Kugel mit Porträtfotos vor einer Platine (Symbolbild)

11.11.2020 | Von:
Andrea Szukala
Sabine Kühmichel
Cornelius Knab

Baustein 2: Digitales Gold - Data Mining und seine Konsequenzen

Die Tatsache, dass Daten gesammelt und zu "Big Data" aggregiert werden, ist meist bekannt. Doch wie das genau funktioniert, wer dahinter steckt und was genau mit den Daten gemacht wird, bleibt oft diffus. Im zweiten Projektbaustein begeben sich die Schülerinnen und Schüler auf den "Weg ihrer Daten" und erarbeiten anschließend Strategien, wie man seine Daten besser schützen kann.

Lernziele

Die Schülerinnen und Schüler ...
  • werden sich bewusst, dass persönliche Daten einen finanziellen Wert haben (Daten als Wirtschaftsfaktor, Datenkapitalismus) und erkennen den Zusammenhang zwischen dem Preis für Nutzung von "kostenlosen" Diensten (u.a. Messenger-Dienste, Fitness-Apps, Soziale Netzwerke etc.) und der Verwertung von ihren eigenen Nutzerdaten.
  • setzen sich kritisch mit dem Thema Data Mining und möglicher Folgen des eigenen Verhaltens durch Data Mining, Tracking und individuelles Targeting auseinander.
  • werden für einen verantwortungsbewussten Umgang mit den eigenen Daten sensibilisiert.
  • entwickeln Stratgegien und Mechanismen zum Schutz der eigenen Daten und wenden diese an.

Inhalt und Verlauf


Inhaltlich geht es im Modul darum, den Schülerinnen und Schülern bewusst zu machen, dass Daten - auch ihre eigenen - ein Wirtschaftsfaktor sind: Daten gelten quasi als Rohstoff der digitalen Welt. Daten werden gesammelt, veredelt bzw. aufbereitet und verkauft.
Aufgezeigt werden soll ebenfalls, dass die Nutzung unserer Daten durch Unternehmen, Dienste und andere letztlich wiederum auch Konsequenzen für uns und unser Leben hat, sei es durch personalisierte Werbung, dynamic pricing, aber auch durch Manipulation und Desinformation.

Einstieg


Der Cartoon zeigt eine Analogie zwischen dem Rohstoff Öl und dem Rohstoff Daten. Beides wird mit Maschinen zutage gefördert, der Abbauort wird durch die Beschriftung „Gesteinsschicht“ respektive „Anwendungsschicht“ gekennzeichnet.Sind Daten das neue Öl? (© Cloud Science – TechToons)
Der Einstieg in den Baustein erfolgt mit der Karikatur "Daten sind das neue Öl" (M 02.01). Die Schülerinnen und Schüler werden durch die Karikatur angeregt, sich mit der These zu beschäftigen, dass Daten "das neue Öl", also ein Rohstoff sind. Die Karikatur vermittelt, dass es eine Analogie gibt zwischen dem Rohstoff Öl und dem Rohstoff Daten. Beides wird mit Maschinen zutage gefördert, beides hat einen Ursprungsort, von dem es abgebaut wird. Zusätzlich zur bildlichen Darstellung ist dieser Ort durch die Beschriftung "Gesteinsschicht" respektive "Anwendungsschicht" gekennzeichnet, wodurch die Rolle des Anwenders – hier abgebildet bei der Nutzung des Smartphones - als Ursprung oder Quelle des neuen Rohstoffs deutlich hervorgehoben wird.

Intendiert ist, dass der Einstieg mit der Karikatur bei den Schülerinnen und Schülern Neugier weckt, zu erfahren, wie das konkret aussieht, wenn Daten als Rohstoff gewonnen und aufbereitet werden und wie bzw. wofür sie genutzt werden. Fragen, die bei den Schülerinnen und Schülern aufkommen, sind vermutlich:
  • Wer sammelt die Daten und wer nutzt sie? (Beteiligten Akteure)
  • Wie werden Daten technisch aufbereitet und nutzbar gemacht? (Verarbeitungsmöglichkeiten)
  • Wofür werden Daten verwendet bzw. genutzt? (Verwendungsbereiche, Nutzungsmöglichkeiten)
Um diese Fragen zu klären, beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Informationsmaterialien.

Erarbeitung


Zunächst erarbeiten die Schülerinnen und Schüler sich Basisinformationen zum Themenkomplex "Daten als Rohstoff" mithilfe des Erklärfilms Der Weg meiner Daten (M 02.02) (Redaktion „Forschen mit GrafStat, Quelle: Mediathek bpb.de).
Screenshot aus dem Erklärfilm "Der Weg meiner Daten"Screenshot aus dem Erklärfilm "Der Weg meiner Daten"
Der Film beantwortet die oben genannten Fragen, indem er den Weg der Daten, die bei der Internetnutzung entstehen, verfolgt und Zusammenhänge erklärt: Er zeigt auf, wo Daten "anfallen", wer sie sammelt, wie sie aufbereitet werden und wie sie genutzt und verwendet werden und so auch direkte Konsequenzen auf das Leben der Nutzerinnen und Nutzer haben.

Die Schülerinnen und Schüler haben beim ersten Schauen des Erklärfilms den Auftrag, ihnen nicht bekannte Begriffe zu notieren. Diese Begriffe, wie z. B. Algorithmus oder Datenbroker, sollen sie anschließend mithilfe des Glossars oder anderen Hilfsmitteln erschließen, um den Inhalt des Films auch wirklich verstehen zu können. Denkbar wäre zudem, dass die Schülerinnen und Schüler hier schon ein kollaboratives Glossar zum Thema anfangen. Dies kann beispielsweise digital über ein Wiki-Tool erfolgen (z. B. integrierte Wikitools bei Lernplattformen wie etwa Moodle oder auch anderen Tools, die etwa auf der Seite Medien in die Schule[1] vorgestellt werden - s. dazu auch Fußnote 1). Nicht ganz so funktional, aber auch praktibabel kann ein Padlet oder Etherpad genutzt werden, um ein gemeinsames Glossar alphabetisch sortiert mit den einzelnen Worterklärungen anzulegen.

Das zweite Schauen des Films erfolgt dann fragegeleitet, d. h. die Schülerinnen und Schüler bekommen einige Fragen, zu denen sie sich beim Schauen des Films Notizen machen sollen:
  1. Warum sind Unternehmen an den Daten von Nutzerinnen und Nutzern interessiert?
  2. Warum können viele Onlinedienste den Nutzerinnen und Nutzern kostenlos zur Verfügung gestellt werden?
  3. Was passiert mit den gesammelten Daten? Was wird mit den gesammelten Daten gemacht wird und wozu?
  4. Welchen Einfluss haben digitale Onlineprofile auf uns als Nutzerinnen und Nutzern? (Konsequenzen, Probleme etc.)
Diese Fragen werden anschließend gemeinsam in der Klasse besprochen.
Bei der letzten Frage "Welchen Einfluss haben digitale Onlineprofile auf uns als Nutzerinnen und Nutzern? (Konsequenzen, Probleme etc.)" besteht die Möglichkeit, dass die Schülerinnen und Schüler ihre ganz eigenen Erfahrungen mit einbringen und darüber hinaus auch die Idee der Konsequenzen und Probleme auf das zukünftige Leben weiterdenken.

Ergänzung oder Alternative zum Film
Das Schaubild zeigt den Weg der Daten beim Data Mining.Schaubild zum Weg der Daten beim Data Mining (© Carole Scheffels)
Je nach Bedarf kann ergänzend oder alternativ zum Film (falls die Technik zum Präsentieren des Films nicht gegeben sein sollte) ein erklärender Text zum Weg der Daten (M 02.03) eingesetzt werden. Dieser verdeutlicht detailliert die einzelnen Schritte bzw. Etappen beim Sammeln und Verwerten der Daten im Data-Mining-Prozess. Zur Sicherung der gewonnenen Erkenntnisse aus dem Text erstellen die Schülerinnen und Schüler ein Schaubild, um die Schritte und Zusammenhänge zu veranschaulichen. Info 02.01 zeigt, wie so ein Schaubild auf Basis des Textes aussehen könnte. (Methode : Text in Schaubild umwandeln)

Vertiefung


Vertiefend wird anschließend der Fokus auf die Verwendungszwecke der gesammelten Daten und der daraus folgenden Konsequenzen gelegt. Anknüpfungspunkte dazu bieten die beiden letzten Fragen zum Film. Die Perspektive der Schülerinnen und Schüler soll dabei in der Diskussion darauf gelenkt werden, was Datamining für sie als Nutzerinnen und Nutzern konkret bedeutet und welche Auswirkungen das letztlich für sie hat?

Welche Nutzungsmöglichkeiten / Einsatzbereiche der Datenverwendung gibt es?
  • Erstellung von Nutzerprofilen für die gezielte Werbung oder für die Entscheidung bei Leistungen (Kreditvergabe, Krankenkassenleistung etc.)
  • Gezielte Manipulation von bestimmten Personengruppen (Fake News und Filterblasen)
  • Nutzung von Big Data für Einsatzbereiche in der Arbeitswelt, Industrie und Medizin = Verarbeitung durch Algorithmen (Erkennen von Mustern etc.) => Einsatz von KI
  • Datenerhebung für die Wissenschaft
Für die verschiedenen Verwendungszwecke der Daten sollen die Schülerinnen und Schüler überlegen, in welcher Form die gesammelten Daten wieder bei ihnen ankommen (Einfluss und Konsequenzen von Datamining in Form von Werbung, Fake News, Filterblasen etc.)

Anwendung


Zum Abschluss des Bausteins sind die Schülerinnen und Schüler dazu aufgefordert, Ideen zu entwickeln, wie sie sich vor Datamining und dessen Konsequenzen besser schützen können. Sie erarbeiten dazu mögliche Handlungsstrategien oder Schutzmechanismen.

Zur Vorbereitung kann dazu optional unterstützend der Informationstext "Möglichkeiten des Datenschutzes und der Datensparsamkeit (M 02.04) eingesetzt werden. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich dabei nicht für sich den kompletten Text, sondern wählen sich je zwei Aspekte aus, die sie in Einzelarbeit vorbereiten und dann in Gruppenarbeit sich gegenseitig vorstellen. Zur Überprüfung und Festigung des Gelernten bearbeitet die Gruppe anschließend gemeinsam Lückentexte ( M 02.05 und M 02.06 ) zu den Aspekten aus dem Informationstext.

Die gewonnenen Informationen und eigenen Ideen zu Schutzmechanismen und Handlungsstrategien sollen die Schülerinnen und Schüler bei der Entwicklung von Informationsangeboten für andere umsetzen. Denkbar sind hier verschiedene - digitale oder analoge - Formate:
  • Erklärfilme
  • Schaubilder
  • animierte Präsentationen
  • Collagen / Poster / Flyer / Broschüren
  • Webseiten / Blogs
  • Steckbriefe
  • Glossar u.v.m.
Welche Methoden und Anwendungen dabei zum Einsatz kommen, hängt neben den Vorlieben selbstverständlich auch von den methodischen Vorkenntnissen der Schülerinnen und Schüler sowie der zur Verfügung stehenden Zeit ab.

Nicht ganz so kreativ, aber ein relativ simples und einfach umzusetzendes Beispiel wäre die Arbeit mit erklärenden Steckbriefen. Auf Basis eines vorstrukturierten PDF-Icon Steckbriefes können Erklärungen und Beschreibungen in Form von Steckbriefen zu datenschutzrelevanten Begriffen und Phänomenen wie z. B. Algorithmus (M 02.07), Cookies (M 02.08), Tracking (M 02.09) oder VPN-Verbindung (M 02.10) erstellt werden und anschließend digital (z.B. in einem Padlet oder auf einer Lernplattform) oder analog (als Aushang in der Klasse) gesammelt als Informationspool bzw. -übersicht angeboten werden.

(Für weitere digitale Möglichkeiten s. auch Hinweise zum Einstieg von Baustein 3, Baustein 5 sowie Aktionsformen im Projekt Partizipation 2.0.)


Medien und Methoden

  • Erklärfilm
  • Kollaboratives WIKI / Lernglossar erstellen
  • Text in Schaubild umwandeln
  • Lückentext
  • Infomaterial erstellen
Eine tabellarische Übersicht der Planung des Bausteins steht als PDF-Icon PDF-Datei zur Verfügung.

Fußnoten

1.
Die Unterrichtsmaterialreihe „Medien in die Schule“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von FSF, FSM und Google Deutschland mit Unterstützung von Telefónica Germany, Deutschland sicher im Netz, der Auerbach Stiftung, der Bundeszentrale für politische Bildung sowie der Amadeu Antonio Stiftung.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autoren/-innen: Andrea Szukala, Sabine Kühmichel, Cornelius Knab für bpb.de

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