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Editorial | Berufsschule | bpb.de

Berufsschule Editorial „Während der Berufsausbildung findet Erwachsenwerden statt“. Ein Gespräch über den Alltag an einer berufsbildenden Schule in Thüringen „Stiefkind“ des Bildungssystems? Eine Geschichte der Berufsschule Zwischen Ausbildungsfunktion und Bildungsauftrag. Aktuelle Herausforderungen für Berufsschulen Zwischen Tüchtigkeit und Mündigkeit. Demokratiebildung an Berufsschulen Reformbedarf beim Erfolgsmodell. Zur wirtschaftlichen Bedeutung starker Berufsschulen Neue Bildungsallianzen. Berufliche und akademische Bildung in Zeiten des Fachkräftemangels und Künstlicher Intelligenz Von Dänemark lernen? Übergänge in den Beruf

Editorial

Julia Heinrich

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Rund 2,3 Millionen Schülerinnen und Schüler lernen in Deutschland an beruflichen Schulen. Die meisten von ihnen absolvieren eine duale Berufsausbildung: Praxis im Betrieb, Theorie in der Berufsschule. "Theorie" umfasst dabei weit mehr als branchenspezifische Unterrichtsinhalte und die Vermittlung berufsbezogener Kompetenzen. Als gleichberechtigte Partner im dualen System sind Berufsschulen eigenständige Bildungsorte. Als solche müssen sie sich im Spannungsfeld konkurrierender arbeitsmarkt- und bildungspolitischer Interessen immer wieder aufs Neue behaupten.

Heute gehören allgemeinbildende Lerninhalte selbstverständlich zum Berufsschulalltag – auch die politische Bildung. Studien der politischen Einstellungsforschung zeigen zugleich, dass Schülerinnen und Schüler an berufsbildenden Schulen in den vergangenen Jahren die Demokratie kritischer wahrgenommen haben als jene an Gymnasien. Sie erleben sich als weniger politisch wirksam und sind tendenziell offener für extremistische Positionen.

Auch wenn das duale Ausbildungssystem weithin als Erfolgsmodell gilt, steht es unter Druck: Viele Branchen suchen händeringend nach Fachkräften, während jeder zehnte junge Mensch zwischen 20 und 24 Jahren ohne Job, Bildungs- oder Ausbildungsplatz dasteht. Ein immenser Lehrkräftemangel führt zu Unterrichtsausfällen, und für eine gelingende Kooperation zwischen Betrieb und Berufsschule fehlen oft die Kapazitäten. Berufsschulen, die pädagogisch wie technologisch auf einem hohen Niveau arbeiten, können junge Menschen befähigen, mit Vertrauen in sich selbst und in die Gesellschaft ins Berufsleben zu starten. Das ist nicht nur für sie selbst wichtig, sondern bildet auch die Grundlage für einen innovativen Wirtschaftsstandort Deutschland.