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Die ursprüngliche Version dieses Textes wurde am 13.11.2018 veröffentlicht und am 14.07.2026 aktualisiert.
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Migration wird oft als männliches Phänomen wahrgenommen. Dabei machen Frauen weltweit etwa die Hälfte der Migrierten aus, in einigen Weltregionen überwiegt ihr Anteil an der Migration.
Die ursprüngliche Version dieses Textes wurde am 13.11.2018 veröffentlicht und am 14.07.2026 aktualisiert.
Geflüchtete und migrierte Frauen werden in der wissenschaftlichen und öffentlichen Wahrnehmung häufig kaum beachtet. In der Migrationsgeschichte wurden sie lange schlicht vergessen, weil sich Studien hauptsächlich auf männliche Akteure im Wanderungsgeschehen konzentrierten. So galten beispielsweise Bildungs- und Erwerbsmigration lange Zeit fast ausschließlich als männliche Angelegenheit, obwohl auch Frauen zu jeder Zeit an diesen Wanderungen beteiligt waren. Dies liegt auch daran, dass Frauen in westlichen Gesellschaften lange kaum als Akteurinnen am Arbeitsmarkt wahrgenommen wurden. Als sich im 19. und 20. Jahrhundert der Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft vollzog, ging dies auch mit einer Trennung des Familien- und Erwerbsbereichs einher: Häusliche, unbezahlte Arbeit wurde dabei meistens Frauen zugewiesen, während die außerhäusliche Lohnarbeit vor allem von Männern ausgeübt wurde. Das bürgerliche Familienbild mit seinen Vorstellungen geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung verbreitete sich: Demnach galten Männer als Familienernährer, während Frauen sich um den Haushalt und die Kindererziehung kümmern sollten. Das Modell und Idealbild der Hausfrau entstand und setzte sich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts als Norm in westlichen Gesellschaften durch. Gerade in Arbeiterfamilien reichte der Lohn des Mannes jedoch häufig nicht aus, um die Familie zu ernähren. Frauen mussten also auch einer Lohnarbeit nachgehen. Gesellschaftlich wurde diese allerdings eher als „Zubrot“ verstanden, häufig wurden ihnen deutlich geringere Löhne gezahlt als männlichen Arbeitern.
In der Wahrnehmung blieb die Erwerbsarbeit von Frauen vor diesem Hintergrund lange Zeit unterbelichtet. Das gilt auch für Migrantinnen. Häufig waren und sind sie im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen und der Sorgearbeit tätig, welche vielfach nicht als reguläre Berufstätigkeit gelten. Zudem erfolgen sie in den meisten Fällen in einem prekären, informellen Arbeitsverhältnis. Auch deshalb bleiben Migrantinnen oft unsichtbar – in vielen Statistiken tauchen sie nicht auf.
Die in der Migrationsforschung in den 1960er und 1970er Jahren gängigen Theorien betrachteten Migration als männliches Phänomen. Impulse für ein Umdenken in der Migrationsforschung kommen seit Ende der 1970er Jahre aus der Frauen- und Geschlechterforschung. Obwohl seit den 1980er Jahren (spätestens seit 1993)
Weltweit lebten Mitte 2024 nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) schätzungsweise 304 Millionen Menschen nicht in dem Land, in dem sie geboren wurden oder dessen Staatsangehörigkeit sie besitzen. Knapp die Hälfte (Externer Link: 48 Prozent) davon waren Frauen. Insbesondere in Zentral- (57 Prozent), Ost- (54,1 Prozent) und Südasien (52 Prozent) sowie in Europa (51,5 Prozent) hatten Frauen einen höheren Anteil am Migrationsgeschehen. In Regionen, die von der UN als stärker entwickelt (more developed) bezeichnet werden, ist der Anteil der Frauen seit 1990 konstant bei ungefähr 51,5 Prozent geblieben, während er in weniger entwickelten Regionen seitdem zurückgegangen ist (2000: 46,4 Prozent, 2024: 43,9 Prozent).
In Asien, Afrika und Lateinamerika waren Mitte 2024 Migranten in der Überzahl, während in Europa, Nordamerika und Ozeanien Migrantinnen den größeren Teil der migrantischen Bevölkerung stellten. Dies liegt primär an Alterungsprozessen in der bereits seit Jahrzehnten in diesen Ländern lebenden Einwandererbevölkerung: Aufgrund der höheren Lebenserwartung von Frauen nimmt der Anteil von Migrantinnen in höheren Altersklassen zu. Den höchsten Frauenanteil unter den international Migrierten registrierte im Jahr 2024 Nepal (69,9 Prozent), gefolgt von der Slowakei (61,4 Prozent), Polen und Lettland (jeweils 59,5 Prozent).
In Deutschland lebten Ende 2025 knapp 14,1 Millionen ausländische Staatsangehörige, 47,7 Prozent davon waren Frauen. Nicht alle ausländischen Personen sind jedoch eingewandert: Jede achte Person mit ausländischer Staatsangehörigkeit (11,9 Prozent, ca. 1,7 Millionen) wurde in Deutschland geboren. Darüber hinaus gibt es Menschen, die nach Deutschland eingewandert sind und sich nach langjährigem Aufenthalt hier haben einbürgern lassen bzw. als (Spät-)Aussiedler/-innen unmittelbar nach der Ankunft in der Bundesrepublik die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten haben. An ihrem Pass lässt sich also nicht ablesen, dass es sich um Eingewanderte handelt. 2024 verfügten rund 5,8 Millionen deutsche Staatsangehörige über eigene Migrationserfahrung, gut drei Millionen davon waren Frauen (52 Prozent).
Die Palette der Gründe, warum Frauen migrieren, ist breit, ihre Migrationsmotive unterscheiden sich in der Regel nicht von denen der Männer: Einige gehen auf der Suche nach Arbeit oder besseren Karrierechancen in ein anderes Land; andere ziehen ihren bereits migrierten (Ehe-)Partnern oder anderen Familienangehörigen hinterher. Manche studieren im Ausland, machen dort ein Praktikum oder absolvieren einen Freiwilligendienst. Auch kann aus einem auf kurze Zeit angelegten Auslandsaufenthalt eine dauerhafte Verlagerung des Lebensmittelpunktes in ein anderes Land werden; der Verbleib im Ausland erfolgt dann etwa aus persönlichen Gründen (z.B. Familiengründung) oder weil sich die Teilhabechancen an zentralen gesellschaftlichen Bereichen wie dem Arbeitsmarkt als günstiger erweisen.
Die Entscheidung zur Migration ist dabei nicht immer eine freiwillige. In manchen Fällen bedrohen Krieg, Verfolgung und Gewalt das eigene Leben und machen einen Fortzug zur notwendigen Überlebensstrategie. Zu den internationalen Migrant/-innen zählen daher auch geflüchtete Menschen.
Ende 2025 gab es nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) weltweit 27 Millionen anerkannte Flüchtlinge, die unter dem Mandat des UNHCR standen. Gut die Hälfte davon war weiblich. Allerdings schwankt der Anteil der Frauen an der Flüchtlingsbevölkerung von Land zu Land und Region zu Region. So waren Ende 2025 beispielsweise 51 Prozent der Flüchtlinge in Ostafrika weiblich, während dies in Westeuropa bei 47 Prozent der Fall war.
In Deutschland lebten Ende 2025 rund 1,3 Millionen Personen mit Asylberechtigung, Flüchtlingsschutz, subsidiärem Schutz oder Abschiebeverbot, darunter 519.573 Frauen (rund 40 Prozent). In diesen Zahlen spiegelt sich die hohe, männlich dominierte Fluchtzuwanderung der letzten Jahre wider, wobei der Frauenanteil im Vergleich zu 2018, als dieser bei 35,1 Prozent lag, leicht zugenommen hat. 2025 stellten 113.236 Menschen einen Erstantrag auf Asyl in der Bundesrepublik (50,7 Prozent weniger als im Vorjahr), davon waren 40,6 Prozent weiblich (45.995). Das Hauptherkunftsland von Asylantragstellenden war zum ersten Mal seit 2014 nicht Syrien, sondern Afghanistan mit 23.972 Asylerstanträgen. 43,4 Prozent der afghanischen Asylantragstellenden waren Frauen.
Neben Geflüchteten, die über das reguläre Asylverfahren nach Deutschland gekommen sind, lebten Ende April 2026 rund 1,3 Millionen geflüchtete ukrainische Staatsangehörige in Deutschland. Diesen wird vergleichsweise unbürokratisch ein temporärer Schutzstatus nach der „Massenzustromrichtlinie“ der EU gewährt. Der Großteil der ukrainischen Geflüchteten ist weiblich (ca. 57 Prozent), auch wenn 2025 erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf das gesamte Gebiet der Ukraine am 24. Februar 2022 mehr Männer als Frauen aus der Ukraine in Deutschland Schutz suchten.
In der EU-27 lag 2025 unter Geflüchteten der Anteil von Frauen bei etwas mehr als einem Drittel aller Asylerstantragstellenden (34,9 Prozent) und damit höher als in den Vorjahren; in den Jahren 2016 bis 2019 war der Frauenanteil zwischendurch auch auf bis zu 37 Prozent gestiegen. Ein Grund für den wachsenden Frauenanteil an der Asylmigration in die EU (und damit auch nach Deutschland) lag vermutlich darin, dass wichtige Asylländer wie
Insbesondere Frauen, die allein auf der Flucht sind und nicht etwa mit männlichen Verwandten, laufen Gefahr, auf dem Weg nach Europa sexuelle Gewalt zu erfahren oder Opfer von
Die Zahl internationaler Migrant_innen hat im Rahmen der
Die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen in vielen Zielländern internationaler Migrationsbewegungen lässt zudem Arbeitsplätze in Haushalt, Betreuung und Pflege entstehen, die zunehmend von Migrantinnen ausgeübt werden.
Die skizzierten Prozesse begünstigen die Herausbildung einer nachfrageorientierten, unabhängigen Arbeitsmigration von Frauen. Viele Frauen migrieren allein und lassen (Ehe-)Partner, manchmal auch Kinder im Herkunftsland zurück.
Das zeigt: Frauen können durch Migration einen höheren Grad an
Obwohl Frauen verstärkt aus eigenständigen Gründen migrieren, werden sie häufig nicht als aktive Gestalterinnen ihrer eigenen Biografien wahrgenommen – sondern als Ausnahme oder als Folge der Migration von Männern. Frauen begleiten in dieser Wahrnehmung also lediglich ihre migrierenden (Ehe-)Partner oder ziehen ihnen nach.
Dieser Artikel ist Teil des Kurzdossiers
Vera Hanewinkel ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück.
E-Mail: E-Mail Link: vera.hanewinkel@uni-osnabrueck.de
ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück.