Themen Mediathek Shop Lernen Veranstaltungen kurz&knapp Die bpb Meine Merkliste Geteilte Merkliste PDF oder EPUB erstellen Mehr Artikel im

Frauen in der Migration: Ein Überblick in Zahlen | Frauen in der Migration | bpb.de

Frauen in der Migration Migration qualifizierter Frauen in der EU Selbstorganisation geflüchteter Frauen* "Gastarbeiterinnen" in der Bundesrepublik Deutschland Ein Überblick in Zahlen Migration und Geschlechterrollen Frauen auf der Flucht Interview Zahlenwerk: Frauen mit Migrationshintergrund in Deutschland Integrationskurse Geschlechtsbezogene Verfolgung – Rechtlicher Schutz Geflüchtete Frauen in Deutschland

Frauen in der Migration: Ein Überblick in Zahlen

Vera Hanewinkel Christina Mecke

/ 11 Minuten zu lesen

Migration wird oft als männliches Phänomen wahrgenommen. Dabei machen Frauen weltweit etwa die Hälfte der Migrierten aus, in einigen Weltregionen überwiegt ihr Anteil an der Migration.

Menschen auf der sog. Windrose, Mosaik im Eingangsbereich des Padrão dos Descobrimentos (Denkmal der Entdeckungen) im Stadtteil Belém in Lissabon. (© picture-alliance, Presse-Bild-Poss)

Hinweis

Die ursprüngliche Version dieses Textes wurde am 13.11.2018 veröffentlicht und am 14.07.2026 aktualisiert.

Geflüchtete und migrierte Frauen werden in der wissenschaftlichen und öffentlichen Wahrnehmung häufig kaum beachtet. In der Migrationsgeschichte wurden sie lange schlicht vergessen, weil sich Studien hauptsächlich auf männliche Akteure im Wanderungsgeschehen konzentrierten. So galten beispielsweise Bildungs- und Erwerbsmigration lange Zeit fast ausschließlich als männliche Angelegenheit, obwohl auch Frauen zu jeder Zeit an diesen Wanderungen beteiligt waren. Dies liegt auch daran, dass Frauen in westlichen Gesellschaften lange kaum als Akteurinnen am Arbeitsmarkt wahrgenommen wurden. Als sich im 19. und 20. Jahrhundert der Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft vollzog, ging dies auch mit einer Trennung des Familien- und Erwerbsbereichs einher: Häusliche, unbezahlte Arbeit wurde dabei meistens Frauen zugewiesen, während die außerhäusliche Lohnarbeit vor allem von Männern ausgeübt wurde. Das bürgerliche Familienbild mit seinen Vorstellungen geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung verbreitete sich: Demnach galten Männer als Familienernährer, während Frauen sich um den Haushalt und die Kindererziehung kümmern sollten. Das Modell und Idealbild der Hausfrau entstand und setzte sich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts als Norm in westlichen Gesellschaften durch. Gerade in Arbeiterfamilien reichte der Lohn des Mannes jedoch häufig nicht aus, um die Familie zu ernähren. Frauen mussten also auch einer Lohnarbeit nachgehen. Gesellschaftlich wurde diese allerdings eher als „Zubrot“ verstanden, häufig wurden ihnen deutlich geringere Löhne gezahlt als männlichen Arbeitern.

In der Wahrnehmung blieb die Erwerbsarbeit von Frauen vor diesem Hintergrund lange Zeit unterbelichtet. Das gilt auch für Migrantinnen. Häufig waren und sind sie im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen und der Sorgearbeit tätig, welche vielfach nicht als reguläre Berufstätigkeit gelten. Zudem erfolgen sie in den meisten Fällen in einem prekären, informellen Arbeitsverhältnis. Auch deshalb bleiben Migrantinnen oft unsichtbar – in vielen Statistiken tauchen sie nicht auf.

Die in der Migrationsforschung in den 1960er und 1970er Jahren gängigen Theorien betrachteten Migration als männliches Phänomen. Impulse für ein Umdenken in der Migrationsforschung kommen seit Ende der 1970er Jahre aus der Frauen- und Geschlechterforschung. Obwohl seit den 1980er Jahren (spätestens seit 1993) vermehrt die Erfahrungen von Migrantinnen in den Blick rücken, konzentrieren sich in der Migrationsforschung die meisten Studien weiterhin auf Interner Link: Migranten oder erheben die Geschlechtszugehörigkeit nicht. Daraus resultiert nicht zuletzt ein Mangel an nach Geschlechtern ausgewiesenen Statistiken. Der Prototyp des Migranten scheint somit immer noch der Mann zu sein, auch wenn knapp die Hälfte der Menschen, die weltweit migrieren, Frauen sind und es in vielen Weltregionen mehr weibliche als männliche Eingewanderte gibt.

Zahlenwerk: Frauenmigration global...

Weltweit lebten Mitte 2024 nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) schätzungsweise 304 Millionen Menschen nicht in dem Land, in dem sie geboren wurden oder dessen Staatsangehörigkeit sie besitzen. Knapp die Hälfte (Externer Link: 48 Prozent) davon waren Frauen. Insbesondere in Zentral- (57 Prozent), Ost- (54,1 Prozent) und Südasien (52 Prozent) sowie in Europa (51,5 Prozent) hatten Frauen einen höheren Anteil am Migrationsgeschehen. In Regionen, die von der UN als stärker entwickelt (more developed) bezeichnet werden, ist der Anteil der Frauen seit 1990 konstant bei ungefähr 51,5 Prozent geblieben, während er in weniger entwickelten Regionen seitdem zurückgegangen ist (2000: 46,4 Prozent, 2024: 43,9 Prozent).

In Asien, Afrika und Lateinamerika waren Mitte 2024 Migranten in der Überzahl, während in Europa, Nordamerika und Ozeanien Migrantinnen den größeren Teil der migrantischen Bevölkerung stellten. Dies liegt primär an Alterungsprozessen in der bereits seit Jahrzehnten in diesen Ländern lebenden Einwandererbevölkerung: Aufgrund der höheren Lebenserwartung von Frauen nimmt der Anteil von Migrantinnen in höheren Altersklassen zu. Den höchsten Frauenanteil unter den international Migrierten registrierte im Jahr 2024 Nepal (69,9 Prozent), gefolgt von der Slowakei (61,4 Prozent), Polen und Lettland (jeweils 59,5 Prozent).

…und in Deutschland

In Deutschland lebten Ende 2025 knapp 14,1 Millionen ausländische Staatsangehörige, 47,7 Prozent davon waren Frauen. Nicht alle ausländischen Personen sind jedoch eingewandert: Jede achte Person mit ausländischer Staatsangehörigkeit (11,9 Prozent, ca. 1,7 Millionen) wurde in Deutschland geboren. Darüber hinaus gibt es Menschen, die nach Deutschland eingewandert sind und sich nach langjährigem Aufenthalt hier haben einbürgern lassen bzw. als (Spät-)Aussiedler/-innen unmittelbar nach der Ankunft in der Bundesrepublik die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten haben. An ihrem Pass lässt sich also nicht ablesen, dass es sich um Eingewanderte handelt. 2024 verfügten rund 5,8 Millionen deutsche Staatsangehörige über eigene Migrationserfahrung, gut drei Millionen davon waren Frauen (52 Prozent).

Die Palette der Gründe, warum Frauen migrieren, ist breit, ihre Migrationsmotive unterscheiden sich in der Regel nicht von denen der Männer: Einige gehen auf der Suche nach Arbeit oder besseren Karrierechancen in ein anderes Land; andere ziehen ihren bereits migrierten (Ehe-)Partnern oder anderen Familienangehörigen hinterher. Manche studieren im Ausland, machen dort ein Praktikum oder absolvieren einen Freiwilligendienst. Auch kann aus einem auf kurze Zeit angelegten Auslandsaufenthalt eine dauerhafte Verlagerung des Lebensmittelpunktes in ein anderes Land werden; der Verbleib im Ausland erfolgt dann etwa aus persönlichen Gründen (z.B. Familiengründung) oder weil sich die Teilhabechancen an zentralen gesellschaftlichen Bereichen wie dem Arbeitsmarkt als günstiger erweisen.

Die Entscheidung zur Migration ist dabei nicht immer eine freiwillige. In manchen Fällen bedrohen Krieg, Verfolgung und Gewalt das eigene Leben und machen einen Fortzug zur notwendigen Überlebensstrategie. Zu den internationalen Migrant/-innen zählen daher auch geflüchtete Menschen.

Zahlen zu geflüchteten Frauen

Ende 2025 gab es nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) weltweit 27 Millionen anerkannte Flüchtlinge, die unter dem Mandat des UNHCR standen. Gut die Hälfte davon war weiblich. Allerdings schwankt der Anteil der Frauen an der Flüchtlingsbevölkerung von Land zu Land und Region zu Region. So waren Ende 2025 beispielsweise 51 Prozent der Flüchtlinge in Ostafrika weiblich, während dies in Westeuropa bei 47 Prozent der Fall war.

In Deutschland lebten Ende 2025 rund 1,3 Millionen Personen mit Asylberechtigung, Flüchtlingsschutz, subsidiärem Schutz oder Abschiebeverbot, darunter 519.573 Frauen (rund 40 Prozent). In diesen Zahlen spiegelt sich die hohe, männlich dominierte Fluchtzuwanderung der letzten Jahre wider, wobei der Frauenanteil im Vergleich zu 2018, als dieser bei 35,1 Prozent lag, leicht zugenommen hat. 2025 stellten 113.236 Menschen einen Erstantrag auf Asyl in der Bundesrepublik (50,7 Prozent weniger als im Vorjahr), davon waren 40,6 Prozent weiblich (45.995). Das Hauptherkunftsland von Asylantragstellenden war zum ersten Mal seit 2014 nicht Syrien, sondern Afghanistan mit 23.972 Asylerstanträgen. 43,4 Prozent der afghanischen Asylantragstellenden waren Frauen.

Neben Geflüchteten, die über das reguläre Asylverfahren nach Deutschland gekommen sind, lebten Ende April 2026 rund 1,3 Millionen geflüchtete ukrainische Staatsangehörige in Deutschland. Diesen wird vergleichsweise unbürokratisch ein temporärer Schutzstatus nach der „Massenzustromrichtlinie“ der EU gewährt. Der Großteil der ukrainischen Geflüchteten ist weiblich (ca. 57 Prozent), auch wenn 2025 erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf das gesamte Gebiet der Ukraine am 24. Februar 2022 mehr Männer als Frauen aus der Ukraine in Deutschland Schutz suchten.

In der EU-27 lag 2025 unter Geflüchteten der Anteil von Frauen bei etwas mehr als einem Drittel aller Asylerstantragstellenden (34,9 Prozent) und damit höher als in den Vorjahren; in den Jahren 2016 bis 2019 war der Frauenanteil zwischendurch auch auf bis zu 37 Prozent gestiegen. Ein Grund für den wachsenden Frauenanteil an der Asylmigration in die EU (und damit auch nach Deutschland) lag vermutlich darin, dass wichtige Asylländer wie Interner Link: Schweden und Interner Link: Deutschland den Familiennachzug zu bereits dort lebenden Geflüchteten ab 2015 eingeschränkt hatten. Dies führte in der Folge dazu, dass mehr Frauen (und auch Kinder) selbst die Flucht nach Europa antraten. Untersuchungen im Erstankunftsland Griechenland bestätigten diese Einschätzung: Dort befragte geflüchtete Frauen gaben häufig an, auf dem Weg in andere europäische Staaten zu sein, wo bereits Familienangehörige Zuflucht gefunden hatten. Waren im Juni 2015 27 Prozent der in Griechenland angekommenen Geflüchteten Frauen und Kinder , stieg ihr Anteil bis Dezember 2016 auf 55 Prozent. Ob sich ähnliche Effekte auch infolge des von Österreich im April und Deutschland im Juli 2025 erneut vorübergehend ausgesetzten Familiennachzugs zu subsidiär Schutzberechtigten zeigen werden, bleibt abzuwarten.

Flucht nach Europa

Insbesondere Frauen, die allein auf der Flucht sind und nicht etwa mit männlichen Verwandten, laufen Gefahr, auf dem Weg nach Europa sexuelle Gewalt zu erfahren oder Opfer von Interner Link: Menschenhandel zu werden. Die geringen Möglichkeiten, über legale und sichere Wege wie Interner Link: Resettlement in Europa Schutz zu finden, die zudem immer weiter abgebaut werden, erhöhen die Verwundbarkeit männlicher und weiblicher Geflüchteter. Oft sind sie auf die Dienste von Interner Link: Schlepper/-innen angewiesen, um in die EU einreisen und einen Asylantrag stellen zu können. Das ungleiche Machtverhältnis zwischen Schlepper/-in und Klient/-in erhöht dabei das Risiko, ausgebeutet und Opfer von Menschenhandel zu werden. Aufgrund der schwierigen Datenlage gibt es allerdings keine genauen Zahlen, wie viele Schutzsuchende weltweit von Menschenhandel betroffen sind. Die Vereinten Nationen schätzen zuletzt, dass 2022 weltweit knapp zwei Drittel der Opfer von Menschenhandel Frauen (39 Prozent aller ermittelten Menschenhandelsopfer) und Mädchen (22 Prozent) waren. Durch die Überschneidung der Merkmale „Frau“ und „Schutzsuchende“ besteht für geflüchtete Frauen ein erhöhtes Risiko, betroffen zu sein. Während Männer auf der Flucht mit zum Beispiel physischer Gewalt, Kidnapping, Zwangsarbeit oder Haft konfrontiert werden können – insbesondere dann, wenn sie allein reisen (was sie häufiger als Frauen tun) –, besteht für schutzsuchende Frauen ein höheres Risiko, sexualisierte oder geschlechtsspezifische Gewalt zu erleben.

Feminisierung der Migration

Die Zahl internationaler Migrant_innen hat im Rahmen der Interner Link: Globalisierung zugenommen. Zunehmende grenzüberschreitende (ökonomische) Vernetzung sowie sinkende Transport- und Kommunikationskosten begünstigen nicht nur den Fluss von Waren und Dienstleistungen, sondern auch die Mobilität von Menschen. In den meisten Weltregionen ist der Anteil von Frauen am grenzüberschreitenden Migrationsgeschehen seit der erstmaligen Erfassung im Jahr 1990 leicht angestiegen. Die Gründe dafür sind vielfältig. So migrieren Frauen weiterhin häufig aus familiären Gründen: Sie ziehen gemeinsam mit ihren (Ehe-)Partnern in ein anderes Land oder reisen ihnen zeitversetzt im Rahmen der Familienzusammenführung nach. Frauen migrieren aber auch verstärkt unabhängig. Die global steigende Bildungs- und Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen trägt dazu bei, dass sich der Zugang von Frauen zu Wissen, Informationen und (finanziellen) Ressourcen verbessert. Damit wird (grenzüberschreitende) Mobilität häufig überhaupt erst möglich.

Die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen in vielen Zielländern internationaler Migrationsbewegungen lässt zudem Arbeitsplätze in Haushalt, Betreuung und Pflege entstehen, die zunehmend von Migrantinnen ausgeübt werden. Die Nachfrage nach (gering qualifizierten) Arbeitskräften in Hilfsberufen, insbesondere im Pflegebereich, wächst auch vor dem Hintergrund alternder Bevölkerungen – vor allem in Europa und Nordamerika. Weltweit arbeiten mehrere Millionen Migrant/-innen, zumeist Frauen, in Privathaushalten Interner Link: als z. B. Reinigungskräfte, Pflegerinnen oder Babysitterinnen. Insgesamt waren 2022 38,7 Prozent (64,9 Millionen) aller statistisch erfassten migrantischen Arbeitskräfte weltweit weiblich.

Die skizzierten Prozesse begünstigen die Herausbildung einer nachfrageorientierten, unabhängigen Arbeitsmigration von Frauen. Viele Frauen migrieren allein und lassen (Ehe-)Partner, manchmal auch Kinder im Herkunftsland zurück. Interner Link: Dies lässt sich beispielsweise in einigen Regionen Südostasiens beobachten. In manchen Fällen haben (migrierte) Frauen in ihren Familien die Position der Haupternährerin übernommen. Interner Link: Rücküberweisungen von Migrantinnen in ihre Herkunftsländer leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Haushaltseinkommen und damit zum wirtschaftlichen Wohlergehen ihrer Angehörigen, sondern auch zur Interner Link: Entwicklung ihrer Herkunftsländer.

Das zeigt: Frauen können durch Migration einen höheren Grad an Interner Link: Autonomie und Selbstbestimmung gewinnen. Ihre (grenzüberschreitende) Mobilität kann die Veränderung von traditionellen Geschlechterrollen begünstigen – aber auch zu deren Stabilisierung beitragen. Denn die Arbeit von Migrantinnen in haushaltsnahen Tätigkeiten in den jeweiligen Zielländern, ermöglicht es Männern, sich nicht stärker im Haushalt, in der Kinderbetreuung oder der Pflege älterer Familienangehöriger einbringen zu müssen, obwohl ihre (Ehe-)Partnerinnen erwerbstätig sind. Lassen wiederum Migrantinnen ihre Kinder in den Herkunftsländern zurück, sind es oft nicht die Väter, die sich um ihre Kinder kümmern, sondern weibliche Familienangehörige, etwa Großmütter oder Tanten (sogenannte „care chains“). Das zeigt, dass auf beiden Seiten, den Herkunfts- als auch Aufnahmeländern, die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern weitgehend stabil bleiben kann – trotz oder gerade wegen der Migrationsbewegungen von Frauen.

Obwohl Frauen verstärkt aus eigenständigen Gründen migrieren, werden sie häufig nicht als aktive Gestalterinnen ihrer eigenen Biografien wahrgenommen – sondern als Ausnahme oder als Folge der Migration von Männern. Frauen begleiten in dieser Wahrnehmung also lediglich ihre migrierenden (Ehe-)Partner oder ziehen ihnen nach. Ihre Migration ist in diesem Sinne abhängig von der Entscheidung und dem Migrationsstatus anderer, womit ihnen Passivität zugeschrieben wird. Ebenso werden in Debatten über eingewanderte Frauen häufig ihre vielfältigen Lebensrealitäten übersehen und Stereotype wirksam, was seinerseits wieder ihren Handlungsspielraum beschränken kann. Zusammenfassend lässt sich festhalten: Migration ist nicht geschlechtsneutral, denn Männer und Frauen machen sehr unterschiedliche Erfahrungen in der Migration. Dies gilt für jede Phase des Migrationsprozesses, etwa die Entscheidungsfindung, den Migrationsweg – also die eigentliche Reise in ein anderes Land –, dort stattfindende gesellschaftliche Teilhabe- und Partizipationsprozesse (Integration) sowie Überlegungen zur Rückkehr oder Weiterwanderung. Gerahmt werden diese Prozesse durch migrationspolitische Regelungen zu Einreise, Verbleib und Erwerbstätigkeit, die ebenfalls nicht immer geschlechtsneutral sind.

Dieser Artikel ist Teil des Kurzdossiers Interner Link: Frauen in der Migration.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Das 1993 erschienene Werk "Age of Migration" von Stephen Castles und Marc Miller weist auf die "Feminisierung der Migration" hin und bezeichnet diese als ein Charakteristikum des "Zeitalters der Migration". 1990 hatten die Vereinten Nationen bereits die Expert_innengruppe "International Migration Policies and the Status of Female Migrants" eingerichtet, die erstmals eine globale Schätzung zur Anzahl von Migrantinnen erstellte.

  2. Die Daten ergeben sich aus eigenen Berechnungen basierend auf Externer Link: Annex 8 des UNHCR-Berichts „Global Trends 2025“ und beziehen sich auf die Externer Link: Geographic Regions der UN. Es handelt sich um Näherungswerte, da nicht für alle Länder für 100 Prozent der Flüchtlingsbevölkerung nach Geschlecht ausgewiesene Statistiken vorliegen. Berücksichtigt wurde zudem nur die Kategorie „Refugees“ unter dem Mandat des UNHCR – ohne Personen in flüchtlingsähnlicher Situation (people in a refugee-like situation), andere Personen mit Bedarf an internationalem Schutz (other people in need of international protection) und Palästinensische Flüchtlinge unter Mandat des Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA).

  3. In den Statistiken des UNHCR werden Frauen und Kinder häufig als eine Kategorie ausgewiesen; Frauen werden dann nicht gesondert aufgeführt, Kinder gelten als „geschlechtsneutral“, es wird daher nicht zwischen Jungen und Mädchen unterschieden. Dies macht es schwierig, Aussagen über die Zahl bzw. den prozentualen Anteil von Frauen und Mädchen auf der Flucht zu treffen.

  4. 1990 erstellte die Expert:innengruppe „International Migration Policies and the Status of Female Migrants“ der Vereinten Nationen erstmals eine globale Schätzung zur Anzahl von Migrantinnen. Da es davor keine nach Geschlechtern ausgewiesenen Statistiken zum weltweiten Migrationsgeschehen gab, lässt sich nicht sagen, ob der Frauenanteil an internationalen Migrationen in den Jahrzehnten zuvor höher oder niedriger lag. Siehe dazu auch das Kapitel „Migration und Geschlecht“ in: Schwenken, Helen (2018): Globale Migration zur Einführung. Hamburg.

  5. Lutz, Helma/Amelina, Anna (2017): Gender, Migration, Transnationalisierung: Eine intersektionelle Einführung. Bielefeld.

  6. Le Goff, Laelan (2016): Feminization of migration and trends in remittances. IZA World of Labor. Externer Link: https://wol.iza.org/articles/feminization-of-migration-and-trends-in-remittances/long (Zugriff: 11.10.2018).

  7. Morokvasic, Mirjana (2009): Migration, Gender, Empowerment. In: Lutz, Helma (Hg.): Gender Mobil? Geschlecht und Migration in transnationalen Räumen. Münster, S. 28-51.

  8. Lutz, Helma/Amelina, Anna (2017): Gender, Migration, Transnationalisierung: Eine intersektionelle Einführung. Bielefeld.

  9. Boyd, Monica/Grieco, Elizabeth (2003): Women and Migration: Incorporating Gender into International Migration Theory. Migration Policy Institute: Migration Information Source, 1. März. Externer Link: https://www.migrationpolicy.org/article/women-and-migration-incorporating-gender-international-migration-theory/ (Zugriff: 11.10.2018).

Lizenz

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autoren/-innen: Vera Hanewinkel, Christina Mecke für bpb.de

Sie dürfen den Text unter Nennung der Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE und der Autoren/-innen teilen.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.
Sie wollen einen Inhalt von bpb.de nutzen?

Weitere Inhalte

Vera Hanewinkel ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück.
E-Mail: E-Mail Link: vera.hanewinkel@uni-osnabrueck.de

ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück.