Afrika

5.12.2005 | Von:
Pierrette Herzberger-Fofana

Die afrikanische Familie

Die "afrikanische Familie"

Jedes Familienmitglied bekleidet eine bestimmte Position in der Familie. Die Stellung des Einzelnen ergibt sich aus einer sehr starken Rangordnung, welche sich auf die Älteren und die Ahnen bezieht. Denn afrikanische Familien sind im Allgemeinen sehr religiös. Jeder kennt den ihm zugewiesenen Platz und weiß somit, wie er sich einbringen kann und bis wohin seine Kräfte reichen. Das gilt auch für die Festlegung der Geschlechterrollen.

Die Solidarität in traditionellen Gesellschaften

Marktverkäuferin in Ruanda mit ihrem Sohn.Marktverkäuferin in Ruanda mit ihrem Sohn. (© FAO/17621/ G. Diana)
Eine Familie funktioniert nicht ohne Solidarität und die afrikanische Solidarität ist legendär. Sie beruht auf Werten wie Gastfreundschaft, Menschlichkeit und einem ausgeprägten Sinn für eine gegenseitige Hilfe. Die Gastfreundschaft ist besonders ausgeprägt, einem Gast wird grundsätzlich die beste Unterkunft, die beste Schlafmatte oder das beste Bett angeboten. Es wird alles getan, um ihm eine Integration in die Gemeinschaft zu erleichtern.

Das Gebot der Menschlichkeit und der gegenseitigen Hilfe ist nur eine Konsequenz der allgemeinen Achtung vor dem Leben. Das Leben ist heilig. Jede Geburt, ob gewollt oder ungewollt, wird als Zeichen dafür begrüßt, dass die Götter der Gemeinschaft wohlwollend gesinnt sind und die Ahnen ihren Segen erteilt haben. Demnach wird in traditionellen Familien jede Geburt als eine Bereicherung der Gemeinschaft empfunden. Solche Prinzipien stehen im starken Gegensatz zu modernen Tendenzen der Familienplanung.

Die Fürsorge erstreckte sich schon immer auf alle Mitglieder der Gemeinschaft. Es gab daher keine Obdachlosen, wie man sie in Europa versteht, Menschen am Rande der Gesellschaft. Die desolaten Zustände an Armut und Hunger, die heutzutage viele Regionen in Afrika charakterisieren, wurden durch die Gemeinschaft aufgefangen. Dieses Gefühl der Verantwortung ist auch in der heutigen Zeit noch generationsübergreifend in den Köpfen der Afrikanerinnen und Afrikaner verankert, ein Grund, weshalb man wohl in Westafrika kein Altersheim finden wird.

Die Solidarität spiegelt sich in den glücklichen und unglücklichen Augenblicken des Lebens wie bei der Geburt, der Taufe, einer Hochzeit und in Todesfällen wider. In der traditionellen Gesellschaft werden solche Lebensabschnitte nicht nur von den direkt Betroffenen gemeistert, sondern von der Familie bis hin zur gesamten Gemeinschaft. Denn auch die Familie vergrößert sich durch Geburt, behauptet und verstärkt sich durch Allianzen und verringert sich durch Todesfälle. Solche Ereignisse werden daher von allen mitgetragen.


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