Großbritannien war am Ende des 19. Jahrhunderts die unangefochtene industrielle Führungsmacht der Welt. Selten in der Geschichte hat ein einzelnes Land die Weltwirtschaft und den Handel in ähnlicher Weise dominiert. Ein Fünftel der weltweiten Industrieproduktion stammte damals aus Großbritannien und 40 Prozent der globalen Gewerbeexporte. Fast die Hälfte des gesamten Auslandsbesitzes gehörte britischen Staatsbürgern und Unternehmen.
Und trotzdem fühlte sich die britische Weltmacht von dem aufstrebenden europäischen Nachbarn herausgefordert. Das bezog sich gar nicht so sehr auf die militärische Stärke Deutschlands. Der Rüstungswettlauf zwischen beiden Ländern und die diversen militärischen und politischen Provokationen und Konfrontationen standen noch bevor. Vielmehr sorgte sich die britische Oberschicht vor der ökonomischen Potenz des europäischen Rivalen. Während das Vereinigte Königreich nämlich im Luxus schwelgte und sich gerade in der Oberschicht eine gewisse Genügsamkeit eingestellt hatte – so so die zeitgenössische Selbstdeutung –, drängten deutsche Waren überall auf der Welt die britischen Produkte vom Markt. Selbst in Großbritannien war der Erfolg des deutschen Exports buchstäblich mit Händen greifbar:
„Schauen Sie sich in Ihrem Haushalt um“, hieß es 1896 in einer Artikelserie des Anwalts und Wirtschaftsjournalisten Ernest Edwin Williams, „und die schicksalhafte Bezeichnung ‚Made in Germany‘ wird Sie in jeder Ecke grüßen, vom Klavier im Salon bis zum Krug in Ihrem Küchenschrank. (…) Gehen Sie in den Keller und Sie werden dort Abwasserrohre aus Deutschland finden. Wenn Sie eine Büchersendung erhalten, dann stammt das Packpapier aus Deutschland und während Sie es in den Kamin stopfen stellen Sie fest, dass auch der Schürhaken in Ihrer Hand in Deutschland geschmiedet worden ist. Sollten Sie versehentlich ein Ornament vom Kaminsims schmeißen, wenn Sie sich danach vom Kaminvorleger erheben, werden Sie beim Aufheben der Einzelteile auf der Unterseite ‚Hergestellt in Deutschland‘ lesen. Und wenn Sie anschließend Ihre Beobachtungen niederschreiben wollen, stammt selbst der Bleistift aus Deutschland.“
Im Schatten des Mutterlandes der Industrialisierung hatte die deutsche Wirtschaft aufgeholt. Zwei Jahrzehnte zuvor noch galten deutsche Produkte in England als von besonders schlechter Qualität. Zusammen mit anderen Billigprodukten waren sie einer Kennzeichnungspflicht unterworfen worden, weil immer wieder Fälschungen hochwertiger englischer Produkte in Umlauf gerieten, von denen offenbar viele aus Deutschland stammten. Mit dem Merchandise Marks Act war die Kennzeichnungspflicht 1887 verschärft worden. Doch bis zur Jahrhundertwende stieg die Zahl der deutschen Importe weiter. Die Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ hatte sich stillschweigend in ein Qualitätssiegel verwandelt.
Ernest Edwin Williams fühlte sich in dieser Situation veranlasst, einen Weckruf an die englische Oberschicht zu verfassen. Denn seiner Meinung nach ging die Verbreitung der deutschen Waren in England nicht etwa auf deren vermeintliche Qualität zurück, sondern auf unfaire Handels- und Wettbewerbsbedingungen. Das Deutsche Reich, so Williams, fördere seinen Export mit großzügigen Subventionen und nutze geschickt seine diplomatische Vertretung, um die Produkte seiner Wirtschaft zu vermarkten. Großbritannien sollte hier ebenfalls aktiver werden. Auch die Vernachlässigung der technischen und ingenieurwissenschaftlichen Bildung im Vereinigten Königreich sah der Wirtschaftsjournalist als ein großes Versäumnis der britischen Politik im internationalen Wettbewerb. Das Deutsche Reich sei den Briten in dieser Hinsicht meilenweit voraus.
Diese Debatte erscheint uns heute allzu vertraut, beinah schon beängstigend vertraut. Sie ist ein Lehrstück über das Zusammenspiel von weltwirtschaftlichem Wettbewerb und Nationalstolz, das die deutsche Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte seitdem zutiefst prägt. In Deutschland entstand hieraus eine deutliche Betonung des Güterexports, die im Verlauf des 20. Jahrhunderts immer dominanter wurde und nach dem Zweiten Weltkrieg die gesamte Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik überformte. Die Erzählung über die besondere Qualität und Wettbewerbsfähigkeit der Güter „Made in Germany“, die den deutschen Politikern dabei zur Jahrhundertwende aus England in den Schoß gefallen war, diente in diesem Zusammenhang immer wieder dazu, den Anteil der deutschen Politik der Exportförderung herunterzuspielen und die Überlegenheit der eigenen Exporte gegenüber der Konkurrenz in den Vordergrund zu stellen.
Exportoffensive Leo Caprivis
Der wirtschaftliche Aufschwung des Deutschen Reiches ab den 1890er Jahren gründete natürlich nicht auf dem Export von billigen Konsumprodukten, auf Schürhaken, Packpapier und Nippes, der auf den Kaminsimsen der englischen Oberschicht herumstand. Es waren vor allem Industrieprodukte – Eisen- und Stahlprodukte, Maschinen und Chemieerzeugnisse – mit denen Deutschland erfolgreich war, und das tatsächlich insbesondere auf dem britischen Absatzmarkt. Deutsche Unternehmen exportierten Eisenbahnschienen, Stahlröhren und Draht, Dünger und Farbstoffe, Druckmaschinen, Lokomotiven und Elektromotoren, aber auch große Mengen an Garnen und Textilien. Wohl die Hälfte der deutschen Exporte entfiel auf diese industriellen Vorprodukte. Daneben verkauften deutsche Händler in beachtlichen Mengen und einer beachtlichen Sortimentstiefe auch die von Williams angesprochenen Konsumgüter, von Papier bis Porzellan und anderen Ausstattungsgegenständen, Leder und Musikinstrumenten. Für die englischen Konsumenten mögen diese Produkte sichtbarer gewesen sein, für den wirtschaftlichen Aufschwung waren sie aber von nachgeordneter Bedeutung.
Mit zunehmender Industrialisierung war das Deutsche Reich zu einem wichtigen europäischen Exporteur von Gewerbeerzeugnissen im weitesten Sinne herangewachsen. Im Handel mit den meisten europäischen Nachbarländern hatte sich ein Exportüberschuss eingestellt. Dass die Handelsbilanz des Kaiserreiches insgesamt dennoch negativ blieb, lag an dem riesigen Einfuhrbedarf nicht zuletzt an Nahrungsmitteln, Baumwolle und anderen Rohstoffen für die rasch wachsende Bevölkerung. Hatte Reichskanzler Otto von Bismarck noch versucht, diese Einfuhr mit Schutzzöllen zu verteuern und zu bekämpfen, lenkte sein Nachfolger Leo Graf von Caprivi ab 1890 die Aufmerksamkeit auf die Exportwirtschaft.
Seine Überlegungen fasste Caprivi in einer langen Reichstagsrede zusammen, mit der er 1891 versuchte, die mächtige Agrarlobby von dem Kurs des reinen Protektionismus abzubringen. Neben dem Schutz der deutschen Landwirtschaft vor billigen Weizenimporten aus Russland und den USA müsse zugleich dafür gesorgt werden, dass für die immer größer werdende Bevölkerung genügend Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Die Menschen würden sonst zwangsläufig auswandern. Solche Arbeitsplätze könne nur die Industriewirtschaft bieten. Da deren Produkte für die verarmte deutsche Bevölkerung jedoch zu teuer wären, müsse die Industriewirtschaft für das Ausland produzieren. „Wir müssen exportieren“, rief Caprivi im Reichstag aus, „entweder wir exportieren Waren, oder wir exportieren Menschen. Mit dieser steigenden Bevölkerung ohne eine gleichmäßig zunehmende Industrie sind wir nicht in der Lage, weiter zu leben.“
Die von Caprivi angesprochene Industrie war aber selbst hinsichtlich der Zollpolitik gespalten. Die Eisen- und Stahlindustrie des Ruhrgebiets und des Saarlands stand den exportorientierten Ambitionen der Elektroindustrie, des Maschinenbaus, der Chemieindustrie und des Gewerbes skeptisch gegenüber. Daher blieben die Schutzzölle für landwirtschaftliche Einfuhren und Rohstoffe hoch, und eine direkte Subvention des Exports war vor dem Ersten Weltkrieg nicht durchsetzbar. Die Förderung beschränkte sich auf die politische Unterstützung eines ausgeprägten Netzes von Handelsattachés im diplomatischen Dienst, die Präsenz auf den großen Weltausstellungen sowie den Aufbau eines Netzes von Außenhandelskammern, von denen die erste 1894 in Brüssel eingerichtet wurde.
Exportkredit und Subventionen
Nach dem Ersten Weltkrieg ging es der deutschen Wirtschaft sehr viel schlechter. Das lag nicht so sehr an den Gebietsverlusten und den Reparationszahlungen, auch wenn konservative Kreise nicht müde wurden, sämtliche wirtschaftlichen Probleme darauf zu schieben. Eine wesentlich größere Bürde war, dass deutsche Produkte auf Auslandsmärkten nur langsam wieder Fuß fassen konnten. Zum Teil war ihre Einfuhr vollständig untersagt, zum Teil wurden hohe Handelsschranken und Zölle verhängt. Zugleich war der Bedarf an Nahrungsmitteln und Rohstoffen nach dem Krieg gestiegen, sodass die deutsche Handelsbilanz noch stärker ins Defizit rutschte.
In dieser aufgrund der innenpolitischen Krisen ohnehin äußerst schwierigen Situation knüpfte die Wirtschaftspolitik fast unisono an die handelspolitische Strategie Caprivis an. Von den sozialdemokratischen Wirtschafts- und Außenministern bis hin zum konservativen Liberalismus und zum Zentrum fand sich eine große Koalition von Befürwortern der staatlichen Unterstützung des Exports. Die Exportindustrie war sich ihrer Bedeutung für den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach dem Ersten Weltkrieg schon früh bewusst. Die Exportwirtschaft sei ein „Schoßkind jeder Regierung“, schrieb der Chemiker Fritz Haber an Carl Duisberg, den Vorstandsvorsitzenden der Bayer AG. Philipp Scheidemann, der etwas später erster Reichskanzler der Weimarer Republik wurde, gab als Volksbeauftragter das Ziel aus, „den Export auf ein Höchstmaß zu steigern“.
Dabei rückte ein Instrument in den Blick, das schon im Krieg verschiedentlich diskutiert worden war: das Währungsdumping. Wenn der Wechselkurs der Mark gegenüber den jeweiligen Währungen der Absatzmärkte so verändert werden könnte, dass deutsche Waren im Ausland billiger würden, griffen die ausländischen Konsumenten irgendwann wieder zu deutschen Produkten. „Ich betrachte unsere schwer notleidende Währung als ein vortreffliches Mittel, den Hass, der gegenüber Deutschland im Ausland empfunden wird, zu vertreiben, und die Zurückhaltung unserer Feinde, mit uns Handel zu treiben, zu überwinden. Der Amerikaner, der nicht länger Güter im Gegenwert von 4,21 Mark für seinen Dollar von uns erhält, sondern im Wert von 6,20 Mark, wird seine Vorliebe für Deutschland wiederentdecken.“ Diese Worte schrieb Albert Ballin, der Vorstandsvorsitzende der Hapag, einer der größten Reedereien der Welt, im September 1917 an einen befreundeten Reeder.
Eine Hyperinflation in einem solchen Ausmaß, wie sie dann 1923 die Weimarer Republik heimsuchte, hatte Ballin natürlich nicht im Sinn, genauso wenig wie die Politiker des Landes. Es dürfte aber nicht zuletzt am Kalkül der währungspolitischen Exportförderung gelegen haben, dass sich viele Politiker und Unternehmer nicht nachhaltig und vor allem nicht rechtzeitig gegen den Währungsverfall gestemmt haben.
Mit der Währungsstabilisierung und dem Dawes-Plan von 1924 wurde diese Form der Exportförderung dauerhaft unterbunden. Zur Wiederherstellung der Kreditfähigkeit und zur Sicherung der Reparationszahlungen wurde das Deutsche Reich durch ein internationales Abkommen zum Goldstandard und damit zu einem unveränderlichen Wechselkurs gezwungen. Auf währungspolitischen Rückenwind konnte die deutsche Exportwirtschaft danach nicht mehr hoffen. Exportwirtschaft und Politik suchten daher nach anderen Förderinstrumenten und wurden im Bereich der Exportfinanzierung fündig – was im Übrigen in ganz ähnlicher Weise auch in England passierte.
Auf den Absatzmärkten der europäischen Nachbarstaaten, die die deutschen Unternehmen vor dem Krieg so erfolgreich bearbeitet hatten, waren nun US-amerikanische Großunternehmen als neue Konkurrenten aufgetaucht. Die deutschen Unternehmen sollten daher in die Lage versetzt werden, ihre Produkte auch auf den deutlich risikoreicheren Märkten in Südamerika und Osteuropa, insbesondere in der sozialistischen Sowjetunion, zu verkaufen. Die Leipziger Messe entwickelte sich zu einem Hotspot für Handelsbeziehungen mit Osteuropa.
Nach der Weltwirtschaftskrise zum Ende der 1920er Jahre war es mit solchen eher verdeckten Formen der Exportförderung aber erst einmal vorbei. Der vollständige Zusammenbruch des Welthandels nach 1929 hatte bei allen Staaten, die am Welthandel beteiligt waren, eine „Rette sich, wer kann“-Mentalität ausgelöst. Alles war erlaubt. Die USA schraubten den Schutzzoll bis auf einen Durchschnittssatz von 60 Prozent hoch. Großbritannien, bis dahin ein Verfechter des Freihandels, wertete das Pfund um 30 Prozent ab und vereinbarte innerhalb des Commonwealth einen Schutzzoll, der alle Staaten außerhalb des Commonwealth diskriminierte.
Auch das Deutsche Reich verabschiedete sich noch vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten von einer freien Weltwirtschaft: Das erste Kabinett unter Heinrich Brüning sah sich im Juli 1931 gezwungen, zur Devisenbewirtschaftung überzugehen. Die Reichsmark war danach nicht mehr frei in andere Währungen umtauschbar. Deutsche Exporteure mussten ihre Deviseneinnahmen an eine deutsche Devisenstelle abführen und erhielten hierfür einen Gegenwert in Reichsmark, wobei der Wechselkurs von Produkt zu Produkt und Land zu Land variieren konnte. Nur durch erhebliche Preisnachlässe waren die deutschen Waren überhaupt noch absetzbar. Ausländische Konkurrenten, selbst aus dem befreundeten Österreich, beschwerten sich vehement, dass deutsche Produkte beispielsweise in China zu einem Bruchteil des Preises verkauft wurden, den deutsche Abnehmer im Inland für das gleiche Produkt zu zahlen hatten.
Wirtschafts- und Exportwunder
Die Exportschlachten der 1930er Jahre waren die Referenzgröße, an der sich Unternehmer und Politiker nach dem Zweiten Weltkrieg orientierten. Die europäischen Märkte blieben weiterhin stark reguliert. Die meisten Länder verhängten nicht nur hohe Schutzzölle, sondern begrenzten die Einfuhrmengen bestimmter Güter. Die Währungen waren nicht konvertibel, und alle Länder und Unternehmen versuchten händeringend, in den Besitz von US-Dollar zu gelangen – der Währung aus dem einzigen Land, in dem nahezu alle Güter in beliebiger Menge und Qualität nach dem Krieg erhältlich waren. Die gewaltige „Dollarlücke“ war ein zentrales Problem der Weltwirtschaft in der Nachkriegszeit, weshalb der Außenhandel überall auf der Welt, und auch in Deutschland, hochgradig reguliert blieb.
Unter diesen Umständen war der Export ein äußerst mühseliges Geschäft, denn er war mit zahlreichen bürokratischen Anforderungen verbunden, der Kenntnis von Ein- und Ausfuhrregularien und der Beschaffung notwendiger Genehmigungen unterschiedlicher Stellen. Viele Unternehmen bevorzugten es, ihre Waren im Inland abzusetzen, sodass die Außenwirtschaftspolitik frühzeitig zu einer breit angelegten „Exportermunterung“ überging, wie es der Leiter der Außenwirtschaftsabteilung des Bundeswirtschaftsministeriums, Vollrath von Maltzan, nannte.
Diese Maßnahmen waren erfolgreich. In den folgenden Jahren wurden der Wiederaufbau und das gesamte „Wirtschaftswunder“ maßgeblich durch das Wachstum der Exportwirtschaft getragen.
Allerdings profitierte die Bundesrepublik auch wie kein anderes Land von dem Zollabbau und der Rücknahme von Einfuhrkontingenten in der westlichen Weltwirtschaft. Das lag zum einen daran, dass sie sich seit Jahrzehnten auf die Herstellung von Gütern spezialisiert hatte, die im europäischen Wiederaufbau reißenden Absatz fanden: Eisen- und Stahlprodukte (Schienen, Baustahl, Walzprodukte), Maschinen, Anlagen und Chemieprodukte (insbesondere Dünger). Zum anderen verfügte das Land durch die Zuwanderung von zwölf Millionen Flüchtlingen bis in die 1960er Jahre hinein über einen fast unschlagbaren Lohnkostenvorteil.
Ein nachgerade symbolisches Produkt dieses deutschen „Exportwunders“ war der VW Käfer, der im Ausland zeitweise sogar unter den Produktionskosten verkauft wurde, um wichtige Absatzmärkte zu erschließen. Die Konsumenten im Inland mussten hingegen nicht nur Abstriche bei Ausstattung und Preis machen, sondern hatten auch Lieferzeiten von sechs bis zwölf Monaten in Kauf zu nehmen. Insgesamt wurden mehr als 60 Prozent der in der Bundesrepublik in den 1960er Jahren gebauten Autos exportiert.
Schluss
Ob die besondere Qualität in Deutschland hergestellter Güter für die historische Exportstärke der Volkswirtschaft verantwortlich war, wie es die Interpretation von „Made in Germany“ als Qualitätssiegel nahelegt, ist wissenschaftlich nur schwer zu beantworten. Bei einigen Gütern gibt es diese überlegene Qualität gegenüber ausländischer Konkurrenz sicherlich, bei anderen Gütern, selbst solchen mit hohen Exportumsätzen, aber auch nicht. Letztlich lässt sich diese Frage immer nur im konkreten Einzelfall beantworten. Historisch wird die Antwort zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Aspekte berücksichtigen müssen. Umfragen unter den ausländischen Abnehmern deutscher Produkte brachten neben der Produktqualität auch die Zuverlässigkeit von Lieferbeziehungen, Reparatur- und Servicestrukturen, Planung und Logistik ins Spiel. Wissenschaftliche Studien nennen konkurrenzfähige Preise, aber eben auch die verschiedensten Formen der staatlichen Exportförderung als relevante Erklärungen.
Während der deutsche Exporterfolg im Grunde die gesamte deutsche Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg prägte, wurde das Qualitätssiegel „Made in Germany“ nur unregelmäßig zum Thema gemacht. Nach dem Krieg taugte es in vielen Ländern nur bedingt als Werbeslogan.
In den 1970er Jahren stand die deutsche Exportproduktion vor ganz besonderen Herausforderungen: Nach dem ersten Ölpreisschock und dem Verlust des Währungsschutzes schlug eine Hamburger Werbeagentur dem Bundeswirtschaftsministerium die Grundkonzeption einer internationalen Werbekampagne vor. Diese sollte das Qualitätssiegel „Made in Germany“ nutzen, um den Auslandsabsatz der deutschen Industrie insgesamt zu fördern.