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5.11.2020

Private Fördermittel

Einige Stiftungen in Deutschland fördern Projekte in Themenfeldern, die einen Rahmen für Gedenkstättenfahrten bieten können. Dazu gehören die historisch-politische Bildung oder aktuelle Menschenrechtsdiskurse. Bei der Stiftungssuche kann es sich auch lohnen, Kontakt zu kleineren Stiftungen in der Region aufzunehmen.


Förderung durch Stiftungen

Auch Stiftungen sind potenzielle Fördermittelgeber für Gedenkstättenfahrten. Meist fördern sie Projekte in bestimmten Themenfeldern, dazu gehören auch historisch-politische Bildung, internationale Verständigung und Menschenrechte. Insbesondere im internationalen Austausch – ähnlich wie bei den bilateralen Jugendwerken - können beispielsweise Besuche von Gedenkstätten in Projekte (Geschichtswerkstätten, Menschenrechtsdiskurse usw.) integriert werden und sind dann durchaus förderungswürdig. Hier werden einige größere Stiftungen vorgestellt, interessant kann aber auch hier die Kontaktaufnahme mit lokalen Stiftungen sein – hilfreich ist beispielsweise eine Recherche bei www.stiftungsindex.de.

Die Stiftung Erinnern Ermöglichen
Die Stiftung fördert Gedenkstättenfahrten in die NS-Vernichtungsstätten Auschwitz, Belzec, Majdanek, Sobibor und Treblinka. Begegnungen mit polnischen oder anderen ausländischen Jugendgruppen vor Ort werden ausdrücklich begrüßt. Die Bethe-Stiftung, die der Stiftung "Erinnern Ermöglichen" Geldmittel für die Förderung der Gedenkstättenfahrten bereitstellt, hat mit verschiedenen Bundesländern Vereinbarungen zur Förderung abgeschlossen.
  • Förderfähig sind Gedenkstättenfahrten von Schülerinnen und Schülern der weiterführenden Schulen und Berufsschulen zwischen 14 und 25 Jahren.
  • Antragstellung ist jederzeit möglich, spätestens 10 Wochen vor Beginn der Fahrt
  • mindestens 4, höchstens 8 Programmtage
  • 80% des Programms hat am Ort der Gedenkstätte stattzufinden
  • Inhaltliche Vor- und Nachbereitung der Studienfahrt im Unterricht, Programm, Dokumentation sind verpflichtend
Antragsteller aus Bremen, Rheinland-Pfalz und NRW können sich direkt an die Stiftung wenden, Schulen aus den folgenden Bundesländern wenden sich für die Antragstellung an die jeweiligen Kooperationspartner: Weitere Informationen unter https://buerogl2019.wixsite.com/erinnernermoeglichen

Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft
Die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) setzt sich in Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischen Unrechts für die Stärkung der Menschenrechte und für Völkerverständigung ein. Gegründet wurde die Stiftung EVZ im Jahr 2000 vor allem, um Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen zu leisten. Heute engagiert sie sich u.a. in der historisch-politischen Bildung, im internationalen Jugendaustausch und im Handeln für Menschenrechte.

Jugend erinnert
Mit dem Bundesprogramm "Jugend erinnert" sollen Gedenkeinrichtungen und die Erinnerung an das NS-Unrecht stärker gefördert und mehr jungen Menschen die Auseinandersetzung mit Geschichte ermöglicht werden. Die Stiftung EVZ führt international ausgerichtete Teile des Bundesprogramms "Jugend erinnert" mit Mitteln des Auswärtigen Amtes durch.

Das Förderprogramm "Jugend erinnert" besteht aus drei Förderlinien:
  1. Bi- und multilaterale Jugendbegegnungen an historischen Orten der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung
  2. Internationaler Fachaustausch
  3. Digitale Formate der Vermittlung
Weitere Informationen: www.stiftung-evz.de/handlungsfelder/auseinandersetzung-mit-der-geschichte/jugend-erinnert.html

Meet Up! für deutsch-ukrainische Jugendbegegnungen
Das Förderprogramm Meet Up! unterstützt deutsch- ukrainische Begegnungen, bei denen das gemeinsame Arbeiten an einem Projekt im Vordergrund steht. Thematisch sind verschiedene Bereiche möglich, zum Beispiel historisch-politische Bildung, Menschenrechte, Umwelt oder andere Themen, die junge Menschen in Europa bewegen und die deutsch-ukrainische Zusammenarbeit stärken.

Gefördert werden Begegnungen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 35 Jahren aus Deutschland, aus der Ukraine und Russland, pro Land können 6 bis 20 Teilnehmende gefördert werden.

Weitere Informationen: www.stiftung-evz.de/handlungsfelder/handeln-fuer-menschenrechte/meet-up.html

Europeans for Peace
In ihrem Förderprogramm "Europeans for Peace" fördert die Stiftung internationale Projektpartnerschaften zwischen Schulen und Jugendgruppen aus Deutschland, Mittel-, Ost- und Südosteuropa und Israel, die sich grenzüberschreitend mit historischen oder aktuellen Menschenrechtsfragen beschäftigen. Historischer Bezugspunkt ist die Geschichte des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges in Europa. Die Projekte sollen dazu beitragen, dass Menschen weniger für Ideologien der Ungleichheit wie Antisemitismus und Rassismus anfällig werden, und die Freiheits- und Gleichheitsidee der Menschenrechte verdeutlichen. Jährlich wird mit der Fortschreibung des Programms ein neues Jahresthema festgelegt.

Antragsteller
  • Schulen und außerschulische Bildungsträger aus Deutschland, gemeinsam mit einer Partnerorganisation aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa oder Israel
  • bi-, tri- und multinationale Projekte mit jungen Menschen im Alter von 14 bis 27
Weitere Informationen: https://www.stiftung-evz.de/handlungsfelder/handeln-fuer-menschenrechte/europeans-for-peace.html

Local.History Deutschland
Mit dem Förderprogramm local.history unterstützt die Stiftung EVZ lokale Initiativen und Vereine bei der Gestaltung einer Erinnerungskultur vor Ort, die möglichst viele Menschen einbezieht. Die geförderten Projekte setzen sich thematisch mit Orten, Personen und Ereignissen der NS- Geschichte auseinander. Im Fokus stehen dabei NS-Zwangsarbeit und verschiedene Verfolgtengruppen. Dabei sollen lokale Debatten um Erinnerung und Demokratie angestoßen und die Zivilgesellschaft in ihrem Engagement gestärkt werden. Die partizipative Einbeziehung von lokalen Akteuren und verschiedenen Zielgruppen sowie eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit schafft eine zeitgemäße und inklusive Erinnerungskultur.
  • Antragsstellung ist fortlaufend möglich. Die Anträge werden jeweils zum 1.2., 1.6., 1.10. eines Jahres vergleichend begutachtet.
Weitere Informationen: https://www.stiftung-evz.de/handlungsfelder/auseinandersetzung-mit-der-geschichte/localhistory-deutschland.html

Auch in anderen Programmen der Stiftung kann der Besuch von Gedenkstätten sinnvoll integriert werden. Weitere Informationen zu aktuellen Fördervorhaben der Stiftung finden sich unter: www.stiftung-evz.de

F.C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz
Die F.C. Flick-Stiftung unterstützt Projekte, die geeignet sind, die Völkerverständigung zu fördern sowie Rechtsextremismus, Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und daraus motivierter Gewalt in Deutschland entgegenzuwirken.
  • Zielgruppe der Förderung sind Kinder und Jugendliche.
  • Zielgebiet der Förderung sind die ostdeutschen Bundesländer und Berlin.
  • Die Stiftung fördert insbesondere innovative Projekte im kulturellen, sportlichen und pädagogischen Bereich und Jugendaustauschprojekte, vorwiegend mit den Ländern des östlichen Europas und Israel. Die Projekte sollten nachhaltig angelegt sein.
  • Antragstellung über Online-Formular 2-3 Monate vor Projektbeginn
Gedenkstättenfahrten können Bestandteil der Förderung von internationalen Jugendaustauschprogrammen sein, die sich auf die mittel- und osteuropäischen Staaten konzentrieren.

Weitere Informationen: www.stiftung-toleranz.de/foerderung/

Stiftung West-Östliche Begegnungen
Die Stiftung West-Östliche Begegnungen fördert die Völkerverständigung durch Vertiefung und Ausweitung von gutnachbarlichen Beziehungen und Kontakten zwischen den Menschen in Deutschland und den Menschen in den folgenden Staaten: Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Estland, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Lettland, Litauen, die Republik Moldau, die Russische Föderation, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine und Usbekistan. Der Besuch von Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus kann im Rahmen dieser Begegnungen ein Programmpunkt und damit Teil der Förderung sein. Darüber hinaus können Themenprojekte oder Kooperationsvorhaben gefördert werden.

Zentrale Förderkriterien:
  • Dialog und Partnerschaft
  • Gleichwertigkeit der Partner und Gegenseitigkeit der Programme
  • Teilhabe, Verantwortlichkeit und Solidarität
  • Nachhaltigkeit der Beziehung und des Engagements
Weitere Informationen: www.stiftung-woeb.de

Robert Bosch Stiftung
Die Robert Bosch Stiftung, eine der größten Unternehmensstiftungen Deutschlands, unterstützt sehr unterschiedliche Projekte in den Themenfeldern Bildung, Bürgergesellschaft, Gesundheit, Internationale Verständigung und Kooperation und Wissenschaft. Im Fördergebiet "Internationale Verständigung und Kooperation" fokussiert die Stiftung sich seit 2020 auf folgende Themen: Frieden, Klimawandel und Migration. Neben der Fördertätigkeit führt die Robert Bosch Stiftung auch eigenständig Förderprogramme oder -projekte durch, die im Detail ebenfalls für mögliche Fördernehmer interessant sein können. Das Antragsverfahren läuft über ein Online-Portal.

Weitere Informationen: www.bosch-stiftung.de

Sanddorf-Stiftung
Die Sanddorf-Stiftung fördert Schülerfahrten nach Polen. Dabei ist der Besuch einer Gedenkstätte möglich. Die Förderanfrage sollte eine Programmplanung mit Aktivitäten enthalten, möglichst verbunden mit Projekttagen oder Aktionen an der Schule. Nach Prüfung und Genehmigung des Förderantrags werden pro Projekt bis zu maximal 4.000 € Fördergelder vergeben.

Weitere Informationen: www.sanddorf-stiftung.de

Spendenakquise für Gedenkstättenfahrten

Neben antragsbasierten Mitteln lohnt auch die Suche nach Sponsoren oder direkten Spenden. Diese lassen sich beispielsweise im Rahmen eines Schulfestes (Tombola, Snack-Verkauf etc.,), durch den Aufbau eines Fördervereins oder Freundeskreises oder durch die gezielte Ansprache von Unternehmen oder Banken am Ort akquirieren.

Ein solcher "Finanzierungsmix" aus öffentlichen und privaten Fördermitteln, Spenden und Sponsorengeldern ist zwar mit einigem Aufwand verbunden – bietet jedoch auch klare Vorteile: Bei einem Finanzierungsmix lässt sich der Wegfall einer Finanzierungsquelle leichter ausgleichen, außerdem sind private Mittel oder Spenden oft flexibler einsetzbar. Häufig ist der Finanzierungsmix jedoch schon deshalb unabdingbar, weil ein angemessener Eigenanteil bei der Beantragung von Fördermitteln – egal ob öffentlich oder privat – in der Regel erwartet wird. Eine Vollförderung ist nur in den seltensten Fällen möglich. Kann die nötige Kofinanzierung nicht über Spenden akquiriert werden, wird bei Gedenkstättenfahrten häufig auch ein Teilnahmebeitrag erhoben.

Weiterführende Literatur zur Spendenakquise und zum Aufbau eines systematischen Fundraisings findet sich in den Linktipps Fördermittel in diesem Dossier sowie im übergreifenden Dossier Akquisos-Fördermittel und Fundraising für die politische Bildung.