In der DDR produzierte Waren im Export mit „Made in GDR“ zu kennzeichnen, wurde erst 1970 durch die Regierung verpflichtend gefordert. In der entsprechenden Verordnung hieß es: „Die für den Export bestimmten Waren haben zusätzlich die Bezeichnung ‚Hergestellt in der Deutschen Demokratischen Republik‘ oder ‚DDR‘ in der für den Export erforderlichen Handelssprache zu tragen.“
Gleichwohl wurde die Bezeichnung „Made in GDR“ für ostdeutsche Produkte bereits in den 1960er Jahren gelegentlich verwendet.
Ausdruck dessen war auch das von Erich Honecker im Oktober 1967 verkündete Diktum, „dass unsere Republik heute zu den zehn größten Industrieländern der Erde zählt“,
„Überholen ohne einzuholen“
Die Platzierung konnte damals als schlüssig angesehen werden. Schließlich präsentierte die DDR-Industrie Ende der 1960er Jahre international beachtete Neuerungen wie die flexiblen Maschinensysteme Rota FZ 200 und Prisma 2, die trotz ihrer Probleme durchaus Anlass für Selbstbewusstsein gaben.
In diesem Setting waren viele nachgeordnete Wirtschaftseinheiten verständlicherweise daran interessiert, dass auch ihre Produkte und Investitionen bevorzugt behandelt würden. Diesem Druck konnten sich die übergeordneten Instanzen nicht entziehen – noch dazu, da sie selbst auch davon profitierten. Zur gleichen Zeit versuchte Ulbricht, mit der Formel „Überholen ohne einzuholen“ alle Beteiligten zu „Höchstleistungen“ im Systemwettstreit anzufeuern. Dadurch wurden die angestrebten Entwicklungsziele immer radikaler. Dies resultierte aus dem Erfolgsdruck, unter dem die SED stand, denn nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 wollte sie der Sowjetspitze die Leistungsfähigkeit der DDR-Volkswirtschaft und das Funktionieren der DDR-Reformen vor Augen führen. Zudem schien es in den deutsch-deutschen Beziehungen Bewegung zu geben, weshalb man eine prosperierende Wirtschaft vorzuweisen haben wollte.
In der Folge nahmen die als wichtig erachteten Vorhaben immer weiter zu, was die volkswirtschaftlichen Möglichkeiten überforderte. Das beschränkte die Mittel für den „normalen“ Teil der Industrie, und die ausufernden zentralen Eingriffe widersprachen der Grundidee der Reform, was diese blockierte. Die in den Vorjahren in der Industrie erzielten hohen Zuwachsraten von Produktion und Produktivität gingen wieder leicht zurück. Andere Bereiche waren „planmäßig“ mit zu wenig Investitionen bedacht worden. Der besonders harte Winter 1969/70 tat sein Übriges, warf die Produktion zurück und störte den Verkehr sowie die Energieversorgung. Alles zusammen führte 1970/71 in eine Wirtschaftskrise.
Gleichwohl konnten mit dieser Politik nicht nur die bereits erwähnten Innovationen erzielt, sondern auch Wachstum und Produktivität in den gesamten 1960er Jahren gesteigert werden. Das war vor allem auf zunehmende Investitionen zurückzuführen, die zugleich einen höheren Ertrag erbrachten. Auch die Lebensverhältnisse der Bevölkerung hatten sich im Verlauf der 1960er Jahre grundlegend verbessert, wenngleich das Angebot an Konsumgütern dem Bedarf noch immer nicht gerecht wurde: Die Einkommen stiegen, die Ausstattung der Haushalte mit technischen Konsumgütern nahm rasch zu, und die Fünf-Tage-Woche wurde eingeführt. Dies und der mit der Wirtschaftsreform demonstrierte Veränderungswille der SED-Spitze waren wohl die Gründe dafür, dass die 1960er Jahre in der DDR eher positiv in Erinnerung geblieben sind.
Dabei stieg infolge der industriezentrierten Wirtschaftspolitik der SED der Anteil der Industrie am Gesamtprodukt in den 1960er Jahren weiter an, während er in der Bundesrepublik bereits rückläufig war. Innerhalb der Industrie gehörten die Investitionsgüterindustrien zu den dynamischen Branchen. Das ergab sich nicht zuletzt aus der Ideologie, der zufolge die Produktion von Produktionsmitteln stets schneller wachsen müsse als die von Konsumtionsmitteln. Daher blieben in der DDR die „Schornsteinindustrien“ strukturbestimmend, während man in den westlichen Ländern bereits begonnen hatte, sich von ihnen abzuwenden.
Die Honeckersche Wende
Ähnlich wie in anderen Ostblockländern entschloss sich die SED-Spitze nach den wenig erfolgreichen Reformen und den blutig niedergeschlagenen Arbeiterunruhen in Polen im Dezember 1970 zu einem Kurswechsel in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Unter dem neuen SED-Chef Erich Honecker verfolgte die SED nun anstelle des Modernisierungskurses eine Beschwichtigungspolitik, um ihre Macht zu sichern: Die Arbeiter sollten mit besserer Versorgung zu stabilen Preisen und einer ausgeweiteten Sozialpolitik befriedet und dadurch zu höheren Leistungen motiviert werden, ohne dass entsprechende wirtschaftliche Anreize gesetzt wurden.
Zugleich wurde die Wirtschaft wieder stärker zentral gelenkt und die direkte Planung der Produktion und Verteilung einzelner Güter intensiver genutzt als zuvor.
Die wirtschaftliche Lage konnte zwar im ersten Drittel der 1970er Jahre stabilisiert werden, aber schon dafür waren zusätzliche Importe erforderlich. Das nun in Gang gesetzte Programm der Konsum- und Sozialpolitik beanspruchte weitere umfangreiche Mittel und Einfuhren. Da DDR-Produkte auf den Weltmärkten jedoch nach wie vor ungenügend wettbewerbsfähig waren, konnten die Exporte nicht so gesteigert werden, dass ihre Erlöse diese Importe hätten finanzieren können. Vor der Diskrepanz zwischen den politischen Vorgaben und den ökonomischen Möglichkeiten warnten die Wirtschaftsverantwortlichen wiederholt, doch die SED-Spitze unter Honecker setzte sich darüber hinweg.
In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre wurde angesichts des – wenn auch nur beschränkt wirksamen – westlichen Technologieboykotts ein Programm zur forcierten Entwicklung der Mikroelektronik in Gang gesetzt. Es verschlang jedoch einen erheblichen Teil der Investitionsmittel, und die letztlich produzierten Speicherschaltkreise hinkten nicht nur zeitlich dem international erreichten Stand hinterher, sondern waren auch immens teuer gemessen an den Weltmarktpreisen.
In den 1970er Jahren änderten sich außerdem die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Auch die DDR war – wenn auch verzögert durch die Preisbildungsprinzipien des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) – von den auf den Weltmärkten explodierenden Rohstoffpreisen betroffen, wodurch sich die wirtschaftlichen Spielräume verengten. Da die steigenden Kosten für die Rohstoffe nicht an die Bürger weitergegeben werden sollten, trieb auch dies die Verschuldung weiter in die Höhe. Als Ende der 1970er Jahre die Zinsen weltweit stiegen und sich die Rohstoffpreise abermals vervielfachten, verschärfte sich dieses Problem. Zudem stand die Sowjetunion zunehmend wirtschaftlich und politisch unter Druck, sodass von ihr immer weniger ökonomische Unterstützung zu erwarten war. Als Polen zahlungsunfähig wurde, sich die West-Ost-Beziehungen wieder verschärften und der Westen de facto einen Kredit-Boykott gegen den Ostblock verhängte, holte die Realität auch die DDR ein: Sie fand sich in einer Verschuldungsfalle wieder. Mit einer solch dramatischen Entwicklung hatte man ein Jahrzehnt zuvor nicht gerechnet, obwohl es nicht an Warnungen vor den wirtschaftlichen Folgen der neuen Politik gefehlt hatte.
Strukturwandel
Zwar war der Anteil der Industrie am Gesamtprodukt in der DDR ab den 1970er Jahren relativ gesunken, doch stieg die absolute Beschäftigtenzahl bis Mitte der 1980er Jahre – eine Folge der bis 1988 zunehmenden Zahl der Erwerbstätigen. Bereinigt man die systemspezifischen Unterschiede bei der sektoralen Zuordnung von Berufen und Tätigkeiten zwischen der DDR und der Bundesrepublik, um beide vergleichbar zu machen, so zeigt sich: In Ostdeutschland hatte sich der Beschäftigtenanteil des Agrarsektors in den 1970er und 1980er Jahren nahezu halbiert, der der Industrie um fast 5 Prozentpunkte reduziert und der des Dienstleistungssektors um mehr als 10 Prozentpunkte auf 51,2 Prozent erhöht.
Innerhalb der Industrie gewannen in den letzten beiden Jahrzehnten der Existenz der DDR die Energiewirtschaft, die Elektrotechnik, der Kohlebergbau, die Eisen- und Stahlindustrie sowie der Maschinenbau am meisten an Bedeutung. Die Beschäftigung ging dagegen in den Branchen Textil/Leder, Bekleidung, Papier/Druckereien, Uhren/Spielwaren, Steine/Erden, Eisen-, Blech- und Metallwaren sowie Kunststoffverarbeitung relativ stark zurück. Damit wurden die Tendenzen aus den 1950er und 1960er Jahren in Ostdeutschland im Wesentlichen fortgeführt. Die Intensität des intrasektoralen Strukturwandels war in der DDR jedoch deutlich geringer als in der Bundesrepublik.
Zudem wies er andere Charakteristika auf: Der Rückgang der Beschäftigung in der Textil- und Bekleidungsindustrie war nur halb so groß wie in der Bundesrepublik. Der Fahrzeugbau gehörte nicht zu den Gewinnern. Dafür wuchsen die Branchen Eisen und Stahl weiter, während sie in der Bundesrepublik zurückgingen. Ähnlich divergierende Entwicklungen waren in der Kunststoffverarbeitung zu beobachten: Sie zählte im Westen zu den Strukturgewinnern, im Osten jedoch zu den Verlierern, obwohl sie zumindest zeitweise zu den Begünstigten der SED-Wirtschaftspolitik gehörte. Insgesamt unterschieden sich die Beschäftigungsstrukturen des produzierenden Gewerbes zwischen den beiden Teilen Deutschlands somit nicht unerheblich.
Alles in allem hatte sich zu dieser Zeit in der DDR nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch ein Strukturkonservatismus durchgesetzt. In einer Analyse der DDR-Strukturentwicklung, die damals nicht veröffentlicht wurde und aus dem Ökonomischen Forschungsinstitut der Staatlichen Plankommission stammte, wurde dies kurz vor dem Zusammenbruch der DDR auch empirisch nachgewiesen. Die Analyse bezeichnet diesen Zustand als „Langzeitmonotonie“ der Strukturentwicklung. Der Autor kritisierte die Investitionspolitik der letzten Jahrzehnte in der DDR, da diese den erforderlichen Strukturwandel nicht gefördert habe. Letzterer setze auch die „Rückentwicklung“ bestimmter Branchen voraus, was in der DDR bis dahin aber die absolute Ausnahme gewesen sei.
Damit rührte er zumindest indirekt an einer „heiligen Kuh“ der ostdeutschen Strukturpolitik: Die Vollbeschäftigung durfte nicht infrage gestellt werden. Bei „Rückentwicklungen“ einzelner Produktionen war jedoch zumindest temporär Arbeitslosigkeit zu befürchten. Dafür wollte und konnte die SED-Spitze die ihr dann direkt zuzurechnende Verantwortung keinesfalls übernehmen. Auch deshalb führte die ostdeutsche Strukturpolitik in eine Sackgasse.
Niedergang
Zu wenige Innovationen und eine unzureichende Ausnutzung der eingesetzten Ressourcen führten zu sinkenden Wachstumsraten. Unter diesen Bedingungen traten drei Ausgabenpositionen stärker als zuvor in Konkurrenz: die erforderlichen Investitionen, die Aufwendungen für den Lebensstandard der Bevölkerung im weitesten Sinne sowie der Schuldendienst für die im Westen aufgenommenen Kredite. Um die (scheinbare) politische Stabilität der DDR nicht zu gefährden, durfte der Lebensstandard nicht sinken. Der Schuldendienst musste auf jeden Fall bedient werden, da nur so die weitere Kreditfähigkeit des Landes gewährleistet werden konnte. Deshalb mussten letztlich die Investitionen zurückgefahren werden – auch um den Preis, dass damit das zukünftige Wachstumspotenzial (weiter) geschmälert wurde. Zwischen 1982 und 1986 lagen die Investitionen sogar absolut unter dem Niveau von 1981, und die geringeren Mittel wurden auf bestimmte Bereiche konzentriert, um dort einen größeren Effekt zu erzielen. Während die erhofften Ergebnisse dort ausblieben, konnten andere Bereiche nicht einmal den Ersatz abgeschriebener Anlagen gewährleisten. So erhöhte sich der Verschleißgrad von Gebäuden und Maschinen in der Industrie bis 1988 auf fast die Hälfte. Der Anteil der voll abgeschriebenen – also buchhalterisch bereits wertlosen –, aber trotzdem in Gebrauch befindlichen Maschinen und Anlagen an den gesamten Maschinen und Anlagen lag in der Industrie bei knapp einem Fünftel.
Neben der inneren Verschuldung des Staates beim Kreditsystem belief sich die politisch relevante Verschuldung gegenüber dem westlichen Ausland in konvertiblen Devisen – also ohne Verrechnungseinheiten oder -währungen – auf 8,2 Milliarden US-Dollar. Dies entsprach 175 Prozent der 1989 in westliche Industrieländer (ohne innerdeutschen Handel) getätigten Exporte und etwa einem Fünftel des im gleichen Jahr erwirtschafteten BIP.
Zusammenbruch
Wegen der beibehaltenen, unflexiblen Systemstruktur einerseits und früher getroffener Entscheidungen andererseits hatten sich die Handlungspfade in der SED-Wirtschaftspolitik immer weiter verengt. So erreichte die Produktivität je Erwerbstätigen in Ostdeutschland 1989 schließlich nur etwa ein Drittel (möglicherweise auch etwas mehr) der Produktivität in Westdeutschland.
Der Mauerfall beschleunigte den Niedergang der DDR-Ökonomie. Infolge der nun noch einmal zunehmenden Flucht in den Westen sank die Zahl der Arbeitskräfte, es wurde mehr und mehr gestreikt, und auch die Materialversorgung konnte immer öfter nicht mehr gewährleistet werden. Zudem verlor die Planung für die Kombinate und Betriebe rapide an Steuerungskraft. Aufgrund dieser Faktoren brach die Produktion ein. Die sich vergrößernden Produktionslücken verschlechterten die Versorgungslage weiter, was wiederum die Abwanderung verstärkte. Zugleich vervielfachten Pendlereinkommen, Sozialtransfers und Ähnliches den D-Mark-Zufluss. Dieser ließ wiederum, vermittelt über die steigenden Schwarzmarktkurse, den Geldumlauf und die Nachfrage in der DDR erheblich ansteigen. Beide Entwicklungen vergrößerten die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage. Schließlich wurde damit ebenfalls das Vertrauen in die DDR-Währung mehr und mehr untergraben.
Um die anhaltende Flucht in den Westen zu stoppen und die Situation zu stabilisieren, bot die Bundesregierung der DDR Anfang Februar 1990 eine Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion an. Nach den ersten freien Wahlen zur DDR-Volkskammer handelte eine nichtkommunistische Regierung zügig den Staatsvertrag mit der Bundesrepublik über diese Union aus. Dieser trat zum 1. Juli 1990 in Kraft. Damit wurde nicht nur die D-Mark eingeführt, sondern auch die westdeutsche Wirtschaftsordnung der sozialen Marktwirtschaft mit freier Preisbildung auf die DDR übertragen. Damit war das Ende der DDR-Volkswirtschaft besiegelt und wirtschaftlich der entscheidende Schritt zur deutschen Wiedervereinigung getan, die am 3. Oktober 1990 vollzogen wurde.
Erstaunlicherweise erfuhr das Signet „Made in GDR“ – gemessen an der Zahl seiner Nennungen in der SED-Zeitung „Neues Deutschland“ – seine größte Bedeutung in den Jahren 1989/90. Zunächst bis ins beginnende Jahr 1990 kann dies als Versuch der Selbstvergewisserung und Selbstbestätigung gesehen werden. Im Laufe des Jahres 1990 – spätestens mit der Währungsunion – wurde es aber mehr und mehr zum Makel.