Themen Mediathek Shop Lernen Veranstaltungen kurz&knapp Die bpb Meine Merkliste Geteilte Merkliste PDF oder EPUB erstellen Mehr Artikel im

Dokumentation: Ansprache des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an das russische Volk am Vorabend der großangelegten Invasion | Ukraine-Analysen | bpb.de

Ukraine Von der Ukraine lernen / Trendwende im Ukraine-Krieg? (09.06.2026) Analyse: Lehren aus dem Krieg über gesellschaftliche Resilienz, oder: Was Europa von der Ukraine lernen könnte Analyse: Drohnisierung ohne Militarisierung: Die Kriegswirtschaft der Ukraine und Lehren für Europa Dokumentation: Offener Brief von Präsident Selenskyj an Präsident Putin vom 4. Juni 2026 Kommentar: Der Stand des russischen Eroberungskriegs gegen die Ukraine. Trends und mögliche Trendwenden Statistik: Die militärische Lage in Zahlen Kommentar: Russlands Krieg gegen die Ukraine. Das Neue, das Alte und das Unveränderliche Dokumentation: Joint Statement of the Leaders of France, the United Kingdom, Germany and Ukraine Staatsfinanzen / EU-Ukraine: Aktuelle Herausforderungen (27.05.2026) Analyse: Die öffentlichen Finanzen der Ukraine in Kriegszeiten. Entwicklungen und Herausforderungen Kommentar: Kurzfristige Auswirkungen des CO₂-Grenzausgleichsmechanismus der EU für die Ukraine Kommentar: Kyjiws innenpolitische Krise ist die größte Hürde für eine schnelle EU-Integration der Ukraine Kommentar: Merz stößt die Erweiterungswende an – Europa darf nicht zögern Pressestimmen: EU-Sonderstatus für die Ukraine Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Demografie / Ukrainische Flüchtlinge in Deutschland und Europa (18.05.2026) Analyse: Demografie im Krieg: Flucht, Fertilität und Mortalität Lesetipp: Härtetest. Die Ukraine in Zeiten des Kriegs Analyse: Vier Jahre nach Kriegsbeginn. Wie entwickelt sich die Integration ukrainischer Geflüchteter in Deutschland? Statistik: Situation ukrainischer Geflüchteter in Deutschland Analyse: Zwischen Integration und Rückkehr. Ukrainische Geflüchtete in der EU Statistik: Ukrainische Geflüchtete in Europa Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik 40 Jahre Tschornobyl (24.04.2026) Analyse: Zwischen imperialer Katastrophe und nationaler Resilienz: die ukrainische Kernenergie 40 Jahre nach Tschornobyl Statistik: Atomkraftwerke in der Ukraine Umfragen: Einstellung der Bevölkerung zu Kernenergie Kommentar: Tschornobyl und der Krieg Kommentar: Russland nutzt das nukleare Katastrophenpotenzial von Tschernobyl aus Kommentar: Vierzig Jahre danach: Wie die ukrainische Zivilgesellschaft mit Tschornobyl umgeht Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Justizreformen Analyse: Ukrainische Justizreformen im Krieg. Fortschritte, Herausforderungen und warum dies für Europa von Bedeutung ist Umfragen: Einstellungen zur ukrainischen Justiz Dokumentation: Ausschnitt aus dem „Ukraine 2025 Report“ der Europäischen Kommission zu ‚Justiz und Grundrechte‘ Analyse: Justizreform durch Rekrutierung? Eine Einordnung der Auswahlverfahren für Richterinnen und Richter in der Ukraine Dokumentation: Transparency International: A Make-or-Break Moment for the HACC Competition Statistik: Die zweite Auswahlrunde (2023–2025) für HACC-Richterinnen und Richter Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Die OSZE und Friedenssicherung in der Ukraine / Dokumentation: Friedensverhandlungen (25.03.2026) Kommentar: Lehren aus der OSZE Special Monitoring Mission (SMM) für eine mögliche Friedenssicherung in der Ukraine Kommentar: Auf alle Eventualitäten (nicht) vorbereitet: Die OSZE und ein mögliches Ende des russischen Krieges gegen die Ukraine Analyse: Jenseits hochrangiger Diplomatie: Die OSZE und innergesellschaftlicher Dialog in der Ukraine Dokumentation: Friedensverhandlungen Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Spenden und Wohltätigkeit (09.03.2026) Analyse: Crowdfunding in Kriegszeiten: Eine Analyse der größten Spendenkampagnen der Ukraine Statistik: Spendenverhalten Analyse: Spenden- und Wohltätigkeitsaktivitäten ukrainischer Oligarchen im Krieg Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Kriegsgeschehen / Verhandlungen (24.02.2026) Analyse: Donbas im Fokus, Saporischschja im Blick: Die militärische Entwicklung des russisch-ukrainischen Krieges in 2025 und ein Ausblick auf 2026 Statistik: Besetztes Staatsgebiet der Ukraine (24.02.2022 – 22.02.2026) Kommentar: Wie sich der russisch-ukrainische Krieg 2026 entwickeln könnte Analyse: Russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur – Trends und Ausblick Statistik: Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur Kommentar: Verhandlungen Russland-Ukraine-USA: Theater für Trump? Kommentar: Europa im Dilemma: Ukraine-Gespräche zwischen den USA und Russland Kommentar: Das Pokerface des Kremls Kommentar: Wie können Sicherheitsgarantien für Kyjiw aussehen? Die Illusion einer „Rückversicherungstruppe“ in der Ukraine Dokumentation: Die wichtigsten Verhandlungsführer im Kurzportrait Chronologie: Hinweis auf die Online-Chronik 20 Jahre Ukraine-Analysen / Aktuelle Lage in Gesellschaft und Politik (10.02.2026) Editorial: Editorial: 20 Jahre Ukraine-Analysen Analyse: Die gesellschaftliche Stimmung in der Ukraine nach vier Jahren Vollinvasion Kommentar: Von der Machtvertikale zur Troika? Die ukrainische Innenpolitik im Umbruch Kommentar. Beziehungsstatus: kompliziert. Wie sich Washingtons „strategische Unklarheit“ auf die Beziehungen zur Ukraine auswirkt Kommentar: EU-Beitritt im Eilverfahren – Sonderweg auf der Suche nach Frieden? Dokumentation: Rede von Präsident Wolodymyr Selenskyj beim Weltwirtschaftsforum in Davos Chronik: Hinweis auf die Online-Chronik Journalistische / soziale Medien und Krieg (21.01.2026) Analyse. Zwischen Krieg und Prekarität: Die Lage von Medien, Journalistinnen und Journalisten in der Ukraine Dokumentation. Truth Hounds, Reporters Without Borders: The Russian Strikes on Ukrainian Hotels Silencing the Press Analyse. Vertrauen, Popularität und die Rolle von Telegram in Kriegszeiten Umfragen. Nutzung journalistischer und sozialer Medien in der Ukraine (2024/25) Chronik. Hinweis auf die Online-Chronik Weitere Angebote der bpb Redaktion

Dokumentation: Ansprache des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an das russische Volk am Vorabend der großangelegten Invasion Ukraine-Analysen Nr. 292

/ 5 Minuten zu lesen

Ansprache von Präsident Wolodymyr Selenskyj an die russische Bevölkerung am Vorabend der großangelegten russischen Invasion im Wortlaut.

Videobotschaft des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. (© picture-alliance, ZUMAPRESS.com | Ukraine Presidency)

Zusammenfassung

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 2022, wenige Stunden bevor Russland den Angriff auf die Ukraine begann, in einer Fernsehansprache an die Menschen in Russland gewandt. Nach einer kurzen Einführung auf Ukrainisch setzte er seine Rede auf Russisch fort.

Herausgeber der Länderanalysen

Die Ukraine-Analysen werden von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH gemeinsam herausgegeben. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb veröffentlicht die Analysen als Lizenzausgabe.

Ich habe heute versucht, mit dem Präsidenten Russlands zu telefonieren. Die Antwort war: Stille. Stille aber sollte im Donbass herrschen. Daher möchte ich mich heute an alle Bürger Russlands wenden. Nicht als Präsident. Ich wende mich an die Bürger Russlands als Bürger der Ukraine. Uns trennt eine mehr als 2000 Kilometer lange Grenze. Entlang dieser gesamten Grenze stehen heute Ihre Truppen – fast 200 000 Soldaten, Tausende Kampffahrzeuge. Die Führung Ihres Landes hat verfügt, dass sie vorrücken, auf das Staatsgebiet eines anderen Landes. Dies kann der Beginn eines großen Krieges auf dem europäischen Kontinent sein.

Die gesamte Welt spricht heute von dieser Gefahr. Jeden Augenblick kann es einen Anlass geben. Die kleinste Provokation, der kleinste Funke – und alles kann in Flammen stehen.

Ihnen wird erzählt, dass dieses Feuer die Befreiung des ukrainischen Volks bringt. Doch das ukrainische Volk ist längst frei. Es erinnert sich an seine Vergangenheit und baut mit eigenen Händen seine Zukunft. Es baut auf, statt zu zerstören, wie man Ihnen Tag für Tag im Fernsehen sagt. Die Ukraine, die Sie jeden Tag in Ihren Nachrichten sehen, und die reale Ukraine – das sind zwei vollkommen verschiedene Länder. Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass unsere Ukraine real ist.

Ihnen sagt man, wir seien Nazis. Wie kann ein Volk den Nazismus unterstützen, das für den Kampf gegen den Nazismus acht Millionen Menschen geopfert hat? Wie könnte ich ein Nazi sein? Erzählen Sie das einmal meinem Großvater, der den gesamten Krieg in der sowjetischen Armee gekämpft hat und am Ende seines Lebens Oberst in der unabhängigen Ukraine war. Ihnen sagt man, wir hassen die russische Kultur. Wie kann man eine Kultur hassen? Egal welche Kultur? Nachbarn bereichern einander durch Kultur. Doch dadurch werden sie noch nicht zu einem einheitlichen Ganzen. Wir lösen uns nicht in Ihnen auf. Wir sind verschieden. Aber das ist kein Grund, Feinde zu sein. Wir wollen unseren historischen Weg selbst bestimmen, unser Leben leben, in Frieden, in Ruhe, in Würde.

Ihnen wurde gesagt, dass ich den Befehl zum Angriff auf den Donbass geben werde, ihn zu beschießen und zu bombardieren, ohne jede Frage. Aber es gibt da Fragen. Sie sind ganz einfach. Auf wen soll geschossen werden? Was bombardieren? Donezk, eine Stadt, in der ich Dutzende Male war? Ich habe die Gesichter der Menschen gesehen, ihre Augen. Artjomowsk, wo ich mit Freunden unterwegs war? Das Donbass-Stadion, wo ich während der EM mit den Menschen von dort für unsere ukrainischen Jungs gefiebert habe? Den Scherbakow-Park, wo wir zusammen getrunken haben, nachdem unsere Jungs verloren hatten? Lugansk? Das Haus, in dem die Mutter meines besten Freundes wohnt? Den Ort, wo der Vater meines besten Freundes beerdigt ist? Ist es Ihnen aufgefallen, ich spreche auf Russisch und niemand in Russland versteht, was das für Städte, Straßen, Namen und Ereignisse sind. All das ist Ihnen fremd, unbekannt. Es ist unser Land. Unsere Geschichte. Wofür werden Sie kämpfen, und gegen wen?

Viele von Ihnen waren schon in der Ukraine. Viele von Ihnen haben Familie in der Ukraine. Manche haben an ukrainischen Hochschulen studiert, hatten ukrainische Freunde. Sie kennen unser Art, Sie kennen die Menschen bei uns, Sie kennen unsere Prinzipien. Sie wissen, woran uns liegt. Hören Sie in sich hinein, hören Sie auf die Stimme der Vernunft, auf den gesunden Menschenverstand.

Hören Sie uns. Das Volk der Ukraine will Frieden. Die Staatsführung der Ukraine will Frieden. Sie will ihn und sie hält ihn. Sie tut alles dafür, alles was sie kann. Wir sind nicht alleine. Es stimmt: Viele Länder unterstützen die Ukraine. Warum? Weil es nicht um Frieden um jeden Preis geht. Es geht um Frieden und um Prinzipien, um Gerechtigkeit. Um Völkerrecht und um das Recht auf Selbstbestimmung. Das Recht, seine Zukunft selbst zu gestalten. Das Recht jeder Gesellschaft auf Sicherheit. Das Recht jedes Menschen auf ein Leben ohne Drohungen. All das ist wichtig für uns. All das ist wichtig für die gesamte Welt. Ich weiß, dass es auch für Sie wichtig ist.

Wir wissen genau: Wir wollen keinen Krieg. Keinen kalten, keinen heißen und keinen hybriden. Doch wenn wir von einer Armee angegriffen werden, wenn man versucht, unser Land zu rauben, unsere Freiheit, unser Leben, das Leben unserer Kinder, dann werden wir uns verteidigen. Nicht angreifen, verteidigen. Wenn Sie angreifen, werden Sie unsere Gesichter sehen. Nicht unseren Rücken, unsere Gesichter.

Der Krieg ist ein furchtbares Übel. Und dieses Übel hat einen hohen Preis, in jeder Hinsicht. Menschen verlieren Geld, ihren Ruf, ihr tägliches Auskommen, ihre Freiheit. Aber das Wichtigste ist: Sie verlieren ihre Nächsten. Sie verlieren sich selbst. Im Krieg fehlt es immer an allem. Im Überfluss gibt es nur dies: Schmerz, Schmutz, Blut und Tod. tausendfachen, zehntausendfachen Tod.

Ihnen sagt man, die Ukraine könne zur Bedrohung für Russland werden. Das war noch nie in der Geschichte der Fall und es ist heute nicht so. Es wird auch in Zukunft nicht so sein. Sie fordern Sicherheitsgarantien von der NATO. Aber auch wir fordern eine Garantie für unsere Sicherheit. Die Sicherheit der Ukraine. Von Ihnen, von Russland und von den anderen Garantiestaaten des Budapester Memorandums.

Wir sind heute Mitglied keines einzigen Verteidigungsbündnisses. Die Sicherheit der Ukraine ist mit der Sicherheit unserer Nachbarn verknüpft. Daher geht es heute um die Sicherheit des gesamten Kontinents Europa. Aber unser wichtigstes Ziel ist der Frieden in der Ukraine und die Sicherheit unserer Bürger, der Ukrainer. Dafür sind wir bereit, mit allen zu sprechen, auch mit Ihnen, in verschiedenen Formaten, an jedem Ort. Ein Krieg macht alle Garantien zunichte, im Krieg hat niemand mehr eine Sicherheitsgarantie. Und wer darunter am meisten leidet, das sind die Menschen. Es sind die Menschen, die das am allerwenigsten wollen. Und es sind die Menschen, die es verhindern können. Gibt es unter Ihnen solche Menschen? Ich bin fest davon überzeugt.

Menschen, die öffentliche Ämter innehaben, Journalisten, Musiker, Schauspieler, Sportler, Wissenschaftler, Ärzte, Blogger, Stand-Up-Comedians, TikToker und viele andere. Normale Menschen, ganz normale einfache Menschen, Männer, Frauen, Alte, Kinder, Väter und vor allem Mütter. Ebenso wie die Menschen in der Ukraine, wie die Staatsführung der Ukraine, ganz gleich, wie sehr man Ihnen das Gegenteil einredet.

Ich weiß, dass meine Ansprache im russländischen Fernsehen nicht gezeigt werden wird. Aber die Bürger Russlands sollten sie sehen. Sie sollten die Wahrheit kennen. Die Wahrheit ist, dass es jetzt gilt innezuhalten. Noch ist es nicht zu spät. Wenn die Führung Russlands nicht bereit ist, sich um des Friedens willen mit uns an einen Tisch zu setzen, vielleicht setzt sie sich mit Ihnen an einen Tisch. "Meinst du, die Russen wollen Krieg?" [Es handelt sich um ein bekanntes Zitat des russischen Dichters Jewgenij Jewtuschenko. Anm. d. Redaktion Osteuropa] Ich wünschte mir sehr, ich könnte diese Frage beantworten. Aber die Antwort hängt allein von Ihnen ab, von den Bürgern der Russländischen Föderation.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit (ukrainisch).

Aus dem Russischen von Volker Weichsel. Wir danken der Zeitschrift Osteuropa für die Erlaubnis zum Nachdruck.

Quelle: Osteuropa, Externer Link: https://zeitschrift-osteuropa.de/blog/rede-von-volodymyr-zelenskyj/.

Fussnoten

Weitere Inhalte