionen in China und jeweils ein bis zwei Millionen in den deutlich kleineren Staaten Ghana und Burkina Faso.
Die Debatte um ASM, an der sich politische Entscheidungsträger:innen, Entwicklungsexpert:innen, Forscher:innen und Unternehmensakteure beteiligen, ist durch zwei Positionen gekennzeichnet. Eine Position zielt darauf ab, ASM zu formalisieren und damit zu kontrollieren und gleichzeitig als lokales „Unternehmertum“ zu fördern. Die andere Position würde ASM am liebsten abschaffen, indem entweder versucht wird, artisanal miners zu „alternativen Lebensgrundlagen“ zu bewegen oder sie zu kriminalisieren oder beides parallel zu tun, wie es beispielsweise die Regierungen von Ghana und der Demokratischen Republik Kongo kürzlich angestrebt haben. Dies geht häufig mit Narrativen einher, die die negativen sozialen und ökologischen Wirkungen von ASM hervorheben, während gleichzeitig sowohl Regierungen als auch internationale Entwicklungsorganisationen weiterhin den großflächigen Bergbau durch multinationale Unternehmen als Motor für Entwicklung, das heißt als generell positiv, fördern.
Wie werden Konflikte ausgetragen?
Zu den Mitteln, die Akteure nutzen, um ihre Interessen in Konflikten um Rohstoffförderung zu artikulieren und ihre Forderungen durchzusetzen, zählen rechtliche und direktdemokratische Instrumente, Petitionen, Demonstrationen, Streiks, Besetzungen und Sabotage. Die Forderungen richten sich insbesondere an den Staat, meist an die nationalen Regierungen und Behörden, teilweise auch an lokale, föderale oder internationale Institutionen oder an Unternehmen. Die nationalstaatlichen Institutionen sind insofern von zentraler Bedeutung, als bei ihnen in der Regel die Entscheidungskompetenz liegt, ob und unter welchen Bedingungen Ressourcen gefördert werden, wie die Gewinne verteilt und wozu sie verwendet werden.
Lokale Organisationen und Bewegungen nutzen aufgrund des relativ geringen Einflusses der lokalen Ebene häufig multiskalare Strategien, um ihren Forderungen auf nationaler und internationaler Ebene Gehör zu verschaffen, um Vorhaben des Ressourcenabbaus aufzuhalten und um Menschen- und Beteiligungsrechte einzufordern. Typische multiskalare Strategien sind Allianzen von Akteuren, die auf unterschiedlichen Ebenen (lokal, national, international) agieren. Gegen den geplanten Goldabbau in Roșia Montană beispielsweise demonstrierten lokale Initiativen 2013 bis 2014 in mehreren Dutzend Städten in Rumänien einschließlich der Hauptstadt Bukarest. Gleichzeitig nutzten nationale Umweltorganisationen wie Greenpeace Rumänien und das Independent Center for the Development of Environmental Resources gemeinsam mit internationalen Nichtregierungsorganisationen wie dem Center for International Environmental Law und dem European Center for Constitutional and Human Rights rechtliche Mittel auf internationaler Ebene.
Bestehende Rechte, die in nationalen Verfassungen und internationalen Konventionen festgeschrieben sind, bilden einen wichtigen Bezugsrahmen, auf den sich Akteure in Konflikten um Ressourcenabbau berufen. Zu den bedeutendsten zählt die Indigenous and Tribal Peoples Convention Nr. 169 der International Labour Organization, die 1991 in Kraft trat.
Die Wahl der Mittel des Konfliktaustrags ist keineswegs willkürlich, sondern hängt vom sozialen, kulturellen und politisch-institutionellen Kontext ab. Materielle, personelle und sozio-organisatorische Ressourcen sowie Machtverhältnisse bestimmen, welchen Akteuren welche Mittel zur Verfügung stehen. Diskurse um die Rechtfertigung der Rohstoffausbeutung spielen dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Die klassische Erzählung rechtfertigt den Bergbau mit makroökonomischen Entwicklungseffekten durch die Generierung von Einkünften durch Gebühren, Zölle, Steuern etc. für die Nationalstaaten sowie mit vermeintlichen Beschäftigungseffekten. In jüngster Zeit wird im Kontext der Klima- und Energiekrise die Ausweitung des Kupfer-, Lithium- oder Kobaltabbaus zunehmend mit der Aussicht auf „grüne“ Modernisierung, Nachhaltigkeit und einem Beitrag zur Bekämpfung der Klimakrise begründet.
Anwohner:innen, lokale Landnutzer:innen, lokale Behörden und Mandatsträger:innen sind häufig bei der Vergabe von Konzessionen für die Erkundung und den Abbau von Ressourcen nicht oder nicht ausreichend beteiligt. In vielen dieser Prozesse gibt es keine institutionellen Kanäle oder de facto existierenden Möglichkeiten, die unterschiedlichen Ansprüche und Interessen geltend zu machen. Insbesondere Akteure, deren Interessen in bestehenden Bewegungen und Organisationen nicht oder nur schwach vertreten sind, greifen deshalb häufig auf unkonventionelle und konfrontative Mittel zurück: Besetzungen, Blockaden und riots, also spontane und „unkontrollierte“ Demonstrationen, die zeitlich und räumlich begrenzt sind, mit den institutionellen Regeln politischen Protests brechen und potenziell mit Sachschäden einhergehen. Aktionen wie Protestcamps, Blockaden und Besetzungen von Schienen, Zufahrtsstraßen, Abbaugebieten oder Standorten, die für den Abbau vorgesehen sind, stellen wirksame Mittel in Konflikten um Ressourcenabbau dar – auch in liberalen Demokratien und Industrieländern, wie die Konflikte in den Braunkohlerevieren im Rheinland und der Lausitz und um Fracking in England und Wales
Staaten und Bergbauunternehmen reagieren häufig mit physischer Gewalt, ausgeübt durch staatliche Sicherheitskräfte oder private Sicherheitsfirmen, auf solche Proteste. Der Organisation Global Witness zufolge sind mindestens 146 Umweltaktivist:innen im Jahr 2024 ermordet worden oder „verschwunden“ – viele von ihnen aufgrund ihres Engagements in Konflikten um Rohstoffe.
Kritische Rohstoffe und „grüne Opferzonen“
Seit 2020 steigen die Preise und die Nachfrage nach mineralischen und metallischen Rohstoffen erheblich. Hintergrund sind die technologiebasierten Strategien der Dekarbonisierung, mit denen die EU, die USA, China und andere Staaten des Globalen Nordens ihre Klimaziele zu erreichen versuchen, ohne ihren Energiebedarf signifikant einzuschränken. Hierzu benötigen sie Rohstoffe, billige Arbeit für ihre Förderung sowie Land, Wasser, Wind und Sonne für die Generierung erneuerbarer Energien. Viele der sogenannten kritischen Rohstoffe lagern in Ländern des Globalen Südens.
Die Ökonomien der europäischen Staaten sind darauf ausgerichtet, Rohstoffe zu importieren und Gewinne durch ihre Weiterverarbeitung und den Export entsprechender Produkte zu erwirtschaften. 25 bis 30 Prozent der weltweit geförderten Metalle werden derzeit in der EU verarbeitet – aber kaum dort gefördert. Angesichts der jüngsten globalen geopolitischen Entwicklungen, unter anderem des russischen Angriffskriegs in der Ukraine, hat der Europäische Rat im März 2024 den Critical Raw Materials Act verabschiedet. Dabei geht es nicht darum, den Rohstoffverbrauch zu reduzieren und Kreislaufwirtschaft zu fördern, sondern darum, den Zugang zu strategischen Rohstoffen zu sichern. Bis 2030 sollen mindestens zehn Prozent des europäischen Bedarfs an metallischen Rohstoffen in der EU gefördert werden – was bedeutet, dass zahlreiche neue Abbauvorhaben auf der iberischen Halbinsel, in Skandinavien und Osteuropa auf den Weg gebracht werden.
Potenziale für Transformation
Konflikte um Ressourcenförderung sind Konflikte um Verteilung und Ungleichheit. Wo es Gewinner:innen gibt, gibt es zwangsläufig auch Verlierer:innen, auf deren Kosten Gewinne erzielt werden. Im Rohstoffsektor sind diese Kosten erheblich, erst recht in Kontexten, die durch ein hohes Maß an Armut und sozialer Ungleichheit gekennzeichnet sind. Der größte Teil der Gewinne aus dem Rohstoffsektor geht an multinationale Unternehmen, einige nationale Firmen wie Subunternehmen und Zulieferbetriebe, eine relativ kleine Anzahl von Beschäftigten und über Konzessionsgebühren, Steuern, Zölle usw. an den jeweiligen Staat. Demgegenüber stehen die Menschen, die ihre Lebensgrundlage verlieren und zwangsumgesiedelt werden, was auch den Verlust von sozialen Netzwerken und Orten von kulturellem und spirituellem Wert bedeutet.
Konflikte um den Abbau von Ressourcen betreffen grundlegende Fragen der politischen Verhältnisse und der Demokratie: Es geht nicht nur darum, wer was bekommt, was mit den Gewinnen passiert und wie Verluste kompensiert werden, sondern auch darum, wer darüber entscheidet und wie. Bei der Erteilung einer Konzession für den Rohstoffabbau hat die betroffene Bevölkerung in fast allen Kontexten prinzipiell das Recht und die Möglichkeit, Einwände und Forderungen in Konsultationen zu äußern, die Teil der Machbarkeitsstudien und Folgenabschätzungen sind. Damit ist aber kein Recht auf Beteiligung am Entscheidungsprozess oder die realistische Möglichkeit, ein Abbauprojekt zu verhindern, verbunden. Dies ist in den meisten nationalen Gesetzen und internationalen Regelwerken nicht vorgesehen. Angesichts dessen ist es wenig verwunderlich, dass vielen Betroffenen konfrontative Mittel des Protests als die einzig wirksamen erscheinen, ihre Interessen und Ansprüche durchzusetzen.
Konflikttransformation geht über die Bearbeitung des jeweiligen Gegenstands hinaus und kann die dem Konflikt zugrunde liegenden sozialen, ökonomischen und politischen Strukturen nachhaltig verändern. Beispielsweise können Konflikte um Rohstoffförderung dazu führen, dass eine Regierung beschließt, die staatliche Kontrolle über Ressourcen zurückzugewinnen, Ressourcen zu verstaatlichen und den Export von nicht verarbeiteten Rohstoffen einzuschränken. Dies wirkt sich auf die Strukturen der nationalen und möglicherweise auch der internationalen politischen Ökonomie aus. Teilweise führen Konflikte, die sich an einem bestimmten Abbauvorhaben entzünden, zur Verschiebung der Machtverhältnisse zwischen politischen Ebenen und Institutionen oder zur Schaffung neuer, im besten Fall demokratischerer politischer Institutionen.