Der Iran und Israel sind in den letzten Jahren zu erbitterten strategischen Rivalen geworden. Diese Entwicklung gipfelte in zwei Kriegsrunden zwischen den beiden Staaten: vom 13. bis 24. Juni 2025 und vom 28. Februar bis 8. April 2026.
Naher Osten – Physische Übersicht, Grenzen und Verkehr. (© mr-kartographie, Gotha)
Naher Osten – Physische Übersicht, Grenzen und Verkehr. (© mr-kartographie, Gotha)
Dabei sind der Iran und Israel keine natürlichen Feinde. Die Entfernung zwischen ihnen beträgt rund 1 200 Kilometer. Sie haben weder territoriale Streitigkeiten noch gegensätzliche wirtschaftliche Interessen. Zwar zieht der Iran politische Vorteile aus seiner Feindschaft zum Zionismus und nutzt sie, um arabisch-iranische sowie sunnitisch-schiitische Spannungen zu mildern. Im Kern ist diese Feindschaft jedoch ideologischer Natur. Sie beruht auf zwei zentralen Prinzipien, die den Lehren aller islamistischen Bewegungen der Gegenwart gemeinsam sind. Sie verbinden traditionelle islamische Vorstellungen mit modernen nationalistischen Weltbildern. Letztere beschreiben die globale Realität als einen Konflikt zwischen dem „Westen“ als Unterdrücker und den muslimischen Ländern als Unterdrückten. Nach dieser Konzeption vertreten die muslimischen Länder die gesamte Dritte Welt und sind deren führende Kraft
Das erste Prinzip ist die Wiederbelebung antijüdischer Vorstellungen aus der frühen islamischen Kultur. Danach gelten die Juden seit den Anfängen des Islam als dessen Feinde. Jüdische Ansprüche auf Staatlichkeit werden als Affront gegen den Islam angesehen, da die Juden den Propheten Mohammed abgelehnt hätten und deshalb zu Demütigung und Zerstreuung verurteilt worden seien. Das zweite Prinzip betrachtet den Zionismus als den Höhepunkt des jüdisch-westlichen politischen und kulturellen Angriffs auf die muslimische Welt, der die eigentliche Ursache ihrer Krise in der Moderne sei.
Der Antizionismus ist seit der
Der Antizionismus gehört zu den wenigen Bereichen, in denen das Regime seinem ursprünglichen revolutionären Programm treu geblieben ist. Zugleich genießt er die Unterstützung aller Fraktionen innerhalb der herrschenden Elite. Der zionistische Affront habe seinen Höhepunkt in der Inbesitznahme der drittheiligsten Stätte des Islam, der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem, erreicht. Israel sei der Inbegriff der Unterdrückung des Islam. Daher sei es die „religiöse Pflicht“ aller Muslime, es zu bekämpfen. Israels Zerstörung werde zudem zu einem stärkeren islamischen Zusammenhalt führen.
Die iranische Führung behauptet, zwischen Zionisten und Juden zu unterscheiden. Letztere seien mit Toleranz zu behandeln, wenn sie unter muslimischer Herrschaft lebten. In Wirklichkeit ist der offizielle iranische Diskurs jedoch voller antisemitischer Klischees, die der frühen islamischen Tradition und dem modernen westlichen Antisemitismus entstammen. Zu den eklatantesten Erscheinungsformen des Antisemitismus gehört die weite Verbreitung der „
In den vergangenen Jahren kamen zu diesem antisemitischen Repertoire in den offiziellen Medien zwei neue Motive hinzu. Zum einen werden die Juden als historische Feinde des schiitischen Islam, der offiziellen Staatsreligion des Iran, dargestellt. Sie seien für viele der Katastrophen verantwortlich, die Schiiten im Laufe der Geschichte erlitten hätten. Das zweite Motiv ist die Darstellung der Juden als Feinde des Iran seit der Antike. Die Juden hätten in biblischer Zeit einen Völkermord an den Iranern begangen. In der Neuzeit hätten sie sich mit westlichen Imperien verbündet, die den Iran seit dem 19. Jahrhundert ausgebeutet hätten.
Von Rhetorik zur Politik
Trotz der ideologischen Feindseligkeit ließ sich der Iran auf keine direkte Konfrontation mit Israel ein. Grundlage dieser Strategie war der im Oktober 1991 vorgelegte Plan des Obersten Führers, Chamenei, zur Lösung der Palästinafrage. Der Plan lehnte jede friedliche Einigung zwischen arabischen Staaten oder den Palästinensern und Israel ab. Stattdessen sah er Israels Vernichtung mit vermeintlich friedlichen Mitteln. Danach sollten alle „echten“ (aṣli) Palästinenser per Referendum über die Zukunft Palästinas entscheiden. Als echte Palästinenser wurden Muslime, Juden und Christen definiert – ausgenommen diejenigen Juden, die nach der sogenannten zionistischen Invasion ins Land kamen. Chamenei zeigte sich zuversichtlich, das Referendum werde zur Ersetzung Israels durch einen islamischen Staat führen. Er erklärte, dass Juden, die vor dem Zionismus in Palästina gelebt hätten, unter muslimischer Herrschaft bleiben dürften, während die anderen in ihre Herkunftsländer zurückkehren müssten. Die Rolle des Iran bestünde darin, die Palästinenser und andere Araber zu bewaffnen und sie in die Lage zu versetzen, „Israel auszubluten und es in die Knie zu zwingen“, damit es den iranischen Vorschlag akzeptiere.
Die iranische Strategie gegen Israel setzte somit auf indirekte Kriegsführung mithilfe arabischer Stellvertreterorganisationen, während der Iran selbst den Kampf aus dem Hintergrund dirigierte. Der Einsatz von Stellvertretern (Proxys) war seit dem traumatischen Iran-Irak-Krieg (1980 bis 1988) ein zentraler Bestandteil der iranischen Sicherheitsdoktrin. Er zielte zudem darauf ab, Israel von einem Angriff auf die iranischen Nuklearanlagen abzuhalten.
Ab 2005 bildete der Iran die „Achse des Widerstands“, einen militärisch-politischen Block unter seiner Führung, zu dem schiitische Milizen im Irak, das Assad-Regime in Syrien (bis zu dessen Sturz im Jahr 2024) und die Hisbollah im Libanon gehören. Im Rahmen dieser Strategie hatte der Iran die Hisbollah mit über 120.000 Raketen unterschiedlicher Reichweite bewaffnet.
Zwar waren die sunnitischen palästinensischen Organisationen Hamas und der Palästinensische Islamische Dschihad keine festen Mitglieder dieser Achse, arbeiteten mit ihr jedoch zusammen. Der Iran war der wichtigste Patron der Hamas und stellte ihr Waffen, Technologie, Ausbildung und finanzielle Hilfe in Höhe von insgesamt Hunderten von Millionen Dollar zur Verfügung. Diese Unterstützung wurde von der Hamas-Führung öffentlich anerkannt und von iranischen Medien als Beweis für das Engagement des Iran für die Palästinenser hervorgehoben.
Iranische Vertreter beschrieben die angestrebte Einkreisung Israels als einen „Ring aus Feuer“. Im Jahr 2019 warnte Brigadegeneral Abbas Nilforooshan von den Iranischen Revolutionsgarden (IRGC), jeder israelische Missgriff werde zur Versenkung der Trümmer von Tel Aviv ins Mittelmeer führen.
Der Iran war an den Vorbereitungen der Hamas für einen Großangriff auf Israel maßgeblich beteiligt und stimmte sich dabei mit seinem wichtigsten Proxy, der Hisbollah, ab. Allerdings lehnte der Iran die Appelle der Hamas ab, sich dem Angriff anzuschließen. Die iranischen Reaktionen auf den Hamas-Angriff gegen Israel vom 7. Oktober 2023 verbanden zwei Elemente. Einerseits begrüßte der Iran begeistert den Angriff und die Demütigung Israels. Andererseits beteuerte er, daran nicht beteiligt gewesen zu sein und nicht selbst gegen Israel zu kämpfen.
Die nukleare Bedrohung durch den Iran
Seit den 1990er-Jahren strebte der Iran die Entwicklung nuklearer Fähigkeiten an. In erster Linie waren diese anscheinend als Abschreckung gegen einen etwaigen Angriff durch die USA gedacht. Angesichts der iranischen Forderungen nach seiner Vernichtung fürchtete Israel jedoch, zum Ziel eines iranischen Angriffs zu werden, falls der Iran Atomwaffen besäße. Die israelischen Befürchtungen wurden durch Äußerungen iranischer Führungspersönlichkeiten verstärkt, Israel könne einem Atomangriff nicht standhalten. Demgegenüber seien der Iran und die muslimische Welt wegen ihres riesigen Territoriums und ihrer Bevölkerungsgröße sehr wohl dazu fähig.
Die iranischen Behauptungen – darunter ein religiöser Rechtsspruch Chameneis –, der Iran strebe keine Atomwaffen an, wies Israel als taktisches Entgegenkommen, wenn nicht als schlichte Lüge zurück. Diese Annahme führte zu israelischem Druck auf die USA, vom internationalen Atomabkommen mit dem Iran (JCPOA) zurückzutreten. Dieses hatte das
Ferner versuchte Israel, dem Iran den Weg zu Atomwaffen durch Forderungen nach internationalen Sanktionen gegen den Iran ebenso wie durch verdeckte Sabotageaktionen gegen die iranischen Nuklearanlagen zu versperren. Beides hielt den Iran jedoch nicht davon ab, sein Urananreicherungsprogramm als Vergeltung für den Rückzug der USA aus dem JCPOA voranzutreiben. Im Jahr 2025 verfügte der Iran über genügend angereichertes Uran, um zehn Atombomben herzustellen. Anscheinend nahm er auch die für den Bau einer einsatzfähigen Kernwaffe erforderlichen technischen Vorbereitungen auf.
Vom Konflikt zum offenen Krieg
Mitte 2024 sahen die strategischen Aussichten für den Iran und die Achse des Widerstands günstig aus. Die iranischen Proxys hatten Israel in einen Zermürbungskrieg an mehreren Fronten verwickelt. Israel erlitt hohe Verluste, Zehntausende Israelis wurden zu Binnenflüchtlingen, und die israelische Wirtschaft musste schwere Leistungseinbußen hinnehmen. Auf der Gegenseite mussten die palästinensische und die libanesische Bevölkerung die Kosten dieses Konflikts tragen, während für den Iran selbst keine direkten Konsequenzen entstanden. Diese Asymmetrie veranlasste Israel, dem Iran einen Preis für seinen Stellvertreterkrieg abzuverlangen, was im April und Oktober 2024 zu direktem militärischem Schlagabtausch zwischen beiden Ländern führte.
Zudem zwangen israelische Angriffe die Hisbollah-Führung, am 27. November 2024 einem Waffenstillstand zuzustimmen, obwohl die israelischen Operationen im Gazastreifen anhielten. Dieser Waffenstillstand war ein implizites Eingeständnis, dass der iranische Versuch, Israel zur Einstellung seines Gegenschlags gegen die Hamas im Gazastreifen zu zwingen, gescheitert war.
Noch abträglicher für die regionale Machtausübung des Iran war der Sturz des Assad-Regimes in Syrien im Dezember 2024. Syrien war seit 1981 der engste arabische Verbündete des Iran und ein entscheidender Teil der Achse des Widerstands. Der Iran hatte zwischen 30 und 50 Milliarden Dollar aufgewandt, um Assads Streitkräfte im syrischen Bürgerkrieg (2011 bis 2024) zu unterstützen. Die iranische Führung setzte dabei Tausende von Soldaten der iranischen Revolutionsgarden sowie schiitische Kämpfer aus dem Libanon, Afghanistan und Pakistan ein. Syriens neue Machthaber hegen dagegen eine tiefe ideologische Feindseligkeit gegenüber den Schiiten und haben dem Iran dessen Unterstützung für Assads Unterdrückungsregime nicht verziehen. Unter Assad hatte Syrien als Route für den Waffentransfer an die Hisbollah gedient. Der Verlust dieser Route erschwerte dem Iran die Wiederaufrüstung der Hisbollah.
Israel nutzte diese Schwäche und leitete am 13. Juni 2025 eine massive Luftoffensive gegen den Iran ein. Damit begann der erste großangelegte, offene Krieg zwischen den beiden Ländern. Ein wichtiges Kriegsereignis war die Bombardierung von drei iranischen Nuklearanlagen durch die USA am 21. Juni 2025. Von besonderer Bedeutung war der Angriff auf die unterirdische Anreicherungsanlage in Fordow. Der amerikanische Luftschlag fügte dem iranischen Nuklearprogramm Schaden zu, konnte es jedoch nicht eliminieren. Zudem gelang es dem Iran anschließend, seine Raketenbestände wieder aufzufüllen.
Beide Umstände veranlassten die USA und Israel, am 28. Februar 2026 eine
Revolutionsführer Ali Chamenei gehört zu den Gründungsvätern der Islamischen Republik. Er baute eine enge Allianz zu den Revolutionsgarden auf, die mittlerweile auch das Finanz- und Wirtschaftssystem Irans dominieren. (© picture-alliance, abaca)
Revolutionsführer Ali Chamenei gehört zu den Gründungsvätern der Islamischen Republik. Er baute eine enge Allianz zu den Revolutionsgarden auf, die mittlerweile auch das Finanz- und Wirtschaftssystem Irans dominieren. (© picture-alliance, abaca)
Von höchster Bedeutung war die Tötung des iranischen Obersten Führers, Ali Chamenei, am 28. Februar. Dies war das erste Mal, dass Israel einen Staatsführer tötete, der zugleich – ebenso wichtig – eine prominente religiöse Führungspersönlichkeit war. Israel nahm damit das Risiko in Kauf, die religiöse Dimension des Konflikts zu verschärfen und Chamenei zu einer zentralen Märtyrerfigur des schiitischen Islam zu machen. Dieser Umstand nährte im Iran einen religiösen Drang, für Chameneis Tod Rache zu üben.
Die Luftangriffe Israels und der USA richteten sich gegen Irans Nuklearanlagen, militärische Ziele sowie Stahlfabriken und die petrochemische Industrie sowie gegen staatliche Institutionen, um die Regierungsfähigkeit des Regimes zu untergraben. Im Iran wurden über 6000 Militärangehörige und 1700 Zivilistinnen und Zivilisten getötet; rund 25 000 Menschen wurden verletzt.
Israelische Sicherheitskräfte untersuchen am 1. März 2026 den Ort eines iranischen Raketenangriffs in Tel Aviv. (© picture alliance / SIPA | Ori Aviram/MEI)
Israelische Sicherheitskräfte untersuchen am 1. März 2026 den Ort eines iranischen Raketenangriffs in Tel Aviv. (© picture alliance / SIPA | Ori Aviram/MEI)
Als Vergeltung feuerte der Iran mehrere hundert Raketen auf Israel ab, wobei 44 Menschen in Israel getötet und mehrere Hundert verletzt wurden. Von großer Bedeutung war aber auch die Tatsache, dass der Iran die arabischen Golfstaaten mit dreimal so vielen Raketen und Kampfdrohnen angriff, wie gegen Israel gerichtet wurden. Dabei wurden hauptsächlich Öl- und Gasanlagen am Golf ins Visier genommen.
Damit versuchte die iranische Führung, eine weltweite Energieknappheit auszulösen, um politischen und wirtschaftlichen Druck auf Präsident Trump auszuüben und eine Beendigung des Krieges zu erwirken. Zudem sperrte der Iran die Straße von Hormus, durch die jährlich über 20 Prozent des weltweiten Handels mit Flüssigerdgas und 25 Prozent des globalen Seehandels mit Erdöl transportiert werden. Der Iran erklärte, fortan müssten alle Schiffe eine Durchfahrtsgebühr für die Hormus-Straße entrichten. Das widersprach allen internationalen Konventionen zur freien Seeschifffahrt. Darüber hinaus startete die Hisbollah einen massiven Zermürbungskrieg gegen Israel.
Nach mehr als 40 Tagen Luftkrieg einigten sich die USA und der Iran durch pakistanische Vermittlung auf einen Waffenstillstand und die Wiederaufnahme der Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Dadurch wurde auch Israel gezwungen, seine Angriffe einzustellen. Der Iran betrachtete das Abkommen als strategischen Sieg. Am Ende massiver Angriffe durch die größte Weltmacht und die stärkste regionale Militärmacht blieb die Herrschaft des iranischen Regimes im Inland unangefochten. Der von den USA und Israel erwartete Volksaufstand blieb aus, nachdem das Regime seinen Machtapparat einsetzte und jeder beziehungsweise jedem Demonstrantin und Demonstranten mit der Todesstrafe wegen Verrats drohte. Darüber hinaus brachte das Regime seine Anhängerinnen und Anhänger auf die Straße, damit sie ihre Unterstützung für die Regierenden bekundeten.
Zwar erlitt die iranische Nuklearinfrastruktur schwere Schäden, doch bewahrte der Iran 450 Kilogramm angereichertes Uran und behielt eine große Anzahl ballistischer Raketen. Der Waffenstillstand trat in Kraft, obwohl die Straße von Hormus gesperrt blieb, wodurch der Iran seinen Einfluss auf die Weltwirtschaft behielt.
Nach dem Waffenstillstand bekräftigten die USA ihre Forderung, der Iran müsse seine Bestände an angereichertem Uran übergeben, sich verpflichten, mindestens 20 Jahre lang auf Urananreicherung zu verzichten, und seinen Bestand an ballistischen Raketen reduzieren. Der Iran, der aus seinem Durchhaltevermögen neues Selbstvertrauen schöpfte, erklärte sich lediglich bereit, die Urananreicherung für drei bis fünf Jahre auszusetzen und eine Verpflichtung abzugeben, keine Atomwaffen herzustellen. Im Gegenzug forderte er massive Entschädigungsleistungen für die seiner Wirtschaft zugefügten Schäden, ferner die Aufhebung der gegen ihn verhängten Sanktionen sowie Garantien, dass die USA und Israel ihn nie wieder angreifen würden. Er forderte zudem eine neue Seefahrtsordnung in der Straße von Hormus.
(© picture-alliance/AP, Altaf Qadri)
(© picture-alliance/AP, Altaf Qadri)
Daraufhin verhängten die USA eine Seeblockade gegen den Iran. Das führte zu einem Rückgang der iranischen Ölverladung von 2,1 Millionen auf 567.000 Barrel pro Tag und einem geschätzten Verlust von 450 Millionen Dollar pro Tag. Die USA hofften, die Überlastung der iranischen Öllagerungskapazitäten würde das Land zwingen, Ölquellen stillzulegen. Dadurch sollte das Regime die für seine Anhängerinnen und Anhänger benötigten Geldmittel verlieren und sich zu weitreichenden Zugeständnissen genötigt sehen.
Manchen Schätzungen zufolge verfügt der Iran indessen über große Finanzreserven und hat damit erheblich mehr Spielraum als angenommen. Seinerseits glaubt der Iran, wegen der Schädigung der Weltwirtschaft würden die USA als Erste nachgeben, will heißen, bevor der Iran seinerseits zu Zugeständnissen gezwungen wäre.
Die Tötung Chameneis führte nicht zum Zusammenbruch des Regimes. Vielmehr wählte die Expertenversammlung am 8. März seinen Sohn Modschtaba zum neuen Obersten Führer. Modschtaba Chamenei war bei dem Angriff, bei dem sein Vater ums Leben gekommen war, schwer verletzt worden. Seine Wahl signalisierte den Wandel des Iran von einer von den Revolutionsgarden unterstützten Theokratie zu einer Militärdiktatur, in der der neue Oberste Führer auf die Generäle hören muss.
Der Krieg hat dem Iran schwere Wirtschaftsschäden in Höhe von schätzungsweise über 270 Milliarden Dollar zugefügt. Das verschärft die ohnehin tiefgreifenden strukturellen Probleme der iranischen Wirtschaft. Die iranische Führung wird sich dem Dilemma gegenübersehen, ob sie die Ressourcen des Landes für den militärischen oder den wirtschaftlichen Wiederaufbau einsetzt. Das könnte – hoffentlich – zu Veränderungen in der iranischen Außenpolitik führen.
Aus dem Englischen von Wladimir Struminski