Afrika

5.12.2005 | Von:
Pierrette Herzberger-Fofana

Die afrikanische Familie

Die Familie im gesellschaftlichen Wandel

Mütter aus dem Senegal geben ihren Kindern Hirse und Milch zum Essen.Mütter aus dem Senegal geben ihren Kindern Hirse und Milch zum Essen. (© FAO/18794/I. Balderi)
Die beschriebenen Merkmale der Zusammengehörigkeit verlieren in einer modernen Gesellschaft zunehmend an Bedeutung und stoßen auf wachsende Widerstände. Man findet sie teilweise noch in ländlichen Gebieten, während sich im städtischen Raum schon seit Jahrzehnten eine Kultur des Individualismus herauszubilden begann, verstärkt durch das Entstehen von Klassengesellschaften. Solidarität wird durch Mitleid ersetzt und das eigene Vorankommen gewinnt an Priorität.

Die meisten sichtbaren Veränderungen sind in der Familienstruktur selbst festzustellen. Die Großfamilie ist in der Auflösung begriffen und einige, mit ihr verbundene Werte gehen unweigerlich verloren. Zahlreiche Risse haben sich in das Gebäude der afrikanischen Solidarität eingeschlichen. Sie sind zum Teil dem "unumkehrbaren" Vormarsch des Fortschritts geschuldet. Besonders bei den Afrikanern im städtischen Raum haben sich Reserviertheit, Vorbehalte und eine gewisse Gleichgültigkeit breit gemacht. Die Städter verhalten sich zurückhaltend gegenüber der entfernten Verwandtschaft und unerwartete Familienbesuche werden als Verletzung der privaten Sphäre empfunden. Im gleichen Maß zerbröckelt das Zugehörigkeitsgefühl zum Familienbund. Der Mensch bewegt sich in der Anonymität der Masse und passt sein eigenes Verhalten entsprechend an. Jegliche zusätzliche Person wird nicht mehr als Segen, sondern als Last empfunden. Vor allem die Sorge für ältere Menschen reduziert sich für viele auf eine Pflichterfüllung.

Familie auf dem Weg zum MarktFamilie auf dem Weg zum Markt (© Adelheid Hahmann)
Diese Entwicklung kam nicht von heute auf morgen. Während der Kolonialzeit hatte die Generation von älteren Menschen noch wenig unter diesen negativen Begleiterscheinungen der mit der Kolonialisierung Einzug haltenden 'Moderne' zu leiden. Ganz im Gegenteil. In dieser Epoche war das Zugehörigkeitsgefühl besonders intensiv ausgeprägt. Die bereits erwachsenen Kinder kamen häufig zurück ins Dorf, um sich Rat zu holen. Die Angst vor der fremden Herrschaft und der gemeinsame Widerstand verfestigten die Beziehungen zwischen den Altersgruppen. In dieser Atmosphäre wuchs die nachfolgende Generation älterer Menschen heran. Auch hier blieben die Familienbande noch intakt und gegenseitige Hilfe und Verantwortungsgefühl spielten in den persönlichen Beziehungen nach wie vor eine große Rolle. Die jetzige Generation ist dagegen bereits von den Folgen der sozialen Veränderungen betroffen. Die jungen Paare aus der Stadt kümmern sich nunmehr um ihre Eltern sozusagen auf Distanz. Ältere Menschen werden zunehmend seltener in Entscheidungsprozesse und in das Leben der Jüngeren einbezogen.


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