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Kalter Krieg und Blockintegration (1949–1955) | Gemeinsame deutsche Nachkriegsgeschichte 1945–1990 | bpb.de

Informationen zur politischen Bildung Nr. 358/2024

Kalter Krieg und Blockintegration (1949–1955)

Dierk Hoffmann

/ 12 Minuten zu lesen

Die Teilung Deutschlands und der Kalte Krieg führen zu einem politischen Wettstreit zwischen Ost und West. Welche Auswirkungen hat die Trennung auf die Bevölkerung und wie reagiert sie darauf?

Während die Fronten des Kalten Krieges sich verhärten, zementiert sich auch die Teilung Deutschlands. Der Karikaturist Wolfgang Hicks kom­mentiert 1955 die Genfer Gipfelkonferenz zwischen Regierungschefs und Außenministern der Siegermächte. Hatte die Wiedervereinigung Deutschlands zuvor noch im Raum gestanden, hielt die Sowjetunion nun an der „Zwei-Staaten-Theorie“ fest. (© Stiftung Haus der Geschichte, EB-Nr. 1991/10/500.06420 | Hicks, Wolfgang (Künstler))

Integration in die beiden Blocksysteme

Die veränderte weltpolitische Lage nach 1945, die im Kalten Krieg (siehe Eintrag "Kalter Krieg" im Interner Link: Glossar) Gestalt annahm, führte zur Teilung des europäischen Kontinents. In der ersten Hälfte der 1950er-Jahre verstärkte sich diese Entwicklung und wurde in Deutschland deutlich sichtbar. Unter dem Eindruck der Blockbildung und des Korea-Krieges (1950–1953) wurde die Bundesrepublik politisch, wirtschaftlich und militärisch in die von den USA angeführte westliche Staatengemeinschaft integriert. Dagegen entwickelte sich die DDR zum westlichen Außenposten des sowjetischen Machtbereichs. Ost und West beobachteten sich bei der Blockbildung genau und reagierten auf entsprechende Maßnahmen der jeweils anderen Seite.

Die wichtigsten Stationen sind schnell aufgezählt: Die Bonner Republik wurde Mitglied in der Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (1949), im Europarat (1950), in der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (1951), der Westeuropäischen Union (1954), der NATO (1955) und schließlich der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft sowie der Europäischen Atomgemeinschaft (1957). Auf der anderen Seite des „Eisernen Vorhangs“ (so bezeichnete Winston ­Churchill – 1940–1945 sowie 1951–1955 britischer Premier – 1946 die Teilung Europas) trat die DDR dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (1950) und dem Warschauer Pakt (1955) bei.

Während die westdeutsche Bevölkerung in der Bundestagswahl von 1953 mit der Wiederwahl Konrad Adenauers (CDU) mehrheitlich ihre Zustimmung zur Westintegration gab, durfte die DDR-Bevölkerung kein freies Votum über die Ostbindung des Landes abgeben. Der ostdeutsche Scheinparlamentarismus – ein geheim gehaltener Beschluss des Sekretariats des ZK vom 17. Oktober 1949 degradierte Volkskammer und Regierung zu ausführenden Organen der SED – ließ eine offene, geheime und demokratische Wahl nicht zu.

(© Bergmoser + Höller Verlag AG, Zahlenbild 062110)

(© Bergmoser + Höller Verlag AG, Zahlenbild 555125)

Londoner Schuldenabkommen und Wiedergutmachung

Um auf das internationale Parkett zurückkehren zu können, musste die Bundesrepublik, die sich in der Rechtsnachfolge des Deutschen Reiches sah, die finanziellen Forderungen der Westmächte anerkennen. Nur so ließ sich die internationale Kreditwürdigkeit wiederherstellen. Im Londoner Schuldenabkommen vom 27. Februar 1953 akzeptierte die Bundesregierung die deutschen Vor- und Nachkriegsschulden in Höhe von 14,5 Milliarden D-Mark, die in jährlichen Raten zurückzuzahlen waren.

Noch bedeutsamer war das im September 1952 abgeschlossene Wiedergutmachungsabkommen „Luxemburger Abkommen“ mit Israel und einem Dachverband jüdischer Organisationen, der Claims Conference. Der Begriff der Wiedergutmachung ist bis heute umstritten, verdeckt er doch das grauenhafte Menschheitsverbrechen des Holocaust und suggeriert „die Umwandlung von Schuld in Schulden“ (so der Historiker Constantin Goschler), die mit Geld beglichen werden könnten. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums hat die öffentliche Hand bis Ende der 1990er-Jahre zwar 103,8 Milliarden D-Mark für die Wiedergutmachung aufgebracht. Dagegen weist die Bilanz für den Lastenausgleich etwa 140 Milliarden D-Mark auf. Die Kriegsopfer­versorgung umfasst sogar ein noch viel größeres Volumen, was darauf zurückzuführen ist, dass die Zahl der Berechtigten größer ist.

Auf der anderen Seite des „Eisernen Vorhangs“ weigerte sich die SED, diese Form der Wiedergutmachung zu leisten, und verwies auf die umfangreichen Reparationszahlungen an die Sowjetunion. Ost-Berlin füllte den Begriff der Wiedergutmachung ganz anders aus und konzentrierte die individuelle Entschädigung für NS-Verfolgte auf DDR-Bürgerinnen und -Bürger, zuallererst auf verfolgte Kommunistinnen und Kommunisten. Mitte der 1970er-Jahre schien sich etwas zu bewegen, als die SED-Führung über das ostdeutsche Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer an die Claims Conference mit einem Angebot herantrat, das aber nur von dem Motiv getrieben war, die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu den USA zu verbessern und in den Genuss der Meistbegünstigungsklausel zu kommen. Im Jahr der friedlichen Revolution 1989 unternahm Ost-Berlin einen letzten Anlauf, um den Fortbestand der deutschen Teilung und damit die Existenz der DDR zu sichern. Im Zuge der deutschen Einheit 1990 übernahm die Bundesrepublik schließlich die „unabgetragene Hypothek der DDR“ (so der Historiker Hans Günter Hockerts) gegenüber der Claims Conference.

Wirtschaftsaufbau und Systemwettstreit

Magnettheorie

Bereits in den ersten Nachkriegsjahren gab es eine deutsch-deutsche Auseinandersetzung über das bessere Wirtschaftssystem. Für die westlichen Besatzungszonen entwickelten Kurt Schumacher und der spätere Bundeskanzler Adenauer die sogenannte Magnettheorie, die prognostizierte, dass der erwartete wirtschaftliche Aufschwung im Westen eine Sogwirkung auf den Osten entfalten würde. Trotz unterschiedlicher wirtschaftspolitischer Auffassungen (z. B. in der Sozialisierungsfrage) einte Schumacher und Adenauer die Überzeugung, dass die ökonomische Konsolidierung im Westen das kommunistische Herrschaftssystem in der SBZ/DDR langfristig zum Einsturz bringen würde. In der SBZ hatte der SED-Vorsitzende Otto Grotewohl bereits im Juni 1946 seine Magnettheorie entwickelt, nur mit umgekehrten Vorzeichen.

Alle drei Politiker waren also von der Überlegenheit des eigenen wirtschaftlichen Systems überzeugt und gingen einem direkten Wettbewerb nicht aus dem Weg. Mit teilweise missionarischem Eifer suchten sie die Zustimmung der Bevölkerung im jeweils anderen Teil Deutschlands zu gewinnen. Dazu betrieb die DDR mit großem Aufwand – und in enger Abstimmung mit der Sowjetunion – eine Westpolitik, die darauf abzielte, westdeutsche Politiker zu diskreditieren, für den Kommunismus zu werben sowie linke Parteien und Bewegungen zu unterstützen.

Das provozierte Reaktionen auf westdeutscher Seite. So unternahm die Bundesrepublik alles, um für ihre freiheitlich-demokratische Grundordnung zu werben, die vom Kommunismus ausgehende Gefahr öffentlich anzuprangern und Parteien sowie Initiativen zu bekämpfen, die drohten, die politische Ordnung der Bonner Republik in Frage zu stellen (KPD-Verbot 1956).

Dabei entwickelte das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen in der Hochphase des Kalten Krieges operative Maßnahmen, wie beispielsweise Flugblattaktionen und die verdeckte Finanzierung von antikommunistischen Organisationen. Als Vorbild diente die Rollback- und Liberation-Policy der US-Administration, die den sowjetischen Einfluss nicht nur in Europa zurückdrängen sollte, und die psychologische Kriegsführung. Die propagierte Überlegenheit des eigenen Systems in Abgrenzung zum jeweils anderen Teil wirkte überdies identitätsstiftend und trug zur Stabilisierung und Legitimierung der beiden deutschen Staaten bei.

Gründungskrise

Der Ausgang des Systemwettstreits war zunächst noch offen. Die Währungsreform hatte in Westdeutschland die Preise für manche Nahrungsmittel rapide steigen lassen. Gegen die erhöhten Lebenshaltungskosten richtete sich der Zorn vieler Beschäftigter. Daraufhin mobilisierten die Gewerkschaften die Belegschaften und riefen zum Massenstreik am 12. November 1948 auf, an dem fast zehn Millionen Arbeiter, Angestellte und Beamte teilnahmen – der größte Streik in der Geschichte Westdeutschlands. Zu den Forderungen gehörten die Verabschiedung von Gesetzen gegen Wucher und die Rückkehr zur Bewirtschaftung auf dem Ernährungssektor. Es blieb jedoch bei dem eintägigen Ausstand, da die Streikkassen leer waren. Der zeitgleich tagende Parlamentarische Rat, der das Grundgesetz ausarbeitete, ließ sich von dem gewerkschaftlich organisierten Massenprotest nicht beeindrucken.

Ende 1949 geriet das Wachstum der westdeutschen Indus­trieproduktion ins Stocken. Die Arbeitslosenzahlen kletterten in der Bonner Republik bis Anfang 1950 auf zwei Millionen (zwölf Prozent). Zu diesem Zeitpunkt befand sich das westdeutsche „Wirtschaftswunder“ noch in weiter Ferne. Angesichts der gewaltigen sozialpolitischen Herausforderungen (z. B. die Vertriebe­nenintegration, die Versorgung der Kriegsbeschädigten und -hinterbliebenen, der Wohnungsbau) hat sich im Fall des jungen Weststaates zu Recht der Begriff der Gründungskrise eingebürgert.

Doch bis Mitte des Jahrzehnts stieg der Lebensstandard in beiden deutschen Staaten. In der DDR konnten die Versorgungslücken bei Grundnahrungsmitteln im Wesentlichen geschlossen werden. Dazu trug auch der Kurswechsel der SED („Neuer Kurs“) 1953 bei, der den sozial- und konsumpolitischen Fragen größere Bedeutung einräumte. Ost-Berlin versuchte, verloren gegangenes Vertrauen insbesondere bei den Arbeiterinnen und Arbeitern zurückzugewinnen.

Korea-Boom

In der Bundesrepublik sanken Mitte der 1950er-Jahre die Arbeitslosenzahlen, die 1950/51 noch ein Rekordniveau erreicht und das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung erschüttert hatten. Der durch den Koreakrieg ausgelöste Wirtschafts-Boom war eine Initialzündung für die westdeutsche Wirtschaft und legte den Grundstein für das „Wirtschaftswunder“. Die DDR verzeichnete ebenfalls hohe Wachstumszahlen, die aber nur erzielt werden konnten, weil mit geringen Investitionsmitteln Kapazitätsengpässe behoben und Kapazitäts­reserven ausgeschöpft wurden. Die Grundlagen des Wirtschaftsaufschwungs unterschieden sich also in Ost und West. Dennoch: Mitte der 1950er-Jahre schien für viele Menschen die entbehrungsreiche Kriegs- und Nachkriegszeit der Vergangenheit anzugehören.

Deutschlandpolitik: Stalin-Noten 1952

Eine verpasste Chance?

Die beiden Staatsgründungen 1949 waren ausdrücklich als Gegen­entwürfe zur Gründung des jeweils anderen deutschen Staates konzipiert, wobei sich die DDR stets in einer größeren Abhängigkeit von der Sowjetunion befand als die Bundesrepublik von den drei Westmächten. Dabei traf die Moskauer Kremlspitze des Öfteren einsame Entscheidungen, ohne die SED-Führung vorab zu informieren. Das wurde unter anderem bei den deutschlandpolitischen Initiativen („Stalin-Noten“) im Frühjahr 1952 deutlich, die für Ost-Berlin völlig überraschend kamen. Das vermeintliche Angebot des sowjetischen Diktators beinhaltete im Kern ein wiedervereinigtes und wiederbewaffnetes Deutschland unter Anerkennung der Blockneutralität und der West­grenze Polens (Oder-Neiße-Grenze).

Obwohl in Moskau vermutlich mehrere deutschlandpolitische Optionen erwogen wurden, scheint die Führungsriege um Stalin vor allem das Ziel verfolgt zu haben, die Westintegration der Bundesrepublik zu torpedieren. Insofern waren die Stalin-Noten ein geschicktes propagandistisches Störmanöver, das zwar Teile der westdeutschen Öffentlichkeit elektrisierte, aber letztlich sein Ziel verfehlte. Zu entsprechenden Verhandlungen kam es erst gar nicht, weil die drei Westmächte den Vorschlag nach einem längeren Notenwechsel ins Leere laufen ließen.

Für die Regierungen in Bonn und Ost-Berlin beinhalteten die sowjetischen Vorschläge unkalkulierbare Risiken. Konrad Adenauer war von der Sorge getrieben, die Siegermächte könnten sich wie zuletzt in Potsdam 1945 über die Köpfe der Deutschen hinweg erneut einig werden. Etwas anders gelagert waren die Sorgen der SED-Führung um Ulbricht, die bei einer Aufgabe der DDR um die politische Macht fürchteten.

Volksaufstand am 17. Juni 1953

Dass die Herrschaft der SED keinen festen Stand hatte, zeigte sich beim Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953. Auslöser war die Erhöhung der Arbeitsnormen, die einen realen Einkommensverlust bedeutete. Deshalb hatte es schon im Frühjahr erste Arbeitsniederlegungen gegeben, in deren Verlauf auch die betrieblichen Parteiorganisationen der SED in die Kritik geraten waren. Mitte Juni breitete sich eine Streikwelle über das ganze Land aus. Aus dem anfänglichen Arbeiteraufstand entwickelte sich rasch ein Volksaufstand.

Die spontanen Kundgebungen, die nicht zentral gesteuert wurden, verloren rasch ihren anfänglichen Streikcharakter. Denn zu den wirtschaftlichen kamen nun auch politische Forderungen. Der Zorn der Demonstrierenden richtete sich immer mehr gegen die SED, die DDR-Regierung und das Ministerium für Staatssicherheit (MfS). In Sprechchören und auf Transparenten wur­den freie Wahlen und die Einheit Deutschlands gefordert.

Am 17. Juni 1953 entbrennt in der gesamten DDR ein Volksaufstand, der zu einem richtungsweisenden Ereignis in den beiden jungen deutschen Staaten wird. Während das Ausmaß des Aufstands in der DDR durch das SED-Regime vertuscht und Protestierenden faschistische Ziele unterstellt werden, erhebt die Bundesrepublik den 17. Juni zum Feiertag. Diese Karte zeigt, in welchen Städten und Ortschaften es Aufstände gab. (© Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, J 153 Nr 539, 1 Plakat)

Aus einer Wirtschaftskrise entwickelte sich ein offener politischer Konflikt, der rasch das ganze Land erfasste und durch die sowjetischen Besatzungstruppen blutig niedergeschlagen wurde. Es gab mindestens 55 Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Die ostdeutsche – politisch gesteuerte – Justiz war noch lange mit der Verfolgung der vermeintlichen Rädelsführer beschäftigt.

Langfristige Folgen

Der Volksaufstand ist ein Schlüsselereignis der DDR-Geschichte und löste sowohl bei dem Regime in Ost-Berlin als auch bei der ostdeutschen Bevölkerung einen Lernprozess aus. Denn allen war klar, wo sich das eigentliche Machtzentrum befand: Die SED-Herrschaft wurde letztlich durch die Präsenz sowjetischer Truppen in der DDR garantiert. Ein erneutes Aufbegehren schien sinnlos zu sein, solange Moskau die schützende Hand über die Ost-Berliner Führung hielt.

Während Ost-Berlin die Erhebung als „faschistischen Putsch“ verunglimpfte, verständigten sich die Bundestagsfraktionen (mit Ausnahme der KPD) wenige Tage nach den dramatischen Ereignissen auf die Einführung eines „Tages der deutschen Einheit“, der in der Bonner Republik jedes Jahr am 17. Juni – von 1954 bis 1990 – feierlich begangen wurde. Somit gingen beide deutsche Staaten auch geschichtspolitisch getrennte Wege.

Deutsch-deutsche Kontakte

„Freizeitangebote“

Obwohl die SED-Spitze die Grenze zur Bundesrepublik 1952 abriegelte, um die Abwanderung von DDR-Bürgerinnen und -Bürgern zu unterbinden, blieb in West-Berlin das Tor zum Westen Deutschlands offen, bis es dann am 13. August 1961 endgültig zugemauert wurde. Zwischenmenschliche Kontakte blieben in diesem Zeitraum trotzdem immer noch möglich, unterlagen aber stellenweise auch der politischen Instrumentalisierung durch Ost-Berlin. So lud die in Düsseldorf gegründete „Zentrale Arbeitsgemeinschaft – Frohe Ferien für alle Kinder“ – eine kommunistisch gesteuerte Organisation in der Bundesrepublik – zu Ferienlagern an die Ostsee, in den Harz oder Thüringer Wald ein, an denen 1955 rund 46.000 Kinder aus der Bundesrepublik teilnahmen.

Wirtschaftskontakte

Trotz Blockbildung brachen auch die wirtschaftlichen Beziehungen nicht ein. Obwohl sich die Rahmenbedingungen verschlechterten, kam der innerdeutsche Handel nicht zum Erliegen. Das Frankfurter Abkommen vom 8. Oktober 1949 regelte den Warenaustausch zwischen beiden deutschen Staaten zunächst befristet und wurde am 20. September 1951 vom Berliner Abkommen abgelöst, das keine zeitliche Begrenzung mehr vorsah. Während der Umfang des innerdeutschen Warenaustauschs am gesamten Außenhandel der Bundesrepublik nie über 2,5 Prozent lag, betrug er in der DDR 1955 fast elf Prozent.

Der Außenhandel war die „Achillesferse“ (so der Wirtschaftshistoriker Christoph Buchheim) der DDR-Wirtschaft. Wegen permanenter Versorgungsengpässe, die unter anderem auf die Autarkiepolitik Ost-Berlins gegenüber Westdeutschland zurückzuführen waren (Aktion „Störfreimachung“), musste Ministerpräsident Grotewohl wiederholt als Bittsteller in den osteuropäischen Hauptstädten auftreten. Dabei erhielt er von den Regierungschefs der sozialistischen Bruderstaaten des Öfteren einen Korb. Dennoch gelang es der DDR, mit Hilfe sowjeti­scher Rohstofflieferungen bis 1956 vom viert- zum zweitgrößten Exporteur im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW, ein internationales Bündnis sozialistischer Staaten unter Führung der Sowjetunion, das 1949 als Pendant zur Gründung der OEEC, einem Vorläufer der OECD, entstand) aufzusteigen.

Die Rolle der christlichen Kirchen

Eine wichtige Klammer zwischen Ost und West bildeten die christlichen Kirchen, die trotz fortschreitender Säkularisierung Ausstrahlungskraft auf viele Menschen in Deutschland besaßen. Am 11. Juli 1954 kamen rund 600.000 Menschen zum Abschlussgottesdienst des evangelischen Kirchentages in Leipzig zusammen. Hier begegneten sich nicht nur deutsche Protestanten aus Ost und West, sondern auch deutsche Politiker. So reisten Bundestagspräsident Hermann Ehlers (CDU, 1904–1954) und der Staatssekretär im Bundesjustizministerium Walter Strauß (CDU, 1900–1976) in die Messestadt, um sich unter anderem mit dem Volkskammerpräsidenten Johannes Dieckmann (LDPD, 1893–1969) und dem stellvertretenden DDR-Ministerpräsidenten Otto Nuschke (CDU, 1883–1957) zu treffen.

Vom Kirchentag ging die Botschaft aus, dass das deutsche Volk nicht gespalten und der Protestantismus in der DDR lebendig sei. Der Dialog und die über Jahre hinweg gepflegten Verbindungen waren nicht abgebrochen, obwohl die SED den Kirchen in der DDR den Kampf angesagt hatte. Da die Machthaber in Ost-Berlin jeden Widerstand gegen die 1952 forcierte Militarisierung der Gesellschaft brechen wollten, geriet die christlich orientierte „Junge Gemeinde“, die den Jugendlichen eine Alternative zur Freien Deutschen Jugend (FDJ) bot, ins Fadenkreuz des ostdeutschen Regimes. Zahlreiche ihrer Mitglieder lehnten die Offerten des von der SED gesteuerten Jugendverbandes ab und fanden Zuflucht unter dem Dach der evangelischen Kirche. Der Konflikt spitzte sich zu, als die FDJ 1953 Veranstaltungen an den Schulen gegen die Junge Gemeinde durchführte. Über 800 Oberschüler­innen und Oberschüler wurden vom Unterricht ausgeschlossen oder gar von der Schule verwiesen. Die SED-Führung gab ihren konfrontativen Kurs erst im Zusammenhang mit dem im Juni 1953 ausgerufenen „Neuen Kurs“ auf.

Das gemeinsame kulturelle Erbe

Gemeinsamkeiten ergaben sich auch beim – in beiden Staaten unübersehbaren – Rückgriff auf das kulturelle Erbe der deutschen Klassik, insbesondere auf Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven. Doch bei der Vortragsreise anlässlich des 200. Geburtstages von Goethe, die den deutschen Schriftsteller Thomas Mann (1875–1955) 1949 nach Frankfurt am Main und nach Weimar führte, zeigte sich auch ein erster Riss durch die deutsche Kulturnation. Der Literaturnobelpreisträger trug durch sein Auftreten in Weimar zu einer politischen Aufwertung des SED-Regimes bei und musste sich von westdeutschen Zeitungskommentatoren harsche Kritik gefallen lassen. In der Folgezeit entstand eine Kluft zwischen den Schriftstellerverbänden in Ost und West.

Während die SED in den ersten Nachkriegsjahren Ausstellungen moderner Kunst tolerierte, rief sie im März 1951 zum „Kampf gegen den Formalismus in Kunst und Literatur“ auf. Künstlerinnen und Künstler hatten sich fortan am sozialistischen Realismus sowjetischer Prägung zu orientieren. Dagegen wurde die abstrakte Malerei, die in Westdeutschland einen Siegeszug feierte, in zunehmendem Maße verpönt. Insgesamt lässt sich feststellen, dass die sozialen und kulturellen Kontakte zwischen Ost und West frühzeitig von Spannungen und Ambivalenzen geprägt waren. Sie entzogen sich aber der vollständigen Kontrolle durch die Machthaber in Ost-Berlin.

Offizielle und private Kontakte

Zehn Jahre nach Kriegsende war Deutschland geteilt. Zwei deutsche Staaten waren entstanden, deren Integration in zwei Blocksysteme weitgehend abgeschlossen war. Die Regierungen in Bonn und Ost-Berlin verfolgten eine Deutschlandpolitik, die von einem Alleinvertretungsanspruch geprägt war und eine Anerkennung des jeweils anderen Staates ausschloss. Mit der sogenannten Hallstein-Doktrin (benannt nach dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt Walter Hallstein, 1901–1982) verfolgte die Bundesregierung ab 1955 eine Politik der Nicht-Anerkennung der DDR. Ost-Berlin versuchte die außenpolitische Isolierung zu durchbrechen, was jedoch erst im Zuge der Entspannungspolitik ab Ende der 1960er-Jahre gelingen sollte.

Es verwundert daher nicht, dass das Zusammentreffen der Ministerpräsidenten aller Länder in München am 5. Juni 1947 der einzige offizielle Dialog auf höchster politischer Ebene bis 1970 blieb. Dennoch hat es in den 1950er-Jahren einige Kontakte gegeben. Zu nennen wären hier zum Beispiel die geheimen Unterredungen zwischen Bundesfinanzminister Fritz Schäffer (CSU, 1888–1967), dem General der Nationalen Volksarmee (NVA), Vincenz Müller (1894–1961), und dem sowjetischen Botschafter in der DDR, Georgi M. Puschkin (1909–1963), 1955/56 oder die Begegnungen zwischen der westdeutschen FDP und der ostdeutschen LDPD zwischen 1956 und 1966. Doch deutsch-deutsche Kontakte gab es auch im Persönlichen: Grenzüberschreitende Familienbande und Freundschaftsbeziehungen bildeten ein vielfältiges Netzwerk, das zusätzlich durch die Fluchtbewegung verstärkt wurde. Derartige Beziehungen prägten auch den gesellschaftlichen Alltag der Deutschen über den „Eisernen Vorhang“ hinweg.