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Das Bistro Zum Kaiser in der namibischen Stadt Swapokmund: Zeugnis der deutschen Kolonialvergangenheit in "Deutsch-Südwest-Afrika", die im Juli 1915 mit der Kapitulation vor den Truppen der südafrikanischen Union endete.

15.10.2020 | Von:
Andreas Eckert

1960: Das "Jahr Afrikas"

Vor 60 Jahren erlangten nicht weniger als 17 afrikanische Kolonien ihre Unabhängigkeit, neben dem belgischen Kongo vor allem die ehemaligen französischen Besitzungen südlich der Sahara, aber mit Nigeria auch die bevölkerungsreichste britische Kolonie. Andreas Eckert gibt einen Überblick über die historischen Geschehnisse.

Kwame Nkrumah gehörte zu den wichtigsten Vertretern des Panafrikanismus, stand an der Spitze der nationalistischen Bewegung und wurde 1960 erster Präsident der Republik Ghana. Hier ist seine Statue im Gedenkpark am Nkrumah Mausoleum in Accra zu sehen.Kwame Nkrumah gehörte zu den wichtigsten Vertretern des Panafrikanismus, stand an der Spitze der nationalistischen Bewegung und wurde 1960 erster Präsident der Republik Ghana. Hier ist seine Statue im Gedenkpark am Nkrumah Mausoleum in Accra zu sehen. (© picture alliance / Rita Funk | Rita Funk)

Am 11. August 1960, kurz nach Mitternacht, war es soweit: Der Dichter André Malraux, seinerzeit Frankreichs Kulturminister, verlas auf der Veranda des Gouverneurspalasts in N’Djamena, der Hauptstadt des Tschad, die Grußworte General de Gaulles. Viel war von der heldenhaften Zeit des freien Frankreichs die Rede, ehe Malraux die Hand des tschadischen Präsidenten François Tombalbaye ergriff und der Menschenmenge vor dem Palast zurief: "Hoch lebe der Staatenbund". Der Tschad war unabhängig. Wenige Monate zuvor hatte man Kooperationsverträge unterzeichnet, die dem Sahelstaat ökonomisch überlebenswichtige Finanzhilfen aus Paris zusicherten. Gleichzeitig sicherten sie Frankreich politischen und kulturellen Einfluss auch nach dem formalen Ende seiner Kolonialherrschaft, etwa im Bereich des Militärs und der Bildung.

Einige Wochen zuvor hatten die Unabhängigkeitszeremonien in Belgisch-Kongo, in der Hauptstadt Léopoldville, dem heutigen Kinshasa, stattgefunden. Ein Anlass für die belgische Regierung, das vermeintliche Zivilisationswerk der Belgier in Afrika zu preisen und deren überstürzten Abzug aus dem rohstoffreichen Land im Herzen des Kontinents als Ausdruck politischer Weitsicht darzustellen. Doch dann zeigte sich, wie unterschiedlich Kolonisierende und Kolonisierte die Welt sahen, und wie viel Frust und Wut sich zumindest bei einigen afrikanischen Politikern der neuen Generation aufgestaut hatte.

Übergänge

Der junge belgische König Badouin hatte in seiner Rede zunächst die koloniale Herrschaft gepriesen. Er sprach von der Uneigennützigkeit des belgischen Wirkens in Afrika, von Aufbau und Fortschritt. Die anschließende Ansprache des ersten kongolesischen Staatspräsidenten Joseph Kasavubu war noch ein freundliches Echo. Zu aller Überraschung holte danach jedoch der junge kongolesische Ministerpräsident Patrice Lumumba zu einer improvisierten Brandrede aus. Lumumba – der die Unabhängigkeitsbewegung im Kongo angeführt hatte – beschwor die Leiden seiner Landsleute unter der Kolonialherrschaft. Er sprach von Ausbeutung, Rassismus und verletzter Würde. Und rief den konsternierten Gästen des Staatsaktes zu: "Wir haben erleben müssen, dass man uns verhöhnte, beleidigte, schlug, tagaus, tagein, von morgens bis abends, nur weil wir ‚Neger’ waren. Niemand von uns wird je vergessen, dass man einen Schwarzen selbstverständlich duzte – nicht etwa, weil man ihn als Freund betrachtete, sondern weil das ehrbare ‚Sie’ den Weißen vorbehalten war. Wir haben erleben müssen, dass man unser Land raubte, aufgrund irgendwelcher Texte, die sich Gesetze nannten, aber in Wahrheit nur das Recht des Stärkeren verbrieften."

Unmittelbar nach der Unabhängigkeit stürzte der Kongo in eine tiefe politische Krise, die sogenannten Kongowirren, die in einen fünfjährigen Bürgerkrieg führten. Der Oberst Joseph Désiré Mobutu putschte sich im September 1960 an die Macht. Sein politischer Rivale, Patrice Lumumba, wurde Anfang des Jahres 1961 festgenommen und ermordet – unter Beteiligung des belgischen und des amerikanischen Geheimdienstes. Mobutu errichtete ab 1965 eine Diktatur, wobei er für manche westliche Mächte als Verbündeter im Kalten Krieg galt. Sein korruptes Regime wurde von ihnen ebenso wie von der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds toleriert.[1]

In den späten fünfziger Jahren konnte noch niemand etwas von der dann bestenfalls gemischten Bilanz des politisch unabhängigen Afrikas ahnen. Als am 6. März 1957 die Goldküste als erste Kolonie südlich der Sahara die Unabhängigkeit erlangte und sich in Ghana umbenannte, war der Optimismus groß. "Lieber Selbstverwaltung mit Gefahr als Knechtschaft in Ruhe" – so hatte der erste Präsident Ghanas und "Vater der Nation", Kwame Nkrumah, den Ton vorgegeben. Nkrumah, der nach dem Studium in den USA nach London gegangen war und sich dort zu den wichtigsten Vertretern des Panafrikanismus entwickelte, war nach dem Zweiten Weltkrieg in seine Heimat zurückgekehrt und hatte sich energisch an die Spitze der nationalistischen Bewegung gesetzt.

Rückblickend ist die Dekolonisation Afrikas geradezu rasant verlaufen. 1945 existierten auf dem afrikanischen Kontinent gerade einmal drei unabhängige Staaten: Liberia, Äthiopien und Ägypten. Nur 15 Jahre später war die Zahl bereits auf 26 gewachsen. 1960 gilt als das "Jahr Afrikas", in dem nicht weniger als 17 afrikanische Kolonien ihre Unabhängigkeit erlangten, neben dem belgischen Kongo vor allem die ehemaligen französischen Besitzungen südlich der Sahara, aber mit Nigeria auch die bevölkerungsreichste britische Kolonie. Kurz darauf schwappte die Dekolonisationswelle auch durch Ostafrika. Und in den siebziger Jahren endete zunächst die portugiesische Herrschaft in Mosambik, Angola und auf den Kapverdischen Inseln.[2] Sodann begannen die "weißen" Siedlerregime des südlichen Afrikas zu wanken, eine Entwicklung, die mit den ersten freien Wahlen in Südafrika 1994 ihren Abschluss fand.

Wege zur Unabhängigkeit

In der Vorgeschichte des Afrika-Jahrs 1960 spielte der Zweite Weltkrieg eine entscheidende Rolle. Die Ressourcen der kolonialen Besitzungen wurden in hohem Maße beansprucht, vor allem jene Indiens. Auch Afrika musste einen beträchtlichen Beitrag leisten. Mindestens eine halbe Million afrikanische Soldaten kämpften allein in britischen Einheiten auf den Schlachtfeldern in Europa, Asien und Nordafrika.[3] Rohstoffe aus Afrika wurden für die Kriegsproduktion genutzt. Das Uran für die Atombombe, mit der die Amerikaner im August 1945 Hiroshima und Nagasaki in Schutt und Asche legten, kam aus Belgisch-Kongo. Schon während des Krieges offenbarte sich der Kontrast zwischen dem offiziellen Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie als zentrale Ziele der Alliierten und der Tatsache, dass die Mechanismen kolonialer Herrschaft in vielerlei Hinsicht weiterhin aufrechterhalten wurden. Das entging auch zahlreichen Afrikanern nicht, die sich verstärkt im Kampf gegen die Kolonialherrschaft zu organisieren begannen. Im Januar 1944 stellte Charles de Gaulle auf der Konferenz von Brazzaville zwar vage mehr Selbstverwaltung für die französischen Kolonien in Afrika in Aussicht. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sollte für afrikanische Bevölkerung in den Kolonien aber nur eingeschränkt gelten. Zwar wurde bald die Zwangsarbeit abgeschafft, aber politische Teilhabe blieb weiterhin begrenzt, Rassismus und Paternalismus prägten noch immer den Alltag.

Nach dem Zweiten Weltkrieg resignierten die Kolonialmächte in Asien angesichts der massiven nationalen Bewegungen zwar recht schnell. Doch an eine Aufgabe der afrikanischen Kolonien dachte in London und Paris zunächst kaum jemand – im Gegenteil. Dort fand ein Prozess statt, der sich als "zweite koloniale Besetzung" interpretieren lässt: Frankreich wie Großbritannien favorisierten südlich der Sahara eine mit größeren Investitionen verbundene Strategie, welche den Metropolen direkten Nutzen und den Afrikanern die für die – in ferner Zukunft vorgesehene – Unabhängigkeit vermeintlich nötige "Reife" bescheren sollte. Diese wird auch als "Entwicklungskolonialismus" bezeichnet. Die europäischen Kolonialmächte legten umfassende Programme etwa für den Ausbau von Infrastruktur und Bildungswesen sowie die Einführung neuer Agrartechniken auf. Wellen von Experten wurden nach Afrika entsandt, um den Bauern neue Wege des Anbaus zu weisen und den Arbeitern neue Formen der Arbeit nahezulegen.[4] Zugleich gab es zunächst vor allem auf lokaler Ebene neue Möglichkeiten für Afrikaner, für politische Ämter zu kandidieren, um, so die paternalistische Sicht der Kolonialherren, Demokratie einzuüben.

Die neuen afrikanischen Politiker, die in der Regel der kleinen Gruppe gut ausgebildeter Stadtbewohner angehörten, verstanden sich indes als Bürger und wollten nicht länger wie "Eingeborene" behandelt werden. Nkrumah, Julius Nyerere in Tanganyika, Ahmed Sekou Touré in Guinea und andere nationalistische Politiker verlangten politische Mitsprache. Europäische Kolonialbeamte empfanden diese Politiker teils als Unruhestifter, doch sie mussten mit ihnen kooperieren, um das koloniale Projekt zu retten. Die neue Generation afrikanischer Politiker hatte jedoch rasch gelernt, die neuen parlamentarischen Strukturen zur steten Ausdehnung der eigenen Machtbasis zu nutzen. Es gelang ihnen in einem beträchtlichen Maße, die politische Initiative zu ergreifen und den Gang der Ereignisse zu bestimmen.

Der Weg zur Unabhängigkeit verlief in Afrika vergleichsweise unblutig. Es gab markante Ausnahmen, Algerien etwa, Kenia und Kamerun. Der Dekolonisationsprozess war jedoch vor allem geprägt durch den Einsatz politischer Strategien und Taktiken wie Streiks und Medienkampagnen. Der internationale Kontext kam den afrikanischen Antikolonialisten zugute, denn im Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg stieg der Antikolonialismus zu einer weltweiten Bewegung auf. Nicht nur bildeten sich in vielen Ländern weltweit, nicht zuletzt in den kolonialen "Mutterländern" wie England und Frankreich, bedeutende antikoloniale Gruppierungen, sondern es intensivierten sich, etwa auf Initiative Jawaharlal Nehrus, des Premierministers des seit 1947 unabhängigen Indiens, auch die afro-asiatische Solidarität und das Bündnis der blockfreien Staaten.

Parallel verlor die koloniale Entwicklungsinitiative rasch ihren Reformeifer. In den Verwaltungs- und Wirtschaftskreisen in Paris und London machte sich Mitte der fünfziger Jahre die Überzeugung breit: Afrika würde für die Ökonomien in Europa und der Welt nurmehr eine marginale Rolle spielen.[5]

Infrastrukturmaßnahmen und Sozialprogramme in Afrika wurden zurückgenommen und verzögert. Als die verantwortlichen Politiker in England und Frankreich aus politischen und wirtschaftlichen Erwägungen dann – gegen den massiven Widerstand der zahlreichen Kolonialbefürworter – in den späten fünfziger Jahren die Entscheidung trafen, auch die afrikanischen Kolonien relativ zügig in die Unabhängigkeit zu entlassen, konnten die Europäer den Machttransfer nur bedingt kontrollieren. Vor dem Hintergrund der Systemauseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in der kolonialen Welt bestimmte am Ende oft die Stärke der jeweiligen nationalistischen Gruppierungen den tatsächlichen Zeitplan der Dekolonisation. Der europäische Rückzug aus Afrika kann gleichsam eher als unstrukturiert und undurchdacht charakterisiert werden.

Es ist heute weitgehend vergessen, dass frankophone westafrikanische Politiker in der Zeit der Entkolonisierung nicht unbedingt versuchten, politische Unabhängigkeit in der Form von Nationalstaaten durchzusetzen. Ihnen schwebte lange die Partizipation in einem egalitären, föderalen Frankreich vor, das aus verschiedenen Nationalitäten bestehen sollte, die in verschiedenen Territorien residierten. Politiker wie Léopold Sédar Senghor im späteren Senegal, Félix Houphouët-Boigny in der entstehenden Côte d’Ivoire oder Mobido Keita im noch nicht unabhängigen Mali verorteten sich als Teil einer interdependenten Welt. Aus ihrer Sicht bot ein reformiertes Kolonialreich Afrikanern nicht nur die Möglichkeit, sich mit einem reichen Land zu assoziieren, sondern auch miteinander. Wenn afrikanische Völker in der Nachkriegswelt ihren Platz finden sollten, müssten sie die besten Traditionen entwickeln und zusammenführen, die Frankreich und Afrika zu bieten hatten. Senghor rief den Afrikanern zu: "Assimiliert, anstatt euch assimilieren zu lassen". In gewisser Weise hat er weder Frankreich aufgerufen, Afrika zu dekolonisieren, noch gefordert, Afrika müsse sich selbst befreien. In seiner Sicht sollten die Afrikaner gleichsam Frankreich dekolonisieren.[6]

Gegen Ende der fünfziger Jahre verschrieben sich immer mehr afrikanische Politiker nationalistischen Positionen und zeigten größeres Interesse für direkte Beziehungen zu Frankreich als für Verbindungen untereinander. Prosperierende Gebiete wie die Elfenbeinküste fürchteten, im Rahmen einer Konföderation zu viel an ärmere Regionen wie Tschad oder Obervolta abgeben zu müssen. Studenten und Jugendgruppen argumentierten, dass föderale Modelle keinen ausreichenden Bruch mit der Kolonialmacht Frankreich markieren würden. Dennoch entschied sich nur Guinea 1958 für die Unabhängigkeit. Im Jahr darauf wurde mit der Mali-Föderation ein arg gestutzter Föderalismus für kurze Zeit Wirklichkeit. Am Ende konnten sich afrikanische Politiker nicht auf Wege einigen, die das Ziel einer Ordnung jenseits des Nationalstaates ermöglicht hätten. So endeten die Unabhängigkeitsbestrebungen der politischen Akteure des frankophonen Westafrikas 1960 im Nationalstaat – den die wenigsten in den vorangegangenen fünfzehn Jahren gewollt hatten. Die französischen Kolonien, die in diesem Jahr unabhängig wurden, fügten sich dem Modell eines von Frankreich dominierten Staatenbundes (Communauté Française). Sie etablierten enge politische, wirtschaftliche, kulturelle und nicht zuletzt militärische Verbindungen zur ehemaligen Kolonialmacht.

Keine radikale Zäsur

Schon deshalb wäre die Vorstellung von 1960 als einer radikalen Zäsur der Geschichte Afrikas irreführend. Sicher, die Unabhängigkeit hat die Afrikanisierung des politischen und administrativen Personals beschleunigt, aber damit lediglich einen Prozess fortgesetzt, der im Jahrzehnt zuvor bereits eingesetzt hatte. Auch boten sich nun für afrikanische Politiker neue Möglichkeiten der Investition in soziale Netzwerke. Auf diese Weise entstand jedoch einer der wesentlichen politischen Widersprüche des nachkolonialen Afrikas: zwischen einem sogenannten "Entwicklungsstaat", der wachstumsorientiert agiert und dessen interventionistische Neigungen sich unter dem Banner von Nationalismus und Modernisierung nach 1960 weiter verstärkten, und der populistisch-klientilistischen Orientierung seiner Politiker.

Für viele Menschen in ländlichen Räumen hat das Jahr der Unabhängigkeit nur wenige Erinnerungen hinterlassen. Es gibt einzelne Hinweise darauf, dass auf lokaler Ebene etwa das Ende der Zwangsarbeit in den französischen Kolonien, anderswo die Niederschlagung antikolonialer Bewegungen, repressive Umsiedlungsmaßnahmen der neuen Regierungen, Phasen wirtschaftlichen Aufschwungs oder großen Hungers in öffentlichen Räumen oder Diskursen häufig intensiver erinnert werden als das Hissen der neuen Flagge. 1960 mag als Metapher für politische Unabhängigkeit sinnvoll sein, doch das Jahr ist kaum ein geeigneter Marker für zentrale wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und religiöse Entwicklungen. Bis heute haftet dem Gedenken an das Jahr Afrikas etwas Beliebiges an, da es andere, womöglich bedeutungsvollere Zäsuren wie den Biafra-Krieg in Nigeria (1966-70) oder die Ölkrise 1973/74 überstrahlt. Doch als vor zehn Jahren die seinerzeit fünf Dekaden Unabhängigkeit in vielen Ländern Afrikas aufwändig gefeiert wurden, lieferten die Festlichkeiten auch Anstöße für kritische Debatten über die jüngere Geschichte und gegenwärtige Kontinuitäten und sich daraus ergebende Herausforderungen Das Jahr 1960 steht in diesem Sinne für Hoffnung und Aufbruch und zugleich für einen Moment, der viele Krisen der folgenden Jahrzehnte bereits in sich trug.

Fußnoten

1.
Ludo de Witte, Regierungsauftrag Mord: Der Tod Lumumbas und die Kongo-Krise, Leipzig 2001
2.
Portugal ging in seinen Kolonien mit aller Härte gegen die seit den frühen sechziger Jahren erstarkenden Unabhängigkeitsbestrebungen vor. Der koloniale Krieg verschlang einen beträchtlichen Teil des Staatshaushaltes und wurde daher politisch immer weniger tragbar. Der von der linksgerichteten Armeegruppe Movimento das Forças Armadas geführte Militärputsch von 1974, die sogenannte Nelkenrevolution, führte dann binnen eines Jahres zum Ende des portugiesischen Kolonialreiches in Afrika.
3.
David Killingray, Fighting for Britain: African Soldiers in the Second World War, Woodbridge 2010
4.
Vgl. etwa Joseph Hodge u.a. (Hrsg.), Developping Africa. Concepts and Practices in Twentieth Century Colonialism, Manchester 2014
5.
Ein gutes Beispiel hierfür ist der britische Premier Harold MacMillan, der Anfang 1957 in seiner "Prüfung des Empire" zu der Einsicht gelangte, Großbritannien müsse sich von den Überresten eines Imperiums lösen, das nicht mehr länger profitabel war und zu einer gewaltigen politischen Belastung wurde. Anthony G. Hopkins, Macmillan’s Audit of Empire, in: Peter Clarke/Clive Trebilock (Hrsg.), Understanding Dedcline. Perceptions and Realities of British Economic Performance, Cambridge 1997, S. 234-60.
6.
Frederick Cooper, Citizenship Between Empire and Nation: Remaking France and French Africa, 1945-1960, Princeton 2014

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