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Geschichtsrevisionismus digital: Wie rechtsextreme Akteure auf Social Media Geschichte umdeuten

Berit Kö Jakob Schergaut

/ 9 Minuten zu lesen

Geschichtsrevisionismus verharmlost NS-Verbrechen, indem er historische Fakten verfälscht. In den sozialen Medien erreichen diese Narrative Millionen Menschen und gefährden somit die Erinnerungskultur und die Demokratie.

Geschichtsrevisionismus verharmlost NS-Verbrechen durch Verfälschung historischer Fakten. (bpb, Mel Wilken) Lizenz: cc by-sa/4.0/deed.de

Was ist Geschichtsrevisionismus?

In der (Geschichts-)Wissenschaft bezeichnet der Begriff der Revision die Korrektur etablierter Darstellungen aufgrund veränderter Quellenlage, weiterentwickelter Methodik oder neuer Interpretationen. Dieses Vorgehen ist für wissenschaftliche Erkenntnisse legitim und notwendig. Nach 1945 haben Rechtsextreme den Begriff jedoch bewusst übernommen, um den Nationalsozialismus unter dem Anschein wissenschaftlicher Standards moralisch zu entlasten. Bis heute imitieren diese Akteure akademische Praxis, verzerren und dekontextualisieren historische Quellen und delegitimieren widersprechende Forschung. Dieser Geschichtsrevisionismus ist ein zentrales Element rechtsextremer Ideologie. Durch Relativierung, Leugnung und/oder Aufrechnung der NS-Verbrechen mit denen der Alliierten wird eine „historisch-fiktionale Gegenerzählung“ konstruiert, die das NS-Regime entkriminalisieren soll: Wenn die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands „gar nicht so schlimm“ war oder die Alliierten „genauso schuldig“ waren, erscheinen rechtsextreme Positionen in der Gegenwart als legitimierbar. Der Geschichtsrevisionismus richtet sich damit systematisch gegen die etablierte Erinnerungskultur. Denn diese hält die nationalsozialistischen Verbrechen sichtbar und steht damit einer von Rechtsextremen angestrebten gesellschaftlichen Akzeptanz ihrer Positionen entgegen.

Geschichtsrevisionismus im 21. Jahrhundert

Die pseudowissenschaftlichen Publikationen von Geschichtsrevisionistinnen und Geschichtsrevisionisten wurden von der seriösen Geschichtswissenschaft in der Regel schnell widerlegt. Entsprechend fanden diese Behauptungen außerhalb neonazistischer Kreise lange kaum Gehör. Im digitalen Raum erleben derartige historische Verzerrungen jedoch gerade eine ungeahnte Renaissance, nicht zuletzt wegen ihrer Verbreitung durch rechtsextreme Influencerinnen und Influencer und Führungsfiguren rechtsextremer und rechtspopulistischer Parteien.

Suggestive Intros („Glaubst Du wirklich alles, was Du im Geschichtsunterricht gelernt hast?!“) und lebensweltliche Bezüge sprechen dabei gezielt Jugendliche an, denen oft die Medienkompetenz und das historische Wissen fehlen, um die manipulative Propaganda zu durchschauen. Geschichtsverdrehungen im digitalen Raum fungieren dabei als Teil eines rechten Identitätsangebots: Jungen Menschen wird die Imagination einer vermeintlich heroischen deutschen Identität angeboten – im Kontrast zu einer sich diversifizierenden, angeblich „verweichlichten“, „woken“ Gesellschaft. Die Rebellion gegen die vorherrschende Ordnung wird mit dem Narrativ einer historischen Unterdrückung „der Deutschen“ verknüpft. So kann sich der Einzelne als Teil einer überzeitlichen Mission gegen das „Kleinhalten“ der eigenen Nation inszenieren: ein subjektiv sinnstiftender Kampf, der gerade beeinflussbare, junge Männer anzuziehen scheint.

Beispiele für Geschichtsrevisionismus: Die Verschwörungserzählungen vom „Schuldkult“ und von alliierten Vernichtungsplänen

Ein zentraler Baustein dieses Narrativs ist die Behauptung, Deutschland werde durch den „Schuldkult“ – also die vermeintlich obsessive Aufarbeitung des Nationalsozialismus – unterdrückt. Die so „eingeübte Schuld“ bestimme bis heute die deutsche Innen- wie Außenpolitik – von der Finanzierung der NS- und KZ-Gedenkstätte bis zur Unterstützung Israels. Die Erinnerungskultur wird so zum „geheimen Instrument“ wahlweise der Alliierten oder des „Weltjudentums“ (antisemitische Chiffre) erklärt, die deutsche Regierung zu deren wissentlicher oder unwissentlicher Handlangerin. Um dieses Narrativ zu stützen, diffamieren rechtsextreme Geschichtsrevisionistinnen und -revisionisten nicht nur die Erinnerungskultur, sondern verfälschen systematisch die Geschichte selbst. Zentral ist dabei die Konstruktion deutscher Opfernarrative: Die Deutschen sollen als eigentliche oder zumindest gleichwertige Opfer des Zweiten Weltkriegs erscheinen. So werden etwa die Opferzahlen der Bombardierung Dresdens um das Zehnfache nach oben verzerrt, Polen fälschlicherweise zum eigentlichen Aggressor des Zweiten Weltkriegs erklärt und den Alliierten eine angebliche Vernichtungsabsicht gegenüber den Deutschen unterstellt.

Ein Beispiel für die angeblichen Vernichtungspläne gegen das deutsche Volk ist die Legende um die Rheinwiesenlager. Der kanadische Autor James Bacque behauptete 1989, in amerikanischen Kriegsgefangenenlagern seien zwischen April und September 1945 bis zu einer Million deutsche Soldaten durch gezielte Unterversorgung gestorben. Tatsächlich waren die Bedingungen in diesen provisorischen Lagern zunächst katastrophal: Internierte schliefen unter freiem Himmel, es herrschte Mangelversorgung, Krankheiten brachen aus. Die US-Streitkräfte mussten zur Mitte des Jahres 1945 nicht nur 3,4 Millionen deutsche Soldaten, sondern auch unzählige Displaced Persons (ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, KZ-Überlebende, Flüchtlinge) sowie die deutsche Zivilbevölkerung versorgen. Sie brachten die Situation jedoch schnell unter Kontrolle: Sie chlorten das Wasser, verbesserten die Nahrungsrationen und versorgten die Kranken. Insgesamt starben in den 23 Lagern zwischen 8.000 und 40.000 Deutsche. Massenverbrennungen von Leichen oder geheime Massengräber – wie von Bacque suggeriert – gab es nicht.

„Deutsche, jetzt kriegt ihr alles zurück!“ – Revisionistische Strategien auf TikTok

Konnte der Rheinwiesenlager-Mythos in den 1990er und 2000er Jahren nur wenige hundert Neonazis zu Gedenkveranstaltungen an den historischen Orten mobilisieren, erfährt die Rezeption dieser Legende heute auf Social Media eine völlig neue Dimension. Ein aktuelles TikTok-Video mit über 161.000 Klicks (Stand: Dezember 2025) kann dabei exemplarisch die Strategien des digitalen Geschichtsrevisionismus demonstrieren. Ein bekannter Creator beginnt provokant: „Deutsche, jetzt kriegt ihr alles zurück!“ Als Grundlage für seine Verzerrung dient ihm die historisch belegte Klassifizierung der gefangenen deutschen Soldaten als „Disarmed Enemy Forces“ (entwaffnete feindliche Streitkräfte) statt als reguläre Kriegsgefangene. Die US-Führung hatte dies bereits 1943 beschlossen, da sie befürchtete, Millionen Gefangene nicht gemäß den Genfer Konventionen versorgen zu können. Dieser juristische Kunstgriff führte seinerzeit in der Praxis kaum zu schlechterer Behandlung, ermöglicht es dem TikTok-Creator heute allerdings, die DEF-Klassifizierung zum „Racheakt“ der Alliierten zu stilisieren: „Meine Frage ist nur: War das wirklich der einzige Grund oder diente es auch dazu, Rache an den Soldaten zu nehmen?“

Die komplexen Umstände des Kriegsendes – der Zusammenbruch der deutschen Infrastruktur, die erhebliche Herausforderung, Millionen Menschen zu versorgen – werden ausgeblendet zugunsten einer eindimensionalen Erzählung. Der Creator beschreibt die katastrophalen Bedingungen korrekt – offene Felder, schlechte hygienische Bedingungen, wenig Nahrung – verschweigt aber entscheidende Fakten, um auf diese Weise das Opfernarrativ zu stützen. Durch Formulierungen wie „‚Die Guten‘ haben genau das gleiche danach gemacht mit den deutschen Soldaten“ wird eine moralische Ebenbürtigkeit zwischen den Rheinwiesenlagern und den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern suggeriert.

Besonders perfide erscheint in dem Kurzvideo die rhetorische Frage: „Ist es moralisch vertretbar, ein ganzes Volk für das Verbrechen seiner Führer zu bestrafen?“ Die unterstellte kollektive Bestrafung aller Deutschen lenkt von der historischen Realität ab: Schließlich handelte es sich in den Rheinwiesenlagern um Soldaten einer geschlagenen Armee, nicht um Zivilisten. Zudem unterstützten Millionen Deutsche das NS-System aktiv, profitierten von dessen Verbrechen und/oder schauten weg. Durch die Konstruktion der „unschuldigen Deutschen“ und „rachsüchtigen Alliierten“ wird die historische Täter-Opfer-Konstellation auf den Kopf gestellt.

Das Video schließt mit emotionaler Manipulation: „Ich bin mir sicher, ihr habt bestimmt Familienmitglieder, die auch das durchlebt haben.“ So wird persönliche Betroffenheit und eine imaginäre Gemeinschaft deutscher „Opfer“ erzeugt. Besonders zynisch ist diese Ansprache, weil sie die Realität umkehrt: Statistisch haben deutsche Familien eher Täterinnen und Täter, Mitläufer oder Profiteure unter ihren Vorfahren. Der scheinbar versöhnliche Schluss („Ich will nicht relativieren“) ist ein klassischer revisionistischer Trick: Nach systematischer Falschdarstellung folgt eine rhetorische Absicherung, die den Account-Inhaber vom Verdacht der politisch motivierten Geschichtsfälschung freisprechen soll.

Online-Plattformen: Wo Geschichte umgedeutet wird

Der digitale Geschichtsrevisionismus ist ein plattformübergreifendes Phänomen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. TikTok fungiert als zentrales Medium für junge Zielgruppen. Hier erreichen geschichtsrevisionistische Inhalte Millionen von Aufrufen. Das Format Kurzvideo erschwert im Gegenzug eine kritische historische Einordnung. Die For-You-Page ist darauf ausgerichtet, dass Nutzerinnen und Nutzer rasch von einem Video zum nächsten wischen – in der Erwartung, noch interessantere, spannendere oder extremere Inhalte zu erhalten. Der Algorithmus kann sie binnen kürzester Zeit in Filterblasen führen, in denen vorrangig die von ihnen präferierten Inhalte präsentiert werden. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Plattformen wie TikTok und X polarisierende Inhalte bevorzugen, da sie „diese […] als besonders reaktionsstark einstufen, […] eine höhere Zuschauer:innenbindung versprechen [und] sich ggf. sogar leichter monetarisieren lassen“. Zudem belohnt TikTok emotionalisierende Inhalte. Besonders problematisch sind dabei KI-generierte Videos: Angebliche History-Accounts überfluten die Plattform mit KI-generierten Inhalten und erschweren es, seriöse Inhalte von Desinformation zu unterscheiden. Dabei bewegen sich viele Videos bewusst im Graubereich zwischen Satire und Verzerrung – eine Strategie, die Rechtsextreme nutzen, um ihre Ideologie zu normalisieren.

Bei Instagram setzen rechtsextreme Akteure zur Normalisierung auf visuelle Strategien. Sie verwenden bewusst eine vermeintlich unpolitische Ästhetik: Nostalgisch gefilterte Wehrmacht-Bilder werden mit scheinbar harmlosen Hashtags wie #heimatverliebt gepostet, um junge Menschen anzulocken. Story-Formate ermöglichen es, revisionistische Botschaften zu verbreiten, die nach 24 Stunden automatisch verschwinden und damit schwerer dokumentierbar sind. Die rechte Szene setzt dabei bewusst auf weibliche Influencerinnen, um ihre Ideologie durch vermeintlich harmlose Auftritte zu verbreiten. Zugleich wird der überwiegend männlichen Zielgruppe rechtsextremer Propaganda suggeriert, mit der Übernahme der Ideologie gingen auch potenzielle Beziehungspartnerinnen einher – eine Lockvogelstrategie, die nicht die Realität der Geschlechterverteilung in der extremen Rechten widerspiegelt.

Instagram wird auch zur Dokumentation des geschichtspolitischen Aktivismus genutzt: Gruppen junger Neonazis inszenieren dort Ausflüge zu Kriegerdenkmälern, stellen Kerzen an Wehrmachtsgräbern auf, posieren vor dem Obersalzberg bei Berchtesgaden – wo Hitlers Berghof stand – oder kriechen in den Krematorien der KZ-Gedenkstätten in die Öfen, um ihre Verachtung für die Opfer zu demonstrieren, den Holocaust zu verhöhnen oder gleich ganz zu leugnen.

Digitale Quellenkritik im Unterricht

Das Verfangen rechtsextremer Narrative bei jungen Menschen zeigt sich auch in einem sprunghaften Anstieg rechtsextremer Delikte unter Schülerinnen und Schülern, wie eine Anfrage der Wochenzeitung Die Zeit an die Innenministerien der Bundesländer ergab. Lehrkräfte können Geschichtsrevisionismus im digitalen Raum begegnen, indem sie digitale Quellenkritik als Kernkompetenz vermitteln. Schülerinnen und Schüler müssen dabei unterstützt werden, revisionistische Strategien wie die Vermischung von Fakten mit Halbwahrheiten, emotionale Manipulation und die bewusste Dekontextualisierung historischer Ereignisse zu erkennen. Konkrete Beispiele aus TikTok und Instagram können im Unterricht analysiert werden, um Manipulationsstrategien beispielsweise anhand folgender Fragen transparent zu machen:

  • Welche Quellen werden genannt – und welche nicht? Oder: Werden überhaupt Quellen genannt?

  • Was wird behauptet, was tatsächlich belegt?

  • Wird historischer Kontext gegeben oder (bewusst) weggelassen?

  • Werden Vergleiche gezogen – und sind diese angemessen?

  • Wird mit rhetorischen Fragen gearbeitet, die eine bestimmte Antwort nahelegen?

  • Welche emotionalen Trigger werden eingesetzt?

  • Wer hat den Inhalt erstellt und mit welcher möglichen Absicht?

Dabei ist es wichtig, Schülerinnen und Schüler als kompetente Akteure zu behandeln, die durchaus zwischen seriösen und problematischen Inhalten unterscheiden können, wenn sie die Werkzeuge dafür erhalten. Medienkompetenz bedeutet nicht Allwissenheit, sondern die Befähigung zu kritischem Denken – und das können Lehrende und Lernende gemeinsam entwickeln.

Materialien für den Unterricht

  • Externer Link: Geschichte statt Mythen

    „Geschichte statt Mythen“ ist ein wissenschaftlich fundiertes Projekt an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, gefördert von der Stiftung EVZ. Im Mittelpunkt stehen die Dokumentation, Analyse und Einordnung von Geschichtsrevisionismus.

  • Externer Link: Bildungsplattform von arolsen school

    Die Bildungsplattform von arolsen school bietet interaktive Lernmodule zur NS-Geschichte und aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Alle Module wurden gemeinsam mit Jugendlichen entwickelt und basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie eignen sich für Geschichte, Politik, Ethik und projektbasierten Unterricht.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Armin Pfahl-Traughber: Rechtsextremismus in Deutschland. Eine kritische Bestandsaufnahme. Wiesbaden 2019, S. 301.

  2. Brigitte Bailer-Galanda/Wilhelm Lasek/Heribert Schiedel: „Revisionismus“ und das Konzentrationslager Mauthausen. Zur Genese und Aktualität des „Revisionismus“. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Jahrbuch 2004, Wien 2004, S. 141.

  3. Brigitte Bailer-Galanda/Wolfgang Neugebauer: ... ihrer Überzeugung treu geblieben. Rechtsextremisten, „Revisionisten“ und Antisemiten in Österreich. Wien 1996, S. 28.

  4. Gideon Botsch: Die historisch-fiktionale Gegenerzählung des radikalen Nationalismus. Über den rechtsextremen Zugriff auf die deutsche Geschichte. In: Claudia Fröhlich/Heinrich Horst-Alfred/Harald Schmid (Hrsg.): Jahrbuch für Politik und Geschichte, Stuttgart 2011.

  5. Angriffe auf die etablierte Erinnerungskultur sind unterdessen kein ausschließlich rechtsextremes Phänomen mehr, wie sich zuletzt im sogenannten „Historikerstreit 2.0“ zeigte. So diffamierte der australische Historiker Dirk Moses die deutsche Erinnerungskultur 2021 als „Katechismus“, der angeblich eine Auseinandersetzung mit Kolonialverbrechen verhindere. Moses relativierte die Singularität des Holocaust aus postkolonialer Perspektive, vorgeblich um verschiedene Genozide vergleichbar zu machen. Siehe dazu etwa: Sybille Steinbacher: Über Holocaustvergleiche und Kontinuitäten kolonialer Gewalt. In: Dan Diner u.a.: Ein Verbrechen ohne Namen, München 2022, S. 53–68.

  6. Jens-Christian Wagner: Zwischen Schuldabwehr, Schuldumkehr und Instrumentalisierung. In: Sybille Steinbacher, Jens-Christian Wagner: Rechter Geschichtsrevisionismus in Deutschland. Formen, Felder, Ideologie, Göttingen 2025, hier S. 28–31.

  7. James Bacque: Other Losses. An Investigation into the Mass Deaths of German Prisoners at the Hands of the French and Americans after World War II, Toronto 1989.

  8. Arthur L. Smith: Die „vermißte Million“. Zum Schicksal deutscher Kriegsgefangener nach dem Zweiten Weltkrieg, hg. von. Karl Dietrich Bracher, Hans-Peter Schwarz, Horst Möller. München 1992 (Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 65), S. 86.

  9. Mehr Informationen hier: Externer Link: https://www.geschichte-statt-mythen.de/Blog/klassische-mythen/rheinwiesenlager

  10. Friederike Fischer, Simon Meier-Vieracker & Lisa Niendorf: TikTok – Memefication und Performance. Einleitung in den Band, in: Dies. (Hg.): TikTok – Memefication und Performance. Interdisziplinäre Zugänge, Berlin 2025, S. 1–19, hier S. 2.

  11. Bertelsmann Stiftung: Digitalisiert, politisiert, polarisiert? Eine Analyse von Social-Media-Feeds junger Menschen zur Bundestagswahl 2025 auf TikTok, YouTube, Instagram und X, Gütersloh 2025, S. 28f. (Externer Link: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/user_upload/Digitalisiert_politisiert_polarisiert.pdf)

  12. Martin Fuchs im Interview mit Kristina Ratsch: „Emotionen sind Gold für den TikTok-Algorithmus“, in: Fluter, 27. August 2024 (Externer Link: https://www.fluter.de/tiktok-politiker-strategien [8.12.2025]).

  13. Völkisch viral: So deuten Rechtsextreme online die Geschichte um (https://hateaid.org/geschichtsrevisionismus-auf-tiktok/ [8.12.2025]).

  14. Kein Filter für Rechts. Wie die rechte Szene Instagram benutzt, um junge Menschen zu rekrutieren, in: Correctiv, 7. Oktober 2020 (Externer Link: https://correctiv.org/top-stories/2020/10/06/kein-filter-fuer-rechts-instagram-rechtsextremismus-frauen-der-rechten-szene/ [8.12.2025]).

  15. Anant Agarwala: „Sieg Heil“ in der Frühstückspause. In: Die Zeit (17/2025).

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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-SA 4.0 - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International" veröffentlicht. Autoren/-innen: Berit Kö, Jakob Schergaut für bpb.de

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Berit Kö (ehem. Tottmann) ist Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Im Projekt „Geschichte statt Mythen“ forscht sie seit September 2025 zu Geschichtsrevisionismus in Deutschland. In ihrer Dissertation untersuchte sie den Zusammenhang zwischen romantischem Denksystem und rechtsextremen Ideologien.

Jakob Schergaut ist Sozialwissenschaftler (M.A.) und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit August 2024 betreut er das Projekt „Geschichte statt Mythen“, das Geschichtsrevisionismus und „Fake History“ in Thüringen und darüber hinaus dokumentiert, analysiert und einordnet.