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Analyse: Donbas im Fokus, Saporischschja im Blick: Die militärische Entwicklung des russisch-ukrainischen Krieges in 2025 und ein Ausblick auf 2026 | bpb.de

Analyse: Donbas im Fokus, Saporischschja im Blick: Die militärische Entwicklung des russisch-ukrainischen Krieges in 2025 und ein Ausblick auf 2026 Ukraine-Analyse Nr. 327

Clément Molin

/ 9 Minuten zu lesen

Militärisch war der russisch-ukrainische Krieg 2025 geprägt vom zunehmend tödlichen Drohneneinsatz und lokalen russischen Geländegewinnen, während die Ukraine ihre Defensive befestigte.

Ein ukrainischer Soldat bei der Vorbereitung für einen Drohneneinsatz in der Region Charkiw im Februar 2026. (© picture alliance / Viacheslav Madiievskyi)

Zusammenfassung

Da die diplomatischen Verhandlungsversuche 2025 erfolglos blieben, setzten Russland und die Ukraine die Kämpfe das gesamte Jahr über fort. Die Kriegsführung veränderte sich jedoch deutlich: Der Krieg entwickelte sich zu einer extrem drohnenlastigen, hochgradig tödlichen Gefechtsführung mit großen Grauzonen und instabilen Frontlinien, während gepanzerte Fahrzeuge an Bedeutung verloren. Russland konnte – unter hohen Verlusten – insbesondere in den Oblasten Donezk und Saporischschja weiter vorrücken und mehrere ukrainische Ortschaften erobern, ohne jedoch strategisch entscheidende Durchbrüche zu erzielen. Für 2026 ist zu erwarten, dass Russland seine Offensiven im Donbas und in Richtung Saporischschja fortsetzt, während die Ukraine angesichts des Personalmangels vor allem auf defensive Hindernislinien, Drohnen und begrenzte Gegenangriffe setzen dürfte.

Herausgeber der Länderanalysen

Die Ukraine-Analysen werden von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung und dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) gGmbH gemeinsam herausgegeben. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb veröffentlicht die Analysen als Lizenzausgabe.

Pokrowsk-Kostjantyniwka: das zentrale Kriegsgeschehen im Jahr 2025

Nach der Einnahme von Bachmut im Jahr 2023 verstärkte Russland seinen Vormarsch im Jahr 2024 an der Peripherie der Stadt Donezk, darunter Awdijiwka, Wuhledar, Krasnohoriwka, Kurachowe und Selydowe. Nach der Offensive auf Awdijiwka (Oktober 2023 bis Januar 2024), dem Durchbruch bei Otscheretyne im April und dem sukzessiven Fall von Nowohorodiwka (August), Selydowe (Oktober) und Kurachowe (Dezember) gewann Russland die langwierige Schlacht um die Stadt Donezk. Das Hauptziel Russlands für 2025 bestand darin, die 2024 erzielten Gewinne zu konsolidieren. Dies ebnete den Weg für die geplante Offensive auf Pokrowsk-Kostjantyniwka in den Jahren 2025–2026, auf die möglicherweise 2026–2027 weitere Kämpfe um Slowjansk-Kramatorsk folgen sollen.

So verbrachte Russland das Jahr 2025 hauptsächlich mit Kämpfen im südlichen Teil des nicht besetzten Gebiets Donezk, räumte kleine Städte und Hochburgen rund um die Städte Pokrowsk und Myrnohrad und erreichte schließlich die Außenbezirke von Kostjantyniwka im zentralen Teil des verbleibenden Gebiets Donezk. Am 31. Dezember 2025 besetzte Russland laut dem französischen Kartografen Poulet Volant 78,3 % der Oblast Donezk (ein Jahr zuvor waren es 67,7 %, 2023 waren es 57,16 % und 2022 noch 56,21 %).

Es dauerte mehr als ein Jahr, bis Russland nach seiner Ankunft an den östlichen Zufahrtswegen zu Pokrowsk (Nowohrodiwka, September 2024) den größten Teil der Stadt einnehmen konnte. Nachdem es Anfang 2025 nicht gelungen war, Pokrowsk einzukreisen, und Russland mit ukrainischen Gegenangriffen konfrontiert war, verlagerte es seine Truppen in das Gebiet um Otscheretyne und durchbrach die ukrainischen Linien entlang der wichtigen Autobahn Pokrowsk-Kostjantyniwka. Im Mai rückten die russischen Streitkräfte dann innerhalb einer Woche 9 km vor und unterbrachen die Straße zwischen Pokrowsk und Kostjantyniwka. Bis Juli hatten sie den Fluss Kasennyj Torez überquert und Rodynske erreicht. Der wichtigste Durchbruch gelang Ende Juli bis Anfang August, als kleine russische Einheiten 15 bis 18 km hinter die ukrainischen Linien vorstießen und die Straße zwischen Dobropillja und Kramatorsk erreichten. Überdehnt, wurden sie schließlich zwischen August und November während einer gut organisierten ukrainischen Reaktion allmählich zurückgedrängt und eingekesselt.

Gleichzeitig setzte Russland zunehmend auf Infiltrationstaktiken: Ab Juli und erneut ab Oktober drangen Hunderte von Soldaten in kleinen Gruppen nach Pokrowsk ein, versteckten sich in verlassenen Gebäuden und legten Hinterhalte. Da es den ukrainischen Streitkräfte an ausreichender Infanterie mangelte, hatten sie Mühe, die Stadt zu sichern. Im Spätherbst kontrollierten russische Truppen den größten Teil des südlichen Pokrowsk, während Myrnohrad einem ähnlichen Muster folgte, zwar ohne Einkesselung, aber mit einem langsamen Rückzug der ukrainischen Streitkräfte. Ende 2025 befand sich der größte Teil von Pokrowsk unter russischer Kontrolle, und bloß im Norden der Stadt waren noch ukrainische Soldat:innen präsent.

Als Russland zwischen Kostjantyniwka und Pokrowsk vorrückte, dachten viele, dass es versuchen würde, Druschkiwka hinter Kostjantyniwka zu erreichen. Dies geschah jedoch nicht, vor allem weil Russland die Achse Dobropillja bevorzugte und nach Westen vorrückte. Dies verzögerte die Schlacht um Kostjantyniwka erheblich, die erst im Oktober begann, als die ersten russischen Soldaten aus südöstlicher Richtung die Außenbezirke der Stadt erreichten. Die Schlacht wurde auch durch den starken Widerstand der ukrainischen Streitkräfte in Torezk verzögert, die bis Juli – ein Jahr nach den ersten Angriffen auf diese Stadt und auf Tschassiw Jar an der nördlichen Peripherie – blieben. Im Dezember 2025, zwei Jahre nach Beginn der Schlacht, leistete die ukrainische Armee noch immer Widerstand.

Die Schlacht um Pokrowsk-Kostjantyniwka wurde das gesamte Jahr 2025 über mit einer deutlichen Überlegenheit Russlands geführt. Mit einer hohen Konzentration an Soldaten, massivem Artillerieeinsatz, Drohnenangriffen und zahlreichen täglichen Angriffen in diesem Gebiet wurden die ukrainischen Streitkräfte langsam zermürbt. So konzentrierte Russland beispielsweise zu Beginn seiner Offensive zwischen vier und fünf Armeekorps (ein Armeekorps hat typischerweise zwischen 15.000 – 60.000 Soldaten, Anm. d. Red.) in Pokrowsk-Kostjantyniwka. 7.000 Luftangriffe bzw. 28 % aller russischen Luftangriffe – z. B. mit Lenkbomben wie der FAB 500, die aus einer sicheren Entfernung von 40 bis 70 km von der Frontlinie abgefeuert wird – zwischen Mai und Oktober erfolgten auf die Achse Pokrowsk – Kostjantyniwka.

Russische Geländegewinne in der Region Saporischschja

Hauptziel dieser russischen Offensive ist es, in 2026 die Großstadt Saporischschja zu erreichen, die aktuell noch ca. 75 km von der Frontlinie im Osten entfernt liegt. Diese russische Offensive fällt zusammen mit der Wiederaufnahme der russischen Angriffe südlich von Saporischschja entlang des Dnipro. Dadurch konnte Russland im Sommer Kamjanske einnehmen und Stepnohirsk (15 km südlich von Saporischschja) erreichen. Das stellt eine Gefahr für die südlichen Vororte der Industriemetropole mit einst 800.000 Einwohner:innen dar, da diese nun mit Drohnen-, Artillerie- und Lenkwaffen angegriffen werden können.

Kriegsgeschehen in anderen Frontregionen

Moskau setzte zudem seine grenzüberschreitenden Operationen fort, schuf eine kleine Pufferzone in der Region Sumy und eroberte nach anderthalb Jahren zermürbender Kämpfe den größten Teil der Stadt Wowtschansk im Gebiet Charkiw. Russische Truppen drangen auch in Kupjansk, um Lyman und Siwersk vor und eroberten langsam die in der ukrainischen Gegenoffensive von 2022 befreiten Gebiete zurück, darunter den berühmten zerstörten Serebrjansker-Wald, in dem sich Hunderte von Schützengräben befanden. Ab September verschlechterte sich die Lage an der Front entlang des Oskil-Flusses erheblich. Russischen Infiltrationstrupps gelang es, den größten Teil von Kupjansk einzunehmen und bis zum umzingelten Lyman vorzustoßen. In Kupjansk jedoch überdehnten sich die russischen Truppen, die den Oskil mit kleinen Booten oder in Pipelines nördlich der Stadt in Dwortschina überquerten. Und durch eine ukrainische Gegenoffensive, die im Oktober begann, konnten die ukrainischen Streitkräfte den größten Teil der Stadt im Dezember wieder befreien. Für Russland war die Schlacht um Kupjansk mit hohen Kosten verbunden – allerdings ist die russische Armee nun wieder auf dem Stand von vor einem Jahr, abgesehen von einem kleinen Gebiet, das sie an den Ufern des Oskil kontrolliert. Im Dezember eroberten russische Truppen nach fast vierjährigen Kämpfen schließlich die Festungsstadt Siwersk und ebneten damit den Weg nach Slowjansk und Kramatorsk.

Mehr Drohnen, weniger gepanzerte Fahrzeuge: die neue Kriegsstrategie

Der Krieg hat sich im letzten Jahr stark verändert. In meiner letzten Analyse vor einem Jahr (Interner Link: Ukraine-Analysen 311) sah die Situation folgendermaßen aus: "Die Frontlinie ist gut ausgebaut, die Grauzone ist klein, das Gelände ist vermint, die meisten Städte entlang der Frontlinie sind zerstört, es gibt überall Schützengräben und solide ausgebaute Stellungen auf beiden Seiten Während sich bereits in den vergangenen Jahren eine neue Art der Kriegsführung entwickelt hat, wurde die Front im Jahr 2025 noch einmal gefährlicher. Drohnen sind nicht mehr nur Waffen, mit denen hochwertige Ziele angegriffen werden. Das Hauptziel ist nun die Infanterie: Drohnenangriffe sind für etwa 80 % der getöteten und verwundeten russischen Soldaten verantwortlich. Die russische Armee wiederum setzte im Januar 2025 etwa 69.000 FPV-Drohnen ein – im September waren es bereits etwa 175.000, was einem Anstieg um das Zweieinhalbfache entspricht. Der weit verbreitete Einsatz von Drohnen in allen Bereichen der Kriegsführung macht die Front noch tödlicher. FPV-Drohnen, die über Glasfaserkabel verbunden sind (wodurch sie nicht mittels elektronischer Störsignale eliminiert werden können) werden von beiden Seiten massiv eingesetzt, die Ukraine setzt zudem vermehrt auf Bodendrohnen (vgl. Interner Link: Ukraine-Analysen 321).

Aber auch die Artillerie wird von beiden Armeen weiterhin in großem Umfang eingesetzt; die russische Armee führte zwischen Januar und November 1.753.000 Artilleriebeschüsse durch. Der Mangel an gepanzerten Fahrzeugen und das Risiko, sie (durch Drohnenangriffe) zu einem leichten Ziel an der Front werden zu lassen, veranlassten die russischen Streitkräfte, ihren Einsatz (abgesehen von gelegentlichen Ausnahmen) weitgehend aufzugeben. Russische Offensiven werden stattdessen mit ungepanzerten Fahrzeugen, Motorrädern oder mitunter sogar zu Pferd geführt, um ein schnelles und bewegliches Vordringen hinter die ukrainischen Linien zu ermöglichen.

Vor einem Jahr schrieb ich noch: "Generell basiert die ukrainische Strategie auf der Verteidigung von Städten und der Vorbereitung von Verteidigungslinien. Und genau hier gelingt es der russischen Armee besser, Schlachten zu gewinnen: Indem sie zunächst die Städte umgeht, isoliert sie die ukrainische Logistik und dringt dann mit kleinen Gruppen von Infanteristen vor. Diese Strategie hat sich im Jahr 2024 bewährt ."

Das hat sich im vergangenen Jahr gewandelt und trifft nicht mehr zu: Die ukrainischen Streitkräfte hatten Schwierigkeiten, Städte und städtische Gebiete bei direkten Angriffen zu verteidigen, konnten jedoch ländliche Gebiete vor oder um Städte herum erfolgreich verteidigen. Die Ukraine sieht sich mit einem weit verbreiteten Mangel an Truppen konfrontiert (vgl. dazu Interner Link: Ukraine-Analysen 324 zur Mobilisierung), wobei die Verluste und Desertionen manchmal die neuen Kräfte übersteigen. Dies erschwert die Verteidigung. Da es ihr an ausreichenden personellen Ressourcen mangelt, kann die ukrainische Armee nur schwer eine durchgehende und solide Verteidigungslinie aufrechterhalten. Eine unmittelbare Folge ist eine massive Grauzone; die Kartierung der Frontlinien wird immer schwieriger.

Die Umstrukturierung der ukrainischen Truppen mit der Schaffung neuer Korps hat zwar dazu beigetragen, die mangelnde Koordination zwischen den Einheiten zu verbessern, aber das Problem der personellen Ressourcen bleibt kritisch. Die ukrainischen Streitkräfte setzen daher verstärkt Drohnen für alle Missionen ein und erhöhen die Anzahl der Verteidigungslinien, um russischen Angriffen entgegenzuwirken. Ein Beispiel dafür ist die "Neue Donbas-Linie", eine neue Strategie beim Aufbau von Verteidigungslinien (vgl. Externer Link: Karte bei United 24), die auf einer Reihe von Hindernissen basiert: Sie besteht aus drei Linien von Panzergräben, Drachenzähnen und zahlreichen Reihen von Stacheldraht sowie dahinter kleinen Stellungen (oft versteckt in Baumreihen), die das Überqueren solcher Strukturen erschweren sollen. Das Ziel dieser neuen Linien ist es nicht, effektive Kampfstellungen zu graben, sondern Hindernisse zu errichten, die sowohl Infanterie als auch ungepanzerte und gepanzerte Fahrzeuge daran hindern sollen, hinter die ukrainischen Stellungen zu gelangen. Diese neuen Linien werden außerdem durch einzelne Stacheldrahtzäune und Gräben verstärkt. Zuletzt gab es immer wieder Fälle mit Dutzenden toten russischen Soldaten in der Nähe solcher Gräben oder Stacheldrahtlinien. Man kann sich vorstellen, wie schwierig es ist, ein 100 Meter breites Verteidigungssystem mit 21 Reihen Stacheldraht in 7 verschiedenen Linien und mit mehreren Panzerabwehrgräben zu überwinden.

Luft- und Seekampagne

Auf See hat sich die russische Marine praktisch vollständig in russische Häfen zurückgezogen und dort verbarrikadiert. Ukrainische Seedrohnen greifen immer wieder erfolgreich Häfen vor allem auf der besetzten Krym an, indem sie FPV-Drohnen auf ihren Decks transportieren, die Dutzende von hochwertigen Systemen (Luftabwehr, Radarsysteme etc.) zerstören.

Russische Verluste in Zahlen

Das Tempo des russischen Vormarsches hat sich in 2025 leicht erhöht, von 3.500 Quadratkilometern, die 2024 erobert wurden, auf ca. 4.500 neu eroberte Quadratkilometer in 2025. Laut DeepState stieg der Anteil des von Russland kontrollierten ukrainischen Territoriums von 18,52 % (zum 31.12.2024) auf 19,24 % (am 31.12.2025).

Das Vordringen der russischen Seite geht allerdings einher mit hohen Verlusten, die im Jahresverlauf 2025 deutlich gestiegen sind. Laut den Zahlen von Externer Link: BBC und Mediazona, die Todesanzeigen in russischen Medien auswerten, lagen die Verluste zu Beginn des Jahres noch bei 4.000–5.000 getöteten russischen Soldaten pro Monat, zum Jahresende lag die Zahl bei 12.000. Ursächlich für den Anstieg ist vor allem die erwähnte Zunahme beim Einsatz von FPV-Drohnen, die praktisch sämtliche Bewegungen erfassen und genauer sind als z. B. Artilleriefeuer.

Die materiellen Verluste auf russischer Seite gingen zurück; 2025 war für Russland das Jahr mit den geringsten Verlusten an militärischer Ausrüstung. Verlor Russland im Jahr 2024 laut WarSpotting noch 1.061 Panzer und 2.934 Infanteriefahrzeuge (IFV), waren es im vergangenen Jahr 524 Panzer und 1.329 IFV. Dies lag vor allem, daran, weil im Laufe des Jahres deutlich weniger gepanzerte Fahrzeuge und Panzer eingesetzt wurden. Damit glichen sich die materiellen Verluste Russlands mit denen der Ukraine an. Was die Verluste an ungepanzerten Fahrzeugen insbesondere auf russischer Seite angeht (Autos, Busse, Motorräder), sind diese jedoch deutlich gestiegen.

Ausblick auf 2026

Die Rekrutierung neuer Soldaten in Russland hat wahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht, und der Soldatennachschub dürfte nicht unbegrenzt sein. Dies gilt aber auch für die Ukraine, wo sich der Mangel an Infanteristen wahrscheinlich verschärfen wird. Der Krieg könnte das ganze Jahr über andauern, da Russlands Ziele unverändert bleiben dürften.

Russland wird versuchen, zunächst Kostjantyniwka, Lyman und dann Druschkiwka einzunehmen, bevor es Slowjansk und Kramatorsk angreift. Die russische Armee wird wahrscheinlich versuchen, westlich beider Städte vorzustoßen und Dobropillja einzunehmen. An der Südfront ist zu erwarten, dass der Vorstoß in Richtung Saporischschja fortgesetzt wird. Dies wird zur größten Gefahr für die Ukraine, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass die südlichen Vororte der Stadt erreicht werden. Russische Offensiven an anderen Orten, wie beispielsweise in Kupjansk oder in Richtung Isjum, können nicht ausgeschlossen werden, aber das Hauptziel bleiben der Donbas und Saporischschja.

Kann die Ukraine Offensiven starten? Wahrscheinlich ja, aber nur in begrenztem Umfang. Die derzeitige Frontlinie ist stark befestigt, vermint und wird komplett mit Drohnen überwacht. Offensiven wie in Charkiw und Cherson im Jahr 2022, Saporischschja im Jahr 2023 oder Kursk im Jahr 2024 wären selbstmörderisch. Die ukrainischen Streitkräfte verfügen nicht über die personellen Ressourcen für solche Offensiven, können jedoch weiterhin lokal begrenzte Gegenoffensiven in mehreren Gebieten starten.

Die Ukraine wird sich stattdessen wahrscheinlich stärker auf Hindernislinien, alle Arten von Drohnen, insbesondere UGVs (Bodendrohnen) für Nachschub, Offensiven und medizinische Evakuierungen, sowie Flugdrohnen für alle Arten von Missionen, insbesondere für die Sperrung von Gebieten in einer Entfernung von 10 bis 20 km von der Front, verlassen, da die ukrainische Armee sich derzeit hauptsächlich auf eine defensive Rolle konzentriert.

Auf diplomatischer Ebene sind Ergebnisse unwahrscheinlich, es sei denn, ein unerwartetes Ereignis, z. B. ausgelöst durch Donald Trump, führt zu Veränderungen in der Ukraine – oder ein entscheidender militärischer Vorstoß verändert etwas signifikant an der derzeitigen Situation.

Clément Molin studiert Internationale Beziehungen an der Katholischen Universität Lille. Er verfolgt den Krieg in der Ukraine und andere Konflikte auf seinem populären X-Account (Externer Link: https://x.com/clement_molin?lang=de), wo er regelmäßig neue Updates, Analysen und Karten über die Lage vor allem im Donbas bereitstellt. Er ist Mitbegründer des Thinktanks Atum Mundi, der sich auf die Beobachtung internationaler Beziehungen und bewaffneter Konflikte spezialisiert hat.