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Ausgangsbedingungen Marshallplan

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Ausgangsbedingungen Marshallplan Wirtschafts- und Versorgungssituation in den Westzonen

Dr. Elke Kimmel

/ 3 Minuten zu lesen

Der Winter 1946/47 war in ganz Europa sehr hart: In den westlichen Besatzungszonen Deutschlands sanken die Lebensmittelrationen auf ein extrem niedriges Niveau, das US-Hilfsprogramm GARIOA konnte nur das Schlimmste verhindern. Gleichzeitig herrschte eine extreme Kälte, die dadurch verschlimmert wurde, dass in ganz Europa zu wenig Heizmittel zur Verfügung standen.

Karikatur auf den Schwarzhandel (© Deutsches Historisches Museum)

Tatsächlich wurde zwar im Ruhrgebiet wieder mehr Kohle gefördert, die Transportkapazitäten reichten aber nicht aus, um diese auch an ihre Einsatzorte zu bringen. Die Eisenbahn-Infrastruktur war immer noch stark kriegsgeschädigt und ein Ausweichen auf die Binnenschifffahrt war unmöglich, da die Kanäle zugefroren waren. Hungerdemonstrationen im Ruhrgebiet ließen im Frühjahr 1947 die Gefahr real erscheinen, dass auch Westdeutschland kommunistisch werden könnte. Zudem drohte der zaghafte Wiederaufbau im Ruhrgebiet nun abermals ins Stocken zu geraten.

Zwar entspannte sich die Lage im Sommer 1947, aber für den nächsten Winter war Schlimmeres zu befürchten, wenn nicht notwendige Schritte zur Wiederbelebung der westdeutschen Wirtschaft eingeleitet würden. Tatsächlich gelang es im Laufe des Jahres drei Kernbereiche entscheidend zu beleben: – Transportwesen, Bergbau und Ernährungswirtschaft. Ausschlaggebend war dabei nicht der verstärkte Einsatz von Mitteln gewesen, sondern eine verbesserte Organisation sowie die Konzentration auf Schwerpunktbereiche der Wirtschaft. Für die Bevölkerung hatte dies zunächst – abgesehen von der Beseitigung schlimmster Mangelerscheinungen – kaum Auswirkungen. Die Versorgung mit Konsumgütern blieb schlecht, der Warenaustausch zwischen Stadt und Land war zusammengebrochen. Viele Güter gab es nur auf dem "Schwarzen Markt".

Razzia auf dem Schwarzmarkt. (© Deutsches Historisches Museum)

Wiederaufbau und Reparationen

Im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau spielten die Reparationen eine wichtige Rolle. Seit Juni 1946 sollten alle Reparationsgüter über die Konten der Brüsseler Interalliierten Reparationsagentur verrechnet werden, die auch für die Bewertung der Anlagen zuständig war. Dabei entsprachen die Eintragungen häufig nicht den tatsächlichen Verlusten, welche die Demontagen hinterließen. Für die USA waren die Demontagen vor allem deswegen ärgerlich, weil sie als einzige Siegermacht geringen Anteil an diesen Demontagen hatten. Im Gegenteil: Sie finanzierten sie teilweise über Hilfsprogramme und kamen damit indirekt für die Reparationen auf. Einen wirtschaftlich stabilen Wiederaufbau konnten sie so aber nicht erreichen.

Die Lage in Europa

Die USA benötigten aus verschiedenen Gründen eine stabile Lage in Deutschland und Europa. Zum einen brauchte man zuverlässige Handelspartner, um den eigenen Export und damit die eigene Wirtschaft zu sichern. Zum anderen sorgte man sich in den USA auch um die politischen Verhältnisse in Westeuropa: In Frankreich und Italien schienen kommunistische Parteien kurz vor einem Wahlsieg und in den westdeutschen Gebieten ließ die Unzufriedenheit in der Bevölkerung ebenfalls das Schlimmste befürchten. Die Schaffung einer möglichst breiten besitzenden Bevölkerungsschicht in den europäischen Staaten schien ein probates Gegenmittel zur Eindämmung des Kommunismus.

Ein Haupthindernis für funktionierende Handelsbeziehungen zwischen Europa und den USA stellte die "Dollarknappheit" der europäischen Staaten dar. Die europäischen Währungen waren nicht konvertierbar, d.h. auf den internationalen Märkten nicht zu verwenden. Importe aus den USA wurden nur in Bereichen getätigt, in denen sie unumgänglich waren, da man Devisen "sparen" musste. Es musste also eine Lösung gefunden werden, die einerseits Exporte aus den USA zuließ und förderte, und andererseits den europäischen Staaten und Wirtschaften ihre Dollarreserven beließ. Der im Laufe des Jahres 1947 ausgearbeitete Marshallplan setzte genau hier an.

Fussnoten

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Dr. Elke Kimmel, selbständige Historikerin.