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Editorial | Made in Germany | bpb.de

Made in Germany Editorial Made in Germany. Vom Wirtschaftswunder zur Wirtschaftswunde? - Essay Made in Germany: Eine Bestandsaufnahme Warnung, Werbung, Wunschdenken? Made in Germany und die deutsche Exportwirtschaft Made in GDR. Industrieentwicklung in der späten DDR Wer wird denn gleich in die Luft gehen?! Arbeit und Arbeitswut als Fixpunkte deutscher Nachkriegsidentität Donald Trump und der politische Angriff auf Made in Germany Deutschlands Schlüsselindustrien und der China-Schock

Editorial

Lorenz Abu Ayyash

/ 2 Minuten zu lesen

"Made in Germany" war ursprünglich eine Warnung: Die Aufschrift, die mit dem Merchandise Marks Act 1887 verpflichtend eingeführt wurde, sollte britische Verbraucherinnen und Verbraucher vor vermeintlich minderwertigen deutschen Erzeugnissen schützen. Die Strategie scheiterte – und zeitigte sogar eine gegenteilige Wirkung, nachdem Deutschland den Export bewusst zum vitalen Staatsinteresse erhoben hatte: ohne starke Industrie, so die Logik des Kaiserreichs, kein Großmachtstatus. Im 20. Jahrhundert wurde das Label schließlich zum Synonym für Ingenieurskunst, Haltbarkeit und Verlässlichkeit.

Seit 2022 wächst die deutsche Wirtschaft kaum noch – real liegt das Bruttoinlandsprodukt unter dem Niveau von 2019. Hunderttausende Arbeitsplätze sind verloren gegangen, vor allem in der exportabhängigen Industrie. Chinas technologischer Aufstieg, Russlands Überfall auf die Ukraine und Donald Trumps Zollpolitik sind große externe Herausforderungen – sie erklären jedoch nicht alles. Einige sehen die Ursachen für die Stagnation vor allem in den inländischen Rahmenbedingungen: hohe Energiekosten, eine überbordende Bürokratie und jahrelang aufgeschobene Investitionen in Infrastruktur. Andere fragen, ob die Industrie den Wandel schlicht verschlafen hat. Beide Deutungen legen nahe, dass sich Politik und Wirtschaft, geblendet vom Glanz der Vergangenheit, auf einem Erfolgsmodell ausgeruht und strukturelle Reformen vernachlässigt haben.

Auch wenn "Made in Germany" stets Ambivalenzen barg – so wurden etwa die Handelsüberschüsse, die Wohlstand sicherten, von Partnerländern als wirtschaftliche Zumutung empfunden –, definierte es doch den Kern dessen, wie sich Deutschland in der Welt positionierte: als Land, das weiß, wie man gute Dinge herstellt. Ob "Made in Germany" auch künftig ein solches Versprechen bleibt, hängt davon ab, wie erfolgreich Deutschland seine industriellen Stärken in eine neue Zeit übersetzt. Denn die Zukunft des Labels entscheidet sich nicht daran, ob Deutschland wieder wie früher wird, sondern daran, was es als Nächstes hervorbringt.