Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen


Neun Tipps und Erkenntnisse für den digitalen Unterricht

Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass vieles im Bereich digitales Lernen und Lehren ausprobiert wurde. Wir haben mit Lehrenden gesprochen und ihre Erkenntnisse und Tipps zusammengestellt.

Der Blick von oben auf einen Tisch mit vier Laptops, mehreren Smartphones und Powerbanks. Hände und Arme sind zu sehen. Außerdem eine Teekanne, eine Wasserflasche, Kopfhörer, leere Ausschalen und ein Federmäppchen.Der digital gestützte Unterricht bedeutet für viele Lehrerinnen und Lehrer eine Herausforderung und Mehrbelastung. Lizenz: cc by-sa/4.0/deed.de (Foto: Marvin Meyer, Unsplash/Lizenz)

Wie lässt sich der digitale Unterricht am besten organisieren? Was brauchen die Schülerinnen und Schüler jetzt am dringendsten? Wie schaffen es Lehrende, auch mal Feierabend zu machen? Über diese Fragen und vieles mehr haben wir in den letzten Wochen mit Lehrerinnen und Lehrern gesprochen, auf Twitter gestöbert und online Veranstaltungen besucht.

1. Lernplattformen und Schulserver sind Gold wert

Was im Präsenzunterricht das Schulgebäude ist, ist beim digitalen Unterricht für viele Lehrende der Schulserver bzw. die Lernplattform, auf die nicht verzichtet werden sollte. Sie bietet Orientierung und fungiert als Ort des Austausches und der Kommunikation – sowohl zwischen Lehrenden und Schülerinnen und Schülern sowie zwischen den Lehrkräften selbst.

Lernplattformen und sogenannte Schulserver sind für viele Lehrkräfte wichtige Bausteine, um ihren digitalen Unterricht zu organisieren, die Kommunikation mit den Schülerinnen und Schülern aufrechtzuerhalten und Dateien und Arbeitsmaterialien auszutauschen. Eine einheitliche Plattform für die ganze Schule zu haben ist dabei sinnvoll. Schülerinnen und Schüler können sich so schneller und besser orientieren, wenn sie für alle Unterrichtsfächer die gleiche Plattform nutzen können. Speziell für Schulen konzipierte Plattformen können wiederum Lehrenden Sicherheit geben, unter anderem in Fragen des Datenschutzes.

2. (Lern-)Strukturen anbieten und immer wieder anpassen

Wenn der Unterricht über Kommunikationsplattformen wie Schulserver stattfindet, kann es für Lehrende hilfreich sein, die verschiedenen Chats nach Klassen und Fächern aufzuteilen und klassenweise zu sortieren. Ob Schülerinnen und Schüler sich selbst ihren Fernunterricht-Stundenplan zusammenbauen oder ob sie entsprechend ihres sonstigen Stundenplans arbeiten, muss je nach Alter und Schulart entschieden werden. Dabei sollte berücksichtigt werden, wie gut sich die einzelnen Schülerinnen und Schüler selbst organisieren können. Das ist auch abhängig von materiellen Voraussetzungen, wie etwa dem Vorhandensein eines eigenen Laptops. In jedem Fall ist es wichtig, immer wieder in Austausch und Rücksprache mit den Kindern und Jugendlichen, aber auch ihren Eltern zu treten: Was braucht ihr, wie könnt ihr gut arbeiten und was hilft euch? Dabei ist wichtig, dass Strukturen, Abläufe und Vereinbarungen anpassbar und transparent bleiben, um dem Balanceakt zwischen Orientierungshilfe und Flexibilität standzuhalten.

3. Digitale Sprechzeiten vereinbaren

Auch im digitalen Lehrerzimmer gibt es Sprechzeiten! Lehrende empfehlen außerdem, die Online-Kommunikation zu sortieren: nach Anfragen von Schülerinnen und Schülern, Eltern oder Kolleginnen und Kollegen. Für jede Gruppe sollte es klare (Antwort)-Zeiten für ihre Anliegen geben – auch in der Ausnahmezeit. Neben der Transparenz für alle Beteiligten trägt es auch zur Stressvermeidung bei Lehrerinnen und Lehrern bei, nicht rund um die Uhr für alle erreichbar zu sein.

4. Erklärvideos schaffen Abwechslung für Lehrende und Lernende

Erklärvideos können eine gute Abwechslung für Lehrende und Lernende sein und sind insbesondere für Schülerinnen und Schüler, die Probleme mit Schriftsprachverstehen haben, eine sinnvolle Ergänzung. Videos nicht nur anzuschauen, sondern selbst zu erstellen, kann zur Auseinandersetzung mit dem Thema anregen und nebenbei noch Medienkompetenz vermitteln. Für die Einbindung in den Online-Unterricht kann eine Orientierung am Flipped-Classroom-Konzept helfen. Netter Nebeneffekt: Auch nach dem Corona-bedingten Fern- bzw. Teil-Präsenzunterricht können die Videos weiter eingesetzt werden.

5. Feedback und Interaktion schaffen Normalität

Für Lehrende wie für Schülerinnen und Schüler ist es wichtig, regelmäßig in Interaktion miteinander zu treten und Feedback zu bekommen. Fehlende face-to-face Kommunikation und Interaktion wird an vielen Schulen mit Videokonferenztools ersetzt. Aber wie einen datenschutzkonformen Anbieter finden? Hier kommen nicht-kommerzielle Open-Source-Angebote wie Jitsi, BigBlueButton oder das kostenpflichtige, für Online-Seminare konzipierte Angebot von edudip ins Spiel. Wenn die direkte Kommunikation fehlt, können Quiz- und Feedback-Tools helfen. BigBlueButton und Edudip bieten Umfrage-Funktionen an, die sich dafür nutzen lassen.

6. OER-Bildungsmaterialien sparen Zeit und bereichern den Unterricht

Für die Erstellung von digitalen Unterrichtsmaterialien können Lehrende auf OER-Materialien – also freie und offene Bildungsmaterialien (Open Educational Resources) – zurückgreifen. Orientierung liefert zum Beispiel zum.de - eine nicht-kommerzielle Plattform für freie Bildungsmaterialien (OER) verschiedener Fächer. Für das Fach Geschichte bietet die Lernplattform segu-geschichte.de zahlreiche Lehr- und Lernmaterialien an. (Einen Überblick zu OER-Materialien für den Bereich der schulischen wie außerschulischen Bildung haben wir in einer kommentierten Linkliste für Sie zusammengestellt.)

7. Linklisten für Eltern schaffen Vertrauen

Auch für viele Eltern ist der digital gestützte Unterricht eine Herausforderung. Neben dem Unterricht selbst sind auch Betreuungsmöglichkeiten nach der Schule, wie Hort, AG-Angebote oder Hausaufgabenbetreuung nur eingeschränkt möglich. Um Eltern in der Betreuung und Förderung ihrer Kinder zu unterstützen, kann die Ausgabe oder der Versand von Linklisten hilfreich sein. Diese können zum einen generelle Orientierungshilfe sein, aber auch online Übungsangebote aufzeigen, die beispielsweise datenschutzkonform sind und auf In-App-Käufe verzichten. Für einen allgemeinen Überblick sind die Elterntipps von Klicksafe zu empfehlen. Übungen für die Fächer Deutsch, Mathe, Sachunterricht, Deutsch als Zweitsprache und Musik für die Klassen 1-10 bietet zum Beispiel die kosten- und werbefreie Lern- und Übungsapp ANTON App, die kofinanziert wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Beim Sprachunterricht kann beispielsweise Amira unterstützen, ein Leseprogramm für die Grundschule in 9 Sprachen, unter anderem gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Für das Üben von Rechtschreibung eignet sich der privat betriebene Orthografietrainer.

8. Gute Kommunikation stärkt den Zusammenhalt innerhalb der Lerngruppe

Schule ist mehr als die Vermittlung von Wissen. Das Fehlen von Sozialem Lernen und gemeinsamen Miteinander kann nicht durch digitale Arbeitsblätter aufgefangen werden. Hier können Rituale wie ein virtueller Morgenkreis oder ein gemeinsames Mittagessen der Klasse im Videochat eine Unterstützung sein. Auch Probleme der Schülerinnen und Schüler können hier thematisiert werden: Wer hat einen eigenen Schreibtisch für sich zur Verfügung und wer muss sich den Arbeitsplatz mit dem kleinen Bruder teilen? Wer macht sich Sorgen um die Oma? Wer hat keine Geschwister und ist daher allein unter Erwachsenen? Solche digitalen Orte der Begegnung können helfen, den Zusammenhalt der Kinder und Jugendlichen zu stärken und sich gegenseitig zu unterstützen.

9. Transparenter Austausch im Kollegium baut eigene Unsicherheiten ab

Viele Lehrerinnen und Lehrern sammeln gerade die ersten Erfahrungen im Fern- und Digitalunterricht. Das führt auch zu Unsicherheiten: Sind das zu viele Aufgaben oder zu wenige? Unterricht per Videochat, klar. Aber wie bin ich auf der sicheren Seite in Sachen Datenschutz? Und welche technische Grundausstattung kann ich für die Konzeption meines digitalen Unterrichts voraussetzen? Auch hier kann offene Kommunikation mit den eigenen Kolleginnen und Kollegen helfen und dazu beitragen, von den Erfahrungen der anderen zu lernen und Frust zu ersparen.

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