Am 1. Januar 1956 erlangte der Sudan die Unabhängigkeit von der anglo-ägyptischen Kolonialherrschaft. Den 70. Jahrestag der Republik erlebten die Sudanesinnen und Sudanesen jedoch inmitten eines Krieges zwischen den sudanesischen Streitkräften und den paramilitärischen „Rapid Support Forces“, der am 15. April 2023 in der Hauptstadt Khartum begann. Massaker ganzer Städte sind belegt, insbesondere Frauen und Kinder sind systematischer sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Die Folgen für die Zivilbevölkerung sind katastrophal: Fast die Hälfte der Bevölkerung ist von Hungersnot betroffen und mehr als 14 Millionen Menschen waren seit Kriegsbeginn zur Flucht gezwungen.
Der aktuelle Krieg ist ein Machtkampf rivalisierender Militärführungen, dessen Dynamik durch konkurrierende geopolitische Interessen internationaler Akteure am Sudan und seinen natürlichen Ressourcen zusätzlich verschärft wird. Militarisierung und politische Unruhen prägen dabei die gesamte Geschichte des modernen Sudan. Hinzu kommen soziale Spannungen: zwischen Norden und Süden, urbanen Zentren und ländlichen Peripherien, Muslimen und Christen sowie durch rassistische Abwertung der schwarzen Bevölkerung vonseiten der sich als arabisch verstehenden Gruppen.
Bereits 2018/19 haben die als Dezemberrevolution bekannt gewordenen Massenproteste gezeigt, dass sich ein großer Teil der sudanesischen Zivilbevölkerung einen demokratischen Wandel wünscht. Daraus entstanden zivile Strukturen, die eine Grundversorgung auch unter den aktuellen Kriegsbedingungen aufrechterhalten und Hilfsgüter lokal verteilen. Trotz zahlreicher Bekenntnisse der internationalen Gemeinschaft, das Leid im Sudan beenden zu wollen, scheint eine friedliche Lösung derzeit weit entfernt. Im Rahmen der internationalen Sudan-Konferenz in Berlin 2026 wurde Unterstützung in Höhe von knapp 1,5 Milliarden Euro zugesichert – diese gilt es einzulösen.