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Editorial | 250 Jahre USA | bpb.de

250 Jahre USA Editorial Wie revolutionär war die Unabhängigkeitserklärung? Über die Demokratie in Amerika, 250 Jahre später Kampf um die amerikanische Verfassung. Die Federalist Papers als Gründungsdokument einer inzwischen gefährdeten Demokratie Leben im Überfluss. Vom Streben nach Glück in der amerikanischen Demokratie E Pluribus Unum? Anmerkungen zur Frage nach der amerikanischen Identität Politik des Semiquincentennial. Trumps Kulturkampf um die Geschichte Von der Monroe- zur „Donroe“-Doktrin? Souveränismus in der US-amerikanischen Außenpolitik

Editorial

Sascha Kneip

/ 2 Minuten zu lesen

Dass sich die Vereinigten Staaten von Amerika im 250. Jahr ihres Bestehens in einem rundum guten Zustand befinden, würden auch ihre größten Bewunderer wohl nicht behaupten. Die gesellschaftliche Polarisierung ist so stark wie lange nicht mehr, demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien stehen massiv unter Druck, und auch das fast schon ikonische Wohlstandsversprechen der amerikanischen Gesellschaft entpuppt sich für viele als nicht eingelöste Verheißung. Innenpolitisch scheint der 47. Präsident der USA alles daran zu setzen, die Skeptiker von Staatsgründung und Verfassungsgebung nachträglich in ihren Befürchtungen zu bestätigen, dass die Exekutivmacht unkontrollierbar werden könnte; außen- und wirtschaftspolitisch verwickelt er das Land in Scharmützel, die nicht nur der eigenen Bevölkerung, sondern der ganzen Welt schaden.

Angesichts der aktuellen Malaisen der amerikanischen Demokratie gerät mitunter aus dem Blick, dass die Versprechen der Unabhängigkeitserklärung im Laufe der Zeit eine Wirkmächtigkeit entfaltet haben, die historisch ihresgleichen sucht. Die Idee, dass alle Menschen gleich und mit unveräußerlichen Rechten geboren werden, hat nicht nur die amerikanische Gesellschaft geformt, sondern weltweit Verfassungsgebungen beeinflusst, Unabhängigkeitsbewegungen inspiriert und Bürgerrechtsbewegungen geprägt. Dass das Versprechen von Gleichheit, Freiheit und Glück für große Teile der US-Bevölkerung lange Zeit gar nicht galt, minderte seine Strahlkraft nicht. Bis heute ist es der Maßstab, an dem sich demokratische Politik in den USA und anderswo messen lassen muss.

Diese liberale Ausprägung von Demokratie ist nicht die einzig denkbare. Wer nun aber meint, dass Menschenwürde, Minderheitenrechte oder rechtsstaatliche Verfahren nicht zu ihrem Wesen gehörten und deshalb eingeschränkt oder gar abgeschafft werden sollten, der könnte das US-amerikanische Jubiläum zum Anlass nehmen, noch einmal darüber nachzudenken, ob wir auf dieses aufklärerische Erbe tatsächlich verzichten können. Denn diese Elemente sind keine neumodischen Erfindungen, sondern – seit 250 Jahren – Kernprinzipien demokratischen Zusammenlebens.